Frage nach Impfprivilegien spaltet die Bevölkerung
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Bei Bereichen, die weniger alltäglich sind und einen gewissen Erlebnis-Charakter haben, steigt die Akzeptanz für Impfprivilegien markant an. Die höchste Zustimmung gibt es für Flugreisen. (Symbolbild: Mat Napo/Unsplash)

Studie der Hochschule Luzern Frage nach Impfprivilegien spaltet die Bevölkerung

4 min Lesezeit 3 Kommentare 08.05.2021, 10:29 Uhr

Konzerte, Fussballspiele, Hotelaufenthalte oder Besuche von privaten Veranstaltungen. Ist das alles bald nur noch für Menschen möglich, die geimpft sind? Die Meinung der Schweizer Bevölkerung geht in dieser Frage weit auseinander, wie eine repräsentative Erhebung der Hochschule Luzern zeigt. In gewissen Bereichen kämen Impfprivilegien gut an.

Das Forschungsteam der Hochschule Luzern hat zwischen dem 28. April und dem 4. Mai über 1’000 Personen aus der ganzen Schweiz gefragt, ob sie – sobald die ganze Bevölkerung die Gelegenheit hatte, sich zu impfen – dafür oder dagegen wären, wenn gewisse Aktivitäten nur noch für Menschen erlaubt wären, die geimpft sind.

Keine Impfprivilegien bei Aktivitäten des täglichen Lebens

Die Ergebnisse der HSLU-Studie zeigen: In den meisten Lebensbereichen wollen die Befragten keine Privilegien für Geimpfte. Am niedrigsten ist der Zuspruch bei Tätigkeiten des täglichen Lebens. So sprechen sich nur gerade 24 Prozent der Befragten dafür aus, dass Geschäfte nur noch mit Vorweisen eines Impfpasses betreten werden dürfen.

Bei der Nutzung des regionalen, öffentlichen Verkehrs sind es 28 Prozent. Auch für Restaurantbesuche (33 Prozent) oder für das Sporttreiben in Fitnessstudios (35 Prozent) ist die Akzeptanz von Impfprivilegien tief. «Das ist wenig erstaunlich», wird Marcel Zbinden, Studienautor und Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Luzern, in einer Mitteilung zitiert. «Ein Zugang nur für Geimpfte wäre in diesen Bereichen für viele eine massive Einschränkung in die persönliche Bewegungsfreiheit.»

Hohe Zustimmung bei Grossanlässen und Flugreisen

Bei Bereichen, die weniger alltäglich sind und einen gewissen Erlebnis-Charakter haben, steigt die Akzeptanz für Impfprivilegien markant an. Die höchste Zustimmung gibt es für Flugreisen. 51 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Flugzeuge nur von geimpften Personen betreten werden dürfen. Auch bei Grossveranstaltungen wie Konzerte oder Fussballspiele sind mehr Befragte dafür als dagegen, dass nur Geimpfte teilnehmen dürfen.

«Offenbar sind die Menschen bereit, für eine eher aussergewöhnliche Aktivität ein Opfer in Form einer Impfung zu erbringen. Und sie erwarten das auch von den anderen.»

Marcel Zbinden, Studienautor und Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Luzern

«Offenbar sind die Menschen bereit, für eine eher aussergewöhnliche Aktivität ein Opfer in Form einer Impfung zu erbringen. Und sie erwarten das auch von den anderen», so Zbinden. Für das Forschungsteam überraschend sind die Umfragewerte bei der Ausübung von bestimmten Berufen: 51 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Pflegeberufe nur noch von geimpften Personen ausgeübt werden dürfen. Bei der Ausübung von Berufen in der Erziehung stimmen 43 Prozent dafür.

Schweiz teilt sich in drei Lager

«Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich die Schweiz bezüglich Impfprivilegien in drei ähnlich grosse Lager teilt», fasst Marcel Zbinden zusammen. 35 Prozent der Befragten lehnen jegliche Impfprivilegien ab. 37 Prozent sind dafür, dass es in einigen Bereichen Privilegien für Geimpfte gibt, während 29 Prozent dafür sind, dass alle oder fast alle abgefragten Aktivitäten nur noch für Menschen, die geimpft sind, erlaubt werden.

Generelle Impfpflicht hat wenig Chancen

Kaum eine Chance dürfte in der Schweiz eine generelle Impfpflicht haben. «Die Idee einer obligatorischen Impfung fällt in fast allen Landesteilen und allen Alterskategorien ziemlich klar durch», erläutert Dominik Georgi, der die Studie zusammen mit Marcel Zbinden leitet. Insgesamt sprechen sich nur gerade 28 Prozent der Befragten für eine Impfpflicht aus. Das zieht sich durch alle Alterskategorien und sozialen Gruppen durch. Einzig im Tessin gibt es mehr Menschen, die eine Impfpflicht befürworten (48 Prozent) als ablehnen (34 Prozent).

Drei Viertel der Bevölkerung möchte sich impfen lassen

Die Impfbereitschaft der Schweizer Bevölkerung ist hoch. Inzwischen sind 73 Prozent der befragten Personen zur Impfung bereit oder haben mindestens eine Impfung schon hinter sich. Nicht überraschend ist die Bereitschaft bei der Altersklasse der über 65-Jährigen besonders hoch. 90 Prozent der älteren Bevölkerung möchte sich piksen lassen – ein grosser Teil von ihnen hat es auch bereits getan.

Aber auch die übrigen Alterskategorien möchten sich mehrheitlich impfen lassen. Den tiefsten Wert weisen die 30- bis 49-Jährigen auf (65 Prozent), gefolgt von den 18- bis 29-Jährigen (69 Prozent). Überraschendes zeigt sich beim Blick auf die Verteilung der Impfbereitschaft nach Geschlecht: Während nur gerade neun Prozent der Männer eine Impfung ablehnen, wollen sich 14 Prozent der Frauen auf keinen Fall impfen lassen. «Das könnte damit zusammenhängen, dass sich Frauen mehr Sorgen um die Nebenwirkungen machen als Männer», schätzt Georgi. Laut dem Konsumentenforscher sei das vor allem auch auf die Medienberichterstattung über die grössere Gefahr für Frauen von Nebenwirkungen bei gewissen Impfstoffen zurückzuführen.

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3 Kommentare
  1. Daniel Steiner, 08.05.2021, 15:14 Uhr

    Interessant dass Grundrechte plötzlich zu Privilegien werden.

    1. Marc Mingard, 08.05.2021, 22:10 Uhr

      Vielen Dank Daniel Steiner das sehe ich genauso.
      Ebenfalls interessant ist die plötzliche Umkehr der Argumentationskette: diejenigen die Rechte eingeschränkt haben stellen sich nun als diejenigen dar, die dafür kämpfen, dass wir ebendiese rechte wieder zurückerhalten, während die welche immer dafür gekämpft haben plötzlich die e Schuld tragen, sie nicht mehr zu haben.

    2. Roli Greter, 08.05.2021, 23:17 Uhr

      Herr Mingard, haargenau auf den Punkt gebracht.

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