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Fertig Balladen: Luzerner Geschwister treten mit einer klaren Message an
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Ihr Ziel ist der ESC-Final: «Zibbz» sind die Geschwister Stee und Corinne «Co» Gfeller. (Bild: Pascal Gut)

«Zibbz» wollen an den Eurovision Song Contest Fertig Balladen: Luzerner Geschwister treten mit einer klaren Message an

6 min Lesezeit 04.02.2018, 11:32 Uhr

Ihr Ziel ist Lissabon: Die Luzerner Band «Zibbz» will die Schweiz am Eurovision Song Contest vertreten. Dazu müssen sich die Geschwister Corinne «Co» und Stee Gfeller am Sonntagabend gegen fünf Mitbewerber durchsetzen. Ihre Karriere verdanken sie auch Gölä.

«No, I ain’t throwing stones» singt Corinne «Co» Gfeller, die Sängerin des Duos «Zibbz», in «Stones». Mit dem Song wollen sie und ihr Bruder Stee Gfeller am kommenden Eurovision Song Contest (ESC) auf der Bühne der Altice Arena in Lissabon für die Schweiz antreten. Doch zuerst gilt es am Sonntag, die Vorausscheidung gegen fünf weitere Schweizer Songs zu bestehen (siehe Box).

Nein, das ist keine dieser gemächlich-romantischen Balladen, die einen wohlig einlullen. «Stones» ist ein energetischer Song mit Schlagkraft und einer ernsten Message. «Es gab schon genug Liebeslieder am ESC, die von schönen Frauen in hübschen Kleidern gesungen worden sind», sagt die 32-jährige Co Gfeller. «Wenn wir als ‹Zibbz› schon die Chance bekommen, auf einer so grossen Bühne zu stehen, wollen wir eine Message haben, die uns am Herzen liegt.»

Der Song ist eine Anklage gegen Mobbing und Leute, die mit Steinen auf andere werfen. «Das passiert täglich, überall. Menschen, die anders sind, werden fertiggemacht. Früher sind sie gesteinigt worden, heute passiert das online auf eine ganz feige Art und Weise», sagt die Sängerin.

Mit der Musik im Blut zur Welt gekommen

Ihre Leidenschaft für die Musik ist den Geschwistern in die Wiege gelegt worden. Ihre Eltern spielten schon in einer Rock ’n‘ Roll-Band, als sie sich kennen lernten. Die Mutter ist Schlagzeugerin, der Vater Bassist und Gitarrist.

«Meine erste Erfahrung mit dem Schlagzeug habe ich gemacht, als meine Mutter mit mir im Bauch auf der Bühne stand», erzählt Stee Gfeller (30). Ihr Bruder habe ständig Unsinn getrieben und für Unruhe gesorgt, erinnert sich Co. «Er hatte immer diesen kleinen Holzhammer bei sich, weswegen alle dachten, er werde mal ein Handwerker», erzählt sie, «doch dann merkten wir, dass er damit nichts bauen, sondern einfach überall rumtrommeln will.»

Ihr Song «Stones»:

 

Stees Schwester hingegen liebte das Tanzen und wollte ursprünglich Zirkusartistin werden. Das Singen entdeckte sie erst später während ihrer Ausbildung zur Musicaldarstellerin in London. Stee Gfeller studierte gleichzeitig am Winterthurer Institut für aktuelle Musik (WIAM).

In dieser Zeit komponierten sie gemeinsam ihre ersten Songs übers Telefon – er in der Schweiz, sie in London am Piano. Der einstmals entfernte Traum von einer Musikerkarriere war nicht mehr länger ein Traum, sondern wurde zur realen Option.

Knotenpunkte

Vor rund zehn Jahren fiel der Entscheid, Berufsmusiker zu werden. Dabei profitierten die Geschwister vom Netzwerk ihrer Eltern, zu dem die Keiser Twins gehörten, welche Mitglieder der Gölä-Band waren. Als dort kurzfristig eine Background-Sängerin ausfiel, wurde Co angefragt, ob sie einspringen will.

Ähnlich erging es Stee etwas später, als sich der Schlagzeuger der Gölä-Band verletzte. «Sie brauchten Ersatz für einen Gig am Samstag. Ich hatte zwei Tage Zeit, die Songs zu lernen», erinnert er sich.

Entscheidungsshow auf SRF

«Zibbz» und fünf andere Finalisten aus der Schweiz treten am Sonntag (20.05 auf SRF zwei) zur Entscheidungsshow «Eurovision Song Contest 2018» an. Das Publikum und eine Jury wählen schliesslich den Gewinner, der im Mai nach Lissabon zum «Eurovision Song Contest» reist und dort die Schweiz vertritt.

Das seien so Momente im Leben, «Knotenpunkte», wie Stee sagt, da müsse man einfach liefern. Der Job in der Gölä-Band war ein Glücksfall, der ihnen auch finanziell etwas Luft verschaffte. Nebenher starteten sie mit der eigenen Band und nahmen die Arbeit an ihrem ersten Album auf.

