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Franz Grüter will SVP-Wurmplakat im Kanton Luzern verhindern
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SVP-Ständeratskandidat Franz Grüter ist auf Stimmen aus der Mitte angewiesen. Das umstrittene Wurmplakat passt ihm nicht. (Bild: Montage les)

Ständeratskandidat bangt um Stimmen aus der Mitte Franz Grüter will SVP-Wurmplakat im Kanton Luzern verhindern

4 min Lesezeit 7 Kommentare 20.08.2019, 19:22 Uhr

Die nationale SVP hat die Wahlkampfmaschinerie angeworfen. Mit einem Plakat, das an Nazi-Propaganda erinnert, griff sie ordentlich daneben. Der Luzerner Ständeratskandidat Franz Grüter distanziert sich deutlich. Dennoch dürfte ihn die Aktion Stimmen kosten.

Die SVP ist mit ihrem Wurmplakat in einen Shitstorm geraten. Am Sonntag hatte die Sünnelipartei ein Sujet veröffentlicht, auf welchem die politischen Gegner in der Form von Ungeziefer einen Apfel zerfressen, der die wohlhabende Schweiz darstellen soll. «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?», heisst es dazu. Die Partei hat sich mit dem Plakat ordentlich etwas eingebrockt – die Kritik ist vernichtend. Schliesslich erinnert die Darstellung an Nazi-Propaganda und wurde in ähnlicher Form auch in der antisemitischen Wochenzeitung «Stürmer» abgebildet.

Die SVP-Parteispitze hat zum wiederholten Male zum Mittel der Provokation gegriffen. Schwarze Schafe bleiben ebenso wie Minarette in Form von Raketen in Erinnerung. Doch nützt es der Partei und vor allem ihren Exponenten oder schadet es ihnen?

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Grüter will intervenieren

Franz Grüter kämpft im Kanton Luzern um einen Sitz im Ständerat. Er ist ob der neuen Kampagne alles andere als erfreut. Bereits kurz nach Veröffentlichung hatte er das Plakat im «Tages-Anzeiger» kritisiert: «Die Botschaft kommt zwar klar zum Ausdruck. Aber es gäbe eine bessere Bildsprache, um sie zu transportieren.»

Auf Anfrage von zentralplus sagt Grüter nun: «Ich distanziere mich klar von diesem Plakat.» Er werde sich dafür einsetzen, dass es im Kanton Luzern nicht publiziert oder an Wänden aufgehängt werde. 

«Distanzierung nur teilweise möglich»

Politologe Olivier Dolder, der das Plakat als «absolutes No-Go» bezeichnet, kann Grüters Schritt nachvollziehen: «Für eine erfolgreiche Ständeratskandidatur braucht Grüter Stimmen aus dem bürgerlichen Lager. Er sollte deshalb möglichst gemässigt auftreten.» Eine solche Kampagne aus der Parteizentrale sei genau das, was man unbedingt vermeiden wollte.

«Franz Grüter ist Teil der SVP und deshalb ist eine Distanzierung letztlich nur teilweise möglich.»

Olivier Dolder, Politologe

«Seine Reaktion ist deshalb taktisch sicher richtig», sagt Dolder. «Weil Franz Grüter in der Vergangenheit kaum als Hardliner auftrat, wirkt die Distanzierung auch glaubhaft», so Dolder. Er ergänzt jedoch kritisch: «Aber er ist Teil der SVP und deshalb ist eine Distanzierung letztlich nur teilweise möglich.»

Grüter scheint sich bewusst zu sein, dass das anstössige Plakat ihn Stimmen kosten könnte. «Ich denke nicht primär an meine Kandidatur. Aber wer mich kennt, weiss, dass dieses Plakat nicht meinem Stil entspricht», so Grüter. Die inhaltliche Botschaft, dass verschiedene Kräfte in der Schweiz am Erfolgsmodell rütteln würden, empfindet er als durchaus berechtigt.

