Freigleis-Einweihung: Überzogenes «Propagandafest»?
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Das Velofest. (Bild: Kilian Bannwart)

So rechtfertigt der Stadtrat die 200'000 Franken Freigleis-Einweihung: Überzogenes «Propagandafest»?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 23.01.2018, 11:21 Uhr

Der Veloweg zwischen Kriens und Luzern ist letzten Frühling mit einem grossen Fest für mehr als 12’000 Velofans eingeweiht worden. Die Kosten führten zu Kritik – selbst bei Befürwortern des «Freigleis». Einige sprechen von einem «Propagandafest».

Freie Fahrt für Velos: Das musste letzten Frühling gefeiert werden. Mit einem grossen Fest wurde der neue Veloweg zwischen dem Neubad in Luzern und dem Mattenhof in Kriens eingeweiht. Er führt auf rund zwei Kilometern über das alte Zentralbahn-Trassee (zentralplus berichtete).

Doch die Kosten für das Fest sorgten mancherorts für Kopfschütteln. Denn der Anlass kostete insgesamt knapp 200’000 Franken – was den beiden FDP-Grossstadträten Fabian Reinhard und Peter Krummenacher sauer aufstiess. Sie verlangten in einer Interpellation mehr Auskunft (zentralplus berichtete).

Viele positive Rückmeldungen

Diese liefert der Stadtrat nun. Er führt über insgesamt sieben Seiten aus, wieso er die Kosten für gerechtfertigt hält. So habe das Fest mehrere Ziele verfolgt. Es sollte nämlich nicht nur «gluschtig machen aufs Velofahren», sondern unter anderem auch die Mobilitätsstrategie der Stadt bekannter machen und über die Entwicklungen am Südrand der Stadt informieren. Der Stadtrat hält fest, dass während und nach dem Fest zahlreiche positive Meldungen eingingen.

Dass gemäss Schätzungen 12’000 bis 15’000 Personen das Fest besucht haben, würdigt er als Indiz für den Erfolg der Ziele. Und kommt so zum Schluss: «Auch wenn der Nutzen dieser Elemente nur schwer messbar und vielfach erst längerfristig spürbar wird, erachtet der Stadtrat das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Velofests in einer Gesamtbetrachtung als positiv.»

Als würde man Durchgangsbahnhof mit Millionenparty feiern

Anders tönt es bei der FDP. «Der Veloweg überzeugt mich sehr, den benütze ich selber gerne. Aber die Kosten für das Eröffnungsfest halte ich nach wie vor für überzogen», sagt FDP-Präsident Fabian Reinhard. Auf die Gesamtkosten gesehen seien es über 4 Prozent. Er zieht einen Vergleich mit dem Durchgangsbahnhof heran. Würde man ihn dereinst mit dem gleichen Anteil an den Gesamtbaukosten einweihen, «hätten wir eine Party für 100 Millionen Franken».

«Für ein Fest dieser Grösse hätte die Stadt Sponsoren suchen sollen und von den Ausstellern einen Beitrag verlangen können.»

Fabian Reinhard, Präsident FDP Stadt Luzern

Reinhard kritisiert zudem, dass zahlreiche kommerzielle Aussteller gratis ihre Produkte am Fest bewerben konnten. Unter ihnen auch das Geschäft des Krienser Gemeindepräsidenten Cyrill Wiget, ein Parteikollege von Adrian Borgula, wie Reinhard bemerkt. «Für ein Fest dieser Grösse hätte die Stadt Sponsoren suchen sollen und von den Ausstellern einen Beitrag verlangen können.»

Der Stadtrat listet in seiner Antwort die über 100 Anbieter auf, die sich mit einem Stand am Fest präsentierten. «Das lokale Gewerbe sollte vom Fest profitieren.» Man hat zwar keine Beiträge eingezogen, aber die Aussteller aufgefordert, Preise für die Tombola zu stiften. Diese sei ein voller Erfolg gewesen.

Horw wieder aussen vor – unfreiwillig

Direkt an den Festkosten beteiligt haben sich weder Kanton noch die Gemeinde Kriens. Allerdings hält der Stadtrat fest, dass das Fest integraler Bestandteil der Projekts war und deshalb nicht separat abgerechnet wurde. An den Gesamtkosten von 4,8 Millionen Franken steuerte der Kanton 1,6 Millionen Franken bei, die Gemeinde Kriens eine halbe Million und der Bund knapp 1,7 Millionen Franken. Aus diesem Projekttopf flossen 50’000 Franken ans Fest, die restlichen 150’000 Franken hat die Stadt aus ihrer eigenen Kasse berappt.

«Freigleis» heisst der neue Veloweg zwischen Luzern und Horw.

«Freigleis» heisst der neue Veloweg zwischen Luzern und Horw.

(Bild: zvg / Stadt Luzern)

Bereits früher zu reden gab, dass die Gemeinde Horw gar nichts zum Veloweg beisteuert. Beim Fest wäre das – Bemerkung am Rande – übrigens anders gewesen. Horw erklärte sich bereit, die Chilbi-Bahn-Attraktion «Velolooping» für das Fest zu sponsorn. Doch der Zoll machte dem wortwörtlich einen Strich durch die Rechnung: Wegen Einfuhrproblemen an der Schweizer Grenze fiel die Attraktion ins Wasser.

Keine Propaganda nötig, sagt FDP

Weitere politische Konsequenzen dürfte das Fest voraussichtlich nicht haben. Denn auch FDP-Präsident Fabian Reinhard gesteht immerhin zu, dass der Stadtrat mit der ausführlichen Antwort seine Überlegungen transparent mache. 

Für ihn ist aber klar: Die 200’000 Franken hätte man laut Reinhard besser in konkrete Projekte investiert. «Wir brauchen mehr Verkehrsinfrastruktur und weniger Umerziehung in Form solcher Propagandafeste», kritisiert er die Ausführungen des Stadtrates. In seinen Augen reicht es, wenn die Stadt die Velowege baut – benutzt würden sie dann ohnehin. «Ich glaube nicht, dass jemand da drauf fährt, weil es ein grosses Fest gegeben hat.»

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1 Kommentare
  1. Jörg Willi Dr.med.vet., 23.01.2018, 16:30 Uhr

    Dass für das Fest soviel Geld ausgegeben wurde, stiess insbesondere bei den Fussgängern auf Unverständnis und harsche Kritik. Ihre Bedürfnisse nach gangbaren Fusswegen sind längst unter die (Velo)Räder gekommen und werden vom Stadtrat und den für die Allmendplanung Verantwortlichen sträflich missachtet! Dass der südlichste Teil des Veloweges wegen einer Baustelle noch nicht befahrbar ist, leuchtet Dass man aber deswegen gleich ein Fussgängerverbot und Absperrgitter montiert, ist weniger einleuchtend, denn dieser Teil ist gerade für Kindergruppen und ältere Fussgänger ideal, zumal der Weg über den Damm und die Allmend bei Regenwetter kaum begehbar und ohne Stiefel unzumutbar sind. Es müsste doch eigentlich ein „grünes Anliegen“ sein, auch etwas für die Fussgänger zu tun!

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