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«Freiruum» wächst mit Büros und Streetfood-Stand für Pizzas
  • Regionales Leben
Markus Kragler, Betriebsleiter des «Freiruum» in Zug. (Bild: Markus Mathis)

Zuger Zwischennutzung mit furiosem Start «Freiruum» wächst mit Büros und Streetfood-Stand für Pizzas

5 min Lesezeit 25.10.2019, 04:56 Uhr

Die ersten drei Monate ist die Zwischennutzung Freiruum auf dem Zuger Siemens-Gelände vom grossen Andrang überrascht worden. 55’000 Besucher zählten die Betreiber allein in den letzten 30 Tagen. Bald soll der Begegnungsraum noch attraktiver werden.

Die Zwischennutzung in der ehemaligen Zuger Hauptpost am Postplatz war von vornherein zeitlich begrenzt. Dergestalt, dass die Unternehmung Office Lab, die dort Coworking-Möglichkeiten anbietet – also temporäre Arbeitsplätze und Meetingräume – sich nach einer neuen Heimat umschauen musste.

Und dabei fündig geworden ist: Office Lab zügelt an den Zählerweg aufs Siemens-Gelände – Alteingesessenen auch als Landis&Gyr-Areal bekannt. Es wird damit Teil einer der schweizweit grössten Zwischennutzungen – des «Freiruums». Der bietet auf 7’600 Quadratmetern eine Eventhalle, eine Markthalle mit Gastronomieangeboten und eine Sporthalle für Boulderer und Trampolinfreunde an.

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Treffen in anregender Umgebung

Hinzu kommen also bald nochmal 600 bis 700 Quadratmeter. Eröffnung soll Ende November oder Anfang Dezember sein, sagt der «Freiruum»-Betriebsleiter Markus Kragler. «Die Umbauarbeiten sind im Gange.»

«Unser eigener Meeting-Raum ist jeden Tag gebucht», sagt Kragler, weswegen man ohnehin dabei sei, ein zweites Sitzungszimmer auszurüsten. «Wir haben aber auch festgestellt, dass Leute aus den umliegenden Firmen den «Freiruum» gerne stundenweise als Kreativoase benützen.» Ein Anbieter von Coworking-Infrastrukturen sei daher «die ideale Ergänzung». Man erwarte davon eine zusätzliche Belebung der übrigen Einrichtungen.

Mittags herrscht Hochbetrieb

Ansonsten hat sich der Geschäftsgang laut Kragler mit den ersten drei Monaten «sehr, sehr gut gestaltet». Man habe sowohl die anvisierten Besucherzahlen wie auch die ausgeschenkten Tagesportionen erreicht, die man in einer ersten Betriebsphase anstrebte. «In den letzten dreissig letzten Tagen haben wir im «Freiruum» 55’000 Besucher gezählt, so Kragler. 

Stehende und hängende Pflanzen sorgen für eine gute Atmosphäre in der Foodhalle.

Vorab das Verpflegungsangebot am Mittag scheint der Renner zu sein. «Wir erhofften uns 500 bis 600 Personen an einem gut frequentierten Tag», sagt Kragler. «Mittlerweile zählen wir so viele allein am Mittag.»

Personal aufgestockt

Der schnelle Erfolg hat aber auch zu Problemen geführt. «Wir hatten unsere Prozesse anfänglich nicht auf eine solch hohe Frequenz ausgelegt und mussten sie anpassen», sagt Kragler. In der Tat künden Kommentare auf den sozialen Medien von gelegentlichen Klagen wegen zu wenigem oder unhöflichem Personal. Dieses sei aufgestockt worden, sagt der Betriebsleiter. Bis es allerdings routiniert sei, könne es eine Weile dauern.

«Wir gehen mit Reklamationen sehr offensiv um», sagt Kragler. «Ich beantworte alle Mails und hoffe deshalb auch auf das Verständnis unserer Gäste.»

Reagieren mussten die «Freiruum»-Betreiber auch auf einem anderen Feld: Der Lüftung, welche die Ausdünstungen der Küchen in der Markthalle nur unzureichend beseitigen konnte. «Wir haben Gelder investiert und sie ausgebaut», sagt Kragler.  Dergestalt, dass die Bürohemden und Kostüme der Essensgäste nicht länger nach Frittieröl duften.

