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Freiwilliges Flicken und Fachsimpeln
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Die Organisatorinnen Isabelle Mauchle (links) und Aurelia Meier (2.v. rechts) lassen sich von ihren Fachleuten in die Materie einführen. (Bild: jav)

Erstes «Repair Café» im Luzerner Neubad Freiwilliges Flicken und Fachsimpeln

3 min Lesezeit 14.09.2015, 13:13 Uhr

In der Luzerner Zwischennutzung wurde am vergangenen Wochenende gelötet, geschraubt, genäht und geklebt. Ein neues Angebot, das «Repair Café» hatte seine Premiere im Neubad. Ein Anlass, der noch viel Potential hat.

Der Reissverschluss am Rucksack ist kaputt? Das Spielzeugauto hat ein Rad ab? Weg damit. So funktioniert heute bei vielen Leuten der Umgang mit defekten Dingen.

Im Neubad wird seit neustem nicht nur beim Thema Essen gegen die Wegwerfgesellschaft gearbeitet. Neben dem Foodsave-Kühlschrank, der fix in der Zwischennutzung steht, soll nun auch regelmässig das Repair Café stattfinden. Das Konzept ist in anderen Schweizer Städten bereits bekannt und soll sich nun auch in Luzern etablieren.

Buntgemischtes Publikum

Die erste Ausgabe ging am vergangenen Wochenende über die Bühne. Die Organisatorinnen Isabelle Mauchle und Aurelia Meier sind zufrieden. «Es kamen rund 30 Leute, das ist für ein erstes Mal ganz gut», so Meier. «Es kamen ganz verschiedene Leute, ältere, jüngere, verschiedenster Herkunft.» Zudem seien die Rückmeldungen sehr positiv gewesen.

Die Idee liest sich einfach: «Einige Menschen haben handwerkliches Talent, andere defekte Dinge. Die 2009 in Holland entstandene Idee bringt beide Gruppen zusammen.» Freiwillige mit handwerklichem Geschick stellen sich zur Verfügung, um Leuten bei der Reparatur ihrer Habseligkeiten zur Hand zu gehen.

Schnell und unkompliziert

Im Neubad waren am Samstag sieben Fachleute aus verschiedenen Bereichen anwesend: Elektronik, Holzarbeit, Velo, Textilien, Hard- und Software und ein Allrounder, der sich um Technisches, aber auch um Lederreparaturen kümmerte.

«Ich bin davon überzeugt, dass vieles hier in Luzern nur passiert, weil das Neubad da ist.»
Isabelle Mauchle, Mit-Organisatorin des Repair Cafés

Da nicht besonders viele Leute da sind, ist man schnell an der Reihe. Am Eingang wird ein Formular ausgefüllt: Wer bin ich, woher weiss ich vom Repair Café, und was bringe ich zur Reparatur mit? Und schon wird man zum passenden Fachmann, zur passenden Fachfrau weitergeleitet. Alles ist sehr unkompliziert, man schaut sich gegenseitig über die Schulter, hält die Zange oder bringt etwas zu trinken.

Die Fachleute sind aus dem Umfeld der Organisatorinnen und des Neubads. Isabelle Mauchle: «Mein Cousin ist dabei, aber auch Leute aus dem Neubad-Netzwerk, oder solche, die sich auf den Aufruf gemeldet haben.» Die Arbeit verrichten die Leute freiwillig. Die Einnahmen der Kollekte jedoch, die beim Eingang aufgestellt ist, wird komplett auf die sieben Freiwilligen aufgeteilt. Doch neben diesem kleinen Zustupf ist der Anlass auch auch für die Fachleute sehr spannend. «Man lernt neue Leute kennen, kann den Leuten helfen und Tipps geben. Und man kann herumwerkeln und fachsimpeln», sagt einer der Freiwilligen.

Mitanpacken ist gefragt

Beim Repair Café geht es eben genau nicht darum, eine Dienstleistung zu konsumieren. Respektive sich einfach etwas reparieren zu lassen. «Man soll auch etwas daraus lernen, etwas mitnehmen können», so Mauchle. «Man soll selbst Hand anlegen und auf alle Fälle auch Tipps erhalten.»

Die Idee für den Anlass habe sie schon eine Weile mit sich herumgetragen, erklärt die Mitorganisatorin. Sie ist überzeugt, dass es dieses Angebot auch in Luzern braucht. «Und jetzt, wo Aurelia Meier im Neubad arbeitet, haben wir das zusammen in die Hand genommen». Denn das Neubad sei die ideale Hülle dafür. «Ich bin davon überzeugt, dass vieles hier in Luzern erst passiert, oder nur passiert, weil dieser Ort da ist, der alledem Platz bietet und auch inspiriert.»

Im Oktober und November findet das Repair Café erneut statt. «Wir sind guter Dinge», so Mauchle. Langfristig soll es jeden Monat stattfinden. Zudem wollen die Organisatorinnen einen Pool an Fachleuten aufbauen, die sich abwechseln können. «Wir könnten dafür noch ein paar Leute brauchen», betont sie.

Einige Eindrücke vom ersten Repair-Café finden Sie hier in der Slideshow:

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