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«Foodwaste ist ein Charakterfehler»
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Das nasse Wetter macht ihm zu schaffen. Hans Blaser in seinem Gewächshaus in Ruswil. (Bild: bra)

Gemüsegärtner Hans Blaser «Foodwaste ist ein Charakterfehler»

4 min Lesezeit 18.05.2015, 10:18 Uhr

«Do hämmer de Salot.» Der Gemüsegärtner Hans Blaser postet erfolgreich Facebook-Videos. Und das macht er mit Leidenschaft. Der 57-Jährige erklärt bei einem Besuch in Ruswil, was grüne Orangen sind und wieviel die polnischen Arbeiter auf seinem Feld verdienen. 

Er ist schon fast ein Star im Netz. «Mi Name isch Hans Blaser, ond ich han e Froog a Dich.» Diesen Satz sagt der Ruswiler Gemüsegärtner viel und gerne und begrüsst so die Zuschauer seiner Facebook-Videos.

Die mittlerweile 26 Filme, die er mit der Unterstützung der Migros produziert hat, werden rund 1’000 Mal angeklickt. zentral+ hat ihn getroffen und erfahren, warum er gerade nicht so happy ist, wie auf diesem Video hier. Er hat den Begrüssungs-Satz übrigens leicht abgeändert und «mal etwas Neues ausprobiert».

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Die erste Ernte: Salat


Die Videos seien für ihn «eine grossartige Möglichkeit, unseren Kunden Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen», sagt Hans Blaser. «Viele Konsumenten haben leider den Bezug zur Landwirtschaft verloren. Wir können durch unsere Kurzfilme auch über unsere Spezialitäten und den saisongerechten Konsum informieren.» Viele Zuschauer würden sich mit motivierenden Reaktionen auf Facebook melden. 

Die Migros hat ihn dazu ermuntert, die Filme zu machen. «Wir haben ganz laienhaft mit einfachsten Mitteln begonnen und haben uns an die Öffentlichkeit gewagt. Dafür wurden wir mit viel positiver Aufmerksamkeit belohnt.»

Problem wegen nassem Wetter

Es ist Mitte Mai und die Gemüsesaison hat begonnen. Aber der Blumenkohl will noch nicht so recht. Ein seltener Sonnenstrahl leuchtet kurz aus dem grauen Himmel auf die Felder in der Nähe von Ruswil im Luzerner Rottal. Da steht der 57-Jährige vor seinen Sorgenkindern. «Hier gibt es sicher Ernte-Ausfälle. Seit zwei Monaten pflanzen wir alle zwei Wochen einen Satz Blumenkohl, aber es wurde im April nochmals so richtig kalt, minus 3 Grad Celsius auf dem Feld. Und dann kam der Regen.» 

Die schlechte Blumenkohl-Ernte wird ihn aber nicht in den Ruin treiben, wie er sagt. Das Geschäft laufe gut. Hans Blaser ist «Aus der Region. Für die Region»-Lieferant der ersten Stunde. «Das Label ist in der Zentralschweiz entstanden», sagt der Gemüsegärtner nicht ohne Stolz. Sein Betrieb produziert seit über 70 Jahren für die Genossenschaft Migros Luzern. Das Unternehmen umfasst rund 16 Hektaren Gemüse und 8 Hektaren Freiland-Sommerblumen. Umsatzzahlen möchte Blaser keine nennen.

Bei ihm wachsen «grüne Orangen»

Die Abmachung mit der Migros sei folgende: «Wenn wir Blumenkohl haben, dann bezieht die Migros mit Sicherheit von uns.» Diese vereinbarte «Lieferpriorität« sei fair für beide Seiten, sagt Blaser. «Wir können zum Beispiel auch mal von uns aus eine Wochenend-Aktion wünschen, wenn wir zu viel von einer Sorte haben.» Dann müsse man jedoch bereit sein, preislich Kompromisse einzugehen. 

Wir werfen einen Blick in das Gewächshaus mit den hohen Gurkenstauden. «Woche für Woche kommt ein neuer Artikel hinzu», sagt Blaser. Insgesamt werden hier insgesamt 24 Gemüsearten angepflanzt. Neben den gängigen heimischen Arten zum Beispiel auch der Kohl «Pak-Choi». Er liege bei den Konsumenten momentan sehr im Trend. Oder Blaser’s Liebling: der sogenannte Federkohl. «Ich nenne ihn ‹grüne Orange›, weil er mehr Vitamin C enthält als Orangen.»

Label gibt den Betrieb Perspektiven

Für seinen Betrieb bedeutete das Label eine neue Existenzberechtigung. Vor gut 16 Jahren bekam Blaser die Globalisierung zu spüren. Sie kam schleichend, dann aber immer mehr. «Die Erdbeeren kamen aus Spanien, die Spargeln aus Amerika. Wir wussten nicht mehr, ob es uns überhaupt noch braucht.»  

Diese Ungewissheit sei nun überstanden. «Wir kommen über die Runden. Aber es ist schon eine Herausforderung», sagt Blaser. Die Migros motivierte Hans Blaser und andere Gemüseproduzenten schliesslich dazu, den eigenen Facebook-Account zu eröffnen. Dies brachte ihm bis anhin einige Bekanntheit.

Auf den Feldern werden je nach Jahreszeit 20 bis 50 Arbeitskräfte beschäftigt. «Es sind langjährige Mitarbeiter aus der Schweiz, Portugal und Polen, die fünf bis zwölf Monate bei uns bleiben», sagt Blaser. Sie kämen jedes Jahr gerne wieder und erhalten mindestens 3’200 Franken, das sind branchenübliche Löhne gemäss Empfehlungen des Gemüseproduzentenverbands. «Für ihr Land ist das ein verhältnismässig guter Lohn.» Zusammen mit seinen Brüdern Peter, Urs und Jürg führt Hans Blaser den Familienbetrieb «Gebrüder Blaser Agrokulturen» bereits in der dritten Generation.

«Das macht mich hässig»

Nach dem Rundgang schlägt Hans Blaser noch gesellschaftskritische Töne an. «Foodwaste», also das Wegwerfen von Lebensmitteln, sieht der Gemüsegärtner als «gesellschaftliche Katastrophe». «Das macht mich hässig. Die Leute wissen ja gar nicht, wie aufwendig es ist, Lebensmittel herzustellen.» Dass Nahrungsmittel nicht auf den Tisch kommen und im Abfall landen, sei eine reine Luxuserscheinung. «Foodwaste ist ein Charakterfehler», meint Blaser.

Die Erziehung der Kinder spiele zudem auch eine grosse Rolle. Aber immerhin werde das Problem mehr und mehr wahrgenommen. «Ich mache diese Filme auch, um den Bezug zu den Produkten und das Verständnis der Konsumenten zu fördern.»  

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