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Frauenstadtrundgang: Lasst uns lustige Polterabende anlocken
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Mehr Glitzer und ordinäre Süssigkeiten für Luzern. (Bild: Montage jav)

Zu wenige verkleidete Betrunkene in Luzern? Frauenstadtrundgang: Lasst uns lustige Polterabende anlocken

3 min Lesezeit 3 Kommentare 04.05.2018, 19:01 Uhr

Der Frauenstadtrundgang Luzern ist voll trendy. Deshalb gibt es neu ein Angebot für betrunkene Prinzessinnen mit pinken Penis-Accessoires. Noch mehr Ansporn für alle Heiratswilligen, ihren Polterausflug in die Stadt zu verlegen. Herzlichen Dank, Frauenstadtrundgang. Man verzeihe uns die Ironie. Es ging nicht ohne.

Es ist Frühling, die Gefühle stossen, die Herren der Schöpfung fallen offenbar wieder reihenweise auf die Knie. Und die Stadt Luzern darf das dann wieder ausbaden.

Wenn alle Poltergruppen der umliegenden Berge und Täler verkleidet und verladen durch die Gassen ziehen, dann ist Sommerzeit in Luzern.

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Seit ein paar Jahren greift dieser unsägliche Trend in der Hauptstadt der Innerschweiz um sich. Im Strategiebericht «Nachtleben und öffentlicher Raum» wurde schon 2015 klar festgehalten: «Luzern hat sich zur Polterabend-Stadt entwickelt.» Und seither, das können wir Ihnen sagen, ist es nicht besser geworden.

Das Grauen greift um sich. Das Fremdschämen wird zum Volkssport. Denn plötzlich verspüren auch die sogenannten Damen das Bedürfnis, sich gehörig beduselt öffentlich lächerlich zu machen. Es strömen torkelnde Frauengruppen in die Stadt Luzern. Durch Tröpfcheninfektion oder durch die Übertragung per Geschlechtsverkehr scheint es von den Männern auf die Frauen übergegriffen zu haben.

So wanken die künftig Angetrauten nun mit Gefolge betrunken und seltsam gewandet durch die Strassen. Mit Puschelschwänzchen und Krönchen, in Tüll und Glitzer, mit Penis-Schläckzeug und haufenweise Alcopops – wie cheiben originell. Vielleicht verstehen die in rosa Tüll Gehüllten auch einfach unter Emanzipation, dass bei einer modernen Heirat auch die Frau ein Recht darauf hat, sich voll wie eine Haubitze in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen?

Aufspringen auf den Zug des Grauens

«Huch, ein Hype», haben sich wohl die Damen der historischen Frauenstadtrundgänge im katholischen Luzern gedacht und nun extra für dieses unsägliche Phänomen der letzten Jahre eine Führung konzipiert. Am 5. Mai 2018 lockt diese erstmals für eine Stadtführung Polterabende in die Altstadt. So kann die Luzerner Altstadt künftig nicht nur mit immer mehr Uhren sammelnden Touristen, sondern auch mit immer mehr Unterhosenetiketten sammelnden Trunkenboldinnen auftrumpfen.

«Beim Schlendern durch die Luzerner Altstadt stellen wir die Frau ins Zentrum», kündigen die sonst so historisch und kulturell orientierten Stadtführerinnen an. «Zum Schluss steuern wir sie aus. Verliebt, verlobt, verheiratet ist ein polterndes Stelldichein!» Jessesmaria. Ein polterndes Stelldichein. Und bei der Hauptprobe der Führung sei sogar eine «echte Braut» dabei gewesen. Da kann man doch wirklich nichts mehr dagegen sagen. Man wolle ein neues Publikum gewinnen, das sonst weniger an historischen Rundgängen teilnehme. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses danach auch noch an etwas davon erinnern kann.

Der gute alte Bauchladen

Doch nicht nur die Frauenstadt-Rundgang-Frauen, auch andere Luzerner Geschäftsleute haben den Trend erkannt. «Die illustren Gruppen gehören an Wochenenden zum Stadtbild», wirbt ein Luzerner Fotograf für sein Polter-Shooting und hätte dabei vielleicht zuerst den Duden konsultieren sollen. Denn dort steht: illuster – Respekt heischend, Bewunderung hervorrufend, erlaucht.

Warum kann man die künftigen Bräute und und Bräutigame eigentlich nicht, wie zu den guten alten Zeiten, im Heimatdorf an eine Laterne binden, mit einem Bauchladen und einem Kasten Bier ausgestattet?

Bitte nicht noch mehr davon!

Man könnte selbstverständlich sagen, dass sich die Luzerner an solch unmanierlichem, angeheitertem Verhalten nicht besonders stören sollten – denn auch an der Fasnacht ist dieses Gebaren durchaus zu beobachten. Auch Tüll und Glitzer. Doch müssen wir das jetzt auch noch auf sexy getrimmt den ganzen Sommer lang ertragen?

Man will ja nicht intolerant erscheinen gegenüber von fröhlichen, verliebten Menschen und ihren rüüdig kreativen Freunden, doch es gibt Auswüchse des folkloristischen Humors, die das Fremdschämen auf eine neue Stufe stellen.

Das Angebot auf eine neue Stufe stellt nun eben der Frauenstadtrundgang Luzern. Dank diesem furcht … äh … fruchtbaren Gedankenblitz darf Luzern nun von sich behaupten, dass man eine Polterabend-Stadt ist und auch alles dafür tut, das zu bleiben.

Danke.

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3 Kommentare
  1. Dinah Knuchel, 05.05.2018, 11:42 Uhr

    Liebe Jana

    Tja was soll ich hier sagen? 1. triefend voll Vorurteile und 2. schreibst du eine Rezession über etwas was du nicht besucht hast. solche Possen bin ich mir eher von der grossen regionalen Schwester gewohnt. Nun auch Zentralplus… Jana, ich bin enttäuscht von deiner journalistischen Sorgfaltspflicht.
    Gruss
    dinah

    1. Redaktion Jonas Wydler, 05.05.2018, 13:24 Uhr

      Das ist keine Rezension, sondern eine Glosse. Und diese lebt nun mal von Zuspitzungen. Für Rezensionen besuchen wir Veranstaltungen selbstverständlich zuvor.

    2. Dinah Knuchel, 06.05.2018, 10:54 Uhr

      @Jonas
      1. eine Glosse sollte meines Wissens lustig sein. Ok, man mag über Humorempfinden streiten können. Das lasse ich so knapp gelten.
      ABER 2. auch ein Glosse sollte zumindest richtig rechechiert sein! Und wer den Unterschied zwischen Polterabend und Junggesellenabschied nicht kennt…. naja ich lass das mal.
      Differenzieren darf man auch bei einem solchen Text! Zu mal Jana scheinbar keine Ahnung hat, was erzählt wird. Sie hört Polteren und macht sich ein Urteil. Dann schliesst sich der Kreis wieder und man sollte den Unterschied zwischen Poltern und Jungesellenabschied kennen. Übrigens, das wird bei sogar Rundgang erklärt. Man stelle sich das vor.
      und damit: Gerne diskutiere ich das Ganze mit Dir, Jana, bei einem Bier. Du weisst wo du mich findest.