FCZ und GC kupfern beim FCL-Stadion ab
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Ein Stadion, zwei Hochhäuser: So sieht's beim FCL aus (oben links), und künftig wohl auch auf dem Hardturm. (Bild: zVg)

Der grosse Stadion-Vergleich FCZ und GC kupfern beim FCL-Stadion ab

8 min Lesezeit 15.07.2016, 05:00 Uhr

Auf dem Zürcher Hardturm-Areal soll endlich, endlich ein Fussballstadion für den FCZ und GC realisiert werden. Das neuste, soeben präsentierte Siegerprojekt weist spannende Parallelen zum FCL-Stadion auf. In Zürich ist sogar ein Mann dabei, der für den FCL sehr viel geleistet hat – und um den sich Gerüchte ranken.

Ganz ordentlich sieht es aus, das Stadion, das zur neuen Heimat der beiden Zürcher Fussballclubs FCZ und GC werden soll. Die Fassade etwa kann von innen mit den Logos der beiden Clubs beleuchtet werden. Diesen Dienstag hat die Stadt Zürich informiert, dass das auf dem Hardturm-Areal geplante Projekt «Ensemble» den Investorenwettbwerb gewonnen hat. Früheste Eröffnung könnte im Sommer 2021 sein.

So soll es im neuen FCZ/GC-Stadion dereinst aussehen.

So soll es im neuen FCZ/GC-Stadion dereinst aussehen.

(Bild: zVg)

Luzerner Swissporarena und Züri-Stadion (so wird das Stadion vorerst genannt) – die beiden Bauten weisen einige Gemeinsamkeiten auf. Am offenkundigsten sind die beiden Hochhäuser. Doch es gibt auch beträchtliche Unterschiede.

Begründung für Neubau: verschieden

Swissporarena: Das Allmend-Stadion wurde 1934 realisiert und bis 1995 kontinuierlich ausgebaut. Ab 2007 erfüllte die alte Lotterbude die Auflagen der Schweizerischen Fussballliga aber nicht mehr. Weil in eine blosse Sanierung niemand investieren wollte, musste ein Neubau her.

Züri-Stadion: FCZ und GC tragen ihre Spiele im Letzigrund aus. Doch dieses wurde als Leichtathletikstadion konzipiert. Als Fussballfan sitzt man viel zu weit weg vom Geschehen, die Stimmung ist oft mies. «GC und der FCZ brauchen ein richtiges Fussballstadion, um sportlich wie wirtschaftlich auf gesunden Füssen zu stehen», sagte der Stadtzürcher Baudirektor Gerold Lauber am Dienstag. Dass der FC Zürich letzte Saison abgestiegen ist, spielt dabei keine Rolle.

Links das Zürcher Letzigrund-Stadion, rechts die abegrissene Allmend.

Links das Zürcher Letzigrund-Stadion, rechts die abgerissene Allmend.

Kosten: Zürichs Überbauung wird teurer

Swissporarena: Für das neue FCL-Stadion mussten rund 80 Millionen Franken hingeblättert werden. Die gesamte Überbauung kostete rund 300 Millionen.

Züri-Stadion: Was alleine das Stadion kostet, ist noch nicht klar. Das Gesamtpäckchen soll mit etwa 550 Millionen Franken zu Buche schlagen.

Zuschauerkapazität: fast identisch

Swissporarena: Im FCL-Stadion haben bei nationalen Spielen 17’000 Personen Platz, 16’000 sind es bei Internationalen. Es ist das erste Schweizer Stadion, das kombinierte Steh- und Sitzplätze anbietet: In der Stehplatzkurve lassen sich ohne grossen Aufwand auf festinstallierten Boxen Sitzplätze montieren.

Züri-Stadion: Im neuen Zürcher Fussballstadion sollen 18’500 Fans Platz haben. Das sind weit weniger als heute im Letzigrund (26’000). FCZ-Geschäftsführer Thomas Schönberger sagte gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Wir sind leider nicht jedes Jahr im Champions-League-Halbfinal.» Die geplante Kapazität reiche daher aus. «Lieber ein gut gefülltes Stadion als ein halbleeres», schiebt Schönberger gegenüber zentralplus nach. Zum Vergleich: Letzte Saison besuchten rund 8700 Fans die Spiele des FCZ, keine 6500 waren es bei GC. Beim FCL waren es über 11’000.

Links die Visualisierung des neuen Züri-Stadions, rechts ein Foto aus der FCL-Arena.

Links die Visualisierung des neuen Züri-Stadions, rechts ein Foto aus der FCL-Arena.

Die Hochhäuser: Zürich ist mutiger

Swissporarena: Die beiden Hochhäuser neben dem FCL-Stadion sind 77 und 88 Meter hoch. Es sind damit die höchsten Bauten in der Zentralschweiz. Die Türme beinhalten 280 Wohnungen und kosteten rund 135 Millionen Franken. Ursprünglich wollten die Luzerner Architekten Daniel Marques und Iwan Bühler viel höher hinaus: 134 Meter hoch hätte einer der beiden Türme werden sollen. Doch das war den Luzernern dann doch zu gewagt.

