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Frauen geben auf Luzerner Sonnenberg den Ton an
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Die grosse B-Sides-Bühne während des Konzerts von Bombino im vergangenen Jahr. (Bild: zvg/Silvio Zeder )

B-Sides 2017: Entdeckung statt grosse Namen Frauen geben auf Luzerner Sonnenberg den Ton an

4 min Lesezeit 14.03.2017, 11:58 Uhr

Bekannte Namen sind Fehlanzeige, das B-Sides-Festival fordert seine Besucher wieder zur eingehenden Musikrecherche auf. Zudem beweist das Open-Air auf dem Luzerner Sonnenberg dieses Jahr, dass das Musikbusiness keine Männersache ist.

Den ersten Act hat das B-Sides mit Agnes Obel schon vor einigen Wochen präsentiert (zentralplus berichtete). Jetzt ist das ganze Programm öffentlich – und die dänische Singer / Songwriterin und Pianistin bleibt wohl für viele einer der wenigen Namen, die sie kennen. Das B-Sides-Festival vom 15. bis 17. Juni treibt seinen Anspruch als Entdeckerfestival heuer auf die Spitze.

Benedikt Geisseler, Medienverantwortlicher beim B-Sides, bestätigt: «Wir wollen ein Entdeckerfestival bleiben, wollen gute und spezielle Musik auf die Bühne bringen.»

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In Indie-Ohren klingende Namen wie Shearwater, The Notwist, Tocotronic oder Caribou mögen dieses Jahr fehlen. Was aber nichts über die Qualität des Programms aussagt. Man nehme etwa Dear Reader, eine südafrikanische Band, die in Berlin stationiert ist. Das ist herzhafter Pop des Trios um Sängerin und Songwriterin Cherilyn MacNeil.

Und so tönen Dear Reader:

 

Oder da wäre der hymnische, psychedelische und wuchtige Sound des US-amerikanischen Moon Duo. Gitarrist Ripley Johnson und die Keyboarderin Sanae Yamada, die das Duo bilden, machen angeblich «Lärm für fünf Bands», schreibt «Laut.de». Tönt vielversprechend.

Ihr neuestes Album «Occult Architecture, Vol. 1» ist im Februar erschienen – Volume 2 soll im Frühling folgen. Die Zweiteilung soll die «Dualität von heller und dunkler Energie» reflektieren. Was ja irgendwie wunderbar zum Festivalthema der Hoffnung und Angst passt.

Der Song «Cold Fear» von Moon Duo:

 

Das diesjährige B-Sides-Festival hat ein übergeordnetes Thema: Es begleitet seit Anfang Jahr das Projekt «The Art of a Culture of Hope» der Zürcher Performancekünstlerin Jessica Huber und des britischen Performers James Leadbitter (zentralplus berichtete). Neben verschiedenen Aktionen und Performances auf dem Gelände tritt Jeremy Wade als The Battlefield Nurse im Hauptprogramm am Samstag auf.

Die Hoffnung wird auf dem Festival allgegenwärtig sein und mit allen Sinnen eingebläut: Musik, Deko, Küche – alles wird vom Thema inspiriert sein. Die Architektin Gabriela Rutz habe für das diesjährige Festival in Zusammenarbeit mit Jessica Huber und James Leadbitter mehrere Deko-Ideen hervorgebracht, sagt Benedikt Geisseler vom B-Sides-Team. «Unser Deko-Team aus Luzerner Künstlern setzt es um, das wird auf dem ganzen Gelände ersichtlich sein.»

Ein Schweizer erobert die Metalwelt

Zurück zur Musik: Die B-Sides-Macher heben besonders auch den schweizerisch-amerikanischen Doppelbürger Manuel Gagneux alias Zeal & Ardor hervor. Abseits des Musik-Mainstreams erobert er gerade die Musikwelt. Das haben schon das «Rolling Stone»-Magazin und die BBC gemerkt und SRF3 widmete seinen «satanischen Sklavengesängen» im Dezember eine Sendung. Am Freitagabend spielt Zeal & Ardor mit seiner Band auf dem B-Sides seine erste Open-Air-Show in der Deutschschweiz – «Donnerwetter und Andacht zugleich», meint das B-Sides dazu.

Seine Musik ist ja nun wirklich mal etwas Neues: Das Debüt «Devil is Fine» kombiniert Gospelgesänge mit Black Metal – Metalfans rund um den Globus honorieren das, sogar Slash soll zu seinen Fans gehören.

«Devil is Fine» von Zeal & Ardor:

 

Die Veranstalter halten an einer bewährten B-Sides-Formel fest: zwei Drittel Schweizer Musik, darunter viele regionale Bands wie a=f/m, Touch oder Hermann. Sie spielen im Bohemians-Welcome-Zelt, der kleinsten Bühne, die etwas abseits der beiden Hauptbühnen steht.

Was aber heuer speziell auffällt: Bei zwei Dritteln der Acts auf dem Sonnenberg geben Frauen den Ton an oder sind zumindest beteiligt. Das beginnt mit unterkühltem Pop von Agnes Obel oder Hannah Epperson am Donnerstag und endet am Samstag mit verruchtem Punk von Nots aus Memphis. Eine Viererband um Sängerin und Gitarristin Natalie Hoffmann, die ordentlich aufdreht und Lärm macht.

Und schliesslich «Decadence» von Nots:

 

Gute Frauenstimmen zuhauf gibt es auch aus der Schweiz zu hören: Vsitor aus Luzern und in Berlin zuhause (zentralplus berichtete), Emilie Zoé aus Lausanne oder die Rapperin Big Zis aus Zürich (sie reist mit dem Perkussionisten Julian Sartorius an).

Die starke Frauenpräsenz kommt nicht von ungefähr, sondern ist bewusst so gesetzt, wenn auch ohne viel Aufhebens. Die Festival-Macher erwähnen es in der Programmveröffentlichung nicht mal, während andere damit prahlen würden. «Wir geben den Frauen eine Plattform und wollen Künstlerinnen fördern», sagt Geisseler. «Aber wir betonen es nicht, wir schauen es als normal an.» Und es passt schliesslich wiederum gut zum Festivalthema der Hoffnung.

Das komplette Programm

Das 12. B-Sides findet zwischen 15. und 17. Juni auf dem Sonnenberg in Kriens statt. Alle Bands im Überblick:

Donnerstag:

  • Agnes Obel (DK)
  • Hannah Epperson (CAN)
  • Gemma Ray (UK)
  • Touch (CH)
  • Egopusher (CH)
  • Cégiu (CH)
  • Spin Club Lucerne (CH)

Freitag:

  • Wand (US)
  • King Ayisoba (GH)
  • Dear Reader (ZA)
  • Selvhenter (DK)
  • Zeal & Ardor (CH/US)
  • Rocky Wood (CH)
  • East Sister (CH)
  • a=f/m (CH)
  • Emilie Zoé (CH)
  • None of Them (CH)
  • Hermann (CH)
  • Juan & Blerim (CH)

Samstag:

  • Ata Kak (GH)
  • Moon Duo (US)
  • Nots (US)
  • Nobody Reads (CH)
  • Big Zis (CH)
  • The Legendary Lightness (CH)
  • Monoski (CH)
  • Vsitor (CH)
  • Combineharvester (CH)
  • Hyperculte (CH)
  • Silberen (CH)
  • OOAM Trackselector Disco; Jeremy Wade als The Battlefield Nurse (UK)

Hier nochmals das diesjährige Programm im Überblick.

Hier nochmals das diesjährige Programm im Überblick.

(Bild: zvg)

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