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Feuerhorn 2018: Zu heiss geduscht
  • Gesellschaft
Wahlen, Schwingen und Sexismus: Im aktuellen Feuerhorn wird nichts ausgelassen. (Bild: Montage wia )

Höhepunkte der Zuger Fasnachtszeitung Feuerhorn 2018: Zu heiss geduscht

6 min Lesezeit 08.02.2018, 16:49 Uhr

Eine alte Bauernregel besagt: Nichts zieht mehr als Sex und nackte Frauen. Diese Weisheit hat sich die Zuger Fasnachtszeitung «Feuerhorn» auch 2018 zu Herzen genommen. Obwohl die Zeitungsmacher in anderen Gebieten witziger daherkommen und mit dem einen oder anderen politischen Seitenhieb auffahren.

Niemand kommt an der #MeToo-Debatte vorbei. Zu allerletzt die Fasnachtszeitung «Feuerhorn», die das Thema ziemlich ausschlachtet. Die diesjährige Ausgabe trumpft gleich zu Beginn mit einem «Yes – WeToo»-Kommentar auf, in dem beteuert wird, dass man die ganze Bewegung natürlich ernst nehmen müsse. Worauf dann ein grosses Aber folgt. So enerviert sich das Blatt darüber, dass man heute Frauen kein Kompliment zum Kleid «oder – noch schlimmer – zur guten Figur in diesem Kleid» machen könne, ohne gleich mit einer Anklage wegen sexueller Belästigung rechnen zu müssen.

«Und wir finden es unter jeder Gürtellinie, wenn die harmloseste Anschuldigung (selbst ohne Rechtsgrundlage) reicht, um einen Menschen öffentlich an den Pranger zu stellen und sein berufliches und privates Leben zu ruinieren.» Der Kommentar schliesst mit der Aussage, dass die Feuerhorn-Redaktion die selbstbewussten und starken Frauen liebe. Frauen, «die über einen Frauen-Witz oder einen missglückten Anmach-Spruch auch mal lachen können – nicht nur in der Fasnachtszeit!»

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Ob damit der harmlose Blondinenwitz gemeint ist, der mit Humor zu nehmen ist oder derbe Sprüche gemeint sind, wird im Heft nicht näher erläutert.

Anti-Sexismus-Kampagne ad absurdum

Dafür bietet das vom Feuerhorn ins Leben gerufene Amt für Geschlechterschutz (AFGUTZ) zahlreiche Tipps und Tricks gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Diese reichen von «Der oberste Knopf bei Blusen und Hemden darf nicht vor acht Uhr abends geöffnet werden» bis hin zu: «Um sexuelle Gedanken während der Arbeitszeit zu vermeiden, werden je nach Zivilstand und Möglichkeit Geschlechtsverkehr oder Onanieren vor dem Arbeitsantritt empfohlen.»

Trotz der kompletten Absenz des Zuger Skandals und deren Beteiligten im Heft scheint ebendieser Skandal bei der Redaktion noch ziemlich präsent zu sein scheint (zentralplus berichtete).

Insbesondere bei Aussagen wie «Im Zweifelsfall gilt die Schuldvermutung. Für Männer sowie Parteimitglieder und Sympathisanten der SVP wird jeweils das doppelte Strafmass angesprochen», wird man das Gefühl nicht los, dass der eine oder andere auf der Feuerhorn-Redaktion ganz glücklich ist, etwas Frust abzulassen bezüglich vermeintlich widerfahrenem Unrecht.

#MeToo ad absurdum: Die Empfehlungen des «Amt für Geschlechterschutz»

#MeToo ad absurdum: Die Empfehlungen des «Amt für Geschlechterschutz»

(Bild: Feuerhorn 2018)

Meditieren vor der Stadtratssitzung

Item. Abgesehen von MeToo und WeToo bietet das Heft natürlich noch weitere Themen. So steht die kommende Wahl des Stadtpräsidenten ausführlich zur Debatte. Das Feuerhorn blickt in die mögliche Zukunft und prophezeit, was sich denn bei jeder möglichen Besetzung in der Stadt Zug ändern würde: Präsidiert André Wicki künftig den Stadtrat, könne man davon ausgehen, dass jede zweite Stadtratssitzung auf dem Zugerberg stattfände. Hochgefahren würde natürlich mit dem Bike. Zudem würden sämtliche Gebühren gestrichen und die Stadt zügig mit Hochhäusern vollgepflastert.

Wird Vroni Straub Stadtpräsidentin, dürfen die Schüler in der Stadt nur noch «mit glismete Socke erscheinen», zudem würde die relativ neue Abteilung Kind Jugend Familie von heute 55 Angestellten auf 550 aufgestockt. Gewinnt Karl Kobelt, blühen dem Stadtrat vor jeder Sitzung künftig Meditationsstunden. Weiter werden «die Gebühren verzehnfacht, damit die Rechnung der Stadt Zug noch grösser wird als die der Stadt Zürich.»

Wird Urs Raschle ins Präsidium gehievt, prophezeit das Feuerhorn, dass jede zweite Stadtratssitzung im Männerbad stattfindet. «Jedes Ratsmitglied muss einen Hund und eine Flasche Wein mitbringen.» – Die Vorgeschichte: Einst machte sich Raschle für ein Alkoholverbot auf öffentlichem Grund stark. Und scheiterte damit vor dem Grossen Gemeinderat. Ebenso erging es dem Sicherheitsvorsteher mit einem ursprünglich geplanten Hundeverbot.

