FCL-Sportchef Meyer: «Erfolgserlebnis ist jetzt entscheidend»
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Die sportliche FCL-Führung (links Trainer Fabio Celestini, rechts Sportchef Remo Meyer) ist überzeugt davon, das Team gut verstärkt zu haben. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Von guter Transferkampagne überzeugt FCL-Sportchef Meyer: «Erfolgserlebnis ist jetzt entscheidend»

5 min Lesezeit 13.10.2020, 17:37 Uhr

Bloss ein Punktgewinn aus den ersten drei Meisterschaftsspielen und gleichzeitig mitten in einem grösseren Teamumbruch: Cheftrainer Fabio Celestini muss den FC Luzern so schnell wie möglich zurück auf die Erfolgsspur führen. Sportchef Remo Meyer sagt, was er nun erwartet.

Seit Montagmitternacht ist das Sommer-Transferfenster in der Schweiz geschlossen. Mit Yvan Alounga, Dejan Sorgic und Varol Tasar stehen drei neue Stürmer im FCL-Team, mit Louis Schaub, Samuel Alabi und Alex Carbonell drei neue Mittelfeldspieler und mit Martin Frydek ein neuer Abwehrspieler. Die personellen Wünsche von FCL-Trainer Fabio Celestini sind erfüllt worden.

Die Luzerner verlassen haben die Stürmer Shkelqim Demhasaj, Blessing Eleke, Darian Males und Francesco Margiotta. Dazu kommen die Abgänge der Mittelfeldspieler Idriz Voca und David Mistrafovic und von Verteidiger Otar Kakabadze.

Zeit, die FCL-Transferkampagne mit Sportchef Remo Meyer einzuordnen.

zentralplus: Remo Meyer, über den Sommer ist dem FCL bis auf Ibrahima Ndiaye und Pascal Schürpf praktisch die ganze Offensivabteilung abhanden gekommen. War das so zu erwarten?

Remo Meyer: Bis auf Francesco Margiottas Abgang hat man alle anderen antizipieren können. Aber ich tue mich schwer damit, von einer Offensiv- und Defensivabteilung in einer Mannschaft zu reden.

zentralplus: Warum?

Meyer: Im modernen Fussball agiert eine Mannschaft gemeinsam offensiv und defensiv. So gehört es zu einer offensiven Spielweise, dass alle mit oder gegen den Ball agieren.

«Eine Verstärkung auf der rechten Verteidigerposition kann in absehbarer Zukunft zum Thema werden.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

zentralplus: Hat sich ein neuer Arbeitgeber für Margiotta seit dem Eklat beim FC Luzern betreffend Übertritt gemeldet?

Meyer: Nein, an uns ist niemand herangetreten.

zentralplus: Zur Verstärkung der Luzerner Abwehrreihe ist einzig der linke Aussenverteidiger Martin Frydek geholt worden. Warum wurde auf einen rechten verzichtet?

Meyer: Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass unsere Aktivitäten auf dem Transfermarkt einem Plan folgten. Wir hatten fünf Abgänge in der Offensive und zwei in der Defensive. Alex Carbonell ersetzt Idriz Voca und Martin Frydek Otar Kakabadze. Wir haben umgesetzt, was wir wollten.

zentralplus: Doch die FCL-Baustelle auf der rechten Position des Aussenverteidigers bleibt bestehen.

Meyer: Wir haben mit Christian Schwegler, Simon Grether, Silvan Sidler und Marvin Schulz vier Spieler, die auf dieser Position agieren können. Klar, Schwegler wird erst in den nächsten Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können und Simon Grether spätestens Anfang nächster Woche. Eine Verstärkung auf dieser Position kann aber in absehbarer Zukunft zum Thema werden.

zentralplus: Ein Punkt und sieben Gegentore in drei Spielen dieser Spielzeit und nur ein Sieg aus saisonübergreifend zwölf Meisterschaftsspielen sprechen nicht unbedingt für eine sattelfeste FCL-Defensive.

Meyer: Wir sind mit dem Saisonstart nicht zufrieden. Im ersten Spiel in Lugano bekundeten wir am meisten Mühe, die nächsten beiden Teamleistungen gegen Lausanne und Basel waren besser. Aber defensiv wie offensiv ist jeder einzelne FCL-Spieler auf dem Platz gefordert. Wir müssen uns jetzt so schnell wie möglich einspielen und eine Teamdynamik finden.

