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Flixbus kommt noch dieses Jahr nach Luzern
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Luzern will für den deutschen Fernbus-Giganten Flixbus gerüstet sein. (Bild: zvg)

Kanton wappnet sich – Fernbus-Terminal geplant Flixbus kommt noch dieses Jahr nach Luzern

6 min Lesezeit 1 Kommentar 19.01.2017, 12:11 Uhr

Nicht so schnell wie der Zug, aber deutlich günstiger: Fernbusse sind stark im Kommen, insbesondere durch das Vorpreschen des deutschen Billiganbieters Flixbus. Der Fernbus-Riese will 2017 auch Luzern ins Streckennetz aufnehmen – obwohl das Terminal sehr abgelegen ist. Nun will Luzern subito nachbessern.

Der deutsche Fernbus-Marktführer Flixbus prescht in den Schweizer Markt vor – und kommt nun auch nach Luzern. «Wir planen, Luzern 2017 ins Streckennetz aufzunehmen», sagt Pressesprecherin Marika Vetter auf Anfrage von zentralplus. Zurzeit befinde man sich noch in der Genehmigungsphase. Fernbus-Linien bedürfen einer Bewilligung des Bundesamtes für Verkehr, wobei innerschweizerische Linien wegen der Konkurrenz zur Bahn untersagt sind (siehe Box unten).

Flixbus hofft, bereits im Frühling oder Sommer die Linien über Luzern anbieten zu können. Welche Routen im Detail anvisiert werden, will Vetter noch nicht verraten. Nur soviel: «Geplant sind mehrere Linien in Richtung Italien und Deutschland.»

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Fernbusse sind im Vergleich zu den internationalen Zugverbindungen teilweise deutlich günstiger. Bei Flixbus beispielsweise fährt man für rund 40 Franken von Zürich nach Berlin. Wer genug früh bucht, kommt auch bei den SBB zu einem ähnlich günstigen Ticket, der Normalpreis liegt aber ein Vielfaches höher. Seit der Liberalisierung des Marktes in Deutschland sind Fernbusse stark im Aufwind – wobei inzwischen mehrere Unternehmen von Flixbus geschluckt wurden. Doch am Marktführer wird auch immer wieder Kritik laut (siehe Box).

Luzern will nachbessern

Inzwischen fährt Flixbus elf Schweizer Städte an. Luzern war bislang aber noch nicht auf dem Radar des grünen Riesen. Doch der Kanton Luzern hat die Weichen für den neuen Trend bereits gestellt – und will ebenfalls mitziehen.

Konkret geht es dabei um die Infrastruktur: Zurzeit müssen alle Fernbusse, die in Luzern nur einen Zwischenstopp einlegen, bei der Autobahnraststätte Neuenkirch halten. Nur jene, die in Luzern starten und enden, dürfen aufs Inseli, das ist eine Vorgabe der Stadt.

«Die heutige Situation ist nicht befriedigend.»

Christoph Zurflüh, Verkehrsverbund Luzern

Nun will der Kanton ein neues, zentraleres Fernbus-Terminal schaffen. «Die heutige Situation ist nicht befriedigend, weil ein grosser Teil der Fernbusse auf der Autobahnraststätte in Neuenkirch hält und somit an einem Ort, der nicht mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen ist», sagt Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbundes Luzern.

Tiefe Preise zu Lasten der Sicherheit und Angestellten?

Der Preis für tiefe Preise ist hoch: Um möglichst günstig zu sein, würden Flixbus und andere Fernbus-Unternehmen bei der Sicherheit und den Arbeitsbedingungen sparen. Das kritisierten der deutsche Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und sein Team in ihrer aktuellsten Reportage für RTL. Als Beweis diente eine verdeckte Recherche: Ein Journalist heuerte während zwei Jahren immer wieder als Fernbus-Fahrer an, unter anderem bei Flixbus. Das Fazit: Die Ruhezeit sei mehrmals klar unter das gesetzlich vorgeschriebene Niveau gefallen. Flixbus spricht auf seiner Website von Einzelfällen und hält fest, dass die Missachtung von Sicherheitsauflagen nicht toleriert würden und man den Vorwürfen nachgehe.

