Flanierzone statt Verkehrsachse: Stadt prüft neue Idee beim Pilatusplatz
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So könnte die neue verkehrsberuhigte Obergrundstrasse aussehen. (Bild: Visualisierung/zvg)

46 Parkplätze müssten in Luzern weichen Flanierzone statt Verkehrsachse: Stadt prüft neue Idee beim Pilatusplatz

5 min Lesezeit 30.11.2018, 10:06 Uhr

Anstelle einer dreispurigen, stark befahrene Strasse, soll es mehr Platz für Fussgänger geben: Die Stadt prüft eine neue Verkehrsführung beim Pilatusplatz. Die Idee für die sogenannte Y-Lösung kommt aus den Quartieren. Zankapfel dürften 46 wegfallende Parkplätze werden.

Der Verkehrsknotenpunkt Pilatusplatz ist ein Dauerbrenner, nicht nur wegen der ewigen Baubrache und des geplanten Hochhauses. Auch der Verkehr sorgt immer wieder für Diskussionen. Zusammen mit dem Kanton, der EWL und dem Entsorungsunternehmen Real will die Stadt Luzern deshalb den Platz umfassend sanieren und aufwerten.

Diverse Massnahmen des kantonalen Strassenbauprogramms sind zusammen mit dringenden Werkleitungssanierungen geplant. Unter anderem müssen die Bushaltestellen gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes angepasst werden, teilt die Stadt Luzern mit. Zudem sind Velowege über den Platz, Verbesserungen für Fussgänger und eine Aufwertung der Oberfläche geplant. Das Vorprojekt dazu wurde Ende Juli 2018 abgeschlossen.

Y-Lösung würde Entlastung bringen

Nun schlägt die Stadt jedoch überraschend eine komplett andere Verkehrsführung vor und will das Projekt überdenken. Konkret will man prüfen, ob die während der Bauzeit vorgesehene provisorische Verkehrsführung als dauerhafte Lösung beibehalten werden könnte.

Das sieht so aus: Der Verkehr würde stadtauswärts vom Pilatusplatz her Richtung Kasernenplatz nicht mehr wie heute über die Obergrundstrasse entlang der Stadtverwaltung führen, sondern über den Hallwilerweg, wo heute die Fahrzeuge stadteinwärts fahren (siehe Bild unten). «Die Obergrundstrasse zwischen Pilatusplatz/Hotel Restaurant Anker und Hirschengraben wird bei dieser, ‹Y-Lösung› genannten Verkehrsführung, massiv vom Verkehr entlastet», so die Stadt Luzern in einer Mitteilung.

So würde die neue Verkehrsführung aussehen: Der Verkehr würde nicht mehr über die Obergrundstrasse (gelb markiert), sondern über den Hallwilerweg (grüne Pfeile) führen.

So würde die neue Verkehrsführung aussehen: Der Verkehr würde nicht mehr über die Obergrundstrasse (gelb markiert), sondern über den Hallwilerweg (grüne Pfeile) führen.

(Bild: zvg)

Idee kommt von Quartiervereinen

Die Idee für die neue Verkehrsführung kommt aus einer Sitzung, an der die Stadt das Vorprojekt vorgestellt hat. Teilgenommen haben Anstösser, Liegenschaftsbesitzer, Quartiervereine, Wirtschafts- und Verkehrsverbände.

Mehrere Teilnehmende der Begleitgruppe – darunter alle drei Quartiervereine – hätten kritisiert, dass das Vorprojekt zu wenig Mehrwert aufweise. Die Teilnehmenden haben deshalb angeregt, die Verkehrsführung des Vorprojekts zu überdenken.

«Letztlich entscheidet der Kanton.»

Adrian Borgula, Stadtrat

Nun nimmt der Stadtrat den Ball auf, er «teilt die Einschätzung aus der Begleitgruppe, dass diese Variante Potenzial hat», schreibt er. Mitte Juni hat er das Tiefbauamt beauftragt, die neue Verkehrsführung «Y-Lösung» auf ihre Machbarkeit zu prüfen. Die Studie liegt seit Ende September 2018 vor.

Fazit: Technisch sei diese Variante «grundsätzlich machbar». Der Kanton Luzern als Eigentümer der betroffenen Strassen sei über die Abklärungen der Stadt Luzern informiert. Der Stadtrat hat die Studie am 24. Oktober diskutiert und hält die Y-Lösung «für einen grundsätzlich interessanten Ansatz».

«Nun wollen wir das weiterdenken und gehen in den Dialog mit der Öffentlichkeit und allen Anspruchsgruppen», sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). Einen definitiven Entscheid werde man erst in Kenntnis der Rückmeldung fällen. Und sowieso: «Letztlich entscheidet der Kanton», sagt Borgula.