Der Yellow Submarine knapp entgangen

Auf die Schippe nimmt das Feuerhorn weiter den öffentlichen Verkehr in Zug, der letztes Jahr die Passagiere nicht immer ganz so zuverlässig von A nach B brachte. Angefangen mit dem fahrerlosen Shuttle-Bus «Olli», dessen Pilotphase eigentlich letztes Jahr hätte stattfinden müssen. Aber auch über das Gastschiff Yellow wird gespottet. Dessen Motor stieg während einer Fahrt plötzlich aus, worauf es von der MS Schwyz gerettet werden musste. «Übrigens: Wäre das gelbe Schiff damals abgesoffen, wäre es von Zug Tourismus einfach als Yellow Submarine vermarktet worden», befindet das Feuerhorn trocken.

Häme gibt’s auch für besagtes Kursschiff Schwyz, welches letzten November auf Grund lief, weil es nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte. «Auf Empfehlung des Sachverständigen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle sollen noch in diesem Jahr analog zum Strassennetz auch auf dem See entsprechende Verkehssignale platziert werden.»

Soziale Wohnungen mit Zuger Finish

Unter der Rubrik «Kurz und Uninteressant» finden sich einige hübsche Seitenhiebe gegen die Stadt. So etwa beim Thema preisgünstiger Wohnraum, für das der Stadtrat bereits viel Spott erntete – und das ganz ohne Feuerhorn (zentralplus berichtete). So schreibt die Fasnachtszeitung über neu definierte Kriterien, welche künftige Bewerber für soziale Wohnungen erfüllen müssen:

  • Steuerbares Einkommen nicht über 100’000 Franken
  • Steuerbares Vermögen nicht über 1 Million Franken
  • Maximal je 1 Ferienwohnung in der Schweiz und im Ausland
  • Maximal 1 angemeldetes Fahrzeug pro Zimmer (Elektrofahrzeuge werden nicht angerechnet)

Ein weiteres, süffiges Geschichtlein bietet das Feuerhorn zum letzten Regierungsratsreisli. Nach dem Ausflug seien die vier Zuger Regierungsräte Hürlimann, Villiger, Schleiss und Tännler im «Chübel» gelandet, um sich dort den Abend mit Jass und Wein um die Ohren zu schlagen. Die Rotwein-Rechnung über 1200 Franken sei vom Landschreiber Tobias Moser dann gleich postwendend zurück an die Ratsmitglieder gelangt. Man möge sie doch bitte selber bezahlen.

Apropos Heinz Tännler: Weiter steht das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 (ESAF) im Fokus der Fasnachtszeitung. Darunter auch ein hübsches Gerücht. Nämlich, dass niemand anders als ESAF-Präsident Heinz Tännler für das Plakatsujet Modell gestanden sei. – Schwer erkennbar, sieht man auf dem Plakat nämlich apart vom unscharfen Zytturm einzig einen in Schwingerhosen gekleideten Hintern.

Das Original-Plakat.

(Bild: ESAF 2019)

 

Hat Heinz Tännler als Fotomodell herhalten müssen?

Hat Heinz Tännler als Fotomodell herhalten müssen?

(Bild: Feuerhorn 2018)

Zudem munkelt man beim Feuerhorn, dass bei der Confiserie Speck neben dem Hanfspeckli aufs ESAF hin eine Gebäck-Version mit Sägemehl ins Sortiment kommen solle. «Auch bei diesem kulinarischen Wurf soll 1 Liter Baarer Bier oder Eistee genügen, um das trockene Gebäck schmerzfrei hinunterzuspülen.»

Wunderbare Gerüchte gibt die Zeitung zudem in der Sparte «Aus den Gemeinden» preis. Denn auch dort ist heuer Wahljahr. Entsprechend wird über künftige Gemeinderäte und -präsidentinnen gemutmasst. Die schönste der Spekulationen: «Der Steinhauser Gemeinderat nominiert Stefan Thöni von der Piratenpartei als Gemeinderat. So kann der Steinhauser Jura-Lehrling, der mit zahlreichen Klagen seit Jahren die Gerichte auf Trab hält, die von ihm zur Einsicht verlangten Gemeinderatsprotokolle lesen. Dank diesem Trick entfallen die hohen Kosten für die Aufbereitung der vielen hundert Seiten.»

Ach, da ist sie ja, die Nackte

Und die angekündigte nackte Frau? Die findet in folgender Geschichte eine Plattform: Im Zuger Rathauskeller ertönte zu mitternächtlicher Stunde der Feueralarm. Der Grund sei allerdings weder ein Feuer in der Sterneküche noch ein Brand in der Kehle der letzten Mohikaner am Stammtisch des altehrwürdien Zuger Lokals gewesen. «Den Alarm ausgelöst hatte eine Überportion Wasserdampf, ausgelöst durch eine Person, die in der Wohnung über dem Restaurant offensichtlich a) zu heiss und b) zu lange geduscht und c) vom ganzen Vorfall überhaupt nichts mitbekommen hatte.»

Schlüpfrige Zeichnungen gehören ins Heft. Finden die Feuerhorn-Redaktoren offenbar.

Schlüpfrige Zeichnungen gehören ins Heft. Finden die Feuerhorn-Redaktoren offenbar.

(Bild: Feuerhorn 2018)

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