Die Planungsarbeiten für das neue Terminal dürften in diesem Jahr aufgenommen werden, sagt Mirija Weber, Kommunikationsverantwortliche des zuständigen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements (BUWD). Involvert sein werden voraussichtlich die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, der Verkehrsverbund, die betroffenen Gemeinden und auch Fernbusanbieter. Für das neue Terminal sind im neuesten Agglomerationsprogramm drei Millionen Franken vorgesehen, realisiert werden soll es ab 2019.

Bessere internationale Verbindungen

Doch wieso mischen sich die Behörden in einen privaten Markt ein? «Die Bahn hat den internationalen Verkehr von und nach Luzern nicht ausgebaut, es ist eher das Gegenteil der Fall», sagt Christoph Zurflüh. Ein Beispiel: Seit dem Fahrplanwechsel hat sich für Luzern trotz des neuen Gotthard-Basistunnels die Verbindung Richtung Mailand verschlechtert. Dafür verantwortlich sind einerseits wirtschaftliche Gründe: Oft rentieren die Verbindungen nicht. Andererseits gibt es im Schienennetz, gerade auch in Luzern, Engpässe in der Infrastruktur.

Flixbus drängt in den Schweizer Markt: Luzern soll ab Frühling oder Sommer angefahren werden.

Flixbus drängt in den Schweizer Markt: Luzern soll ab Frühling oder Sommer angefahren werden.

(Bild: zvg)

Den Luzerner Behörden geht also es in erster Linie darum, die internationale Anbindung der Stadt und Region zu gewährleisten. Da sieht man in den Fernbussen offenbar Potenzial. Der Verkehrsverbund könne sich deshalb eine internationale Anbindung vermehrt mit Fernbussen vorstellen, so Zurflüh. «Wir spüren, dass das Thema Fernbusse an Bedeutung gewinnt und Luzern für die grösseren Anbieter, die in die Schweiz kommen, ein Thema werden könnte.» Gerade für Luzern als Touristenstadt könnte der aufkommende Fernbus-Markt attraktiv sein, glaubt Zurflüh. Denn die günstigen Angebote sprechen besonders Junge an. «Das könnte für Luzern eine Chance sein.»

«Wir freuen uns, dass unsere Region international so noch besser erschlossen wird.»

Sibylle Gerardi, Luzern Tourismus

Auch Sibylle Gerardi, Leiterin Unternehmenskommunikation von Luzern Tourismus, bezeichnet Fernbusse als bedeutendes und beliebtes Transportmittel. Tatsächlich sind sie für Luzern kein neues Phänomen: Bereits heute verkehren ab Luzern rund 70 Linien in rund 15 verschiedene Länder, vorwiegend in den Balkanraum oder nach Italien (siehe Grafik). Diese Linien würden bislang aber nur teilweise touristisch genutzt, sagt Gerardi. Die meisten Unternehmen werben nicht gross dafür und werden oft von eingewanderten Familien gebucht, die Verwandte besuchen oder in der Heimat Ferien verbringen. 

Von Luzern aus bedienen Fernbusse europaweit zahlreiche Destinationen. (Bild: Luzernmobil.ch, Stand: August 2015)

Von Luzern aus bedienen Fernbusse europaweit zahlreiche Destinationen. (Bild: Luzernmobil.ch, Stand: August 2015)

Gerardi ist überzeugt: «Für Luzern ist die Erweiterung des Angebotes ein Vorteil und ergänzt die übrigen Anreisemöglichkeiten sehr gut.» Fernbusse seien im Vergleich zu Flugzeug und dem individuellen Autoverkehr auch umweltfreundlich. «Wir freuen uns, dass unsere Region international so noch besser erschlossen wird.» Und weil Fernbusse meist günstiger sind als Bahn, Auto und Flugzeug und die Angebote flexibler, werden laut Gerardi sicherlich auch zusätzliche junge Gäste angesprochen. «Mit dem Ausbau erwarten wir, dass die Fernbus-Verbindungen künftig vermehrt touristisch genutzt werden.»

Kriterien: Zentral und gut erschlossen

Welche Orte für das neue Terminal in Frage kommen, können zurzeit weder der Verkehrsverbund noch der Kanton sagen. Die Kriterien für den neuen Standort seien noch nicht definiert, sagt Mirija Weber, Sprecherin des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. «Wichtig ist, dass das Terminal gut ans ÖV-Netz angeschlossen ist und zentrumsnah liegt.»

«Es entspricht dem Wunsch unserer Fahrgäste, an einem zentralen Ort mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr ein- und auszusteigen.»

