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Freiheit statt Freizeit, Berlin statt Zug
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Alexandra Landtwing in Paris. Zu Hause in Zug ist sie selten noch.   (Bild: Dion Sumi)

«Ay Wing» alias Alexandra Landtwing Freiheit statt Freizeit, Berlin statt Zug

4 min Lesezeit 11.02.2017, 17:30 Uhr

Die Zugerin Alexandra Landtwing, alias Ay Wing, feilt fernab ihrer Heimat an ihrem grossen Traum: der Musik. Zwischen Konzerten in ganz Europa und Studiosessions in Paris und London macht sie mal wieder Halt in der Zentralschweiz und hat uns mehr über ihr nächstes Album verraten.

«Eine Stimme, die perfekt auf die Bühne eines von Zigarettenrauchschwaden durchzogenen Jazzclubs passen würde», schrieb das RCKSTR Magazin vor zwei Jahren.

Seit dessen Veröffentlichung ist die Singer-Songwriterin und Produzentin Alexandra Landtwing in Europa weit rumgekommen – Deutschland, Schweiz, Dänemark, Frankreich, England. Mit einem Microkorg, Moog Subphatty, Laptop und einer 60er-Jahre-Orgel, mal solo, mal mit Gitarrist, Schlagzeuger oder Beatboxer im Gepäck tingelt die Sängerin von Konzert zu Konzert und verzaubert ihr Publikum mit ihrem eigenartigen Retrosound. Analoge Klangelemente der 60er wechseln sich ab mit leichter Electronica, deftige Drummachine-Beats, Synthie-Klänge und mittendrin die glockenhelle Stimme von Landtwing.  

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«Da bin ich ziemlich auf die Welt gekommen.»

«Singing in my blood, Rising from the cinders. Challenging my love, Balancing the figures», heisst es auf der noch nicht offiziell veröffentlichten Single «L.A.» von Ay Wing. Entstanden ist der Song 2016 in Berlin. «Damals herrschte in Berlin eine apokalyptische Stimmung. Die Anschläge in Belgien waren grad passiert und man sagte, Berlin sei als Nächstes dran», erzählt sie. «Ich wollte diese Stimmung aufgreifen und verarbeiten, aber ohne den Zeigefinger zu heben.» Dabei rausgekommen ist ein Song, der beim ersten Hinhören passend zum Titel nach Strand, Sonne und Surferfeeling klingt. Beim zweiten und dritten Mal hört man plötzlich, dass hinter der süffigen Musik und den fragilen Gesangmelodien eine tiefere Botschaft steckt: «Where love is absent Power reigns.»

«Ready or not, here I come, you can’t hide»

Angefangen hat alles vor zehn Jahren. «2005 habe ich während des The-Fugees-Konzert im Hallenstadion zwei Erkenntnisse gehabt: Erstens dass ich mich nicht mehr mit dem Dasein als ‹Hobbymusikerin› abfinden kann, und zweitens, dass ich noch Unmengen zu lernen habe», lacht sie auf die Frage hin, wann sie sich für die Musik entschieden habe.

«Mir ist die künstlerische Freiheit wichtiger als viel Freizeit.»

Kurz darauf packte sie ihre Koffer und zog nach London. «London ist ein grosser Dreh- und Angelpunkt der westeuropäischen Musikszene – wer international mitmischen will, muss früher oder später Kontakte nach London knüpfen.» Um diesem Ziel näher zu kommen, scheute sie keine Widrigkeiten. «An der ‹Tech Music School› war ich umgeben von 15-jährigen Mini-Adeles mit Plattenvertrag und Agent, die ihr Leben lang nichts anderes getan haben, als ihre Karriere vorzubereiten. Da bin ich ziemlich auf die Welt gekommen», erzählt Landtwing. 

«Wir Schweizer Musiker in unserer heimeligen Schweizer Musikszene können uns oft gar nicht vorstellen, wie hart umkämpft der Musikmarkt im Ausland ist. Wer weiterkommen will, muss alles investieren, seine Zeit, sein Geld, seine Energie, denn wo man in der Schweiz vielleicht einer von ein paar Hundert professionellen Musikern der gleichen Stilrichtung ist, sind es in England schnell Zehntausende. Wer da herausstechen will, kann nicht nebenbei noch 80 Prozent arbeiten und einmal die Woche proben.»

Vom Inspiriert-Sein und Erwachsen-Werden

Mittlerweile lebt und arbeitet Landtwing in Berlin. «Berlin ist noch immer ein Schmelztiegel von Kulturen und Musikstilen – die Inspiration und der Tatendrang lässt sich in praktisch jeder Ecke finden», schwärmt die Sängerin. «Da kann die Schweiz alleine schon der Grösse wegen nicht mithalten.» Von diesem Tatendrang angesteckt schrieb Landtwing letztes Jahr ein neues Album. Die erste Single-Auskopplung erscheint diesen Frühling, das komplette Album dann im Herbst.

Konzert am 11. Februar

Wer die neuen Songs von Ay Wing jetzt schon hören möchte, hat am Samstagabend um 21 Uhr in der Galvanik in Zug die Gelegenheit dazu. 

«Die Songs schreibe ich meist zuerst für mich, mit Melodie und Lyrics, oft an der Gitarre, und setzte mich dann mit Ralph Phillips, meinem langjährigen Produzenten, zusammen und finde die passenden Sounds zum passenden Arrangement», erklärt sie. Alexandra Landtwing ist eine vielbeschäftigte Musikerin. Fast zu beschäftigt möchte man meinen? «Das ist eine Grundsatzentscheidung. Mir ist die künstlerische Freiheit wichtiger als viel Freizeit. Sobald ein Agent oder ein Label involviert sind, wird zwar Arbeit abgenommen, aber eben auch Entscheidungsfreiheiten. Mir war es wichtig, das neue Album in meinem eigenen Tempo zu schreiben und meine eigenen Vorstellungen umzusetzen.»

Zumindest musikalisch ist sie daran sicher gewachsen. Klang das Debütalbum noch nach der Melancholie einer jungen Frau Mitte Zwanzig, leicht verspielt und verträumt, lässt sich auf dem neuen Album (in das wir exklusiv reinhören durften) ein humorvolles Augenzwinkern gepaart mit den rauen Ecken und Kanten einer vielgereisten Musikerin raushören. Lüpfige Beats, ohrwurmverdächtige Hooks und die für Ay Wing typischen Retrosounds erklingen nun in einem neuen, erwachsenen Gewand und machen Lust auf mehr.

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