CVP-Kandidatin schaut für sich

Unternehmer Grüter zielt mit seiner Kandidatur auf den frei werdenden Sitz des abtretenden CVP-Ständerates Konrad Graber. Für die CVP soll Nationalrätin Andrea Gmür den Sitz verteidigen. Wird sie zur Nutzniesserin der SVP-Kampagne? Insbesondere FDP-Wähler werden sich zwischen ihr und Franz Grüter entscheiden müssen. Dass auch die FDP als Wurm dargestellt wird, könnte Gmür Stimmen aus diesem Lager einbringen – einige sind sogar überzeugt davon.

«Das Inserat hat mich schon ziemlich überrascht», sagt Gmür. Weiter will sie sich nicht zum Fall äussern. «Ich konzentriere mich im Wahlkampf auf mich.» 

FDP-Frau: «SVP schadet ihrem Kandidaten»

Die FDP als Wurm: Das wird auch Karin Ruckli, die Präsidentin der FDP Frauen Luzern, wurmen. Schliesslich unterstützt sie Franz Grüter aktiv – erst letztens erschien ihr Konterfei in der Tageszeitung. Karin Ruckli erzählt, dass sie bereits bei ihrem Komitee-Beitritt teils heftige Reaktionen aus der Parteibasis erhielt (zentralplus berichtete). «Mit dem Inserat habe ich sehr Mühe», sagt sie und verhehlt nicht, dass der interne Druck auf sie dadurch weiter ansteigen könnte. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass dieser von einzelnen FDP-Mitglieder und nicht von der Parteispitze kommt.

«Die SVP macht dadurch eine konstruktive Zusammenarbeit kaputt. Sie schadet ihrem eigenen, aus meiner Sicht hervorragenden Kandidaten definitiv.» Nichtsdestotrotz hält Ruckli an der Unterstützung Grüters fest. «Ich wähle ihn nicht wegen seiner Partei, sondern aufgrund seines Leistungsnachweises», sagt sie.

Auch FDP-Kantonsrat Gaudenz Zemp ist als Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Luzern (KGL) im Komitee von Franz Grüter engagiert. Zum Sujet sagt er: «Das Plakat ist sicherlich wenig geeignet, die künftig dringend nötige Zusammenarbeit mit den politischen Partnern zu fördern.»

Zemp weiter: «Franz Grüter hat sich aber distanziert, insofern berührt das Plakat die Beurteilung des KGL nicht.» Man müsse sowieso zwischen Partei und Person unterscheiden. Eine Ständeratswahl sei eine Personenwahl. «Ob die SVP Franz Grüter einen Gefallen getan hat, ist eine andere Frage», so Zemp. Abgerechnet wird am 20. Oktober. 

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7 Kommentare
  1. R.Heusser, 26.08.2019, 21:06 Uhr

    Leider sind die Würmer im Apfel vielleicht sogar die Svp-Politiker selber . Denn dieses gehässige Gehetze gegen alles , was dieser Partei nicht passt , ist für den Zusammenhalt dieses Landes , nicht wirklich förderlich . Vielleicht gibt es nach den Wahlen ein par Zwängler weniger und das Zusammenwirken mit den andersdenkenden Menschen in diesem Land , kann wieder versucht werden . Ich wünsche es mir und auch der SVP .