Marika Vetter, Mediensprecherin Flixbus

Der deutsche Fernbus-Riese Flixbus würde ein zentraleres Terminal begrüssen. «Das wäre für uns interessanter, weil es dem Wunsch unserer Fahrgäste entspricht, an einem möglichst zentralen Ort mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr ein- und auszusteigen», sagt Marika Vetter. Dies insbesondere auch, weil Luzern als touristische Attraktion vermutlich von vielen Passagieren mit Gepäck besucht würde, so Vetter. Der Entscheid, Luzern ins Netz aufzunehmen, ist jedoch unabhängig von den Plänen für das neue Terminal gefallen.

Steht ein Kurswechsel bevor?

In der Schweiz gilt das sogenannte Kabotage-Verbot: Eine Fernbuslinie darf keine Konkurrenz zu einer ÖV-Linie darstellen. Das führt zur kuriosen Situation, dass Passagiere in internationalen Fernbussen nicht überall ein- und aussteigen dürfen. Ein Beispiel: Fährt ein Bus von Amsterdam über Basel und Zürich weiter in den Süden, darf niemand in Basel ein- und in Zürich aussteigen. 

Doch langsam findet ein Umdenken statt – ausgelöst durch Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV). Er hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er Fernbusse gegenüber offen ist und Konkurrenz der Bahn sogar gut tun würde. Das sorgt für Bewegung in der Branche: Vor kurzem hat ein Zürcher Unternehmen beim BAV Gesuche für drei Linien eingereicht, die innerhalb der Schweiz liegen. Darunter die Strecke Zürich-Bern, für die der Billettpreis des Unternehmens bei zwölf Franken liegen soll. Der Entscheid über die Gesuche soll in den nächsten drei Monaten fallen – er könnte wegweisend sein für die weitere Entwicklung. Viele in der Branche befürchten bei einer Öffnung des Marktes einen harten Verdrängungsmarkt mit Dumpingpreisen.

Luzern sieht Fernbusse nicht als Konkurrenz

Der Kanton Luzern vertritt eine vergleichsweise liberale Haltung. Denn auch in Luzern werden Fernbusse nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr erachtet. «Wenn man auf der Bahn kaum internationale Verbindungen hat, kann der Fernbus nur beschränkt eine Konkurrenz darstellen», sagt Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbundes Luzern. Die Rolle der öffentlichen Hand sieht er darin, die Fernbusse zu koordinieren. Mit ein Grund für die offensive Position dürfte sein, dass man von anderen Schweizer Destinationen aus einfach mit dem Zug nach Paris, Hamburg oder Wien fahren kann, Luzern hingegen kaum internationale Zugverbindungen aufweist.

 

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1 Kommentare
  1. Markus-Andreas Bamert, 24.01.2017, 07:59 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Vor 10 Tagen habe ich sehr interessiert die Sendung *Team Wallraff – Reporter Undercover* verfolgt. Es war ein in vielen Punkten recht detaillierter Report, in der die Reporter verdeckt als Mitarbeiter von Flixbus gearbeitet haben. Dabei wurden verschiedene teilweise sehr bedenklichen Missstände aufgedeckt. Unter anderem solche in der Arbeitszeiterfassung und Sicherheit die aufzeigen, auf welche Kosten Flixbus zwar wirtschaftlich Erfolgreich, jedoch an der Grenze zwischen Illegalität und krimineller Energie zu seinen Tiefpreisen kommt.

    Mit freundlichen Grüssen
    Markus Bamert

    TEAM WALLRAFF, REPORTER UNDERCOVER:
    Bei ihren Undercover-Recherchen decken RTL-Reporter Martin Schulte und Enthüllungsjournalist Günter Wallraff u.a. immer wieder Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeit-Regelungen sowie Sicherheitsmängel bei Fahrzeugen auf. Sie zeigen u.a. auf, dass der Branchenriese Flixbus mit den für sie fahrenden Subunternehmen Fahrpläne aushandelt, die oftmals kaum eingehalten werden können. Den so entstehenden Zeitdruck bei den Touren müssen in der Regel die Fahrer ausbaden. Um in der Zeit zu bleiben, bleibt ihnen oft nichts anderes übrig, als vor allem die vorgeschriebene Ruhezeit zu umgehen. Damit begeben sie sich nicht selten an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit – ungeachtet ihrer hohen Verantwortung für die Fahrgäste.