FCL-Spieler Patrick Farkas: «Der Fussball hat mein Leben gerettet»
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Ein Mann mit einer aussergewöhnlichen Vita: Patrick Farkas ist der neue Rechtsverteidiger des FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Luzerner Neuverpflichtung über seinen Schlaganfall FCL-Spieler Patrick Farkas: «Der Fussball hat mein Leben gerettet»

7 min Lesezeit 21.06.2021, 16:50 Uhr

Bis auf Lucas Alves, Christian Gentner und den für Österreich an der Euro engagierten Louis Schaub sind die Spieler des FC Luzern alle dabei beim offiziellen Trainingsstart. Cupsieger-Trainer Fabio Celestini redete über Kaderansprüche und der neu verpflichtete Patrick Farkas über die schwierigste Zeit in seinem Profi-Leben.

Der FCL setzte Lucas Alves vorsorglich in Quarantäne, obwohl der Test des brasilianischen Innenverteidigers nach der Rückkehr aus den Ferien negativ ausfiel. Es sei dies eine Vorsichtsmassnahme, heisst es vonseiten des Vereins. Alves wird ab Freitag die Vorbereitung auf die nächste Saison aufnehmen.

Im besten Fall einen Tag früher wird Bundesliga-Neuzugang Christian Gentner in Luzern eintreffen. Der Deutsche, der im August 36 Jahre alt wird, ist nach Patrick Farkas die zweite Neuverpflichtung des Cupsiegers auf die nächste Spielzeit (zentralplus berichtete).

Jede FCL-Position doppelt besetzt

FCL-Trainer Fabio Celestini macht keinen Hehl daraus, dass er im Hinblick auf nächste Saison jede Position im Team doppelt besetzt haben möchte. Schliesslich haben die Luzerner nächste Saison die European Conference League, die Meisterschaft und den Schweizer Cup vor der Brust. «Nur so ist diese Herausforderung zu schaffen», sagt er.

Dass er selber nächste Saison weiterhin ein Teil des FC Luzern sein wird, stand für Fabio Celestini nie infrage. Er stellt das Interesse von YB als Mediengeschichte dar und versichert, mit dem Schweizer Meister «nie Kontakt gehabt zu haben». Dafür, so gibt er zu, habe es drei Anfragen von französischen und spanischen Klubs gegeben. «Aber der FCL und ich sind ambitioniert. Und ich spüre Leute um mich herum, die unbedingt wollen, dass ich in Luzern weitermache. Deshalb war auch das Ausland keine Option für mich.»

Hingegen ist für Patrick Farkas der FC Luzern die erste Station im Ausland. Zwei Jahre nach einem ungeheuerlichen gesundheitlichen Rückschlag will er im Team von Fabio Celestini durchstarten. Höchste Zeit, mit dem 28-jährigen Österreicher über seine Karriere zu reden.

zentralplus: Patrick Farkas, Sie sind 2017 der Nachfolger von dem nach Luzern gezogenen Christian Schwegler geworden. Jetzt werden Sie in Luzern Nachfolger des gleichen Spielers, der seine Karriere beendet hat. War das quasi von langer Hand geplant?

Patrick Farkas: (schmunzelt). Nein, so würde ich das nicht sagen. Bei Red Bull Salzburg bin ich zuletzt ja nicht mehr so oft zum Einsatz gekommen. Deshalb hat sich mein Manager umgeschaut und den Kontakt zum FC Luzern hergestellt. Ich habe schnell gemerkt, dass der FC Luzern eine super Adresse ist: Die Stadt, das Stadion, die Trainingsmöglichkeiten, die sportliche Leitung, die Strategie. Und wissen Sie was?

zentralplus: Wie sollte ich?

Farkas: Den Cupsieg des FC Luzern habe ich mir live am Fernsehen angeschaut. Und da habe ich mich gleich davon überzeugen können, wie hoch die Qualität des FC Luzern ist. Eine aus verschiedenen Bereichen betrachtet eindrückliche Vorstellung.

zentralplus: Es war der erste Titelgewinn eines Luzerner Teams seit 29 Jahren. Mindestens eine Generation FCL-Fans hat auf diesen grossen Moment gewartet. Man muss davon ausgehen, dass sich ein solcher Erfolg bei den aktuellen Kräfteverhältnissen im Schweizer Klubfussball nicht so schnell wiederholen könnte. Sie sind also ein paar Wochen zu spät in Luzern eingetroffen.

Farkas: (schmunzelt). Ich bin gekommen, um die Luzerner Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.

«So lernte ich durchzuhalten und zu kämpfen. Denn es gab in meinen Jahrgängen grössere Talente, als ich es war.»

zentralplus: Was für einen Bezug haben Sie zu ihrem Landsmann und FCL-Cupsieger Louis Schaub?

Farkas: Wir haben gemeinsam für Österreichs U21 gespielt. Und als Luzern für mich immer mehr eine echte Option wurde, haben wir einander geschrieben. Louis Schaub hat ausschliesslich positive Worte über den Verein, die Stadt, Leute und Lebensqualität gefunden.

zentralplus: Ihnen eilt der Ruf voraus, ein Spieler mit starker Mentalität und Persönlichkeit zu sein. Wird das einem in die Wiege gelegt?

