FCL-Präsident: «Unverständlich, dass das Bundesamt für Sport die Auflagen verschärft»
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FCL-Präsident Philipp Studhalter will verhindern, dass der FCL vertraglich vereinbarte Saläre kürzen muss. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL im Clinch mit dem wichtigsten Sportvertreter FCL-Präsident: «Unverständlich, dass das Bundesamt für Sport die Auflagen verschärft»

7 min Lesezeit 31.01.2021, 17:55 Uhr

Für Philipp Studhalter, den Präsidenten des FC Luzern, bedeutet der Bezug von A-fonds-perdu-Beiträgen das Sterben eines Vereins auf Raten, weil die sportliche Kompetivität fünf Jahre lang eingeschränkt werden muss. Darum will der FCL diesen Schritt vermeiden. Aber ohne externe Hilfe kann er auch kein Bundesdarlehen zurückzahlen.

Am Donnerstag beginnt er, der neuerliche Kampf des FC Luzern um den Ligaerhalt in der höchsten Schweizer Spielklasse. Erster Gegner auf der Allmend ist Servette.

Schon etliche Monate länger ist der finanzielle Überlebenskampf für (fast) alle Schweizer Profisportvereine während der Gefangenschaft durch Corona im Gang.

Im zweiten Teil des Interviews redet FCL-Präsident Philipp Studhalter über die Rolle von vermögenden Aktionären in einem per se defizitären Wirtschaftszweig und die seiner Ansicht nach nicht nachvollziehbare Arbeit des Bundesamtes für Sport.

zentralplus: Philipp Studhalter, trotz elf Monate dauernder Corona-Krise wird die Meisterschaft in den höchsten beiden Ligen immer weitergeführt. Sehen Sie eine Gefahr darin, dass man in der Aussenwahrnehmung zum Eindruck gelangen könnte, dass die finanzielle Not ja gar nicht so dramatisch sein kann?

Philipp Studhalter: Ja, wahrscheinlich muss etwas passieren, bis eine Dramatik entsteht. Verschärft hat sich diese falsche Wahrnehmung meines Erachtens durch die Aussagen des Bundesrats zu den Darlehen und den A-fonds-perdu-Beiträgen. Es entstand der Eindruck, dass der Fussball nun auf der sicheren Seite sei. Natürlich sind wir dankbar, dass kurz vor möglichen Konkursen eine Bundeshilfe zur Verfügung steht. Doch viele Schweizer Klubs können sich die mit den Bundeshilfen verbundenen Rahmenbedingungen nicht leisten. Weil es Sterben auf Raten bedeutet.

zentralplus: Können Sie das genauer erläutern?

Studhalter: Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise werden uns sicher noch vier Jahre begleiten. Parallel dazu müssen wir aber sportlich kompetitive Mannschaften stemmen können. Auf den Punkt gebracht: Ohne externe Hilfe können wir gar keine Darlehen zurückzahlen.

«Es liegt eine falsche Beurteilung unserer Realität durch die Bundesbehörden vor.»

zentralplus: Was ist denn nun der Stand der Dinge? Hat sich der FCL für Darlehen und A-fonds-perdu-Beiträge angemeldet? Beziehen muss er sie ja nicht.

Studhalter: In diesem Punkt besteht ein kommunikatives Problem, das uns belastet. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Darlehen und A-fonds-perdu-Beiträge als fix. Mehr, als dass wir das prüfen, kann ich im Moment nicht sagen, weil die Ausgangslagen noch immer nicht klar sind.

zentralplus: Aber die Anmeldefrist für Darlehen ist doch schon abgelaufen.

Studhalter: Das Bundesamt für Sport hat uns nach einer Vorbereitungszeit von vier Monaten immerhin eine Woche Anmeldefrist für die Darlehen gegeben mit der Begründung, dass sonst Darlehen erst nach den A-fonds-perdu-Beiträgen wieder beziehbar sind. Und wer die A-fonds-perdu-Beiträge bezieht, muss dann die Gelder aus dem Stabilisierungsfonds von Swiss Olympic zurückgeben.

zentralplus: So, wie ich Sie bislang verstanden habe, kommt für den FCL aber der Bezug von A-fonds-perdu-Beiträgen wegen der damit verknüpften Rahmenbedingungen (siehe Box am Textende) nicht in Frage.

Studhalter: Die Hürden sind meines Erachtens zu markant. Wir haben keine überzogenen Löhne in der Schweiz und sind auf Spieler mit einer gewissen Strahlkraft in der Super League angewiesen, um die Attraktivität unserer Mannschaften sicherzustellen. Wir brauchen Identifikationsfiguren, damit unsere Fanbasis nicht erodiert. Es liegt eine falsche Beurteilung unserer Realität durch die Bundesbehörden vor. Sie macht es uns faktisch unmöglich, die Gelder zu beziehen. Wir würden mit dem Transferpotenzial der Spieler eine unserer wichtigsten Einnahmequellen verlieren. Deshalb müssen wir alles daran setzen, auf A-fond-perdu-Beiträge zu verzichten.

zentralplus: Ist Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg bereit dazu, dem FCL das Geld aus dem eigenen Sack vorzustrecken? So ergäbe sich über die nächsten Jahre ein Wettbewerbsvorteil für die Luzerner.

