Fotograf will Emmen wieder ein Gesicht geben
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Brendan Rühli wohnt selber seit über 20 Jahren in der Gemeinde Emmen. (Bild: zvg)

Nach Bevölkerungsboom raus aus Anonymität Fotograf will Emmen wieder ein Gesicht geben

3 min Lesezeit 10.10.2021, 11:59 Uhr

Die Gemeinde Emmen hat vor fünf Jahren die 30’000. Einwohnerin begrüsst. Mit dem Bevölkerungsboom geht auch eine Anonymisierung einher. Dagegen will der Fotograf Brendan Rühli ankämpfen. Der Emmer hat kurzerhand ein Fotoprojekt lanciert, mit dem er die Einheimischen wieder zusammenbringen will.

Emmen boomt. Lebten vor 170 Jahren noch 1’700 Menschen in der Gemeinde, sind es mittlerweile über 30’000. Wo mehr und mehr Menschen wohnen, da wird es unmöglich, jeden und jede zu kennen. Wächst die Bevölkerung, wird der Raum urbaner – und anonymer. Während manche genau das suchen, kann sich die Anonymität auf andere negativ auswirken: Denn sie kann einsam machen.

Das will Brendan Rühli ändern. Er will diesem Gefühl der Einsamkeit entgegenwirken – und hat deshalb ein Fotoprojekt gestartet. «Mit diesem möchte ich der Gemeinde Emmen wieder ein Gesicht geben. Respektive mehrere Gesichter», sagt Rühli.

Vor Jahrzehnten kannte man sich in Emmen noch

Der 45-Jährige arbeitet bei der Gemeinde als Sozialarbeiter in der Jugend- und Familienberatung. Seit über 16 Jahren gehört das Fotografieren zu seiner Leidenschaft.

Rühli ist in Kapstadt geboren und kam als kleiner Junge in die Schweiz. Erst in Wil im Kanton St. Gallen, wohnt er mit seiner Familie mittlerweile seit 24 Jahren in Emmen. Er erinnert sich, wie es damals war. «Vor 20 Jahren war es noch persönlicher. Man grüsste sich auf der Strasse oder kannte die Menschen, wenn man im Laden ums Eck einkaufen ging. Heute hat sich das massiv geändert.»

«Ich kenne Emmer, die hier aufgewachsen sind und mir sagten, sie kennen mittlerweile nicht einmal mehr ihre Nachbarn.»

Brendan Rühli

Ähnliches hat er auch von anderen Emmerinnen gehört. «Ich kenne Emmer, die hier aufgewachsen sind und mir sagten, sie kennen mittlerweile nicht einmal mehr ihre Nachbarn.» Rühli, der sich selbst als gesellig und gesprächig bezeichnet, findet das schade. Zumal gerade zu Zeiten einer globalen Gesundheitskrise wie Corona noch weniger neue Kontakte geknüpft wurden.

Der Fotograf und Sozialarbeiter Brendan Rühli aus Emmen.

Vielfalt sichtbar machen

Mit seinem Fotoprojekt «Faces of Emmen» will Rühli der zunehmenden Anonymisierung entgegenwirken. «Emmen soll wieder persönlicher werden. Zudem gibt es in Emmen eine Vielfalt an Kultur und Menschen, welche die Gemeinde so spannend und einzigartig machen. Das ist aber viel zu wenig sichtbar.»

Und weil er Menschen mit seiner Kamera gerne so ablichtet, wie sie sind, hat er genau das getan. Für das Projekt ist er auf der Suche nach Freiwilligen, die bereit sind, kostenlos Modell zu stehen. Alter, Aussehen, Herkunft, Religion und so weiter spielen keine Rolle. «Einzig der Mensch steht im Vordergrund», sagt der Fotograf.

Die Porträtserie steht unter dem Slogan «Wir sind Emmen». Rühli hat bisher zwölf Personen porträtiert, vom Teenager bis hin zur 87-jährigen Frau. Menschen, die er bereits gekannt hat, wie etwa den Comedian Sergio Sardella.

So sieht die Porträtserie «Wir sind Emmen» aus:

Durch das Fotoprojekt sollen neue Begegnungen entstehen

Brendan Rühli hat sich bewusst dafür entschieden, dass die Bilder für sich alleine stehen. Die Gesichter – ohne Biografien und Namen. Damit will er eine «Gleichheit aller Emmerinnen und Emmer» schaffen, wie er sagt. Dass alle gleich sind, losgelöst von bekannten Namen oder Doktortiteln. Vorerst ist die Porträtserie «nur» auf seiner Website zu sehen. Für später fasst Rühli ins Auge, das Fotoprojekt allenfalls auch im Rahmen einer Ausstellung der Bevölkerung zu zeigen.

Selber hat er im Rahmen des Projekts bereits neue Bekanntschaften geschlossen – und spannende Gespräche mit Emmern geführt. Menschen wieder näher zusammenzubringen und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, das ist auch, was sich Rühli vom Projekt erhofft. Und dass dadurch vielleicht neue Begegnungen entstehen, weil man in der Bäckerei ein Gesicht sieht, das einem zuvor von der Fotografie entgegengeblickt hat.

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