Farkas: In meinem Fall ist das wohl eher antrainiert. Ich hatte es in meiner Jugend nicht einfach, als geborener Burgenländer musste ich weite Strecken zu meinen Fussballklubs zurücklegen. Mehrere Stunden im Auto also. Erst fuhr mich mein Vater, später erledigte ich das selber. So lernte ich durchzuhalten und zu kämpfen. Denn es gab in meinen Jahrgängen grössere Talente, als ich es war.

zentralplus: Lassen Sie mich raten: Ihre Konkurrenten haben sich den Verlockungen eines Heranwachsenden hingegeben.

Farkas: Ja, sie sind ausgegangen und haben Alkohol konsumiert.

zentralplus: Und Sie?

Farkas: Ich bin an einer Talentschau in Österreich entdeckt worden, spielte ein halbes Jahr für die Amateure von Mattersburg. Dann wurde ich Profi und später Captain der Mannschaft. Aber dann kamen der Kreuzbandriss und erst recht der Schlaganfall.

«Ich wurde in diesem Umfeld nicht behandelt wie ein Schlaganfall-Patient.»

zentralplus: Aber das hat Sie offensichtlich nicht umgehauen, sondern noch stärker gemacht. Dabei könnte man meinen, dass bei einem, der einen Schlaganfall erlitten hat, die Angst latent ist, dass dies nochmals passieren könnte.

Farkas: Sie bringen es auf den Punkt. Mich hat es stärker gemacht, weil ich im Nachhinein betrachtet damit offen umgegangen bin. Darum kamen bei mir niemals Ängste auf. Ich nehme bis heute leichte Blutverdünner. Wenige Wochen nach dem Zusammenbruch joggte ich schon wieder auf dem Fussballplatz. Und das tat mir gut. Ich wurde in diesem Umfeld nicht behandelt wie ein Schlaganfall-Patient. Aus diesem Grund fühlte ich mich nicht wohl im Spital, in all die Gesichter zu schauen, die mich mit einem unvorteilhaften Blick betrachteten. Deshalb kann ich sagen: Der Fussball hat mein Leben gerettet.

zentralplus: Wie ging denn damals überhaupt alles vor sich?

Farkas: Ich war im Oktober 2019 bei Red Bull Salzburg im Kraftraum, um Übungen zu machen. Dann wollte ich aufstehen. Aber es klappte einfach nicht. Bei einem weiteren Versuch kippte ich einfach nach links um, auf jene Seite, die nicht mehr funktionieren wollte.

zentralplus: Wie ging es weiter?

Farkas: Das Ganze passierte zwei Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Napoli und ich wusste vom Trainer, dass ich von Beginn an spielen sollte. Als die Klubverantwortlichen mich besuchen kamen, fragte ich sie, ob es dabei bleiben werde. Da schritt der Chefarzt ein und machte mir klar, in welcher gesundheitlichen Situation ich steckte.

«Mir fiel beim Essen im Spital zwar mal der Löffel aus der Hand, aber sonst klappte alles nach wie vor gut.»

zentralplus: Aber dank Ihrer Konstitution als Spitzensportler waren Sie nie gelähmt?

Farkas: Genau. Mir fiel beim Essen im Spital zwar mal der Löffel aus der Hand, aber sonst klappte alles nach wie vor gut. Ich bin extrem dankbar dafür, nach einem solchen Schicksalsschlag zurück ins Leben gefunden zu haben. Das gelang vor allem auch deshalb, weil die Rettungskette so optimal geklappt hat.

zentralplus: Für einen Profisportler haben Sie ein aussergewöhnliches Schicksal überwunden.

Farkas: Sie sagen es: Mir liegt es fern, darauf hinzuweisen, was mir widerfahren ist. Ich stehe nur offen dazu, wenn man mich darauf anspricht. Nach meiner Geschichte schaute ich im Internet nach, wie viele Profi-Sportler auf dieser Welt einen Schlaganfall überwunden haben. Meine Suche ergab: keiner. Ich betrachtete es als Chance und fand es toll, dass mir so viele Menschen mit einem ähnlichen Schicksal schrieben, die niemals Berufssportler gewesen waren.

«Ich habe meinen Liebsten versprochen, dass ich das operativ sogleich in Ordnung bringe, wenn ich meine Profi-Karriere beendet habe.»

zentralplus: Hat man jemals herausgefunden, was die Ursache für Ihren Schlaganfall war?

Farkas: Nein, nie. Ich gehöre zwar zu den Menschen, die ein ganz kleines Loch in der hinteren Herzwand haben. Aber dazu zählen vielleicht 20 Prozent der weltweiten Bevölkerung, die nie davon erfahren und dennoch ein langes und erfülltes Leben haben. Ich habe meinen Liebsten versprochen, dass ich das sogleich operativ in Ordnung bringe, wenn ich meine Profi-Karriere beendet habe.

zentralplus: Reden wir deshalb über Ihre unmittelbare Karriereplanung: Sie sind beim FC Luzern als Stammspieler auf der Position des Rechtsverteidigers vorgesehen.

Farkas: Das ist in der Theorie richtig. Aber Fabio Celestini hat mir von Anfang an klar gesagt, dass ich das nur werde, wenn ich die Vorgaben erfüllen werde. Das heisst: Ich muss mir das verdienen, das bekomme ich nicht geschenkt. Und das hat mir sofort ein gutes Gefühl gegeben. In einer Mannschaft mit einer echten Psychohygiene muss es einen offenen Konkurrenzkampf geben, der Wille und der Ehrgeiz müssen über die Aufstellung entscheiden. Das mündet in eine Steigerung des Leistungsniveaus. Da bin ich gerne dabei.

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