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FCL: Wie gut sind Häberli und seine Truppe?
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Der Sieg heiligt die Mittel: Goalie Marius Müller springt vor Freude auf Torschütze Christian Schneuwly (Mitte), Francesco Margiotta (links) und Silvan Sidler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Zwei Pflichtspielsiege und kein Gegentor FCL: Wie gut sind Häberli und seine Truppe?

3 min Lesezeit 26.07.2019, 19:00 Uhr

Grosse Mannschaften zeichnet aus, dass sie Spiele gewinnen, ohne zu überzeugen. So wie es der FCL gegen St. Gallen oder auf europäischer Ebene gegen KÍ Klaksvík vorgemacht hat. Doch der Lauf der Luzerner scheint mehr vom Glück als von der Qualität beflügelt zu sein.

Der FC Luzern hat am Sonntag (16 Uhr) im ersten Heimspiel der neuen Saison gegen den FC Zürich die Chance, die Euphorie in seinem Umfeld zu schüren. Ein zweiter Sieg in der Meisterschaft würde alle Zweifel über die Qualität der Mannschaft wegfegen – wie ein kräftiges Gewitter die bleierne Hitze über der Allmend. Und gleichzeitig das Selbstbewusstsein der Spieler auf die Höhe des Hausbergs Pilatus hieven.

Zwei Siege zum Meisterschaftsstart? Das ist den Luzernern im zu Ende gehenden Jahrzehnt erst einmal gelungen. Zu Beginn der Saison 2016/17. Mit Markus Babbel an der Seitenlinie. 2:1 auswärts in Lugano und ein 4:3 zuhause gegen GC hiessen damals die Resultate.

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Was ist letztlich daraus geworden? Ein vierter Platz mit 29 Punkten aus 18 Spielen zur Winterpause. Und ein fünfter Rang mit 50 Zählern nach der zweiten Hälfte der Meisterschaft. Kein Highlight (Rang 3 gab es 2015/16 und 2017/18), aber zumindest eine Saison in ziemlich ruhigen Gewässern.

Überzeugung über Bord geworfen

Die Partie FCL gegen FCZ wird für beide Teams zu einem Qualitätstest werden. «Die Zürcher wollen immer Fussball spielen», weiss Häberli. Er selber war mit der Einstellung gewisser Spieler beim 2:0-Sieg in St. Gallen nicht einverstanden und warf seine Überzeugung, «never change a winning team», kurzerhand über Bord (zentralplus berichtete).

Es folgte eine dröge und glückhafte erste Halbzeit in der zweiten Qualifikationsrunde gegen KÍ Klaksvík. Erst mit der Einwechslung von Francesco Margiotta und Blessing Eleke in der 55. Minute nahm die Partie Fahrt auf. Der FCL begann die bescheidenen Färinger endlich zu dominieren und wurde letztlich mit dem Siegtreffer in der 93. Minute belohnt (zentralplus berichtete).

Auch am Tag danach beharrte Häberli darauf, dass er alles so geplant habe. Getreu dem Motto: Erst den defensiven Beton mischenden Gegner bei brütender Hitze in Luzern müdelaufen und in der zweiten Halbzeit mit frischem Personal auseinanderdividieren.

Schicksal steht bislang auf FCL-Seite

Vielleicht hatte Häberli bisher auch bloss das Glück auf seiner Seite. Der auf diese Saison hin eingeführte Videoschiedsrichter war dem FCL in St. Gallen gewiss nicht ungnädig gestimmt. Und der Fussballgott in der ersten Halbzeit gegen die Färinger auch nicht.

Die zwei Pflichtspiele hinterliessen den Gesamteindruck, als sei erst Marius Müller als einziger der FCL-Profis in der neuen Spielzeit angekommen. Ohne die zum Teil erstklassigen Interventionen des neuverpflichteten Goalies sähe die aktuelle Zwischenbilanz für Häberli und seine Truppe auch resultatmässig nicht so erfreulich aus. Der Deutsche gibt seinen Mitspielern viel Gelassenheit und Selbstvertrauen in der Abwehrarbeit. Weil er offensichtlich etwas kann. Das ist mehr als die halbe Miete.

Häberli: Langweiler oder Visionär?

Mit einer Prise Bösartigkeit lässt sich festhalten, dass der FC Luzern bislang authentisch spielt. Er spielt, was der Trainer mit seiner Persönlichkeit vorlebt: Freundlichkeit, Unverbindlichkeit, Langeweile und Profillosigkeit.

Aber diese Authenzität passt auch zum Unternehmen FCL als Ganzes. Doch bevor die Bösartigkeit freien Auslauf erhält, sei mit Engelszungen festgehalten: Es spricht gleichzeitig nicht das Mindeste dagegen, dass uns die Zukunft die wahre Identität von Thomas Häberli offenlegt. Die eines gewieften Taktikers, eines Förderers und Visionärs.

Voca: «Spielaufbau muss konstruktiver werden»

Von einer fehlenden Harmonie im Offensivspiel der Luzerner wollte der Mastermind am Tag nach dem 1:0 gegen KÍ Klaksvík rein gar nichts wissen: «Das täuscht», entgegnete Häberli selbstsicher.

Seine Einschätzung deckt sich zumindest nicht ganz mit der Meinung von Idriz Voca, dem defensiven Gewissen im FCL-Spiel: «Unser Spielaufbau muss konstruktiver werden. Und wir brauchen eine höhere Effizienz im Umgang mit unseren Torchancen.»

Auf die Frage, was sich Häberli nun für das Spiel gegen den nächsten Gegner aus Zürich wünsche, sagt er im Bewusstsein eines auf Erfolge angewiesenen Arbeitnehmers: «Einen Sieg, und dabei können wir auch schlecht spielen.» Der Sieg heiligt bekanntlich die Mittel.

Aber Häberli gibt schliesslich auch zu, dass er selber noch nicht genau weiss, wo die Mannschaft stehe. Am Sonntagnachmittag wird er vielleicht ein paar weiterführende Anhaltspunkte kriegen.

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