Felssturz droht «jederzeit und ohne Vorwarnung»
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600 Lastenwagenladungen Geröll stürzten am 11. Januar 2016 in die kleine Emme und überschwemmten das Land. (Bild: ZSO Emme)

Luzerner Regierung beschliesst Notmassnahmen Felssturz droht «jederzeit und ohne Vorwarnung»

4 min Lesezeit 27.05.2016, 12:08 Uhr

Am 11. Januar brach in Wolhusen ein riesiges Stück Fels ab und verursachte grosse Überschwemmungen und Schäden. Der Kanton Luzern hat bei einer Untersuchung gemerkt, dass ein weiterer Felssturz droht. Nun muss er schnell handeln.

Wolhusen und Werthenstein im Januar 2016: Mitten in der Nacht werden die Anwohner durch ein Grollen geweckt. Als es hell wird, zeigt sich, was passiert ist. An der Felswand Badfluh waren rund 6000 Kubikmeter Fels in die Kleine Emme gestürzt. Diese trat über die Ufer und überschwemmte die Kantonsstrasse und das gegenüberliegende Quartier. Steine aus dem Bachbett waren bis zur Bahnlinie geflogen und hatten umliegende Häuser beschädigt.

Der Geologe Klaus Louis verglich das Ereignis mit einem Meteoriteneinschlag und meinte: «So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie gesehen.» Durch grosses Glück kamen keine Personen zu Schaden, der Sachschaden war erheblich (zentralplus berichtete).

 

Das Geröll verstreute sich bis zur Bahnstrecke.

Das Geröll verstreute sich bis zur Bahnstrecke.

(Bild: rul)

«Die Gefahr eines erneuten Abbruchs ist gross.»

Albin Schmidhauser, Leiter Naturgefahren Kanton Luzern

Felssturz droht jederzeit

Jetzt schlagen Geologen Alarm: Die Felswand könnte jederzeit wieder abbrechen. «Die Gefahr eines erneuten Abbruchs ist gross», bestätigt Albin Schmidhauser, Leiter Naturgefahren beim Kanton Luzern. «Gewisse Felsüberhänge sind nach wie vor gefährdet und können jederzeit und ohne Vorwarnung abstürzen.» Dazu bildeten sich durch den Felssturz im Januar neue, ebenfalls absturzgefährdete Überhänge. Dadurch sei es möglich, dass sich sich ein Felssturz wie im Januar wiederhole. Auch Folgeereignisse wie Hochwasser, Schwallwellen oder weit fliegende Steine seien möglich, schreibt der Kanton.

«Von der Gefahr wissen wir seit zehn Tagen.»

Albin Schmidhauser, Leiter Naturgefahren Kanton Luzern

Ab Montag Sofortmassnahmen

«Von dieser Gefahr wissen wir seit zehn Tagen», sagt Schmidhauser. Die genaue geologische Untersuchung im April habe gezeigt, dass die Gefahr grösser sei, als man direkt nach dem Felssturz im Januar angenommen habe. Der Kanton hat deshalb sofort Notmassnahmen ergriffen, so Schmidhauser: «Ab Montag werden Vorbereitungsarbeiten getroffen. Eine Woche später treffen zwei Bagger ein, die den gefährdeten Felszahn Stück für Stück abkratzen.» Die Bagger werden oberhalb der Felswand stehen und die abgetragenen Felsteile in die Kleine Emme werfen. Von dort wird sie ein weiterer Bagger entfernen.

Schwierige Aufgabe: Mehrere Bagger sind damit beschäftigt, die Felsbrocken aus der Emme zu fischen.

Schwierige Aufgabe: Mehrere Bagger waren damit beschäftigt, die Felsbrocken aus der Emme zu fischen.

(Bild: rul)

Die Arbeiten sind nicht ohne Risiko: Wenn Bagger Felsmaterial in der Emme zwischenlagern, ist der Bachlauf verengt. Im Vergleich zum Winter führt die Emme im Sommer viel mehr Wasser. Bei Gewittern könnten daher Überschwemmungen drohen. «Wir werden während den Bauarbeiten deshalb immer die Wetterprognose im Auge haben», sagt Albin Schmidhauser vom Kanton.

«Man muss diese Arbeiten sofort und ohne Aufschub durchführen.»

Albin Schmidhauser, Leiter Naturgefahren Kanton Luzern

Kanton schiesst Kosten vor

Insgesamt werden 22’000 Kubikmeter Fels abgetragen. Das sind ungefähr 2200 Lastwagenladungen – und drei- bis viermal so viel, wie im Januar abstürzte. Allerdings ist nicht das gesamte abgetragene Felsmaterial absturzgefährdet. Die Arbeiten sollen bis im Sommer abgeschlossen sein. Wie viel die Felssicherung kostet, konnte Schmidhauser noch nicht sagen: «Weil diese Arbeiten jetzt so dringend sind, hat der Regierungsrat den Felsabbau angeordnet.» Der Kanton Luzern wird die Kosten nun vorschiessen, später werden wohl auch Bund und Gemeinden mitzahlen müssen. Durch die akute Bedrohung ist auch das Baugesuch und die öffentliche Auflage des Projekts weggefallen. «Man muss diese Arbeiten sofort und ohne Aufschub durchführen», begründet Schmidhauser.

Der Felssturz aus der Drohnenperspektive.

Der Felssturz aus der Drohnenperspektive.

(Bild: ZSO Emme)

Kiesarbeiter sollen drinnen bleiben

Die nun bekannte Gefahr hat für die anliegenden Betriebe – etwa das Kieswerk Imbach – Folgen. Zusammen mit Gemeinden und Kanton wurde ein Verhaltenscodex für die Angestellten aufgestellt: «Die Leute fahren am Morgen direkt ins Gebäude und halten sich nicht unnötig im Freien auf», sagt Albin Schmidhauser. Auch die Plätze Richtung Kleine Emme, wo die Angestellten bisher ihre Pausen verbrachten, sind ab sofort gesperrt. Schmidhauser: «In Gebäuden ist man sicherer, deshalb sollte man sich wenn möglich immer drinnen aufhalten.»

Ziel des Felsabbruchs ist es, dass danach ab Sommer die Sicherheit wieder gewährleistet ist und die Verhaltensregeln aufgehoben werden können. Die langfristige Sicherheit des Gebiets könne man erst beurteilen, so Schmidhauser, wenn die Arbeiten abgeschlosssen sind.

Was waren die Hintergründe? zentralplus berichtete im Januar, dass sich an der Badfluh bereits vor hundert Jahren ein Felssturz ereignet hatte – an den sich fatalerweise niemand mehr erinnern konnte:  Wolhusen – hätte man die Gefahr sehen können?

Ein eindrückliches Video zeigt das Ausmass des Felssturzes von Januar aus der Luft.

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