Freizeit
Ende des Wanderherbsts

Bergbahnen: Jetzt kommen die Schneekanonen zum Einsatz

René Koller, der Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG. (Bild: zvg)

Der Wanderherbst neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Die Bergbahnen in Sörenberg und auf den Titlis ziehen gute Bilanz. Für die Wintersaison stehen die Schneekanonen wieder bereit – Stromsparen ist an anderen Orten angesagt.

Am Wochenende rieselte der erste Schnee auf die Berge. Auf dem Titlis – der Gipfel liegt auf 3'020 Metern über Meer – sind rund 20 Zentimeter Neuschnee gefallen. Und auch tiefere Lagen sind teilweise schon fein eingezuckert.

Die Bergbahnbetreiber haben sich über den Schneefall gefreut. Zugleich bedeutet das Einrücken des Winters aber natürlich spätestens jetzt, dem Sommer Adieu zu sagen.

Bilanz der Sommersaison 2022

Zeit, Bilanz zu ziehen. Der Sommer war heiss und trocken, es gab nur wenig Niederschlag. Insgesamt war der Sommer 2022 der zweitheisseste seit Messbeginn 1864, wie «Meteo Schweiz» verkündete. Nur 2003 hatten die Durchschnittstemperaturen noch höher gelegen.

Und auch der Herbst war bis anhin mild. Es gab einige Tage, an denen das Thermometer die 20-Grad-Marke knackte. Auch der diesjährige Oktober war seit Messbeginn der wärmste. Dies hat zahlreiche Wanderinnen in die Berge gelockt.

Sowohl die Bergbahnen Sörenberg als auch die Titlis Bergbahnen und die Stoosbahnen AG sprechen von einem starken Sommer und einer «Herbstsaison in bester Erinnerung», wie eine Anfrage von zentralplus unter den Bergbahnen zeigt.

So haben die Stoosbahnen in diesem Sommer rund 15 Prozent mehr Gäste als noch im Vorjahr begrüsst. Auch die Bergbahnen Sörenberg verzeichneten einen starken Sommer. Per Ende August lagen sie 17 Prozent über dem Vorjahr – und 15 Prozent über dem 5-Jahresschnitt. «Das schöne Wetter und das Bedürfnis der Schweizer, in die Berge zu gehen, waren dafür ausschlaggebend», fasst Direktor René Koller zusammen.

Die Luftseilbahn aufs Brienzer Rothorn war jedoch im September und Oktober für zirka fünf Wochen geschlossen. Das wirkte sich auf die Besucherzahlen aus: Am Schluss lagen die Bergbahnen Sörenberg 2 Prozent über dem Vorjahr und 8 Prozent über dem 5-Jahresschnitt. Die Stoosbahnen können auf Anfrage noch keine genauen Zahlen kommunizieren.

«Winter küsst Herbst»:

Jetzt gibt's Schnee

Nach dem kurzen Wintermezzo vom Wochenende steigt bei den Skibegeisterten die Lust, sich baldmöglichst auf die Bretter zu schwingen. Und auch bei den Bergbahnen laufen die Vorbereitungen für die kommende Wintersaison auf Hochtouren. «Wir werden bereit sein, allenfalls früher als geplant in die Saison zu starten», lässt der Direktor der Bergbahnen Sörenberg verlauten. Das offizielle Winteropening ist auf den 10. Dezember geplant.

Die Titlis Bergbahnen sind bereits Mitte Oktober in die Skisaison gestartet: «Während drei Wochen war auf dem Titlis-Gletscher Skibetrieb», schreibt Fabian Appenzeller. Vorübergehend ist nun aber wieder Schluss. Denn an der Luftseilbahn Titlis Rotair werden Revisionsarbeiten vorgenommen. Deswegen ist der Skibetrieb bis am 18. November unterbrochen.

Schneekanonen im Einsatz – trotz Aufforderung zum Stromsparen

Im Kampf gegen grüne Pisten, milde Temperaturen und wenig Schnee setzen die Zentralschweizer Skigebiete regelmässig Schneekanonen ein.

Aber da ist ja auch die Sache mit der drohenden Strommangellage. Umweltschützerinnen haben deswegen bereits Ende August gefordert, dass im Notfall Schneekanonen verboten werden müssten.

«Der Energieverbrauch der technischen Beschneiungsanlagen in der ganzen Schweiz liegt bei 0,1 Prozent.»

René Koller, Direktor Sörenberg Bergbahnen

Für die Bergbahnen ist es keine Option, die Schneekanonen zu pausieren. Sörenberg-Direktor René Koller erklärt, warum: «Der Energieverbrauch der technischen Beschneiungsanlagen in der ganzen Schweiz liegt bei 0,1 Prozent», führt er aus. «Der Gesamtenergieverbrauch sämtlicher Seilbahnen – inklusive Sesselbahnen und Skilifte – liegt bei knapp 3 Prozent des gesamtschweizerischen Energieverbrauchs. Für viele Regionen in der Schweiz sind die Seilbahnen der ‹Motor› für eine ganze Region.» Ein Franken Umsatz für die Bergbahn bedeute sechs Franken Umsatz für die Destination, so Koller weiter. «Daher kommen die Schneekanonen in der ganzen Schweiz zum ‹sinnvollen› Einsatz.»

Und auch Fabian Appenzeller von den Titlis Bergbahnen betont, dass die technische Beschneiung bei Bergbahnunternehmen ein «essenzieller Bestandteil des Winterbetriebs» sei. Sandro Widmer von den Stoosbahnen sagt, dass sie auch in diesem Jahr «einige neuralgische Punkte» beschneien – dank Pistenkorrekturen aber weniger als früher. Zudem hofft er auf genügend Naturschnee, wie das im letzten Winter der Fall gewesen sei.

So wollen die Skigebiete Strom sparen

Mit dem Stromsparen haben die Bergbahnen aber bereits begonnen. Fabian Appenzeller von den Titlis Bergbahnen erklärt, dass sie im Winter weniger Events, die auf Beleuchtung angewiesen sind – also etwa das Nachtschlitteln und Nachtskifahren – anbieten. Zudem wird bereits auf Beleuchtungen verzichtet, beispielsweise an der Talstation.

Gemeinsam mit dem Branchenverband Seilbahnen Schweiz haben die Bergbahnen einen Massnahmenkatalog zum Stromsparen entwickelt – entsprechend den vom Bundesrat definierten Eskalationsstufen.

Dieser Plan reicht von der Halbierung des Lichts in den Bürogebäuden bis zur Drosselung der Fahrgeschwindigkeit, wenn nur wenig Gäste vor Ort sind. Oder die Anzahl Fahrten der Pendelbahnen und Standseilbahnen wird reduziert, um Leerfahrten zu vermeiden. Vermutlich wird es den Gästen in den Seilbahnen auch bald unter dem Po ein wenig kälter – denn als mögliche Massnahme schlägt der Verband Seilbahnen Schweiz vor, die Sitzheizungen abzudrehen.

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Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Bergbahnen Sörenberg, Titlis Bergbahnen, Stoosbahnen AG
  • Medienbericht in der «Luzerner Zeitung»
  • Bilanz Sommer 2022 von «Meteo Schweiz»
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