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FCL-Torgarant missfällt kopfloses Herumrennen
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FCL-Stürmer Marco Schneuwly ist immer für ein Tor gut. Hier befindet er sich im Zweikampf mit dem Sittener Elsad Zverotic. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

Marco Schneuwly erklärt seinen Torriecher FCL-Torgarant missfällt kopfloses Herumrennen

6 min Lesezeit 30.09.2016, 19:00 Uhr

Man kann die Bedeutung Marco Schneuwlys für den FC Luzern gar nicht genug hoch einschätzen. Und für Babbel gehört der Stürmer gar in die Nationalmannschaft. Wir sprachen mit Schneuwly über Killerinstinkt, Mario Gomez und die momentane Flaute des FCL.

Er trifft und trifft und trifft. Der Fribourger Marco Schneuwly (31) ist die personifizierte Torgefahr des FC Luzerns. Er stand in acht von neun Ligaspielen auf dem Platz und erzielte sieben Treffer. Damit führt er die Torjägerliste der Schweizer Liga gemeinsam mit Ezgjan Alioski (Lugano) und Caio (Grasshoppers) an.

Trainer Markus Babbel ist voll des Lobes für seinen Skorer: «Der Marco weiss einfach, wo das Tor steht.» Babbel zeigt sich überzeugt, dass Schneuwly noch zu viel mehr fähig ist. Besonders in der Laufbereitschaft ortet er noch Potential. «In einigen Spielen würde Schneuwly eine Thermo-Jacke benötigen», schmunzelt er. Alles in allem sei er aber ein Top-Stürmer. Babbel vergleicht ihn mit dem deutschen Stürmer Mario Gomez. Es gäbe nur wenige Stürmer, die aus dem Nichts immer für ein Tor gut seien. «Schneuwly ist einer von ihnen, und deshalb kann ich auch nicht verstehen, dass er in der Nationalmannschaft kein Thema ist.»

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Nach dieser Lobeshymne wollten wir natürlich von Marco Schneuwly wissen, was er dazu sagt. Wir trafen ihn zum Gespräch.

zentralplus: Marco Schneuwly, wo wäre der FCL ohne Sie?

Marco Schneuwly: Lacht. Den gäbe es auch ohne mich. Es läuft sicher gut im Moment. Die Bälle kommen dort hin, wo ich stehe. Es passt in der Offensive.

zentralplus: Sie haben einen Lauf und das seit Jahren. Wie erklären Sie sich Ihre Torgefahr?

Schneuwly: Mit der Routine kommt es immer besser. Man weiss, wie die Situationen sich ergeben. Das Goal gegen Lausanne ist ein gutes Beispiel. Ich lauerte am zweiten Pfosten, weil die Chance da war, dass der Ball dort hin kommt. Ich spekulierte und es ging auf.

Im letzten Spiel gegen Lausanne freut sich Schneuwly über den frühen Führungstreffer.

Im letzten Spiel gegen Lausanne freut sich Schneuwly über den frühen Führungstreffer.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Macht Toreschiessen süchtig?

Schneuwly: Ich glaube schon. Das macht einen Stürmer aus. Man will immer mehr, und es immer besser machen.

zentralplus: Markus Babbel sagt, Sie können noch mehr. Besonders, was die Beweglichkeit auf dem Spielfeld betrifft. Sind Sie einverstanden damit?

Schneuwly: Es ist sicher wichtig, in Bewegung zu sein. Andererseits müssen die Positionen besetzt sein, gerade im Sturm. Man soll nicht einfach kopflos Kilometer abspulen. Das bringt niemanden etwas. Wenn die Mitspieler eine Flanke schlagen, muss ein Spieler vorne drin sein. Manchmal ist weniger Bewegung mehr. Sicherlich gibt es Situationen, in denen ich mehr laufen könnte. In anderen ist es besser, überlegt zu agieren.

«Es braucht Präsenz im Strafraum.»

zentralplus: Passt Ihnen der Vergleich mit Mario Gomez?

Schneuwly: Durchaus. Er ist ein Stossstürmer, und seine Qualitäten braucht es in der heutigen Zeit. Immer mehr läuft ein Spiel über die Seiten: Aussenverteidiger oder Flügelspieler brechen durch und flanken in die Mitte. Es braucht Präsenz im Strafraum. Was bei ihm sehr auffällt, ist seine Antrittsschnelligkeit. Er lauert und ist ständig sehr aufmerksam.

zentralplus: Thema Nationalmannschaft: Haben Sie noch Kontakt mit Trainer Vladimir Petkovic?

Schneuwly: Nein, nichts. Achselzucken.

«Wenn man mit 31 Jahren den Schritt ins Ausland noch wagen will, muss sicher das ganze Paket passen.»

zentralplus: Jetzt hat der FCL in den letzten vier Spielen einen Punkt geholt. Was braucht’s, damit gegen GC mehr drin liegt?

Schneuwly: Natürlich gehen wir immer mit dem Gedanken ins Spiel, dass wir gewinnen wollen. Das muss so sein und soll so bleiben. Jetzt müssen wir wieder über die ganzen 90 Minuten unsere Leistung bringen. In den letzten Spielen wurden unsere schwachen Phasen gnadenlos ausgenutzt.

zentralplus: Wenn man so viele Tore schiesst wie Sie, weckt man auch Begehrlichkeiten. Ist ein Wechsel ins Ausland für Sie noch ein Thema?

