Firmen sorgen für Garagen-Boom in Zug
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Fahrzeuge im Premium-Segment verkaufen sich besonders gut im Kanton Zug. Aber nicht nur diese. (Bild: woz)

Gefragt sind Premiummarken statt Elektroautos Firmen sorgen für Garagen-Boom in Zug

3 min Lesezeit 1 Kommentar 04.01.2018, 17:24 Uhr

Warum läuft die Automobil-Branche im Kanton Zug vergleichsweise zu anderen Gegenden in der Schweiz so gut? Und das, obwohl der Bodenpreis für die Autohändler in Zug ja gerade nicht so erschwinglich ist wie anderswo. Die Antwort der Fachleute fällt eindeutig aus.

Im Herbst dieses Jahres eröffnet eine neue Autogarage in Steinhausen: Die MB Auto Center Zug AG verkauft dort dann die noblen Limousinen mit dem Stern. Dies, nachdem die Auto Kaiser AG nicht mehr offizieller Mercedes-Benz-Vertragshändler im Kanton Zug ist.

Neue Mercedes-Garage ist Ersatz

Die neue Garage in Steinhausen ist in diesem Sinn zwar kein völlig neuer Autohändler im Kanton Zug – sondern nur die Ersatzgarage für Zuger Mercedes-Benz-Kunden. Gleichwohl ist der kleinste Vollkanton reich gesegnet mit Autohändlern.

Und das, obwohl die Autogaragen, die naturgemäss viel Fläche brauchen, um ihre Automobile zu zeigen, nicht gerade mit Schnäppchenpreisen für den Grund und Boden konfrontiert sind.

Peter Bucher, Immobilienexperte der Zuger Kantonalbank, kann bestätigen: «Im Vergleich zur restlichen Schweiz weist Zug sehr hohe Grundstücks- und Immobilienpreise aufgrund der überdurchschnittlich hohen Attraktivität des Standorts auf.»

Doch die Autohändler scheinen diesen teuren Kosten für den Flächenbedarf kompensieren zu können. Denn, wie Beat Struchen, Geschäftsführer der Amag in Zug erklärt, sind in Zug eben deutlich mehr Fahrzeuge auf den Strassen unterwegs, die im Premium-Bereich verkauft werden.

«In Zug gibt es viele Firmen, die sich Fahrzeugflotten leisten.»

Beat Struchen, Amag Zug

«Mercedes, Audi, BMW verfügen im Kanton Zug über deutlich höhere Verkaufszahlen als in der restlichen Schweiz», versichert der Autohändler. Grund: Viele Zuger haben eben mehr im Portemonnaie als Einwohner anderer Kantone. Dass die Amag Holding in Cham auch noch Karossen der ganz noblen Art offerieren kann – wie Bentley und Maserati – unterstreicht diesen Fakt.

Rund 25’000 Fahrzeuge im gehobenen Bereich

«Wohl oder übel sind die Bodenpreise im Kanton Zug viel teurer», sagt der Amag-Geschäftsführer. Andererseits würde auch der Nicht-Premium-Bereich unter den Automobilen im Kanton Zug gut laufen. Also, auf gut Deutsch, all die anderen Autos für Normalverdienende.

Der Grund hier laut Struchen: «In Zug gibt es viele Firmen, die sich Fahrzeugflotten leisten. Wir beliefern viele Firmen, auch internationale Unternehmen, die eben ihren Hauptsitz hier haben.»

Seit 2014 residiert Porsche in Rotkreuz.

Seit 2014 residiert Porsche in Rotkreuz.

(Bild: zvg)

Auch heimische Experten können diese Autotrends bestätigen. Beat Grepper, Präsident des Autogewerbeverbands Zug (AGVS), versichert, dass ein Drittel aller Fahrzeuge im Kanton Zug aus dem Premium-Bereich stamme. Das sind laut Fahrzeugstatistik 2017 rund 25’000 Personenwagen.

«Die Kaufkraft in Zug ist eben schon deutlich stärker als vergleichsweise im Kanton Jura oder auch schon im Kanton Luzern.»

