FCL und EVZ legen sich Handfesseln an, wenn sie Subventionen wollen
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Für Präsident Philipp Studhalter stellt sich die Frage, ob ein Darlehen für den FCL nicht besser sein könnte als ein Subventionsbeitrag. (Bild: bic)

So reagiert der FC Luzern FCL und EVZ legen sich Handfesseln an, wenn sie Subventionen wollen

3 min Lesezeit 1 Kommentar 18.11.2020, 18:43 Uhr

Der Bundesrat hat eine zweite Option geschaffen, wie die Profivereine im Fussball und im Eishockey überleben können: mit à-fonds-perdu-Geldern. Doch die Hürde für den Bezug dieser Subventionen scheint für diese KMU noch einschneidender zu sein als ein staatliches Darlehen.

115 der 175 Millionen Franken, die der Bundesrat für nächstes Jahr zur Unterstützung der in der Corona-Krise existenziell bedrohten Profi-Vereine bereit gestellt hat, können neu als Subventionen bezogen werden. Damit sollen zwei Drittel der seit dem 29. Oktober fehlenden Zuschauer-Einnahmen aufgefangen werden.

Wann die Zuschauer-Obergrenze wegen der anhaltenden Pandemie aufgehoben werden kann, ist nicht vorhersehbar. Das Vorgehen des Bundesrates ist vorausschauend-löblich und existenzsichernd.

Weil es sich bei diesen Beiträgen um nicht rückzahlpflichtige Steuergelder handelt (zentralpus berichtete), wurden sie an eine Reihe von Auflagen geknüpft. Nachfolgend die wichtigsten Punkte:

  • 1) Lohntransparenz: Die Profi-Klubs müssen Lohntransparenz herstellen. Alle für den Spielbetrieb relevanten Löhne müssen inklusive aller Boni, Prämien und Vergünstigungen offengelegt werden.
  • 2) Lohnkürzungen: Alle Saläre, die über dem gemäss Unfallversicherungsgesetz maximal versicherten Jahreslohn von 148’200 Franken liegen, müssen um mindestens 20 Prozent oder zumindest auf diese Limite gekürzt werden. Und zwar ab dem Datum des Bezugs. Zudem steht in einer entsprechenden Verordnung: Den Klubs ist es untersagt, diese Lohnobergrenze in den nächsten fünf Jahren zu steigern.
  • 3) Keine Dividenden-Ausschüttung: Den in Aktiengesellschaften organisierten Klubs ist es untersagt, ihren Aktionären Dividenden, Tantiemen oder Löhne auszubezahlen. Weil Profi-Sport in der Schweiz generell ein defizitäres Geschäft ist, kam das nur in Ausnahmefällen vor.
  • Investitionen in die Breite: Die Klubs müssen in den nächsten fünf Jahren genau so viel Geld in den Nachwuchs- und den Frauenfussball investieren, wie sie das in der Saison 2018/19 getan haben.
  • Bericht der Klubs: Über die Verwendung der staatlichen Mittel müssen die Klubs in jedem der nächsten fünf Jahre Rechenschaft ablegen.

Schwer verträglich und kaum umsetzbar

Der Haken an der Subventionsgeschichte ist folgender: Die Auflagen sind für einen Profi-Klub kaum akzeptabel bis juristisch nicht umsetzbar.

Es geht dabei vor allen Dingen um Punkt 2): In Tat und Wahrheit bedeutet dieser die Einführung einer Lohnobergrenze durch die Hintertüre für Subventionsnehmer in den nächsten fünf Jahren. Das kann für die sportliche Kompetivität verheerende Auswirkungen haben.

«Die Auflagen sind für einen Profi-Klub nicht gerade verträglich», sagt FCL-Präsident Philipp Studhalter getreu seiner Ausbildung als Anwalt in zurückhaltender Form.

Für ihn fehlt nämlich eine absolute Gleichbehandlung verschiedener gesellschaftlich relevanter Bereiche unseres Zusammenlebens. Während der Schweizer Staat in kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen keine Eingriffe in die Lohnstruktur eines Bittstellers vornimmt, tut er genau das im Sport.

«Das kann man so sagen», bestätigt Studhalter auf Nachfrage von zentralplus.

Ist ein Darlehen der bessere Weg?

Es gibt darüberhinaus auch noch eine juristische Ebene: Wie will ein Arbeitgeber wie der FC Luzern oder der EV Zug im Eishockey eine unmittelbare Lohnreduktion bei den Profis durchsetzen, wenn er auf Subventionen zwecks wirtschaftlichem Überleben angewiesen ist?

«Arbeitsrechtlich wird das eine echte Herausforderung sein», sagt Philipp Studhalter, im Wissen darum, dass Arbeitsverträge rechtlich verbindlich sind. «Wir können niemanden zum Bezug eines geringeren Salärs nötigen, sonst kann der Spieler den Verein auch verlassen. Und das könnte bedeuten, dass wir finanzielles Transferpotenzial verlieren und die Lage noch herausfordernder wird.»

Ist es für einen Klub letzten Endes gescheiter, wenn er sich für ein staatliches Darlehen, das in den ersten drei Jahren ohne Auflagen rückzahlbar ist, statt für die Subventionen entscheidet?

«Das kann ich auf der aktuellen Entscheidungsgrundlage nicht beantworten. Entscheidend wird sein, wie lange wir ohne Zuschauer spielen müssen. Diese Frage wird sich finanziell auf die kommenden Saisons auswirken», sagt Studhalter.

Die EVZ-Verantwortlichen waren bislang für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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1 Kommentare
  1. Mac Tanner, 18.11.2020, 19:21 Uhr

    Herrgott, was wollt ihr Sportvereine noch mehr? Es gibt zwei Möglichkeiten, Geld aus dem Coronatopf zu erhalten. Logisch (und zum Glück) sind diese an Bedingungen geknüpft. À-fonds-perdu-Gelder darf es für den Sport nicht geben. Der Pestalozzi lebt schon lange nicht mehr. Bewegt euren Hintern und macht etwas für das Geld…….. Aber nein, immer und immer nur fordern! Mit dem Geld, welches dem Sport zur Verfügung gestellt wird, könnten in der Privatwirtschaft viel mehr Stellen gerettet werden, als z. B. bei einem FCL verloren gehen würden. Ihr seid nicht systemrelevant und mit dem alljährlichen Theater in der Arena auch nicht zwingend erhaltenswert!

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