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Das Luzerner Theater an der Reuss: Auch für einen Neubau der perfekte Standort? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Salle Modulable Fragen, die keine Fragen mehr sind

7 min Lesezeit 31.03.2014, 05:00 Uhr

Ende Februar wurde das auf den Bermudas gefällte Gerichtsurteil verkündet, welches der Stiftung Salle Modulable die verbliebenen 114,5 Millionen Franken des Butterfield-Trusts zusprach – sofern innert einer noch zu verhandelbaren Frist eine Machbarkeitsstudie präsentiert werden kann. Und für einen kurzen Moment war sie wieder in aller Munde: Die Salle Modulable füllte einmal mehr den Blätterwald. Doch nun herrscht wieder Ruhe. Wo steckt diese Geschichte?

Kurz nachdem Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable, die Regierungsräte Reto Wyss und Marcel Schwerzmann sowie Stadtpräsident Stefan Roth an einer Medienorientierung über den Gerichtsentscheid informierten, meldeten sich Politiker in verschiedensten Medien zum Wort. Die Standortfrage sei zentral, sagten sie, auch die Rolle der Salle Modulable im Projekt «Neue Theater Infrastruktur» und – zu Zeiten der kantonalen Finanzkrise – die Betriebskosten. Dabei scheinen bei näherer Betrachtung diese Fragen gar keine Fragen mehr zu sein. zentral+ über den Ist-Zustand der Salle Modulable und einem Ausblick: Die Salle Modulable wird an der Reuss gebaut und eröffnet im Jahr 2022.

Das «Ding» wird so oder so gebaut

Luzern wird ein neues Theater erhalten. An dieser Tatsache scheint kein Weg vorbeizuführen. Die Kulturagenda 2020 der Stadt Luzern hält fest, was verschiedene Protagonisten immer wieder betonen: Das heutige Theatergebäude habe nur noch eine sehr begrenzte Lebensdauer. Eine Erneuerung der Infrastruktur sei in spätestens 15 Jahren notwendig. Spätestens 2022 soll das neue Haus eröffnet werden. Auch dann, falls die Gelder aus dem Butterfield-Trust, aus welchen Gründen auch immer, doch nicht nach Luzern fliessen. Diskussionen ob es eine Salle Modulable – oder wie immer das neue Theater dann heissen wird – benötigt wird oder nicht, sind daher aus heutiger Sicht nicht mehr als Zeitverschwendung.

Dabei hat die Donation aus dem Butterfield-Trust auch ihren Preis: Die 114,5 Millionen würden die inhaltliche Ausrichtung eines neuen Theaters beeinflussen. Hubert Achermann stellte an der Medienkonferenz im Februar klar, dass man nun nicht einfach ein Theatergebäude erstellen könne, welches mit dem modularen Gedanken der Salle Modulable nichts mehr zu tun hätte. Das neue Theaterhaus in Luzern wird also in seinem Innenraum frei gestaltbar sein. Bühnen- und Zuschauerbereiche werden je nach Aufführung angepasst werden können. Wenn man von Respekt vor dem Mäzen Christof Engelhorn spricht, gilt es auch, die Eckpfeiler seiner Vision zu respektieren und umzusetzen. Mit den 114,5 Millionen verliert der Standort Luzern also die Möglichkeit, das neue Theater von Grund auf den hiesigen Verhältnissen anzupassen. Vielleicht würde ja ein klassisches Theater eher den Anforderungen entsprechen.

Die prominente Versammlung der Luzerner Politiker, welche die Botschaft des Gerichturteils verkündeten, lässt keine Zweifel offen: Jetzt wo die hart umkämpfte Donation hier ist, will man sie sich nicht entgehen lassen. Es wird sich wohl kein Politiker auf das Glatteis wagen, angesichts des benötigten Theaterneubaus die Gelder in Frage zu stellen.

Das «Ding» wird am alten Standort an der Reuss gebaut

Wie schon 2007 wird auch momentan der Standort am heftigsten diskutiert. Überraschenderweise war sogar wieder vom Standort Lido zu lesen, obwohl Stadtpräsident Stefan Roth an der Medienorientierung erneut die «Gehdistanz zum Bahnhof» erwähnte. Andreas Hildenbrand, Pressesprecher der Stiftung Salle Modulable betont zwar, dass die Finanzierungszusage nicht an einen Standort gebunden sei, doch spricht man nunmehr nicht mehr bloss vom Projekt Salle Modulable, sondern vom neuen Luzerner Theater. Da kann es kaum im Sinn einer Stadtentwicklung sein, das Herzstück der Luzerner Kultur nicht im Herzen der Stadt zu bauen. Das bestätigt Dominique Mentha, Intendant des Luzerner Theaters: «Die Standorte Lido oder in Aussengemeinden sind vom Tisch. Das muss man so sehen.»

Die Stiftung Salle Modulable scheint aus dem ersten Chaos, welches die Standortfrage vor dem Gerichtsprozess auf den Bermudas angerichtet hat, gelernt zu haben: «Was die Standortfrage angeht, halten wir uns seitens der Stiftung Salle Modulable zurück», lässt sich Andreas Hildenbrand zitieren.

Dabei liegt es mittlerweile auf der Hand, dass eigentlich nur noch zwei Standorte im Rennen sein können: Das Inseli oder der Standort des jetzigen Luzerner Theaters an der Reuss. Für das Inseli würde die Nähe zum KKL sprechen. Der Standort würde die Möglichkeit bieten, den neuen Theatersaal und das KKL als ein grosses Ganzes zu denken. Dabei könnten diverse Synergien genutzt werden, frei nach dem Motto: Ein Dach – zwei Häuser. Gastronomie, Technik, Reinigung, Administration und viele weitere Bereiche könnten so gemeinsam geführt werden, was sicherlich den Betriebskosten zu Gute kommen würde.

