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Franz Hohler macht auch aus den Alten wieder Kinder
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Franz Hohler gab auf der Heubühne in Luzern seine ungewöhnlichen Tiergeschichten zum Besten. (Bild: jav)

Tiergeschichten auf dem Kulturhof «Hinter Musegg» Franz Hohler macht auch aus den Alten wieder Kinder

3 min Lesezeit 22.02.2018, 14:58 Uhr

Am Mittwochabend las Franz Hohler in der Luzerner «Heubühne» Tiergeschichten. Eine Stunde seltsamer Geschichten von blöden Kühen, toten «Chüngeln» und einer Made in Hongkong. Wir waren gern wieder Kind und freuten uns auch über den dreisekündigen Furz.

Ganz alt und ganz jung und ein bisschen dazwischen sitzt das Publikum in der vollen «Heubühne» auf dem Kulturhof Hinter Musegg und wartet auf den Kabarettisten und Schriftsteller Franz Hohler.

Den Raum betritt schliesslich ein grosser Mann mit seinem grossen Buch. Sein Buch mit Geschichten für Kinder – viele mit Tieren –, passend zum Ort der Lesung. Franz Hohler bringt eine Stunde Tiergeschichten auf die kleine Bühne, die letztes Jahr auf dem Kulturhof eingebaut und eingeweiht wurde.

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Der fast 75-jährige Oltener, der sich, nach eigener Aussage, seine Altersvorsorge mit dem «Totemügerli» gesichert hat, hat durch sein vielseitiges Schaffen einiges im Gepäck. Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernsehproduktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane. Das spürt man, selbst wenn er derzeit «nur» am Stehpult aus seinen Büchern liest.

Charakteristisch für Hohlers Werk sind Gesellschaftskritik und Fabulierlust. Oft geht er von feinen Alltagsbeobachtungen, von feinen Geschichten aus, die dann plötzlich ins Absurde kippen. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb man bei Hohler stets das Gefühl hat, jede seiner Geschichten könnte als Grundlage eines ungewöhnlichen Kinderfilms funktionieren.

Gelächter neben und auf der Bühne

Gelacht wird jedenfalls am Mittwochabend in der Heubühne lauthals nicht nur aus Kindermündern. Auch die erwachsenen Zuschauer und die grauen Schöpfe schüttelt es immer mal wieder. Man ist gerne für diese Stunde mit Franz Hohler wieder Kind.

Wenn sich die Kälber in einer Kalbsfront organisieren, ein Huhn mit Fernbedienungsfetisch eine Funkausstellung besucht, wenn ein Zwergpinscher auf dem Weg ins Hundeparadies im Tessin im Gotthard stecken bleibt, dann spürt man, wie Franz Hohlers Kopf tickt.

Wenn die gemobbte Made ihren Weg macht und ihren früheren Gspänli per Kinderspielzeug durchgibt, dass sie es geschafft hat – mit «Made in Hongkong».

Wenn der Blitz Fritz einen Witz macht und bei Sonnenschein in einen Wachhund einschlägt, das Lama ein Drama über Würmer schreibt.

Wenn ein armes Schwein, ein dummer Affe und eine blöde Kuh sich verloren auf einem Parkplatz begegnen, sich auf Abenteuer begeben und schliesslich zum gutgebuchten Partyhit mutieren.

Wenn eine Mäusefamilie zum erfolgreichen Miniorchester wird und schliesslich beim königlichen Empfang auch Prinz Sowieso überzeugt. Selbst Hohler amüsiert sich ab seinen Ideen und erklärt lachend: «Das habe ich lange nicht mehr gelesen.»

Einmal pro Monat auf dem Hof

Einmal monatlich organisieren Pia Fassbind und ihr Team des Kulturhofs «Hinter Musegg» gleich hinter der Museggmauer eine Veranstaltung in der neuen Heubühne. Theater, Konzerte, Lesungen – aus ihren Kleintheater-Zeiten haben die «Hinter Museggler» ein grosses Netzwerk aufgebaut, aus dem sie immer mal wieder einen grossen Namen, einen Klassiker oder eine Neuheit präsentieren können. Man darf also auch auf das Line-up des Sommerfestivals gespannt sein, welches 2018 erstmals auf dem Hof stattfinden wird.

Alle Tiere dürfen mal

Immer wieder wechselt Hohler zwischen Hochsprache und Dialekt, macht den Bezug zum Kulturhof Hinter Musegg und seinen Tieren, auch ein kleiner politischer Link zur No-Billag-Debatte hat Platz. A capella bringt Hohler völlig unangekündigt auch plötzlich zwei seiner Lieder unter, ganz selbstverständlich und unaufgeregt. Als würde er weiterlesen. S Zoowärtermorgelied und die Züglete der Igel lassen so einige Erinnerungen aus der Kindheit aufkommen. Und das offensichtlich bei einer ganzen Reihe von Generationen.

«Si stecken ihri Sächeli uf ihri spitze Stächeli: ihri Tischli und ihri Bänkli ihri Stüehli und ihri Schränkli ihri Chüsseli und ihri Tüechli ihri Bildli und ihri Büechli ihri Lämpli und ihri Bettli und ihri Trottinettli …»

Immer mal wieder wechselt er zu seinen kleinen Gedichten und lässt die Kinder im Rhythmus Reime erraten. Eine kurze Interaktion, doch auch hier unangekündigt und natürlich. Zur Mitte seines Auftritts dreht Hohler richtig auf, öffnet kaum noch sein kleines Büchlein, lässt seine Gedichte einfach aus dem Stegreif sprudeln, gestikuliert und wechselt die Stimmen. Sofort hängen ihm auch die kleinen Zuschauer, die etwas unruhig geworden sind, wieder an den Lippen. Für die nächste halbe Stunde wilder Geschichten und komischer Wendungen.

Der berühmte Furz

Als aller-allerletztes Gedicht bringt Hohler schliesslich einen kleinen Klassiker, den die vorderste Reihe beinebaumelnd begeistert mitrezitiert.

«Es war einmal ein Furz
Der lebte nur ganz kurz.
Er stank noch drei Sekunden
Und dann war er verschwunden.»

Nach der Lesung nahm ein regelrechter Ansturm auf den Büchertisch und Franz Hohler den ganzen Raum ein. Kaum jemand ging ohne signiertes Exemplar nach Hause.

Nach der Lesung nahm ein regelrechter Ansturm auf den Büchertisch und Franz Hohler den ganzen Raum ein. Kaum jemand ging ohne signiertes Exemplar nach Hause.

(Bild: jav)

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