Züri-Stadion: Weniger Hemmungen kennt man da im hochhauserprobten Zürich. Nichts weniger als die höchsten Gebäude der Stadt sollen die beiden Türme neben dem Stadion werden: 137 Meter sind geplant. Zum Vergleich: Der bisherige Zürcher Rekordhalter Prime Tower misst 126 Meter.

Der Investor: fast identisch

Swissporarena: Für das neue FCL-Stadion samt den umliegenden Bauten bekam die Credit Suisse den Zuschlag.

Züri-Stadion: Die Immobilienabteilung der Grossbank CS ist auch in Zürich am Start, zusammen mit der Firma HRS Investement AG. Diese hat bereits die Arena in Thun gebaut und diejenige in Aarau geplant. HRS will auch das seit Längerem geplante Hochhaus auf dem Luzerner Bundesplatz realisieren. Ursprünglich war die Swisscanto Anlagestiftung als Investor gesetzt. Diese sprang jedoch so überraschend wie kurzfristig ab, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Zum Glück für das Projekt stieg dann umgehend die zuvor abgeneigte CS ein.

Mantelnutzung: identisch, nämlich keine

Swissporarena: Eine Schiesshalle, ein Einkaufscenter, 200 Wohnungen auf dem Stadiondach: All diese Ideen für eine Mantelnutzung wurden in Luzern verworfen. Nun wird das FCL-Stadion nur für Kongresse und Anlässe jeglicher Art ergänzend zum Fussballbetrieb genutzt.

Züri-Stadion: Auch in den Vorängerprojekten des neuen Zürcher Fussballtempels war unter anderem ein Einkaufscenter geplant. Doch davon ist man mit dem neuen Projekt auch abgekommen. Unter anderem wegen dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen.

Fassadenvergleich: Links das geplante Züri-Stadion, rechts die FCL-Arena.

Fassadenvergleich: Links das geplante Züri-Stadion, rechts die FCL-Arena. Beide kommen ohne Mantelnutzung aus.

Nebenbauten: Zürich setzt auf Wohnungen, Luzern auf Sport

Swissporarena: Zeitgleich zum neuen FCL-Stadion wurden auf der Allmend nebst den beiden Hochhäusern ein Sportgebäude (für das Hallenbad, einen Lebensmittelladen und ein Fitnesscenter) sowie eine neue Leichtathletikanlage gebaut.

Züri-Stadion: Auf dem Hardturm-Areal ist ergänzend kein Sportgebäude, sondern eine grosse Überbauung für den gemeinnützigen Wohnungsbau mit 173 Wohnungen geplant. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ). Unter anderem damit kann die Stadt die vom Volk verlangte Vermehrung von gemeinnützigen Wohnungen erreichen.

Links: So soll der Bau für die gemeinnützigen Wohnungen in Zürich aussehen. Rechts: In Luzern wurde nebst den beiden Wohntürmen ein grosses Sportgebäude realisiert.

Links: So soll der Bau für die gemeinnützigen Wohnungen in Zürich aussehen. Rechts: In Luzern wurde nebst den beiden Wohntürmen ein grosses Sportgebäude realisiert.

Rolle der öffentlichen Hand: In Zürich müssen’s Private richten

Swissporarena: Die neuen Allmendbauten waren das bislang grösste Public-Private-Partnership-Projekt der Zentralschweiz. Beteiligt waren Stadt und Kanton Luzern, der FCL sowie die Credit Suisse und die Bauherren Halter/Eberli. Dabei wurde das Stadion quersubventioniert: Durch die beiden Hochhäuser konnte der Bau des Stadions finanziert werden. Dadurch konnte die Swissporarena ohne Schulden auf den FCL als Betreiber übergehen. Für die Namensrechte erhielt der Verein 10 Millionen Franken von Bernhard Alpstägs Swisspor-Gruppe.

Züri-Stadion: Die neue Bleibe von FCZ und GC wird rein privat finanziert. Stadt und Kanton beteiligen sich nicht direkt an den Kosten, die Stadt stellt das Grundstück im Baurecht zur Verfügung. Die beiden Clubs müssen den privaten Investoren eine ausreichend hohe Miete bezahlen. Wie hoch diese ist, ist noch unklar. Aktuell beträgt sie im Letzigrund 500’000 Franken pro Saison in der Super League. 2014 hatten GC und der FCZ den Mietvertrag mit der Stadt gekündigt, weil sie tiefere Mieten wollten. Weil der FC Zürich die nächste Saison unterklassig spielt, will er nun eh eine noch tiefere Miete rausholen.

