Ferien in Italien: So fühlt es sich an
  • Gesellschaft
Dem Ziel nahe: Blick aus dem Flugzeug auf den Aetna. (Bild: zvg)

Mit dem Flieger nach Sizilien Ferien in Italien: So fühlt es sich an

3 min Lesezeit 18.06.2020, 17:51 Uhr

Die Grenzen zu den Nachbarländern sind seit Dienstag wieder geöffnet, erste Flieger starten wieder in den Süden. Doch lohnt es sich, in Corona-Zeiten den Weg ins Ausland anzutreten? Ein Zuger erzählt, wie er die Reise nach Sizilien erlebt hat.

Obwohl die Anzeigetafel in Kloten kaum Flugbewegungen anzeigt, ist die Schlange vor dem Check-in-Schalter so lange wie üblich. Und auch die Gepäckaufgabe dauert ewig, zumal nur gerade vier Schalter bedient sind. Einzig die Lautsprecherdurchsage, die an das Maskentragen erinnert, zeugt von der aussergewöhnlichen Situation.

Überraschend dann, dass beim Boarding und während des ganzen Fluges Maskenpflicht herrscht. Dies jedoch nicht wegen Edelweiss, offenbar handelt es sich dabei um eine Vorschrift der italienischen Gesundheitsbehörden.

Da das Boarding so deutlich länger dauert, starten wir trotz des wenigen Flugverkehrs mit Verspätung. Auf dem weitgehend leeren Flugfeld warten einige Maschinen der Swiss auf ihre Passagiere, die einzige ausländische Maschine ist von Alitalia.

Der Flieger ist vollständig ausgebucht

Der Airport zeigt sich auch sonst sehr entvölkert, von der sonst üblichen Hektik und Betriebsamkeit ist nichts zu spüren. Viele Läden sind geschlossen, einsame 50-Prozent-Schilder suchen vergebens Kunden.

An Bord findet kein Duty-free-Verkauf statt. Auch das Essenssortiment sei eingeschränkt, heisst es über den Bordlautsprecher. So begnügt man sich mit einem eingeschweissten Laugenbrötli mit Butter und einem kleinen Biber. Dazu werden die üblichen Getränke serviert. War das auf dieser zweistündigen Strecke je anders? Auch das  Bordmagazin fehlt, so finden sich in den Rückenlehnen nur Notfallanweisungen. 

Anders als erwartet ist der Flieger vollständig ausgebucht. Bei der Mehrzahl der Passagiere scheint es sich um Italiener zu handeln, häufig ganze Familien und Betagte, die wohl einfach endlich wieder in ihre Heimat wollen.

Während des ganzes Flugs gilt die Maskenpflicht.

Die übliche Vorfreude fehlt

Alle verhalten sich während des Fluges sehr diszipliniert, die sonst übliche Vorfreude auf bevorstehende Ferien scheint ganz zu fehlen. Gerade einmal sechs Flüge sollen an diesem Tag Catania erreichen, davon ist jener aus Zürich der einzige aus dem Ausland.

Das Thermoscanning, bei dem die Körpertemperatur der ankommenden Passagiere gemessen wird, verläuft sehr effizient, es wird niemand angehalten. Und auch meine leichte Erkältung bleibt unbemerkt. 

Bei der Begrüssung wird weiterhin geküsst

Auf der Insel selbst zeigt man sich vom Coronavirus weitgehend unbeeindruckt. Die Strände sind gut besucht, wenn auch ausschliesslich von Einheimischen. Diese kommen sich nahe wie eh und je, und auch das Küsschen links und rechts darf bei der Begrüssung nicht fehlen. 

Es wird in Gruppen gegessen und auch die Maskenpflicht wird teilweise locker gesehen, zumindest in Restaurants, wo man diese bis an den Tisch und beim Gang zum WC tragen müsste. Einzig vom Personal und in Supermärkten wird die Vorgabe konsequent eingehalten.

Zu sehen sind aber immer wieder auch vorwiegend ältere Personen, die maskiert im Auto unterwegs sind – sei dies zu zweit oder auch alleine, was kaum Sinn ergibt. Handdesinfektionsmittel steht wie in der Schweiz beim Eingang aller Geschäfte, während die Hinweisschilder zu den Verhaltensregeln hier gänzlich fehlen.

Am Strand sind vor allem Einheimische.

So friedlich hat man Sizilien noch nicht erlebt

Touristen lassen sich hier bisher nur ganz vereinzelt blicken, auf den Strassen geniessen ausländische Nummernschilder Seltenheitswert, die Autovermieter haben kaum Kunden. In Syracusa, wo sonst Kreuzfahrtschiffe täglich Tausende von Passagiere ausspucken, gehört die Altstadt wieder ganz den Einheimischen. Restaurants können ohne Reservation besucht werden, wenn auch sehr viele Betriebe noch nicht wieder geöffnet haben. 

Auch sollen noch nicht ganz alle Attraktionen wieder geöffnet sein. Doch so friedlich und so ursprünglich wie derzeit wird man Sizilien wohl lange nicht mehr erleben. Da nimmt man auch die etwas striktere Maskenpflicht als in der Schweiz in Kauf.

Am Markt in Syrakus sind kaum Touristen zu sehen.

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