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FCL-Sportkoordinator hofft auf Aufstieg des SC Kriens
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FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler will vorwärtsblicken. (Bild: Martin Meienberger)

Remo Gaugler will Qualität im Kader halten FCL-Sportkoordinator hofft auf Aufstieg des SC Kriens

9 min Lesezeit 10.12.2016, 04:38 Uhr

Ruhig wird’s um den FC Luzern nie. Auf sportliche Höhenflüge folgen oft Talfahrten. Hinzu kommen spektakuläre Veränderungen auf den Chefsesseln. Sportkoordinator Remo Gaugler schaut auf das FCL-Jahr 2016 zurück. Hinzu kommen spannende Fragen zum Kader. Wer geht? Wer kommt? Und hat Sion Markus Neumayr den Kopf verdreht?

Der FC Luzern ist im Hoch. Aus den letzten sechs Meisterschaftsspielen gab es 16 Punkte. In den sechs Spielen davor holte man gerade einmal einen Punkt. Dieses ständige Auf und Ab gehört schon fast zum Markenzeichen des FCL. An der Medienkonferenz vor dem letzten Match vor der Weihnachtspause sprach Trainer Markus Babbel über die Gründe (verfolgen Sie die Partie gegen den FC Sion am Sonntag ab 13.45 Uhr bei uns im Liveticker).

«Ja, wir haben zu extreme Höhen und Tiefen.» Allerdings hält der Trainer positiv fest, dass man sich auch in schwierigen Phasen nicht zerfleischt habe. «Wir brauchen eine höhere Aufmerksamkeit und dürfen nicht locker lassen», sagt Babbel über die Massnahmen, damit solche Schwankungen in Zukunft vermieden werden können. Und alle Spieler müssten sich bewusst sein, dass man in jedem Spiel 100 Prozent geben müsse. Nichtsdestotrotz hält Babbel fest: «Die aktuelle Tabellensituation ist erfreulich.»

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Baumeister des Erfolgs ist nebst dem Trainerstab Sportkoordinator Remo Gaugler. Wir haben mit ihm am Rande der Pressekonferenz über die Kaderzusammenstellung gesprochen. Dabei thematisierten wir die Neuzugänge des Sommers, Spieler mit auslaufenden Verträgen und mögliche Wintertransfers.

zentralplus: Remo Gaugler, der FC Luzern steht vor dem letzten Spiel in der Hinrunde auf Platz drei. Welches Fazit ziehen Sie zum bisherigen Saisonverlauf?

Remo Gaugler: Grundsätzlich ein sehr positives. Wir hatten eine schwächere Phase, aus der mir gewisse Niederlagen noch auf dem Magen liegen. Hätten wir gegen Lausanne und GC sechs Punkte geholt, würden wir noch besser dastehen. Das sind unsere Ansprüche.

Wobei man diese auch etwas relativieren muss, wenn man unser Budget betrachtet. Spiele wie in St. Gallen kann es immer mal geben. Wir haben einen guten Job gemacht in der Teamzusammenstellung und alle rund ums Team arbeiten sehr gut. Die Arbeit und die Mentalität sind zu Tugenden geworden, neben unserem attraktiven und laufaufwendigen Spielstil. Und deshalb stehen wir auf dem dritten Platz.

«Es wäre vermessen, das Erreichen der Europa-League-Quali als Ziel auszurufen.»

zentralplus: 2016 ist sehr viel passiert. Zu Beginn des Jahres sorgten die Entlassungen von Rolf Fringer und Roland Vrabec für Aufsehen. Und in der Sommerpause kam die Trennung von Ruedi Stäger. Wie stark sind diese personellen Umbrüche noch präsent?

Gaugler: Sie könnten gefühlt noch viel weiter weg sein. Es nervt mich etwas, dass diese Dinge immer wieder Thema sind. In der Schule war Geschichte schon nicht mein Lieblingsfach (lacht). Ich schaue vorwärts und will meine Visionen und Ambitionen umsetzen. Klar haben viele Leute in der Vergangenheit auch ihren Anteil geleistet und nicht alles schlecht gemacht. Zudem ist es nie schön, wenn es zu Trennungen kommt. Dementsprechend sollte man die Vergangenheit ruhen lassen, seine Schlüsse aus diesen Ereignissen ziehen und sich dann auf das Jetzt und die Zukunft konzentrieren.

zentralplus: Wird in der Winterpause die Zielsetzung überdacht? Die Europa League ist dieses Jahr wohl einfacher zu erreichen, da im nächsten Jahr mit dem FC Zürich wieder ein ambitionierter Verein mehr in der Super League mitspielt.