«Unser Weg in die Zukunft ist nicht einem Alleingang von Fabio Celestini geschuldet.»

zentralplus: Wie lange geben Sie FCL-Trainer Fabio Celestini Zeit, bis die Mannschaft eingespielt sein muss?

Meyer: Beide sind wir überzeugt davon, dass wir die Mannschaft gut verstärkt haben. Man muss berücksichtigen, dass die Transfers zeitlich versetzt erfolgten und drei Neuzugänge erst noch in Quarantäne mussten, bevor sie im Mannschaftstraining einsteigen konnten. Und man muss auch sehen, dass erst drei von 36 Runden gespielt sind. Natürlich wollen wir so schnell wie möglich Punkte einfahren, so schnell wie möglich eine neue Teamdynamik kreieren. Denn aus psychologischer Sicht sind Erfolgserlebnisse für die Mannschaft entscheidend.

zentralplus: Und nicht zuletzt hängt vom guten Gelingen ab, ob Sie die bis zum Saisonende terminierte Zusammenarbeit mit Trainer Fabio Celestini verlängern werden.

Meyer: Ich kann schlecht sagen, dass das keinen Einfluss hätte auf eine mögliche Vertragsverlängerung. Ich möchte aber betonen, dass die FCL-Führung von der Arbeit des gesamten Trainerteams vollumfänglich überzeugt ist.

zentralplus: Fabio Celestini hat die Transformation des FCL von einem Fussball arbeitenden zu einem Fussball spielenden Team angestossen. Gilt dieses Konzept aber nur, solange der Trainer Celestini heisst?

Meyer: Die von Ihnen angesprochene Transformation sehe ich nicht so. Leidenschaft, Bodenständigkeit und Teamspirit bilden nach wie vor die Basis unseres Wesens und Wirkens. Während jedes Transferfensters haben wir versucht, die spielerische Entwicklung des Teams voranzutreiben. Also die Elemente reinzubringen, die uns zuvor gefehlt haben. Sie können also davon ausgehen, dass unser Weg in die Zukunft nicht einem Alleingang von Fabio Celestini geschuldet ist.

«Wir wollten variabler werden in der Offensive, damit uns die Gegner nicht so leicht ausrechnen können.»

zentralplus: Die Verstärkungen des FCL lesen sich wie ein spannender Mix, weil alle an einem anderen Punkt ihrer Karriere stehen. Zum Beispiel lanciert Louis Schaub seine Karriere neu, ist Yvan Alounga ein Perspektivspieler, Martin Frydek sowie Dejan Sorgic eine gestandene Kraft und Alex Carbonell sowie Samuel Alabi hierzulande unbekannte Gesichter. War diese Mischung geplant oder ergab sie sich so?

Meyer: Sie ist geradezu entscheidend in der Beurteilung einer Transferkampagne. Man muss allen Aspekten wie Persönlichkeit, Perspektive und Erfahrung Rechnung tragen. Letztlich soll sich daraus ein Konkurrenzkampf ergeben, der in der täglichen Arbeit spürbar sein muss.

zentralplus: Gleichzeitig kann man auch sagen, dass die Verstärkungen Allzweckwaffen für jede taktische Ausrichtung sind. Also so, wie wenn man für eine Wanderung als auch für einen Städtetrip ausgerüstet ist.

Meyer: Genau. Wir wollten variabler werden in der Offensive, damit uns die Gegner nicht so leicht ausrechnen können. Jetzt haben wir mehr taktische Flexibilität.

zentralplus: Nach dem Neustart der Rückrunde sind die jungen Talente wegen Verletzungspech im Kader praktisch gratis zu Auslauf in Pflichtspielen gekommen. Wie beurteilen Sie Ihre Rolle in der aktuellen Umbruchphase?

Meyer: Mit Tyron Owusu, Lino Lang und Mark Marleku haben wir wieder drei eigene Nachwuchsspieler ins Kader der ersten Mannschaft aufgenommen. Mittlerweile besteht die Hälfte unseres Kaders aus Eigengewächsen. Die nachrückenden Talente werden ihre Chance nutzen müssen, wenn sie sich ihnen bietet. In ihrer Entwicklung profitieren sie aber nur schon von einer höheren Trainingsqualität. Grundsätzlich gilt für alle: Jeder muss um seine Chance im Team kämpfen. Er hat es in den eigenen Füssen. Dabei spielt überhaupt keine Rolle, woher er kommt.

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