Doch mit dem Standort Inseli bestünde wohl die Gefahr, dass erneut eine Diskussion über die Salle Modulable provoziert werden würde. Und die Politik wird in diesem neuen Anlauf bemüht sein, das Projekt schnell und geräuschlos in eine nächste Planungsphase zu hieven. Und das bringt den Standort des heutigen Theaters in die Pole-Position: Es wird kein zusätzlicher Raum verbaut und wer soll sich dagegen wehren, wenn am Standort des Theaters ein neues Theater gebaut wird? Daher erlaubt sich zentral+ die Prognose: Das neue Luzerner Theater wird an der Reuss gebaut!

«Es wäre eine kreative Herausforderung»

Einziger Knackpunkt am Standort Reuss ist das Theater selber. Um einen Neubau realisieren zu können, müsste das Haus abgerissen werden. Und somit wäre das Luzerner Theater in der Zeit zwischen Abriss und Neueröffnung ohne Heimat. Dominique Mentha steht einem solchen Szenario gelassen gegenüber. Dass Theater wegen einer Rennovation oder Umbau geschlossen würden, sei ein alltäglicher Vorgang: «Einer solchen Schliessung müsste man kreativ gegenüber treten, dann hat sie nur positive Auswirkungen.» Das Theater könne in dieser Zeit in einem Zelt oder einer Fabrikhalle untergebracht werden und das Schaffen schlussendlich auch inhaltlich beeinflussen: «Ein solcher Moment würde die Fantasie anregen, dass Theater auch ausserhalb des Normalen zu denken.»

Dass das Luzerner Theater während der Bauphase komplett schliessen würde, also quasi ruhen würde, ist für Mentha keine Option: «Eine vorübergehende Schliessung würde zur Entlassung des Chores führen und das Luzerner Sinfonie Orchester würde 60 Prozent ihres Engagements verlieren. Das ist undenkbar.» Mit dem Theater während dieser Zeit neue Orte aufzusuchen nennt Mentha eine kreative Herausforderung und er stellt auch klar, dass er im Sinne des perfekten Standorts diese Herausforderung annehmen würde: «Persönlich wünsche ich mir ein neues Theater am alten Standort. Der Platz an der Reuss ist grandios. Ein neues Gebäude in modernster Architektur mit Blick auf den Fluss, das wäre einfach nur traumhaft.»

Attraktivität für Sponsoren steigern

Natürlich wird auch die Finanzierung eines neuen Theaterhauses zu diskutieren geben. Aber auch dieser Diskurs kann heute abgekürzt werden. Im Gegensatz zum ersten Anlauf der Salle Modulable geht es jetzt nicht mehr darum, die Finanzierung eines zusätzlichen Kulturhauses zu ermöglichen. Neben KKL und Luzerner Theater wäre ein weiterer Veranstaltungsort wohl tatsächlich nur sehr schwierig zu finanzieren. Nun geht es aber schlicht um einen Neubau des Theaters – es wird also keine zusätzliche Bühne ins Leben gerufen.

Damit dürften die 22 Millionen Franken, welche jährlich an das Luzerner Theater und das Luzerner Sinfonie Orchester gehen, eins zu eins in das neue Theaterhaus fliessen. Argumente, dass der Neubau höhere Betriebskosten verursachen wird, sind durchaus berechtigt. Im Planungsbericht über die kantonale Kulturförderung wird aber auch festgehalten, dass die aktuelle Infrastruktur des Luzerner Theaters keine ökonomische Bewirtschaftung des Theaterbetriebes zulässt. Ebenso können für Sponsoren keine attraktiven Angebote geschaffen werden. Ein neues Haus würde gerade das ermöglichen und so einen Weg zu den zusätzlich benötigten Mitteln ebnen. Gleichzeitig würde sich die Chance bieten, den Eigenfinanzierungsgrad zu erhöhen. Eine Forderung, welche immer wieder aus den bürgerlichen Kreisen zu hören ist.

Die Politik hat das Ruder übernommen

Als 2007 das Projekt Salle Modulable aufs Parkett kam, war es vor allem die Stiftung, welche versuchte das Projekt voranzutreiben. Folge davon war, das die Diskussionen zwischen Stiftung und Politik um die Rahmenbedingen in erster Linie medial ausgetragen wurden. Der gemeinsame Auftritt der Regierungsräte Reto Wyss und Marcel Schwerzmann, des Stadtpräsidenten Stefan Roth und des Stiftungspräsidenten Hubert Achermann an der Medienkonferenz im Februar zeigte, dass fortan die Politik und die Stiftung Salle Modulable am selben Strick ziehen.

Unter all diesen Umständen behauptet zentral+: Politik und die Stiftung Salle Modulable werden gemeinsam eine neue Machbarkeitsstudie mit einer fundierten Finanzierung eines neuen Theaterhauses an der Reuss präsentieren. Dieses Haus wird zwar nicht mehr Salle Modulable heissen, wird aber die zentralen Eckpfeiler eines modularen Veranstaltungsortes beinhalten. Das Konzept wird im Gegensatz zu früheren Dokumenten keine Fragen offen lassen und so eine erneute und ausufernde Diskussion verhindern.

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