  2. Silvio Bonzanigo, 24.08.2019, 01:02 Uhr

    Mehrere Kommentare zeugen davon, dass die Autoren nicht die mindeste Ahnung vom Innenleben einer Partei haben. In jeder Partei gibt es Falken und Tauben, und beide braucht es. Und es gibt in jeder Partei eine schweizerische Parteileitung, die zum Beispiel über die Lancierung einer Volksinitiative oder über eine Plakatkampagne entscheidet. Franz Grüter hat seine ablehnende Haltung gegenüber der Bildsprache des Sujets in mehreren Medien (Tages-Anzeiger, Zentralplus, Regionaljournal SFR) unmissverständlich geäussert. Ich kenne das von der CVP her: Da wird von der Schweizer Parteileitung eine Kostenbremse-Initiative lanciert, die sich schon beim ersten Zusehen hin als Bürokratiemonster ohne Biss zeigt, und dennoch ist man als Parteimitglied aufgefordert, dafür Unterschriften zu sammeln. Wenn einem als Parteimitglied eine Intiative also nicht passt oder ein Plakat nicht genehm ist, dann soll man doch einfach aus der Partei austreten? So simpel denken nur Leute, die sich nie für eine Partei entscheiden konnten und nie Parteiarbeit geleistet haben. Innerparteiliche Auseinandersetzungen muss man auch aushalten können! Franz Grüters Ständeratswahlkampagne ist bestens unterwegs und wird sich vom umstrittenen Sujet nicht beirren lassen.

  3. Christian, 23.08.2019, 14:41 Uhr

    Wie immer bei der SVP. Erst wird gehetzt oder eine üble Plakatkampagne lanciert und wenn man dann merkt, dass der Bogen erneut überspannt wurde, sucht man einfach ein paar “gemässigte” aus den eigenen Reihen(zumindest in den Augen der breiten Masse…) die dann versuchen die Situation wieder etwas zu entspannen.
    Beim nächsten Mal ist dann das Plakat noch eine spur menschenverachtender, rassistischer oder was auch immer. Das Spiel wird dann wieder von vorne los gehen. Wer in der SVP ist, ist mitschuldig. Wäre dies nämlich Grütters ehrliche Meinung, würde er der SVP den Rücken kehren. Als unabhängiger wären seine Wahlchancen im Ständerat einiges höher. So sind aber seine Versuche sich von der Wurm-Kampagne zu distanzieren halt einfach zu unglaubwürdig.

  4. Fritz Blaser, 23.08.2019, 08:42 Uhr

    Mein Vater war Mitglied der ehemaligen BGB mit dieser Bürgerlichen Partei haben die heutigen Parteistrategen seit dem Multimilionär Blocher überhaupt nichts mehr gemeinsam

  5. Dominik Brun, 22.08.2019, 13:20 Uhr

    Vor ein paar Tagen habe ich einen Leserbrief geschrieben – ohne von diesem “gruusigen” Plakat zu wissen – , weil ich es unerträglich finde, als was gewisse SVPler die übrigen SchweizerINNEN anschauen: als Ungeziefer! Nicht als demokratische Mitgestalter! – Nun wurde meine Ansicht ein weiteres Mal grässlich bestätigt: Unsere Schweiz als angefressener Apfel! Danke für Obst!

  6. Kaufmann, 21.08.2019, 14:09 Uhr

    Franz Grüter will sich nach diesem Fehlgriff schnell als Gutmensch darstellen. Warum ist das Inserat heute schon in allen Zeitungen. Der Millionär von Eich ist zusammen mit der SVP mit ausländerfeindlichen Parolen auf Stimmenfang.
    Mit zwei Bundesräten, als grösste Parlaments-Fraktion mit proportional am meisten Bundesrichtern wird bei jeder Gelegenheit gegen die Class Politique gewettert. Woher hat die SVP die Millionen für die werbewalze, die auf uns niederprasselt? Gezielt und konsequent wird von dieser Seite die Transparenz bei der Parteienfinanzierung verhindert.

    1. Silvio Bonzanigo, 24.08.2019, 01:14 Uhr

      “Der Millionär aus Eich” – Herr Kaufmann liebt also auch eher die verallgemeinernde, grobe Tour! Was Herr Kaufmann vermutlich aber nicht weiss: Franz Grüter wuchs zusammen mit sechs Geschwistern in einfachen Verhältnisse auf und absolvierte eine Lastwagenmechanikerlehre. Was Franz Grüter aus diesen Voraussetzungen entwickelt hat, würde eigentlich Ihren Respekt verdienen. Neid und Eifersucht sind aber die bequemeren Ratgeber, nicht? Sie erfordern auch weniger Nachdenken, was ja nur Mühe macht!