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FCL-Verteidiger Schwegler: «Ich will eine Perspektive, nicht einfach ein ‹Jöbli›»
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Wird Christian Schwegler noch über die laufende Saison hinaus für den FC Luzern auflaufen? (Bild: Martin Meienberger)

Neue Ausgangslage nach Trainerwechsel FCL-Verteidiger Schwegler: «Ich will eine Perspektive, nicht einfach ein ‹Jöbli›»

4 min Lesezeit 01.03.2019, 15:42 Uhr

René Weiler stemmte sich gegen eine Vertragsverlängerung für David Zibung. Der Trainer musste gehen, der Goalie bleibt ein weiteres Jahr im FCL. Und nun steht die Weichenstellung für die berufliche Zukunft des nächsten FCL-Teamseniors an: von Christian Schwegler (34).

Im FCL-Theater werden in diesen Tagen und Wochen grosse Aufführungen inszeniert. Die kostspielige Trainerentlassung von René Weiler (45) am vorletzten Sonntag förderte zu Tage, dass der Anfang Saison mit einem Dreijahresvertrag engagierte Winterthurer eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Goalie-Oldie David Zibung (34) verhindern wollte. Vergeblich.

Rolf Fringer, einst selber Trainer und Sportchef der Luzerner, sagte in einer Diskussionsrunde auf «Teleclub», FCL-Sportchef Remo Meyer habe hinter Weilers Rücken mit dem langjährigen Goalie verlängert, weil dieser auch wisse, wo das Büro von Marco Sieber stehe. Investor Sieber ist für den sportlichen Bereich im FCL-Verwaltungsrat zuständig und dergestalt auch der Mentor Meyers.

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Mit Zibung passierte das Gleiche schon früher

Dazu muss man wissen: Auch Fringer selbst ist im Zusammenhang mit Zibung ein gebranntes Kind. Im kleinen Kreis erzählt er gerne die Anekdote, wie er in seiner Zeit als FCL-Trainer (Oktober 2008 bis Mai 2011) mit der Klubleitung die Abmachung traf, mit einer Vertragsverlängerung für Zibung abzuwarten, weil anhand von dessen Leistungen keine Eile dafür bestünde. Als Fringer danach in den Ferien weilte, musste er konstatieren, dass der damalige Präsident Walter Stierli das Arbeitspapier um drei Jahre verlängert hatte – und erst noch mit einer schönen Lohnaufbesserung.

Kein Schelm, wer daraus folgert: Beim FC Luzern werden gute Kontakte von Spielern in die Führung offensichtlich genauso honoriert wie Leistungen auf dem Platz.

Und das ist die Überleitung zu Christian Schweglers Weg in die berufliche Zukunft. Der von FCL-Sportchef Meyer forcierte Trainerwechsel von Weiler zu Thomas Häberli brachte für Schwegler mit sich, dass der neue Cheftrainer sein ehemaliger Teamkollege bei YB ist (zentralplus berichtete). Häberli wird Einfluss nehmen bei der Entscheidungsfindung, ob man den Vertrag mit Schwegler als Fussballer verlängern soll.

Was für einen Einfluss hat der Trainerwechsel?

Die Frage ist: Gereicht das Schwegler vor dem Hintergrund des Zibung-Wirbels eher zum Vor- oder gar zum Nachteil?

Der neue FCL-Trainer Thomas Häberli wird Einfluss darauf haben, ob die Karriere seines früheren Teamkollegen Christian Schwegler (mit Trinkflasche) noch eine Saison weitergeht.

Der neue FCL-Trainer Thomas Häberli wird Einfluss darauf haben, ob die Karriere seines früheren Teamkollegen Christian Schwegler (mit Trinkflasche) noch eine Saison weitergeht.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Dem älteren Bruder von Bundesliga-Söldner Pirmin Schwegler (Hannover 96) dürfte die neue Konstellation im FCL ziemlich egal sein. Er, der bei einem Karriereende einen Anschlussvertrag mit dem FCL besitzt, hielt schon zu Zeiten Weilers fest: «Trotz Anschlussvertrag halte ich mein Visier völlig offen. Ich will im FCL eine Perspektive sehen und nicht einfach ein Jöbli bekommen.»