Schneuwly: Was heisst Thema? Es muss sich ergeben. Schon letzten Sommer sagte ich, dass man es anschauen müsse, wenn es konkret wird. Wenn man mit 31 Jahren den Schritt noch wagen will, muss sicher das ganze Paket passen.

«Der Start in die letzte Rückrunde mit sechs Niederlagen war viel schlimmer.»

zentralplus: Welche Rolle spielt es, dass Sie gemeinsam mit ihrem Bruder Christian in Luzern spielen können?

Schneuwly: Sicher eine grosse. Man sieht, dass wir uns auf dem Platz verstehen und wissen, was der andere tut. Wir verstehen uns blind.

zentralplus: Wie reagieren die Mannschaftskameraden, wenn zwei Spieler eine so enge Verbindung zueinander haben?

Schneuwly: Schlechte Erfahrungen haben wir noch nie gemacht. Es kann vielleicht beim Jassen mal der eine oder andere Spruch fallen. Lacht.

zentralplus: Der FCL ist etwas aus dem Tritt gefallen. Sie sind schon lange im Geschäft und haben bestimmt schon viele solche Phasen erlebt. Beginnt die Mannschaft schon zu zweifeln?

Schneuwly: Wir zweifeln gar nicht. Der Start in die letzte Rückrunde mit sechs Niederlagen war viel schlimmer. Damals wussten wir nicht, warum wir die Spiele verloren. Jetzt wissen wir warum und können es verstehen. Wir müssen einfach unsere Fehler, taktisch wie individuell, offensiv wie defensiv, abstellen. Das ist einfacher gesagt als getan. Aber wir haben einen Plan.

Die 1:3-Niederlage war eine herbe Enttäuschung. Schneuwly schleicht enttäuscht vom Spielfeld.

Die 1:3-Niederlage war eine herbe Enttäuschung. Schneuwly schleicht enttäuscht vom Spielfeld.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Die Offensive hat mit zwei Toren pro Spiel gut funktioniert – die Defensive mit zwei Gegentoren pro Spiel weniger. Fehlt momentan die Balance?

Schneuwly: Dass die Offensive funktioniert und die Defensive nicht, ist immer relativ. Solange wir vorne ein Tor mehr schiessen, als wir hinten erhalten, gewinnen wir die Spiele. Im Moment stimmt das Verhältnis nicht. Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam vom Gleichen sprechen. Wir fangen vorne mit Verteidigen an und die Verteidiger starten hinten den Spielaufbau. Wir müssen alle am gleichen Strick ziehen.

zentralplus: Wie analysiert man Gegentore wie diejenigen gegen Lausanne? Nimmt der Trainer grossen Einfluss, oder weiss jeder Spieler selbst, was er falsch machte?

Schneuwly: Klar, der Trainer fasst die Situationen im Video zusammen und spricht die Fehler an. Es fängt meistens vorne an mit dem Pressing. Klappt das, kommt der Ball nur bis zur Mitte. Klappt es nicht, kann der Gegner ohne Druck auf unsere Verteidiger zulaufen, was es für diese viel schwieriger macht.


 

zentralplus: Sind die Führungsspieler in einer solchen Situation speziell gefordert, auch mal intern Dinge anzusprechen?

Schneuwly: Wenn es die Situation verlangt, kann man das tun. Aber die Analyse wurde gemacht, die Fehler aus dem Lausanne-Spiel sind bekannt. Jetzt geht es darum, alles besser zu machen.

Diesen Sonntag trifft der FCL auswärts auf die Grasshoppers (im zentralplus-Liveticker bleiben Sie ab 13.15 Uhr auf dem Laufenden). Im Video erklärt Trainer Markus Babbel alles Wichtige zum Spiel:

 

FC Luzern startet grosse Fanumfrage

Fussball und seine Begleiterscheinungen bewegen die Bevölkerung in Luzern. Der FCL, seine Spiele, seine Fans und deren Verhalten oder auch die swissporarena sind populäre Themen, die immer wieder zu Diskussionen führen. Während die öffentliche Wahrnehmung durch wenige Meinungsmacher beeinflusst wird, kam der einzelne Fan bisher noch nicht zu Wort.

Die Fanarbeit Luzern und der FC Luzern setzen sich mit der «Fanumfrage Luzern» gemeinsam dafür ein, dass sich FCL-Fans zu den erwähnten Themen äussern können. Mittels einer Onlinebefragung können alle Anhänger ihre Meinung abgeben: zum Club, zur swissporarena, zu ihrem eigenen Fanverhalten oder zur Luzerner Fankultur.

Das Ergebnis der Fanumfrage wird ein Gesamtbild der Bedürfnisse und Verhaltensweisen der FCL-Fans ergeben, das als objektive Grundlage bei FCL- und fanspezifischen Diskussionen beigezogen werden soll.

Die Umfrage ist anonym und für alle Fans zugänglich. Die Daten werden ausschliesslich im Rahmen dieser Umfrage verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt durch die Uni Bern. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse wird von der Fanarbeit Luzern und dem FCL im kommenden Jahr präsentiert.

Die Fanumfrage Luzern läuft bis am 30. November.

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