Gaugler: Die Liga ist ausgeglichen mit und ohne den FC Zürich. Es wäre vermessen, das Erreichen der Europa-League-Quali als Ziel auszurufen. Wir wissen, wo unsere Stärken liegen, erkennen aber auch Gefahren. Die Mentalität und Haltung insbesondere gegen Ende der Vorrunde wollen wir stabilisieren und optimieren. Wenn es am Schluss zum dritten Rang reicht, nehmen wir den gerne. Aber das ist nicht selbstverständlich mit unseren Mitteln. Im Vordergrund steht die Entwicklung unseres Spiels und unseres Teams. Schaffen wir es, können wir sagen, dass das Team und alle rundherum einen top Job gemacht haben.

zentralplus: Die Winterpause ist auch ein Zeitpunkt, um die Neuzugänge zu bewerten. Gekommen sind Simon Grether, Ricardo Costa, Francisco Rodríguez, Cedric Itten und Tomi Juric. Was ist das Fazit?

Gaugler: Wir sind mit den Neuzuzügen, wie auch mit der gesamten Mannschaft, sehr zufrieden. Dass gewisse Spieler eine Anlaufzeit brauchen, ist normal. Die Medien versuchen meist erst die Schwächen der Spieler zu suchen, aber damit können wir umgehen. Ich schätze die Qualitäten der neuen Spieler genauso wie jene der Spieler, die schon länger dabei sind. Schlussendlich müssen wir diese in ein Kollektiv bringen, das Leistungen auf dem Platz zu erbringen vermag. Das zählt. Mit den neuen Spielern ist uns vor allem im Mentalitätsbereich nochmals ein Schritt nach vorne gelungen.

Cedric Itten, Leihspieler des FC Basel, überzeugt beim FC Luzern.

Cedric Itten, Leihspieler des FC Basel, überzeugt beim FC Luzern.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Cedric Itten ist nur ausgeliehen. Letztes Jahr hatte man mit Michi Frey eine ähnliche Situation. Ist es kein Dilemma, wenn er hier viel Spielpraxis bekommt, aber nicht über die Saison hinaus in Luzern bleibt, wie es bei Frey der Fall war? Oder sind Sie bereits daran, eine Lösung über das Saisonende hinaus zu finden?

«Wenn man einen Spieler verkauft, verliert man Qualität.»

Gaugler: Als Dilemma würde ich die Situation nicht beschreiben. Bei unseren Mitteln gehören Leihgeschäfte einfach dazu. Wenn wir einem jungen Spieler Spielpraxis ermöglichen, so wird uns dies in Form einer Ausbildungsentschädigung auch finanziell etwas bringen. Zudem dürfen wir bei der Entwicklung eines jungen Spielers Teil seiner Entwicklung sein. Und wenn es uns gelingen würde, Itten ein weiteres Jahr zu behalten oder ihn sogar zu übernehmen – wohl mit einer Rückkaufoption für den FC Basel –, dann wären wir sicher offen. Schlussendlich ist es eine Frage des Preises. Bei Michi Frey hatten wir diese Chance ebenfalls. Aber erstens konnte ich unser Angebot intern nicht durchsetzen und zweitens lag dasjenige von YB darüber. So ist das Geschäft.

zentralplus: In der letzten Winterpause konnte durch die Verkäufe von Lezcano und Freuler ein schöner Transfererlös erzielt werden. Sind intern Vorgaben da, dass man dies wiederholen muss?

Gaugler: Das ist ein schwieriger Punkt. Mit den Verkäufen ist etwas eingetroffen, das Jahre zuvor nicht gelungen war. Jetzt kommen Forderungen, dass dies so schnell wie möglich wieder passieren soll. Aber eines ist klar: Wenn man einen Spieler verkauft, verliert man Qualität. Klar ist der FCL auf Erlöse angewiesen, aber es müssen immer mehrere Faktoren zusammenspielen. Wie die Höhe des Angebotes, der Zeitpunkt und die Reife des Spielers.

zentralplus: Was hat der FCL bei Marco Schneuwly für eine Schmerzgrenze?

Gaugler: Es müsste wirklich ein ganz guter Verein kommen. Und das Angebot müsste auch Marco passen. Marco hat für mich, die Mannschaft und den ganzen Verein einen riesengrossen Wert. Diesen möchte ich nicht finanziell beziffern.

Gaugler will nicht verraten, für wie viel Geld er Marco Schneuwly ziehen lassen würde.

Gaugler will nicht verraten, für wie viel Geld er Marco Schneuwly ziehen lassen würde.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Es gibt Spieler, bei denen der Vertrag ausläuft. Man könnte sie jetzt im Winter letztmals verkaufen, ansonsten sind sie im Sommer ablösefrei. Markus Neumayr ist einer davon, Jahmir Hyka oder Tomislav Puljic sind weitere. Wie ist der Stand der Dinge?

Gaugler: Wir kennen die Situation und sind dran. Nach aussen kommunizieren wir erst, wenn etwas konkret ist, wie bei sämtlichen unserer Personalfragen. Eine Vertragsverlängerung ist möglich, aber auch ein Transfer im Winter. Wir sind nicht in der Situation, in der wir etwas überstürzen müssen. Wir agieren sehr überlegt.

zentralplus: Bei Markus Neumayr weiss man um das Interesse von Sion. Der FCL möchte ebenfalls verlängern. Bis wann kann man mit einem Resultat rechnen?

