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Foodcorner: Currywurst im Sommer statt Umsatz im Winter
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Asiatische Touristen auf einem kulinarischen Abstecher nach Istanbul: Foodcorner im Luzerner Bahnhof.   (Bild: jal)

Betreiber im Luzerner Bahnhof verpassen Ziele Foodcorner: Currywurst im Sommer statt Umsatz im Winter

4 min Lesezeit 07.07.2017, 11:42 Uhr

Am Luzerner Bahnhof gibt es seit einem Jahr einen Foodcorner. Doch der Start verlief für einige der Take-aways nicht wunschgemäss, die Umsatzerwartungen wurden nicht erreicht. Grund: Ein eisiger Wind vertreibt die Gäste, selbst für die Mitarbeiter sei die Situation nur schwer erträglich. Nun könnte sich eine Lösung abzeichnen.

Eine Gruppe asiatischer Touristen steht hinter zwei Schülern in der Schlange, während hinter dem Tresen eine Maschine selbständig Kebab-Fleisch schneidet. Beim «Little Istanbul» im Untergeschoss des Luzerner Bahnhofs ist an diesem Tag bereits um 11.30 Uhr grosser Andrang. Auch bei den anderen drei Take-aways gehen bereits Salate, Currywürste und Burger über den Tisch.

Im Luzerner Bahnhof gibt es seit Juni 2016 einen neuen Foodcorner. Zwischen den Rolltreppen hinauf zum Torbogen und jener zum KKL haben sich vier Take-away-Anbieter einquartiert. Nach dem ersten Jahr ziehen die Betreiber ein durchzogenes Fazit. Die Verantwortlichen beim Little Istanbul sind sehr zufrieden, der Betrieb läuft gemäss Hülya Sezer besser als erwartet. Der Standort Bahnhof garantiere viel Laufkundschaft und ihr Konzept überzeuge die Kunden.

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Ganz anders tönt es gleich nebenan. Bei Dean & David beklagt man die «zu schwache Frequenz», sagt Katharina Reblitz auf Anfrage. Vor allem in den Wintermonaten gebe es noch viel Potenzial, auch wenn mit der wachsenden Bekanntheit auch der Umsatz steige. Mit seiner Spezialisierung auf Salate erstaunt es zudem nicht, dass die Zahlen bei Dean & David im Sommer deutlich besser ausfallen.

«Wenn es richtig kalt ist und dazu eine Bise geht, ist es sogar für die Mitarbeiter an der Grenze.»

Nicolas Theodoracakis, Mitinhaber der Street & Food AG

Auch bei Bobby & Fritz, dem Currywurst-Spezialisten, zeigt man sich zufrieden über das erste Jahr. «Es ist gut angelaufen», sagt Nicolas Theodoracakis, Mitinhaber der Street & Food AG, die Bobby & Fritz betreibt. «Das anspruchsvolle Budget haben wir indes nicht ganz erreicht.»

Es weht ein eisiger Wind

Das Geschäft lief aber anders als erwartet. «Wir rechneten mit vielen Gästen im Winter, dafür im Sommer eher mit einer Flaute.» Doch zurzeit kämen besonders viele Touristen aus dem asiatischen Raum, die auch an heissen Tagen gerne eine Currywurst verspeisen. Der Winter hingegen verlief eher enttäuschend, so Theodoracakis.

Konnte auf den Sommer hin zulegen: Dean & David mit seinen Salaten.

Konnte auf den Sommer hin zulegen: Dean & David mit seinen Salaten.

(Bild: jal)

Dafür gibt es gemäss dem Mitinhaber einen spezifischen Grund: «Wir leiden unter dem Durchzug, der dort unten an kalten Tagen deutlich zu spüren ist. Wenn es richtig kalt ist und dazu eine Bise geht, ist es sogar für die Mitarbeiter an der Grenze.» Zwar habe man Boden- und Deckenheizungen installiert – doch das reiche nicht. Auch bei Dean & David beklagt man das frostige Klima und wünscht sich, dass der Aufenthaltsbereich einladender gestaltet wird. «Im Winter ist es zu kalt, weil der Wind durch das Gleisfeld hinunter in den Bahnhof zieht und dafür kein Windschutz vorhanden ist», sagt Katharina Reblitz von Dean & David.

Genau davon spricht auch Theodoracakis. «Wir möchten gerne einen Windschutz oder eine Art Wintergarten bauen.» Doch damit sei man bei den SBB auf Granit gestossen.

SBB kontern

«Dass dieser Standort in der kalten Jahreszeit von Durchzug und kühlen Temperaturen betroffen ist, war uns bewusst», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. «Dies haben wir den Mietern aber schon bei den Bewerbungsgesprächen entsprechend mitgeteilt.» Der Bahnhof sei eben kein abgeschlossener Raum.

«Die SBB suchen mit einem Architektenteam eine Lösung, welche architektonisch und baulich umsetzbar ist.»

Reto Schärli, Mediensprecher SBB

Er dementiert, dass sich die SBB gegen Pläne für Windschutzwände und einen Wintergarten-Ausbau wehrten. Im Gegenteil: «Die SBB suchen mit einem Architektenteam eine Lösung, welche architektonisch und baulich umsetzbar ist – und seitens der Behörde bewilligt werden kann», sagt Reto Schärli. Ein Wintergarten-Ausbau sei aber nicht bewilligungsfähig. Das Ziel sei, eine temporäre Lösung zu finden – beispielsweise mittels Windschutzwänden, die im Sommer demontiert werden können.

Hadern mit dem Standort

Die Kälte ist nicht der einzige Kritikpunkt. Mehrere Betreiber finden, der Foodcorner werde zu wenig beworben. «Es gibt keine Schilder im Obergeschoss, die darauf hinweisen, dass es da noch eine ganze Essens-Meile im Untergeschoss gibt», sagt Katharina Reblitz von Dean & David. Auch Theodoracakis bedauert, dass man bei den anderen Eingängen zum Bahnhof keine Werbeplakate aufhängen dürfe.

Setzen auf Currywurst und seit kurzem auf amerikanischen Hot Dog: Bobby & Fritz.

Setzen auf Currywurst und seit kurzem auf amerikanischen Hot Dog: Bobby & Fritz.

(Bild: jal)

Dass man zu wenig Werbung mache, diesen Vorwurf weisen die SBB zurück, entgegnet Mediensprecher Reto Schärli. «Wir praktizieren seit Jahren gerade im Bahnhof Luzern ein sehr erfolgreiches Marketing mit umfassenden Massnahmen wie Events, Promotionen, Verteilaktionen, Werbung und Radiospots.» Die hohen Frequenzen und die seit Jahren anhaltenden Umsatzsteigerungen bestätigen das in seinen Augen.

Laut SBB hat sich der Foodcorner sehr gut bewährt. «Der Ausbau und die Qualitätssteigerung beim Angebot sowie das neue, moderne Erscheinungsbild zeigen Wirkung und haben sich positiv auf die Kundenzufriedenheit ausgewirkt», so Schärli.

Wie gross diese Umsätze im Foodcorner des Luzerner Bahnhofs sind, ist jedoch nicht bekannt. Keiner der vier Essensstände will Zahlen offenlegen. Bei der Westschweizer Burgerkette Holy Cow war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Burger und Gourmet: Das verspricht Holy Cow zu verbinden.

Burger und Gourmet: Das verspricht Holy Cow zu verbinden.

(Bild: jal)

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