FCL-Trainer Celestini setzt Fragezeichen hinter Carbonell
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Ist Alex Carbonell der ihm zugedachten Rolle im FC Luzern mental gewachsen? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Geht die Zusammenarbeit im neuen Jahr weiter? FCL-Trainer Celestini setzt Fragezeichen hinter Carbonell

4 min Lesezeit 5 Kommentare 21.12.2020, 17:03 Uhr

Ist die Zeit von Alex Carbonell im FCL-Dress trotz eines bis 2022 gültigen Vertrages nach sechs Spielen bereits zu Ende? Vor dem Start ins 2021 will Trainer Fabio Celestini herausspüren, ob der 23-jährige Spanier der Herausforderung in seinem Spielsystem gewachsen ist. Und überhaupt: Wie geht’s mit Celestini weiter?

Alex Carbonell ist schon vor der jüngsten 1:2-Niederlage der Luzerner in Lausanne und dem letzten Meisterschaftsspiel am Mittwochabend gegen den FC Basel in die Weihnachtsferien nach Spanien abgereist. Nach Auskunft der FCL-Verantwortlichen hat der katalanische Mittelfeldspieler darum gebeten, weil er mentale und körperliche Müdigkeit verspürte.

War es ein Abschied für immer aus Luzern?

Carbonell stand mit zwei schwerwiegenden Fehlern am Ursprung der 2:3-Heimniederlage gegen die Young Boys, wurde zur Halbzeit von seinem Mentor Fabio Celestini ausgewechselt (zentralplus berichtete) und schmorte in den folgenden beiden Partien gegen Sion (2:1) und Zürich (0:0) bis zum Spiel am Sonntag in Lausanne auf der Ersatzbank.

Celestinis Zweifel

Celestinis Wunschspieler hat bloss bei seiner FCL-Premiere gegen den FC St. Gallen (2:2) überzeugen können. Das folgende 1:2 gegen die Young Boys zog den damals schwachen Alex Carbonell in eine Negativspirale hinein, aus der er sich bis anhin nicht mehr befreien konnte.

«Die Verantwortung, Position und Rolle in unserem System hat Alex Carbonell in seiner Karriere noch nie gehabt.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Die Frage angesichts der aktuellen Entwicklung ist: Hat Fabio Celestini den Glauben in Carbonell als FCL-Verstärkung verloren?

Er sagt: «Technisch und taktisch nicht.» Aber die Zweifel im Luzerner Cheftrainer müssen gewachsen sein, was Carbonells mentale Robustheit anbelangt. «In der ihm zugedachten Rolle in unserem Spielsystem muss er den Ball stets fordern und darf sich nie verstecken. Dazu muss ein Spieler sehr solid sein.» Ein Leader mit geringer Fehlerquote also. Und diesen Nachweis ist der 23-Jährige bislang schuldig geblieben.

«Ehrliches Gespräch» vor FCL-Rückkehr

Muss sich Celestini nicht vorwerfen lassen, den Nachfolger des vor Saisonbeginn in die Türkei abgewanderten Idriz Voca nicht ausreichend auf seine mentale Zerbrechlichkeit hin überprüft zu haben? «Die Verantwortung, Position und Rolle in unserem System hat Alex Carbonell in seiner Karriere noch nie gehabt. Und damit auch noch nie einen solchen Druck erlebt», entgegnet der FCL-Trainer.

Bis zur Wiederaufnahme des FCL-Trainingsbetriebs am 4. Januar muss Alex Carbonell wieder zurück auf der Allmend sein. Davor will Fabio Celestini mit ihm «ein ehrliches Gespräch» führen. Dabei kann es bloss darum gehen, ob sich Carbonell zutraut, die zentrale Rolle im defensiven Mittelfeld ausfüllen zu können. Die Anzeichen deuten nicht darauf hin.

Kommt man zum Schluss, dass eine weitere Zusammenarbeit für beide Seiten keinen Sinn macht, wird eine Neuverpflichtung des FCL in der Winterpause im defensiven Mittelfeld wahrscheinlich. Dies vor dem Hintergrund, dass der abermals am Knie verletzte Tsiy Ndenge bis zum Saisonende ausser Gefecht gesetzt sein wird.

Und damit kommen wir zu den weiteren zentralen Punkten des Aus- und Rückblicks der sportlichen FCL-Führung auf die laufende Saison:

Auslaufender Vertrag von Celestini

Was FCL-Sportchef Remo Meyer schon im August dieses Jahres ankündigte (zentralplus berichtete), soll nun in der Winterpause in die Tat umgesetzt werden: Die Rede ist von einer Prolongation des zum Saisonende auslaufenden Vertrages von Trainer Fabio Celestini.