Beat Grepper, Präsident Autogewerbeverband Zug (AGVS)

Ursache für dieses Phänomen: die Kaufkraft der Zuger. «Und die ist eben schon deutlich stärker als vergleichsweise im Kanton Jura oder auch schon im Kanton Luzern.» Wobei es sich aufgrund der teuren Bodenpreise im Kanton Zug nur die Generalimporteure mit grösseren Stückzahlen, wie etwa Porsche in Rotkreuz, leisten könnten, nach Zug zu kommen.

«E-Mobility noch nicht ausgereift»

Aber warum leisten sich dann eigentlich nicht mehr kaufkräftige Zuger ein Elektromobil? Schliesslich zeigt eine Statistik des Zuger Strassenverkehrsamts: 2016 wurden in Zug 47’555 Personenwagen mit Benzin- und 24’553 mit Dieselantrieb registriert. Im Vergleich dazu wirkt die Zahl der reinen «Stromer» – sprich: Elektrofahrzeuge – mit 216 geradezu mickrig. Das sind gerademal 0,3 Prozent reine Elektrofahrzeuge. (zentralplus berichtete).

Idyllisch unter Bäumen parkiert: Die Elektroautos von Mobility. Leider fährt nur ein minimaler Prozentsatz der Zuger elektrisch.

Idyllisch unter Bäumen parkiert: Die Elektroautos von Mobility. Leider fährt nur ein minimaler Prozentsatz der Zuger elektrisch.

(Bild: woz)

Gut, die teuren Teslas laufen nicht schlecht – die Nobel-E-Schlitten von Elon Musk haben ja auch seit einiger Zeit eine Niederlassung in Cham. «Das ganze Konzept der E-Mobility ist eben noch nicht ganz ausgereift», erklärt sich Grepper dieses Phänomen. Will heissen: Es fehlten noch weitere Stromtankstellen im Kanton Zug.

«Der ökologische Kreislauf ist nach wie vor nicht ideal mit Autobatterien, die nur schwer abbaubar sind.»

Beat Grepper

«Zudem ist der ökologische Kreislauf nach wie vor nicht ideal mit Autobatterien, die nur schwer abbaubar sind», so Grepper. Nicht zuletzt mache E-Mobility erst dann wirklich Sinn, wenn das Stromnetz von Solarzellen gespeist werde. «Sonst hätte die Schweiz abends ja keinen Strom mehr, wenn plötzlich die Hälfte aller Autofahrer ihre Autos nach Feierabend aufladen würden.»

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1 Kommentare
  1. Walter Fassbind, 08.01.2018, 10:01 Uhr

    Interessant, nur weit weg von Fakten …
    So gibt es in der Stadt Zug inzwischen 450 rein elektrisch oder Hybrid-angetriebene PW’s. Alleine im Jahr 2017 waren von 119 Fahrzeuge 89 mit solchen Antrieben dazugekommen. Oder anders berechnet: Von den im 2017 neu immatrikulierten PW’s in der Stadt Zug, waren 74.7% Elektro oder Hybrid. Der Anteil stieg damit auf fast 3%.
    Zu den Ladestationen: In der Stadt Zug gibt es 9 öffentliche Ladestationen und vermutlich mehrere hundert private Ladestationen. Dies deshalb, weil man öffentliche Ladestationen nur dann nutzt, wenn man weiter unterwegs ist. 99% der Elektromobilisten haben ihre eigene Tankstelle zu Hause oder am Arbeitsplatz.
    Zum Strombedarf: Der Energieverbrauch von mit Diesel und Benzin betriebenen Fahrzeugen (PW’s inkl. LKW’s und Diesellocks) ist in etwa gleich hoch wie der gesamte Stromverbrauch der Schweiz (siehe Gesamtenergiestatistik des Bundes, 60’000GWh). Aber Elektromobile sind um mind. Faktor 4 effizienter als diese alten mobilen Heizungen. Würden die Hälfte also elektrisch fahren, würden dafür lediglich 7’500GWh benötigt. Demnach würde der Stromverbrauch also lediglich um 12% steigen. Soviel wäre jeder von uns in der Lage einzusparen. Oder etwa nicht?

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