Bald gibt’s auch Pizza

Die Beliebtheit des «Freiruums» als gastronomischer Treffpunkt führt indes auch zu grossem Andrang und gelegentlich zu Schlangen. Das Angebot wird daher ausgebaut – zunächst mit einem Pizzastand ab 18. November. «Wir konnten dafür mit ‹Woody’s› einen lokalen Anbieter gewinnen.» Der Streetfood-Stand auf einem Lastwagen macht derzeit in zahlreichen Zuger Gewerbegebieten Halt.

«Wir hören: Ihr habt Zug ein Stück vorwärtsgebracht.»

Markus Kragler, Betriebsleiter «Freiruum», Zug

Ein anderer Teil der Markthalle schien in den letzten Wochen verwaist, war meist abgesperrt und und wurde kaum genützt. Der Kraftmarkt – ein Küchenatelier mit Bioladen. Dies habe nicht an mangelndem Kundeninteresse gelegen, sondern daran, dass der Koch kurzfristig absprang. Laut Kragler wurde jedoch mittlerweile ein Ersatzmann gefunden – Kochkurse seien schon wieder gut gebucht. 

Events brauchen Zeit

Die grosse Eventhalle des «Freiruums» ist noch wenig ausgelastet. Das sei normal, man müsse mit einer Vorlaufzeit von einem halben bis Dreivierteljahr rechnen, sagt Kragler. Für die verbleibenden Monate 2019 habe man allerdings schon 20 Buchungen und nächstes Jahr sehe es «sehr gut aus».

«Wir sind mit unserer Grösse keine Konkurrenz zu den anderen Hallen in Zug», sagt Kragler, «sondern eine Ergänzung.» Das helfe auf mittlere Frist. Die Chollerhalle etwa fasst weniger Leute, die Bossard-Arena ist viel grösser und zudem oft besetzt, da dort Eishockey gespielt wird. «Für uns zahlt sich deshalb auch die Zusammenarbeit mit EVZ Gastro als Catering-Partner aus», so Kragler. Die bringen Gesellschaften in den «Freiruum», für die sie selber keinen Platz haben.

Publikumsmagnet Trampolinhalle

Eine Art Selbstläufer ist die Sporthalle, namentlich der Trampolin- und Parcoursbereich. «Der läuft enorm gut», sagt Kragler. Auch die Boulderhalle werde zufriedenstellend frequentiert – eher aber in Randzeiten. So glichen sich die Besucherströme etwas aus.

Bunt ist auch die Boulderhalle.

Die grosse Beliebtheit von Trampolinhallen kennt man auch von andernorts – etwa vom Bounce Lab in Jona. Dort sind Online-Reservierungen für einen Besuch fast unerlässlich. «In Zug möchten wir weiter unsere Flexibilität bewahren und auch spontane Besucher berücksichtigen», sagt Kragler. Die Halle sei für 200 Besucher ausgelegt und man sei erst wenige Male an die Grenze gekommen.

Glücksfall für Stadt Zug

Zusammenfassend erlebe er neben Detailkritik viele schöne und positive Rückmeldungen zum «Freiruum». «Ihr habt Zug wirklich ein Stück vorwärtsgebracht», höre er etwa. Und einen neuartigen Treffpunkt geschaffen.

An dem sich neben den Zugerinnen und Zugern auch die vielen Arbeitspendler treffen und die grosse Expat-Gemeinde Kontakte knüpft. «Wir nehmen in der Tat viele Reservierungen auf Englisch an», so Kragler.

«Für Expats, die frisch in ein neues Land kommen, ist es schwierig, sich zu orientieren», sagt Kragler. «Und die sind froh um einen Ort, wo sie auch mit ihrer Familie hinkommen können.» 

Was die Zukunft bringt

Für die Stadt Zug, welche das Siemens-Areal beleben möchte, ist der «Freiruum» ein Glücksfall. Denn er bewahrt das frühere Industrie-Quartier vorderhand davor, zur Dienstleistungs- und Bürowüste zu werden. Trotzdem bleibt die Zwischennutzung bis Ende 2022 befristet.

Die Liegenschaftsbesitzerin, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse, habe zugesagt, sie regelmässig über ein Neubauprojekt zu orientieren, sagt Kragler. «Aber alle unsere Verträge und unsere Prozesse sind auf diesen Zeitpunkt begrenzt.»

Doch könnte der «Freiruum» nicht noch länger bestehen, wenn sich das Neubauprojekt wegen Einsprachen verzögert? «Vielleicht. Das wäre für uns natürlich wie ein Geschenk», sagt Kragler, der daran aber noch nicht allzu fest denken will.

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