Dauer bis zur Realisation: In Luzern ging’s viel schneller

Swissporarena: Blendet man die älteren Projekte aus, hat Luzern für die Swissporarena nur etwa vier Jahre gebraucht. 2007 schrieb die Stadt einen Investorenwettbewerb aus. Als Sieger gingen die Luzerner Architekten Marques/Bühler mit dem Projekt KOI hervor. 2008 genehmigten die Luzerner an der Urne zuerst den Projektierungskredit und dann die Baurechtsverträge. 2009 wurde das alte Stadion auf der Allmend abgerissen. Der FCL zügelte übergangsmässig nach Emmenbrücke ins Gersag. Die Eröffnung fand dann zwar wegen bautechnischer Probleme nicht bereits Anfang 2011 statt, sondern erst im Juli 2011.

Allerdings gab es davor schon einige andere gescheiterte Projekte. 1989 etwa hatte Präsident Romano Simioni die Idee eines östlich der Allmend gelegenen «Waldstadions», kombiniert mit einer unterirdischen Schiessanlage. Das Vorhaben verlief im Sand.

1999 rettete Präsident Albert Koller den Verein vor dem Konkurs und lancierte die Idee einer «Löwen-Arena» im Krienser Schlund. Gebaut wurde nur der Pilatusmarkt.

2006 legte Bruno Marazzi, der etwa die Stadien in Bern und Basel realisiert hatte, ein fixfertiges Allmend-Projekt vor. Marazzi wollte als Mantelnutzung 200 Wohnungen auf das Stadiondach bauen. Doch auch daraus wurde nichts. Jedoch wurde diese von ex FCL-Präsident Walter Stierli unterstützte Idee als Steilpass aufgenommen, um das nun gebaute Stadion entwickeln zu können.

So hätte das Marazzi-Stadion auf der Allmend aussehen sollen.

So hätte das Marazzi-Stadion auf der Allmend aussehen sollen.

Züri-Stadion: Die Zürcher Leidensgeschichte dauert schon länger, und sie wird sich auch noch ein paar Jahre hinziehen. Die ersten Projekte für ein neues Fussballstadion wurden Anfang 2000 lanciert. Könnte das nun geplante Stadion tatsächlich 2021 eröffnet werden, hätten die Zürcher folglich rund 20 Jahre für die Umsetzung benötigt.

Kurzer Rückblick: 2003 stimmten die Zürcher über das «Pentagon»-Projekt als Hardturm-Ersatz ab. Kapazität: 30’000 Zuschauer, mit Shoppingcenter und Hotel als Mantelnutzung. Die Stadt hätte 48 Millionen dran zahlen sollen.

Doch 2004 blockierten Anwohner das Projekt, unter anderem wegen dem Schattenwurf des hohen Stadiongebäudes. Schnell wurde allen klar: Bis zur EM 2008 in der Schweiz und Österreich wird man damit sicher nicht fertig.

Recht spektakulär: Das wegen Einsprachen fallen gelassene «Pentagon»-Projekt.

Recht spektakulär: Das wegen Einsprachen fallen gelassene «Pentagon»-Projekt.

 

Deshalb musste 2005 das Letzigrund-Leichtathletikstadion zum Fussballtempel ausgebaut werden. Kostenpunkt: 11 Millionen. Ab 2007 wurde auf dem Hardturm kein Fussball mehr gespielt, 2008 wurde das Stadion abgerissen. 2009 dann hatte die Investorin Credit Suisse ob des Einsprachenzirkus die Nase voll und zog sich zurück. Die CS verkaufte das Areal anschliessend an die Stadt Zürich.

2010: Die Pläne der Stadt Zürich für ein neues Stadion sehen ein 16’000er-Stadion vor, ohne Mantelnutzung, dafür mit einem Bau für gemeinnützige Wohnungen nebenan. 2013 aber versenkte das Zürcher Stimmvolk das 216-Millionen-Projekt mit nur 1747 Stimmen Unterschied.

Schon 2014 nahm die Stadt Zürich erneut einen Anlauf und schrieb einen Investorenwettbewerb aus. Der Sieger daraus wurde nun diesen Dienstag präsentiert. Weil das Stadion nun viel weniger hoch ist, erhofft man sich auch viel weniger Einsprachen.

Wird Schönberger wieder FCL-Geschäftsführer?

Eine weitere spannende Parallele zwischen dem FCL-Stadion und der geplanten Arena von FCZ/GC ist die Person von Thomas Schönberger. Bevor der FCZ-Geschäftsführer 2014 nach Zürich wechselte, übte er dieses Amt 16 Jahre lang für den FC Luzern aus. In dieser Zeit war er massgeblich am Bau der neuen Swissporarena beteiligt. Vor der gleichen Herausforderung steht er nun in Zürich.

Nach Bekanntgabe der geplanten Umstrukturierung mit einem geschäftsführenden Präsidenten beim FCL fühlte sich Schönberger in Luzern nicht mehr genug gefordert und wechselte nach Zürich. Für ihn wurde in Luzern Ruedi Stäger geholt, der das Amt des Geschäftsleiters und Präsidenten in Personalunion bekleidete.

Stägers Episode ist bekanntlich auch vorbei, und der FCL will nun doch wieder einen «richtigen» Geschäftsleiter. Schönberger auf die Frage, ob er an diesem Job Interesse hätte oder ob er vom FCL angefragt wurde: «Dazu sage ich nichts.»

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