Schwegler besser als Meyers Perspektivspieler

Zunächst muss die sportliche Führung im Verein aber klären, ob sie mit dem Fussballer Schwegler nicht noch ein Jahr weitermachen möchte. Denn auf der rechten Aussenverteidiger-Position ist Otar Kakabadze (23), den Meyer unter dem Label «Perspektivspieler» verpflichtete, bislang den Nachweis schuldig geblieben, ob er selbst dem bescheidenen Super-League-Niveau gewachsen ist.

Schwegler ist, wenn auch im Herbst seiner Karriere nicht mehr der Schnellste, der fähigere Spieler. In der laufenden Meisterschaft ist er in 16 von 22 Spielen zum Einsatz gekommen. Vor dem Hintergrund, dass ihn Rückenprobleme und eine Knieverletzung praktisch die gesamte letzte Saison kosteten, schätzt Schwegler seine eigenen Leistungen in der laufenden Meisterschaft als «ordentlich» ein.

«Wenn du als Trainerneuling zur falschen Zeit ein Team übernimmst, bist du nach einem halben Jahr weg.»

Christian Schwegler, Aussenverteidiger des FC Luzern 

Der seit dem 10. November nicht mehr eingesetzte und später verletzt gemeldete Kakabadze (Adduktoren) bestritt zu Beginn dieser Saison sieben Spiele für den FCL. Fünf davon gingen verloren.

Fussball soll nicht mehr seine Zukunft bestimmen

Schwegler hat schon im Oktober klargemacht, dass seine fussballerische Laufbahn entweder beim FCL weitergeht oder endet (zentralplus berichtete). Er habe sich mit der Klubleitung über seine beruflichen Pläne ausgetauscht, erwähnt Schwegler, und akzeptiert, dass der Arbeitgeber bei einem Spieler seines Alters kurzfristig denke.

Der Ettiswiler hat ziemlich klare Vorstellungen darüber, was er nach einem Karrierenende machen will. «Ich möchte mein Leben nicht nur auf den Fussball ausrichten, der ist mir zu schnelllebig.»

Schwegler erläutert, dass er sich genau kenne und als Trainer im Fussball bloss höchste Ziele verfolgen könnte. «Ich nehme gerne Gerardo Seoane als Beispiel. Beim Start in seine Trainerkarriere auf Profiebene ist alles optimal aufgegangen. Aber wenn du als Trainerneuling zur falschen Zeit ein Team übernimmst, bist du nach einem halben Jahr weg. Vielleicht erhältst du danach noch eine zweite Chance. Klappt es wieder nicht, bist du gänzlich weg vom Fenster.»

Sein Einfluss auf des Bruders Karriereplanung

Darum schwebt ihm vor, eine Ausbildung im Finanzwesen zu machen, damit er auch in die Privatwirtschaft wechseln könnte. «Bei einem Verbleib im FCL wäre es für mich darum optimal, wenn mein künftiges Betätigungsfeld ein Mix aus Fussballplatz und Büro wäre.»

Für den FCL könnte sich eine Weiterbeschäftigung Schweglers so oder so lohnen. Weil Pirmin Schwegler (bald 32) bei einem möglichen Abstieg Hannovers aus der 1. Bundesliga vor einer Rückkehr in die Schweiz stehen könnte, hätte sein Bruder Christian vielleicht entscheidenden Einfluss auf einen Wechsel zum FC Luzern. «Das kann für Pirmin sicher zum Thema werden. Aber primär ist es Aufgabe der sportlichen Führung, alles daran zu setzen, dass Pirmin zum FCL zurückkehren wird.» Nach dem bekannt gewordenen Transfer des Nebikoners Fabian Lustenbergers von Hertha BSC zu den Young Boys im kommenden Sommer wäre das ein wichtiges Signal der Luzerner Klubführung.

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