FCL-Trainer Celestini: «Jetzt ist nicht die Zeit, um zu weinen»
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Welche Spieler sind bereit für das erste Spiel 2021 gegen Servette? Das will FCL-Trainer Fabio Celestini in den nächsten Tagen herausfinden. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Nach Quarantäne zurück im Training FCL-Trainer Celestini: «Jetzt ist nicht die Zeit, um zu weinen»

5 min Lesezeit 4 Kommentare 28.01.2021, 05:00 Uhr

Der FC Luzern ist bei der Wiederaufnahme der Meisterschaft im 2021 der Nachzügler unter den Super Ligisten. Wegen einiger Corona-Ansteckungen im Team startet er erst am Donnerstag in einer Woche gegen Servette. Was das für die Vorbereitung des abstiegsbedrohten FCL heisst, sagt Cheftrainer Fabio Celestini (45) im Interview.

Wer trug das Corona-Virus in die Mannschaft der Luzerner? Und wie verbreitete es sich so rasant? Es sind Fragen wie diese, die den FCL in letzter Zeit beschäftigten. Doch eine unzweifelhafte Antwort darauf wird es wohl nie geben.

Eine Theorie besagt: Weil der FC Luzern wegen der durch den Wintereinbruch prekär gewordenen Platzverhältnisse in Luzern auf den Kunstrasen in Kriens ausweichen musste, wurden die Spieler in Bussen zum Training chauffiert. Auf diesen Fahrten könnte es zu den Übertragungen gekommen sein. Aber das ist und bleibt eine Theorie.

Nun befindet sich der FC Luzern auf dem Weg zurück in den Spielbetrieb. Schwere Krankheitsverläufe habe es unter den Infizierten nicht gegeben, versichert der Verein.

Der Corona-Test am Dienstag ist bei den bislang negativ getesteten Teammitgliedern mit unverändertem Ergebnis ausgefallen. Am Mittwoch wurden die infizierten Spieler einem medizinischen Test unterzogen, um zu überprüfen, ob sie sich gefahrlos der körperlichen Belastung eines Trainings oder Spiels aussetzen können.

Am Mittwochnachmittag stand das erste gemeinsame Mannschaftstraining seit fast zwei Wochen an. Zeit, um mit FCL-Trainer Fabio Celestini auszuloten, was der Corona-Ausbruch in den Reihen der Luzerner für die Vorbereitung auf die Fortsetzung der Meisterschaft bedeutet.

zentralplus: Fabio Celestini, lange Zeit hatte das Corona-Virus in Ihrer Mannschaft keine Chance. Bis es just in der Vorbereitung auf die Rückrunde umso heftiger wütete. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Fabio Celestini: Nein, das habe ich leider nicht. Wir halten uns seit vielen Monaten an das immer gleiche Schutzkonzept, das uns lange beschützte. Sicher ist, dass die infizierten Spieler weder von der englischen noch von der brasilianischen Virus-Mutation betroffen waren.

zentralplus: Wurden Sie auch positiv getestet?

Celestini: Nein, ich war immer gesund.

zentralplus: Dennoch mussten auch Sie in Quarantäne. Was haben Sie den lieben langen Tag gemacht?

Celestini: Ich fühlte mich zurückversetzt in den letzten März, als die Meisterschaft nach Ausbruch der Corona-Krise für Monate unterbrochen wurde. Konkret konnte ich aber nicht werden in meiner Arbeit, weil ich nicht wusste, wann und gegen welchen Gegner wir im 2021 starten würden. Also arbeitete ich an einem Schlachtplan, an den sich die Spieler mental für die verbleibenden 22 Meisterschaftsspiele halten können.

«Ich muss herausfinden, was das Team benötigt, um gegen Servette gewinnen zu können.»

zentralplus: Am Donnerstag nimmt die Mehrheit der Spieler das Mannschaftstraining wieder auf. Sieben Tage Vorbereitung bleiben vor dem ersten FCL-Auftritt im 2021 gegen Servette. Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Celestini: Man darf nicht glauben, die eine Woche Vorbereitungszeit reiche aus, um das zu kompensieren, was vorher wegen Corona ausfallen musste. Die Spieler sind bis zu zwölf Tage ohne Laufeinheit geblieben, ohne Teamtraining, ohne Mannschaftsleben. Die Quarantäne respektive Isolation dauerte länger als die Ferien über die Festtage. Darum liegt mein Fokus nun weniger im technischen und taktischen Bereich.

zentralplus: Sondern?

Celestini: Ich muss herausfinden, was das Team benötigt, um gegen Servette gewinnen zu können. Und ich muss herausfinden, welche Spieler im Kopf für diese Herausforderung bereit sind. Der mentale Faktor ist entscheidend, schliesslich läuft jeder Mensch mit dem Kopf. Jetzt ist nicht die Zeit, um zu weinen. Jetzt gilt es zu kämpfen. Wir stehen nicht unten in der Tabelle wegen Corona. Sondern wegen ungenügender Effizienz. Dieses Defizit müssen wir aus der Welt schaffen.

zentralplus: Was können Sie der Mannschaft jetzt auf den Weg geben?