Dann entschieden sie sich, ins Ausland zu ziehen. Es standen mehrere Städte zur Auswahl, ihr Herz eroberte schliesslich Los Angeles. Da sie als Ausländer in Amerika nicht so leicht Arbeit erhielten, wurde das Geld schon bald einmal knapp. Unverhofft erreichte sie ein Angebot vom Fernsehen.

Jemand vom Jugendsender «Joiz» hatte im Internet ihren neuesten Song gehört und kam zum Schluss, dass die beiden ideal zum Sender passen würden. Als Resultat entstand eine wöchentliche Fernsehshow, in welcher die Geschwister von 2011 bis 2015 Einblicke in ihren Musikeralltag boten. Damit war die Miete erst einmal bezahlt.

 

Stee und Corinne «Co» Gfeller leben in Los Angeles und Gisikon.

Stee und Corinne «Co» Gfeller leben in Los Angeles und Gisikon.

(Bild: Amanda Nikolic)

Zwischen Los Angeles und Gisikon

«Wäre ich allein in LA gewesen, hätte ich schon bald den Flieger zurück nach Hause genommen», erzählt Co. «Es ist eine Stadt, in der du schnell einsam werden kannst.» Die Leute in LA seien grundsätzlich sehr offen, erzählen die Geschwister, doch damit gehe auch eine Oberflächlichkeit einher, an die sie sich erst hatten gewöhnen müssen.

«Du knüpfst sehr schnell Kontakte, aber oft wissen die Leute schon am nächsten Tag nicht mehr, wer du bist», erzählt die Sängerin. «Wenn in LA jemand sagt: ‹That’s the most amazing thing I ever saw›, heisst das nicht viel mehr als: ‹Das fand ich ganz schön.› Das mussten wir erst einmal lernen», fügt Stee bei.

«Zibbz» spielen auf dem Weg auf den Pilatus:

 

Inzwischen leben die Geschwister mit ihren Lebenspartnern in einer Art Künstler-WG, wo sie einmal im Monat eine grosse Jamparty mit befreundeten Musikern veranstalten. «Da kommen rund 50 bis 60 Leute vorbei und es geht richtig ab», sagt Stee.

Die eine Hälfte des Jahres verbringen sie in LA und die andere in Gisikon. «LA ist unser Labor», erklärt Stee, «wo wir unser Homestudio haben und an den Songs rumbasteln.»

Mit harter Arbeit zum Erfolg

Ihr erstes Album «Ready? Go!» erschien 2013 und war eine Zangengeburt. «Damals war noch alles offen. Niemand wusste so genau, in welche Richtung es musikalisch geht», erinnert sich Co. Sie nahmen die CD mit einem amerikanischen Produzenten auf, doch die Plattenfirma war nicht voll überzeugt und schickte die Musiker zurück ins Studio. «Wir mussten das Album sozusagen zwei Mal produzieren», erzählt sie.

Ihr zweites Album «It takes a Village» haben sie im letzten Jahr herausgebracht. Diesmal ohne Plattenfirma im Rücken. Stee übernahm die Produktion. «Inzwischen sind wir eine kleine Company geworden. Wir machen alles selbst, vom Layout bis zu den Musikvideos», erzählt er. Finanziert haben sie das Album mittels Crowdfunding.

Am Sonntag gilt's ernst: «Zibbz» treten an der Vorausscheidung für den ESC an.

Am Sonntag gilt’s ernst: «Zibbz» treten an der Vorausscheidung für den ESC an.

(Bild: Amanda Nikolic)

Der Weg, den sie in den letzten zehn Jahren zurückgelegt haben, war oft steinig. «Der Erfolg kommt nicht von Beginn an», resümiert Stee, «davor musst du lange intensiv arbeiten. Das Wichtigste ist, nicht aufzugeben.» Es habe viele Momente gegeben, in denen er gezweifelt habe. «Das musst du durchstehen und dir vor Augen halten, dass auch wieder eine andere Phase kommt.»

Co hat in all den Jahren gelernt, nicht mehr alles so wichtig zu nehmen. «Was dir im einen Moment vielleicht wie das Allergrösste überhaupt erscheint, spielt ein Jahr später womöglich nur noch eine kleine Rolle», sagt sie.

Der Einzug ins Finale als grosses Ziel

Jetzt steht der Eurovision Song Contest auf dem Fahrplan, am Sonntag steht der Liveauftritt an, der darüber entscheidet, ob sie nach Portugal fliegen oder nicht. Bisher haben sie in ihrem Umfeld nur positives Feedback zu ihrer Teilnahme erhalten. «Die Leute wissen, was das für eine Riesenchance für uns ist, unsere Musik auf so einer grossen Bühne vor ganz Europa zu präsentieren.»

Sie haben sich hohe Ziele gesteckt. Sie wollen nicht nur am Sonntag gegen die Schweizer Konkurrenz bestehen, sondern danach in Portugal den Finaleinzug schaffen. Entsprechend gross ist der Druck, den sie sich selbst auferlegt haben. Die Herausforderung werde sein, trotz der hochgesteckten Ziele und des ganzen Drumherums beim Auftritt möglichst gelassen zu bleiben, erzählt Stee.

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