Isa, garantiert kompliziert Kolumne

Isa, garantiert kompliziert
Forever Single: Warum das andere viel mehr stresst als mich

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Illustration: Mike Bislin)
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Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Illustration: Mike Bislin)

Dauersingle zu sein, das scheint das Umfeld viel mehr zu belasten als unsere Gesellschaftsredaktorin Isabelle Dahinden selbst. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie darüber, wie sie sich neben Gleichaltrigen mit Kind, Hund und Haus fühlt.

«Aberaberaber: S’stresst di scho no nööd, oder?»

Ich lieb’s: Sich mit alten Freunden zu treffen. Da kommen eigentlich immer wieder die gleichen Themen aufs Tapet: Das eine Mal, wo du nach dem einem Bier zu viel auf dem Weg in den Club gekotzt hast. Das eine Mal, wo du dir ein Piercing während der Statistikvorlesung hast stechen lassen. Und dann so: Kind und Job – und was du in deinen 28 Jahren Lebenszeit (nicht) erreicht hast. Was uns eben so als Menschen ausmacht. Meine Studienkollegin jedenfalls erkundigt sich immer nach meinem Beziehungsstatus. «Ob’s mi denn no nööd stresst», fragt sie dann. Nicht der Züri-Dialekt. Vielmehr mein Liebesleben. Und was «da so abgehe».

Mein Liebesleben und warum ich denn noch immer Single bin, scheint andere mehr zu quälen als mich selbst. Ob ich denn Bindungsängste habe, bin ich schon gefragt worden. Oder karrieregeil sei, lesbisch und ungeoutet, das Bild einer alten Jungfer mit 77 Katzen anstrebe, aromantisch, unnahbar und viel zu utopische Vorstellungen hätte. Oder schlicht und einfach nicht für Ernsthaftes zu gebrauchen wäre, weil: «Generation beziehungsunfähig».

Die Liste ist lang. Ganz viele Menschen haben mir so viele mögliche Gründe geliefert, nach denen ich nie gefragt habe. (Ich hab da nur etwas anzumerken: Schenkt mir doch Babyschuhe auf Weihnachten. In der Neustadt gibt’s einen Laden, soooo süss, imfall. Gehäkelte Schuhe. Bitte genderneutrale Farben.)

Als ob ich Tag für Tag morgens im Bett sehnsuchtsvoll mit meiner Hand über die Matratze streichen würde, schmerzerfüllt mein Gesicht. Mein Bett, ja: mein Herz – so leer. Ich wische mir dann die Tränen weg. Jeden Morgen. Steige unter die Dusche, die Tränen vermischen sich mit dem Wasser. So geil, fühle mich wie Beyoncé als broken hearted girl. Bereichere den Orangensaft mit Prosecco, klicke mich durch die Frauenklatschzeitschriften dieser Welt. «Dauer-Single: Was ist falsch mit mir?», steht da. Oder: «Dauer-Single: Bleiben starke Frauen länger Single?», «3 Sternzeichen, die unrealistische Erwartungen an die Liebe haben.» Hach, ich versteht’s nicht. Und der Morgen hat erst begonnen.

Letztens jedenfalls, da habe ich mich auf Facebook durch die Profile alter Bekannter geklickt. Von Verflossenen, Schulfreunden. Da habe ich so Familienbuch-Bildli gesehen mit Frau und Mann, ein Kind an der Hand und das andere auf dem Arm. Bestenfalls steht da noch ein stattlicher Berner Sennenhund neben und ein Haus aus Holz hinter ihnen, fünf Alpakas weiden im Hintergrund.

Ich fühl mich dann so «30 über Nacht»-mässig: ein Teeniemädchen, das im Körper einer 30-Jährigen steckt und den Kopf einer 13-Jährigen hat. Eine, die die Welt nun noch sehen möchte. Und eine, die sich tendenziell mit dem Bewässern des einen Kaktus schon überfordert fühlt.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich hab das Facebook-Bild geliked. Eine Familie zu haben, Menschen, die man liebt und von denen man geliebt wird, ist das Allerallerschönste auf der Welt. Wenn man glücklich ist, mit dem, was man hat und ist.

Nur: Dieses Facebook-Bildli würde ich für mich im jetzigen Zeitpunkt nicht als real erleben wollen. Nicht jetzt, nicht so jung. Jeder hat da schliesslich sein Tempo. Ich befinde mich aber auch in einem verdammt komplizierten Alter. Fällt der Schwangerschaftstest der Kollegin positiv aus – was sag ich dann? «Yippie ya-yeah» – oder doch eher so «F*ck, unerwartet?!» Ich werd an Babypartys eingeladen und Stunden später betrinke ich mich mit einer Kollegin, wir stossen drauf an, dass die Tage nun doch einsetzten, der Schwangerschaftstest nun doch negativ ausgefallen ist.

Ich bin an Nachtessen eingeladen worden, an denen für mich +1 getischt, beim Treffen in der Bar +1 reserviert, mein Name auf der Gästeliste der Nachtclubs dieser Stadt +1 gesetzt wurde. Nun: Merci, lieb von euch. Mich gibt’s nun mal «nur» +0. Findet euch damit ab. Ansonsten: Updates gibt’s per Facebook-Bildli von mir. Nur ohne Kind. Und ohne Hund. Dafür mit einem Büsi. Bleiben wir realistisch.

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1 Kommentare
  1. Alina, 14.11.2021, 16:44 Uhr

    Wie wahr! Und toll geschrieben. 🦄✨

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