Filme über eine oft vernachlässigte Minderheit
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Das PinkPanorama Filmfestival findet vom 12. bis 18. November 2020 statt. (Bild: PinkPanorama Filmfestival)

PinkPanorama Filmfestival Filme über eine oft vernachlässigte Minderheit

3 min Lesezeit 13.11.2020, 12:28 Uhr

Zum 19. Mal lädt das PinkPanorama Filmfestival Luzern ins Stattkino ein. Mit einer Vielzahl queerer Filme aus unterschiedlichen Ländern sollen die Kinogäste – trotz auf 50 Personen begrenzte Platzzahl und Maskenpflicht – in die Säle gelockt werden.

Indianara Siqueira lässt, begleitet von Bekannten, einen Sarg in ein in die Erde gegrabenes Loch sinken. «Was ist noch wichtig, wenn wir tot sind? Am Ende des Lebens ergeht es uns allen gleich, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Orientierung.» Mit dieser Äusserung konfrontiert die im Dokumentarfilm Indianara porträtierte Trans*-Aktivistin und Politikerin die Zuschauenden mit einer wichtigen Feststellung.

Der Film Indianara porträtiert die gleichnamige Trans*-Aktivistin. (Bild: PinkPanorama Filmfestival)

Dokumentarfilm aus Brasilien macht den Start

«Indianara» bildet am Donnerstagabend den Start das einwöchigen PinkPanorama Filmfestivals Luzern im Stattkino. Der Dokumentarfilm aus Brasilien entstand zwischen 2016 und 2018. Er erzählt vom beeindruckenden Kampf der brasilianischen Trans*-Aktivistin Indianara Siqueira gegen die Diskriminierung und für die Rechte von Trans*-Menschen und Sexarbeitenden.

Vor allem in einer Zeit politischer Unruhen, verursacht durch die Amtsenthebung von Dilma Rousseff 2016, die darauffolgende Präsidentschaft von Michel Temer und die Wahl von Jair Bolsonaro im Jahr 2018, erfordert dieser Kampf grosses Engagement und Hartnäckigkeit.

Gemeinsam mit einer kleinen Trans*-Community in Rio de Janeiro verliert sie, trotz Enttäuschungen, den Optimismus und die Beharrlichkeit nicht. In der Forderung nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung kennt die radikale Aktivistin keine Kompromisse.

Die Kamera führt nahe an die Menschen heran. Der Film unter der Regie von Aude Chevalier-Beaumel und Marcelo Barbosa zeigt viel Haut. Körper und Gesichter der Dargestellten erscheinen echt, pur und ungeschönt. Diese körperliche Nähe zu den Menschen auf der Leinwand macht ihre Emotionen für die Zuschauenden greifbar. Es sind diese Emotionen, die dem Film einen stark rührenden und gleichzeitig erschütternden Charakter geben.

Mit ausdauernder Hartnäckigkeit setzt sich Indianara Siqueira für Akzeptanz und Toleranz der Trans*-Gemeinschaft ein. (Bild: PinkPanorama Filmfestival)

Fokusthema Black & Queer

Nach «Indianara» und dem autobiografischen Spielfilm Futur Drei, die beide am selben Abend gezeigt wurden, erwarten jeden Abend gleich mehrere Filme die Besuchenden. Darunter ist zum Beispiel «Our Dance of Revolution», der am 15. November 2020 gezeigt wird.

Der Film, der das Fokusthema des Festivals Black & Queer aufgreift, dokumentiert, wie eine Gruppe von schwarzen, queeren Menschen in der kanadischen Stadt Toronto gegen gesellschaftliche Ausgrenzung kämpft. Auf die Filmvorführung folgt eine Diskussion zur Situation von Schwarzen und queeren Menschen in der Schweiz mit den Gästen Serena Dankwa, Angela Addo und Keiran Chapatte.

Aktuelles und bedeutendes Thema

Am PinkPanorama Filmfestival geht es nicht nur um blosse Unterhaltung. Das queere Filmfestival möchte das Publikum auf die LGBTIQ+-Bewegung sensibilisieren, die Toleranz für Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung steigern und in der Gesellschaft fest verankerte, heteronormative Normen aufbrechen.

Die Filme geben Einblick in das Leben von Minderheiten und ihren Kampf um mehr Akzeptanz. Mit dem Fokus Black & Queer erhält das Festival durch die «Black Lives Matter»-Bewegung eine zusätzliche Relevanz und Aktualität.

Das Filmfestival findet vom 12. bis 18. November 2020 im Stattkino Luzern statt. Durch die Schutzmassnahmen des Bundes ist die Anzahl Besuchender auf 50 Personen beschränkt. Programm und Tickets sind auf der Website abrufbar.

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