Wird die Zusammenarbeit verlängert, ist es ein deutliches Signal an die Mannschaft, dass die Klubführung bedingungslos hinter dem 45-jährigen Romand und dem eingeschlagenen Weg steht. Das stärkt Fabio Celestinis Autorität gegenüber den Spielern, zumal die neu formierte Mannschaft aktuell im unteren Bereich der Tabelle steht.

«Letztlich sind die Punkte auf unserem Konto entscheidend und die Entwicklung der Mannschaft ist zentral.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

Wird der Vertrag hingegen nicht bis zur Wiederaufnahme der Meisterschaft am Wochenende des 23./24. Januars verlängert, ist Celestinis Position gegenüber seinen Schützlingen eine schwache und seine Entlassung nur noch eine Frage von Tagen und Wochen. Dem FCL stünde wohl eine turbulente Zeit bevor.

Remo Meyer sagt: «Ich bin voll überzeugt von Fabio Celestinis Arbeit.» Und er hoffe darauf, dass die Vertragsverlängerung bis zur Wiederaufnahme der Meisterschaft kommuniziert werden könne.

Dem FCL fehlt «grinta»

Es scheint aber auch nicht so zu sein, dass die aktuelle sportliche Situation im FCL besser beurteilt wird, als sie in Wirklichkeit ist. Sportchef Remo Meyer sagt: «Der zweite Teil der bloss 14 Spiele dauernden Hinrunde bis zur Winterpause gab mir ein gutes Gefühl. Aber letztlich sind die Punkte auf unserem Konto entscheidend und die Entwicklung der Mannschaft ist zentral.»

FCL-Trainer Fabio Celestini ärgert sich darüber, dass die bisherigen Vorstellungen seiner Mannschaft nicht mit der Punkteausbeute korrespondieren: «Dass wir gegen den FC Vaduz und den FC Zürich bloss unentschieden gespielt und gegen YB gar verloren haben, statt der Leistung entsprechend drei Punkte einzufahren, ist frustrierend. Aber mir fehlte auch ein Stück weit der unbedingte Ehrgeiz. Wie zuletzt in Lausanne.»

Im italienischen Fussball gibt es dafür den Begriff «grinta». Gemeint ist diese letzte Entschlossenheit, dieser Kampfgeist und Mumm, sein eigenes Schicksal auf dem Platz zu bestimmen. «Mir fehlen noch die letzten fünf Prozent, bis wir in jedem Match so weit sind», schätzt Fabio Celestini.

Das mag man ihm als gnädiges Urteil durchgehen lassen.

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5 Kommentare
  1. Luterbach Urs, 26.12.2020, 20:19 Uhr

    Leider regen sich die Spieler nach Fehlentscheidungen vom Schiri zu fest auf, statt sich weiter zu konzentrieren verlieren sie das Spiel. Schade, sie spielen gut und brauchen nun nur noch einen Psychiater

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  2. Jonas Baud, 23.12.2020, 13:19 Uhr

    Leider hat Meyer geschlafen, als er Fabian Lustenberger hätte verpflichten können. Der wäre mit seiner Erfahrung und seiner Spielintelligenz die perfekte Verstärkung fürs Team gewesen und als Einheimischer auch eine Identifikationsfigur für den Verein und die Fans.

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  3. Mac Tanner, 22.12.2020, 07:12 Uhr

    Der Klub steht genau da, wo er hingehört…… Verlustpunktbereinigt selbstverständlich!

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  4. Herbert, 21.12.2020, 19:13 Uhr

    Ist Celestini der Richtige?

    Ich glaube nach wie vor dass der Trainer und der Sportchef eine einzige Fehlbesetzung sind, man ist in Luzern einfach noch nicht bereit dies einzusehen das war schon immer so beim Fc Luzern.
    Ein Rene van Eck oder ein Friedel Rausch zu Lebzeiten hätten aus dieser Mannschaft einiges mehr
    rausgeholt. Die versprochenen Fussballfeste in Luzern wird man sobald nicht mehr feiern und vielversprechende Talente werden sowieso verkauft, man kauft lieber Ersatzspieler aus halb Europa.
    Der Sportchef macht einen miserablen Job.

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    1. Ernesto, 21.12.2020, 19:43 Uhr

      Ach Herbert, leg mal ne neue Platte auf, deine scheint einen Sprung zu haben…..

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