Die Verkehrsführung auf dem Hallwilerweg heute. Die Y-Lösung schlägt vor, die Spur links für den Gegenverkehr zu öffnen – die Parkplätze müssten weg.

Die Verkehrsführung auf dem Hallwilerweg heute. Die Y-Lösung schlägt vor, die Spur links für den Gegenverkehr zu öffnen – die Parkplätze müssten weg.

(Bild: les)

Weniger Lärm, mehr Platz

Mit der Y-Lösung würde ein rund 1’700 Quadratmeter grosser, verkehrsberuhigter Abschnitt entstehen, eine durchgehende Busspur mit Anlegekante, Raum für den Velo- und Fussgängerverkehr, Anlieferungen sowie Ver- und Entsorgung plus womöglich einige Kurzzeit-Besucherparkplätze.

Zudem schwebt dem Stadtrat «eine breite und attraktive Aussenfläche» vor, die vielfältig bespielt und genutzt werden könnte – etwa mit Aussensitzplätzen für Restaurants und Cafés, Auslagen der Geschäfte oder öffentlichen Sitzgelegenheiten. Der Zugang zu den Läden und Büros auf dem Inselbau würde attraktiver.

«Es macht einen Unterschied, ob da pro Stunde 50 Busse oder zusätzlich 1350 Autos verkehren.»

Adrian Borgula

Die Buslinien würden entlang des Stadthauses eine breitere und verlängerte Anlegekante erhalten. «Der dadurch gewonnene Platz bietet Möglichkeiten für gedeckte Wartebereiche mit Sitzgelegenheiten und ein breiteres Trottoir», so der Stadtrat. Zudem würde der grosse Inselbau, das Gebäudeensemble zwischen Hallwilerweg und Obergrundstrasse, auf einer Seite vom Strassenlärm entlastet.

Adrian Borgula sieht in der Aufwertung grosses Potential – speziell für die Boulevardgastronomie wie «Melissa’s Kitchen» oder den «Anker»: «Es macht einen Unterschied, ob da pro Stunde 50 Busse oder zusätzlich 1350 Autos verkehren. Fussgänger fühlen sich viel freier.» Er sieht die verkehrsberuhigte Fläche als «Eintritt in die Kleinstadt». «Der Anker würde zur Pforte in die Innenstadt», so Borgula.

Parkplätze könnten zum Problem werden

Zu diskutieren dürften vor allem die Parkplätze geben: Aktuell gibt es um den Mittelbau 46 öffentliche Parkplätze. Auch das ursprüngliche Vorprojekt würde zu einem Abbau zwischen 26 und 34 Parkplätzen führen – dies vor allem aus gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsgründen. Der Abbau von zentralen Parkplätzen rund um den Inselbau müsse «gut analysiert werden», ist sich der Stadtrat bewusst.

Bei der Y-Lösung würden voraussichtlich alle Parkplätze rund um den Inselbau aufgehoben. Adrian Borgula sagt: «Für die dortigen Geschäfte braucht es eine Lösung.» Es gebe die Möglichkeit für Umschlag- und Kurzzeitparkplätze, auch eine Kompensation woanders wäre denkbar – all das werde die Feinplanung zeigen. «Grundsätzlich ist das Gebiet hervorragend erschlossen mit dem ÖV und nahen Parkhäusern», so Borgula.

So geht’s nun weiter: Der Stadtrat hat bis Ende 2018 eine Konsultation gestartet, um herauszufinden, wie Beteiligte die Y-Lösung beurteilen. Nebst stadtinternen Bereichen nehmen daran teil: Kanton Luzern, Verkehrsverbund Luzern, Verkehrs- und Baukommission, Teilnehmende der Begleitgruppe sowie Bewohner und Nutzerinnen des Inselbaus.

Frühestens ab 2023

Nach Abschluss der Abklärungen werde der Stadtrat einen Entscheid fällen, voraussichtlich im ersten Quartal 2019. «Sollte sich die Y-Lösung als bessere Variante erweisen, würden mit dem Kanton Verhandlungen aufgenommen», so der Stadtrat. Dann würden auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie betreffend Aufwertungspotential des verkehrsbefreiten Abschnitts konkretisiert. Frühster möglicher Baustart für die Y-Lösung liegt zwischen 2023 und 2026.

Zur Finanzierung kann der Stadtrat noch keine verlässlichen Aussagen machen. Sollte der Stadtrat die Y-Lösung verwerfen, würde das ursprüngliche Vorprojekt vorangetrieben, dieses könnte frühestens ab 2022 umgesetzt werden.

So könnte die Y-Lösung für den Verkehr am Pilatusplatz aussehen.

So könnte die Y-Lösung für den Verkehr am Pilatusplatz aussehen.

(Bild: zvg)

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