Celestini: Meine Energie. Die Spieler sollen sie aufsaugen. Und ich erwarte auch, dass alle, die für den FCL arbeiten, der Mannschaft ihre Energie zu spüren geben.

«Wir alle im FCL müssen uns gegenseitig in der täglichen Arbeit antreiben, pushen und nochmals pushen.»

zentralplus: Was meinen Sie damit genau?

Celestini: Wir brauchen mehr Überzeugung in unserem Spiel, wir müssen damit beginnen, unsere Tore zum richtigen Zeitpunkt zu schiessen. Das bedeutet: Wir alle im FCL müssen uns gegenseitig in der täglichen Arbeit antreiben, pushen und nochmals pushen. Wir können gegen jeden Gegner in der Liga gewinnen, aber das müssen wir jetzt auch umsetzen.

zentralplus: Wegen der verschobenen Spiele ist der abstiegsbedrohte FC Luzern mittlerweile auf Barrage-Platz 9 abgerutscht. Was löst das in Ihrer Mannschaft in psychologischer Hinsicht aus?

Celestini: Unsere Situation bleibt unverändert: Wenn wir wie bei meiner Ankunft in Luzern vor ziemlich genau einem Jahr wieder 13 Punkte aus den ersten fünf Spielen holen, ist schnell wieder die Rede von einer möglichen Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb. Für uns geht es jetzt darum, unser Spiel effizienter zu gestalten. Bisher gab uns das, was wir auf dem Platz zeigten, ein gutes Gefühl. Aber die Resultate widerspiegelten das nicht. Das müssen wir umkehren.

zentralplus: Nach Ihren ersten fünf Spielen mit dem FC Luzern mussten Sie stets wegen der Corona-Krise einigen Widerwärtigkeiten trotzen. Was hat das mit Ihnen gemacht?

Celestini: Ja, ich konnte nur fünf FCL-Spiele so vorbereiten und bestreiten, wie es sich ein Trainer vor der Virus-Krise gewohnt war. Aber zum Glück haben wir immer noch Arbeit und meine Aufgabe ist es, in jeder Situation eine Lösung zu finden. An Herausforderungen wie dieser kann man als Trainer wachsen.

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4 Kommentare
  1. Mac Tanner, 29.01.2021, 09:00 Uhr

    Aktuell erlebt Luzern, wie schön es doch ohne den FCL und seine Chaoten ist. Zone 5 geschlossen, keine versprayten Strassen, Brücken, Fassaden, Randsteine etc., keine Randalen, das Polizeicorps kann endlich wieder freie Wochenende geniessen ohne von pubertierenden Fans angepöbelt zu werden, die VBL-Werkstatt muss auch keine demolierten Busse reparieren usw. Wollen wir diesen Frieden wirklich wieder für den Fussball opfern? Baut ein Dach über die Sagexplattenarena und das Problem „Stadttheater“ ist endlich gelöst.

  2. w. bühlmann, 28.01.2021, 19:22 Uhr

    Es wird auch in der Rückrunde, wie bisher weiter gehen. Diese “ Spielkultur “ wird sich beim FCL nie
    durchsetzen, mit einer ungenügenden Abwehr . Die zu viele Tore erhalten. Meyer hat Recht mit zu-
    warten der Vertragverlängerung. Celestini muss jetzt “ liefern „.

  3. CScherrer, 28.01.2021, 09:11 Uhr

    Ist dieser Artikel als Satire zu verstehen? Das böse Virus fährt von alleine im Bus mit und steckt die Spieler an. War nicht mindestens ein Spieler nachweislich über die Festtage in seinem Heimatland. Einem Land mit einem Corona-Schwurbler als Präsidenten? Auf jeden Fall sitzt das Virus kaum einfach so im Bus.
    Zur sportlichen Situation: Der FC Luzern ist Abstiegskandidat, auch wenn er zwei Spiele weniger als Vaduz aufweist. Luzern droht den Anschluss an den FC Servette komplett zu verlieren. Beide Vereine weisen aktuell gleich viel Spiele auf. Der FC Zürich liegt aussser Reichweite. Celestini entwickelt sich zum einem „Schnorri“ ohne jeglichen Plan für die erste Mannschaft. Eine Weiterentwicklung der Spieler kann ebenfalls nicht festgestellt werden. Die Barrage wäre für Luzern fatal, denn mit Thun, aber auch Winterthur, Aarau, Schaffhausen warten äusserst unangenehme, mögliche Gegner. Wobei es durchaus dann auch GC sein könnte.

    1. montanara, 28.01.2021, 20:38 Uhr

      1. Beim Virus welches das Team erwischte handelt es sich nicht um eines der mutierten (siehe Medienberichterstattung)
      2. Welche Rolle soll also Bolsonaro hier spielen?
      3. Zürich ist nicht ausser Reichweite (siehe Leistung gestern)
      4. Ja wenn der FCL in die Barrage kommt – wovon ich nicht ausgehe – werden sie tatsächlich auf einen der 10 Gegner aus der CL treffen…..
      5. Den Anschluss an Servette verlieren? Es ist noch nicht mal die Hälfte der Saison gespielt und es sind gerade mal 6 Punkte Differenz
      6. Da frage ich mich dann doch wer hier der „Schnorri“ ist.

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