FCL-Sportchef Meyer muss keine Abstriche beim Spieler-Budget machen
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FCL-Sportchef Remo Meyer im Gespräch mit seinem Trainer Fabio Celestini: Beide sagen, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Weil 9'000 Fans ins Luzerner Stadion rein dürfen FCL-Sportchef Meyer muss keine Abstriche beim Spieler-Budget machen

4 min Lesezeit 17.09.2020, 05:00 Uhr

Mit dem offensiven Mittelfeldspieler Louis Schaub (25) hat Remo Meyer den ersten Transfer für nächste Saison im Trockenen. Der FCL-Sportchef sagt, wie es um einen neuen Vertrag für Trainer Fabio Celestini steht und was für ihn derzeit Priorität geniesst.

Am Mittwoch wurden in der personellen Planung des FC Luzern erste Pflöcke eingeschlagen. Drei Tage vor dem ersten Meisterschaftsspiel in Lugano hat Remo Meyer verkündet, dass der deutsch-österreichische Doppelbürger Louis Schaub vom 1. FC Köln nach Luzern ausgeliehen wird (zentralplus berichtete).

Und seit Mittwochmittag wissen die User von zentralplus, dass Verteidiger Otar Kakabadze trotz einem bis zum Saisonende gültigen Vertrag keine sportliche Zukunft in Luzern hat. Höchste Zeit, Meyer ein paar Fragen zur kommenden Spielzeit zu stellen.

zentralplus: Remo Meyer, Ihrer Ankündigung im August zufolge müsste Trainer Fabio Celestini den neuen Vertrag schon unterschrieben haben. Seiner Aussage nach hat er aber noch nicht mal ein Angebot. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Remo Meyer: Wir befinden uns in einem gegenseitigen Austausch und schätzen uns gegenseitig. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen.

zentralplus: Sie wiederholen Gründe, die erst recht für eine zeitnahe Verlängerung der Zusammenarbeit sprechen.

Meyer: Manchmal sind die Wege bis ins Ziel halt länger. Aber ich möchte jetzt nicht von Woche zu Woche Wasserstandsmeldungen darüber abgeben, wie weit wir sind. Wir sind beide sehr positiv in dem Punkt, dass wir die mittelfristige Zukunft gemeinsam bestreiten wollen. Aber in diesen Tagen und Wochen haben erst mal die Verstärkungen für die Mannschaft Priorität.

zentralplus: Hat Celestinis Flirt mit dem FC Basel auf Ihrer Seite etwas kaputt gemacht?

Meyer: Grundsätzlich nicht, nein. Fabio Celestini hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt und mich über jeden Schritt in diesem Prozess klar informiert. In einem Vertrauensverhältnis ist das für mich ein zentraler Punkt, und das habe ich an seinem Verhalten geschätzt.

«Für mich ist nicht die Anzahl neuer Spieler relevant, sondern deren Qualität.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

zentralplus: Seine ursprüngliche Forderung nach vier Verstärkungen hat Fabio Celestini mittlerweile auf sechs erhöht. Ist Ihnen das vor dem Hintergrund, dass der FCL um sein wirtschaftliches Überleben strampelt, zu ambitioniert?

Meyer: Der FCL war in den letzten Jahren vernünftig unterwegs, und das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Fabio Celestini und ich haben auf der Basis der Positionen und Spielerprofile ein genaues Bild davon, wie wir die Mannschaft verstärken wollen. Für mich ist nicht die Anzahl neuer Spieler relevant, sondern deren Qualität.

zentralplus: Ist der Eindruck richtig, dass der FCL die grösseren Einsparungen, die Sie vor wenigen Monaten im Zusammenhang mit der ersten Mannschaft angekündigt hatten, mittlerweile über Bord geworfen hat?

Meyer: Dass wir ab Oktober wieder 9’000 Zuschauer ins Stadion lassen dürfen, war ein positiver Entscheid für unsere finanzielle Planung. Und für die Spieler ist es natürlich ein Kick, wieder vor einem deutlich grösseren Publikum spielen zu dürfen. Wir sind darum mit einem ähnlichen Budget für die erste Mannschaft unterwegs wie in den Vorjahren – und damit wollen wir das Bestmögliche rausholen.

zentralplus: Im Vergleich zur letzten Saison sind mit Blessing Eleke, Darian Males, Ryder Matos und Shkelqim Demhasaj vier Spieler weg. Trotz dem Zuzug von Louis Schaub wird weiterer Handlungsbedarf bestehen.

Meyer: Genau. Wir wollen noch mindestens zwei Offensivspieler, die im Sturm oder unmittelbar dahinter spielen können, verpflichten.

«Die Effizienz gehört nicht unbedingt zu den grössten Stärken von Ryder Matos.»

zentralplus: Ist Ryder Matos schon definitiv zu den Abgängen zu zählen?

Meyer: Es ist so, dass seine Ausleihe von Udine letzte Saison ziemlich viel gekostet hat. Und nach einem halben Jahr unter Fabio Celestini wissen wir, was Ryder Matos mitbringt. Die Effizienz gehört nicht unbedingt zu seinen grössten Stärken. Er ist bei uns zwar weiterhin auf dem Radar, aber in der Tendenz wird es keine gemeinsame sportliche Zukunft geben.

zentralplus: In welchem Bereich machen Sie die optimale Kadergrösse des FCL für die nächste Meisterschaft fest?

Meyer: Bei 25 Spielern. Aber es wird halt noch eine gewisse Zeit beanspruchen, bis Spieler wie Christian Schwegler, Marco Burch oder Aziz Binous ihre Verletzungen auskuriert haben.

zentralplus: Welche Rolle spielt das Alter einer Neuverpflichtung im Hinblick auf die neue Saison?

Meyer: Über allem steht die Qualität. Natürlich ist es spannend, wenn man einen jungen, hochbegabten Spieler in seiner Entwicklung formen kann. Den richtigen Trainer dafür haben wir bekanntlich.

zentralplus: Was muss der FCL in den nächsten Monaten bieten, damit Sie am Ende von einer zufriedenstellenden Saison reden können?

Meyer: Wir leben gerade in einer aussergewöhnlichen Zeit, und davon ist der Sport nicht ausgenommen. Als Folge davon hat zum Beispiel das Schweizer Transferfenster bis zum 12. Oktober offen. Um Ihre Frage beantworten zu können, wird relevant sein, wie wir uns verstärken können. YB und Basel sind klar am besten aufgestellt, beim Rest gibt es keinen grossen Unterschied. Wenn wir unsere Personalplanung so vorantreiben können, wie wir uns das vorstellen, liegt ein Platz im vorderen Bereich drin. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass wir uns nach hinten orientieren müssen.

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