Gaugler: Weder der FC Sion noch ein anderer Club haben sich bei uns gemeldet.

Markus Neumayr wird vom FC Sion umworben.

Markus Neumayr wird vom FC Sion umworben.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Auch bei João Oliveira, der aus der FCL-Jugend kommt, läuft der Vertrag aus. Hat er bei seinen bisherigen Einsätzen seine Super-League-Tauglichkeit unter Beweis gestellt?

«Die Challenge League ist keine Ausbildungsliga mehr.»

Gaugler: Bei so jungen Spielern ist das schwierig zu sagen. Er hatte Einsätze, bei denen er es hervorragend machte. Und teilweise hat man gesehen, dass er noch Zeit braucht. Für seinen nächsten Schritt ist wichtig, dass er zu Spielpraxis kommt.

zentralplus: Es gibt ja noch einige Spieler, die auf ihren Durchbruch in der ersten Mannschaft warten, wie Silvan Sidler oder Stefan Knezevic. Besteht die Absicht, diese in der Challenge League zu Spielpraxis kommen zu lassen?

Gaugler: Das grosse Problem ist: In der Challenge League ist jeder Trainer sehr stark unter Druck und muss Resultate liefern. Das ist keine Ausbildungsliga mehr. Entscheidend für diese Spieler ist, dass der richtige Schritt gelingt. Hat man mal einen Leihvertrag unterzeichnet, ist man diesen Clubs ausgeliefert.

zentralplus: Und was wären Lösungen für das Problem?

Gaugler: Für uns wäre es sehr interessant, wenn der SC Kriens in die Challenge League aufsteigen könnte. Das könnte für beide Clubs eine Win-Win-Situation geben und ich bin der Erste, der die bestehende gute Zusammenarbeit weiter vorantreiben würde. Der SC Kriens arbeitet professionell und es sind Ideen für die gemeinsame zukünftige Kaderplanung vorhanden. Beide Vereine könnten profitieren, wenn Kriens aufsteigen würde.

zentralplus: Dann gibt’s die Spieler Kaja Rogulj, Haxhi Neziraj und Ferid Matri, die noch immer auf der Lohnliste sind, aber sportlich keine Rolle mehr spielen. Wann folgt die Trennung?

Gaugler: Gut, das wäre schon länger unsere Absicht. Aber alle haben gültige Verträge, die auch vonseiten des FCL unterzeichnet wurden. Wir haben gewisse Rechte und Pflichten, genauso wie diese Spieler. Keine Partei hat gegen einen Vertrag verstossen.

FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden.

FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden.

(Bild: les)

zentralplus: Ist es nachvollziehbar, dass diese Spieler ihre Verträge einfach aussitzen, ohne je die Chance auf Einsätze zu haben? Die sportliche Situation verschlechtert sich ja mit jeder Woche, in der man keine Spielpraxis bekommt.

Gaugler: Bei Kaja Rogulj (30) kann man’s einigermassen verstehen. Ich weiss nicht, was er nach dem Vertragsjahr machen will. Bei den anderen beiden jungen Spielern ist mir das unerklärlich. Sie werden später auch begreifen, dass sich der Markt für sie schliesst. Ich vermisse den sportlichen Ehrgeiz bei den beiden. Besser zuerst mal einen Schritt zurück machen für einen späteren Fortschritt.

«Wenn wir Kevin Bua übernehmen wollen, müssen wir einen Teil des Stadions verkaufen.»

zentralplus: Jetzt sind YB und auch der FC Basel aus dem europäischen Wettbewerb ausgeschieden und haben grosse Kader, die sie verkleinern möchten. Wollen Sie zugreifen? Ein Kevin Bua, der bei Basel kaum zum Einsatz kommt, wäre doch noch einer für den FCL.

Gaugler: Vorher haben wir über Itten gesprochen und die finanziellen Grenzen des FCL. Wenn wir Kevin Bua übernehmen wollen, müssen wir einen Teil des Stadions verkaufen (lacht). Er ist ein interessanter Spieler und wir hatten die Möglichkeit, ihn zu holen, als er von Servette nach Zürich wechselte. Aber jetzt bei Basel trägt er natürlich ein anderes Preisschild. Ich wäre nicht abgeneigt, ihn im FCL-Dress zu sehen, etwa via Leihgeschäft. Aber eine Übernahme ist vermutlich nicht realistisch.

zentralplus: Im letzten Interview über mögliche Transfers haben Sie gesagt, der definitive Kader soll zum Trainingsstart stehen. Die Transfers von Jantscher und Rodríguez gingen allerdings im letzten Moment über die Bühne. Ist das Fussballgeschäft einfach unberechenbar?

Gaugler: Es ist das Ziel, die Vorbereitung mit dem ganzen Kader zu absolvieren. Aber gewisse Dinge kann man nicht beeinflussen. Wichtig ist, dass man stets bereit und gewappnet ist.

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