Studhalter: Das ist erstens von uns nicht gewünscht und zweitens auch nicht die Idee von Bernhard Alpstaeg, der weiterhin zum FCL halten wird. Der FC Luzern ist auf jeden Beitrag angewiesen, um überleben zu können.

«Wir sind wie ein Skigebiet, von dem ein ganzer Wirtschaftszweig lebt.»

zentralplus: Aber ein gegenüber dem Profisport kritisch eingestellter Bürger hält auch nichts davon, einem Mehrheitsaktionär, der mehrere hundert Millionen Franken besitzt, Steuergelder zur Stabilisierung seines Vereins zur Verfügung zu stellen.

Studhalter: Aber wir sind nicht einfach bloss ein Fussballklub. Wir sind wie ein Skigebiet, von dem ein ganzer Wirtschaftszweig lebt. Wir werden zwar gerne auf Tore, Punkte und Unterhaltung reduziert, was ja auch unser Kerngeschäft und unsere gesellschaftliche Rolle ist. Wir sind ein Teil einer Liga, die einige hundert Millionen Franken generiert. In einem per se defizitären System leisten Aktionäre wertvolle Beiträge. Darum sehe ich es absolut als gerechtfertigt, dass der Bund in dieses System und in die gesellschaftliche Stabilität investiert. Schliesslich sind 70 Prozent unserer Bevölkerung entweder im Fussball aktiv oder daran interessiert.

zentralplus: Beim FC Luzern gibt es betreffend staatliche Unterstützung noch eine zusätzliche Dimension: Diese hilft dabei, den Aktienwert der verkaufswilligen Marco Sieber, Samih Sawiris und Hans Schmid zu stabilisieren.

Studhalter: Die finanziellen Löcher, die die Corona-Krise reisst, sind so riesig, dass Bundesgelder Defizite abzufedern helfen, aber niemals beseitigen. Man muss die Kredite innerhalb von drei Jahren zurückbezahlt haben, will man die Salärreduktionen verhindern. Die A-fonds-perdu-Beiträge hingegen verlangen umgehend eine Reduktion der Gehälter. Das heisst: Wir müssten die Anzahl Spieler reduzieren oder verlieren Spieler, wenn wir keine Einigung finden. Sehr wahrscheinlich ist, dass die 1. Mannschaft weniger kompetitiv werden würde. So verliert die 1. Mannschaft und somit der Klub an Wert. Bundesgelder haben meines Erachtens also keinen Einfluss auf den Wert des FCL.

zentralplus: Ihrer Auffassung nach könnte der Bezug von A-fonds-perdu-Beiträgen aber den Untergang des FC Luzern bedeuten.

Studhalter: Der Bundesrat stellt sich auf den Standpunkt, dass bei Lohnkürzungen die «Clausula rebus sic stantibus» zur Anwendung komme. Diese ist hochinteressant, juristisch aber umstritten und in unserem Gesetz nicht verankert.

«In der realen Umsetzung klappt dieser Ansatz einfach nicht.»

zentralplus: Als Rechtsanwalt können Sie sicher erklären, was diese Klausel genau bedeutet.

Studhalter: Nach der «Clausula rebus sic stantibus» ist eine richterliche Anpassung von Vertragsleistungen auch gegen den Willen einer Vertragspartei möglich, wenn sich die Umstände, zum Beispiel durch Erdbeben oder eine Pandemie, nach Vertragsabschluss so grundlegend ändern, dass eine gravierende Veränderung der Verhältnisse eintritt. Die Veränderung darf zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht vorhersehbar gewesen sein.

zentralplus: Aber das würde ein Spieler kaum auf sich sitzen lassen. Es liefe auf feines Juristenfutter hinaus.

Studhalter: Sie sagen es: Es würde wohl ein Streit entbrennen, der sich über Monate hinziehen wird. Und ich habe Mühe damit, mit einem Spieler über eine Salärkürzung vor Gericht zu streiten und gleichzeitig volle Leistung auf dem Fussballplatz zu verlangen. In der realen Umsetzung klappt dieser Ansatz einfach nicht.

zentralplus: Empfinden Sie es als Ungerechtigkeit, dass die Bundesgelder zur Unterstützung für Profivereine mit hohen Auflagen verbunden sind, derweil andere Berufszweige davon verschont bleiben.

Studhalter: Aus unserer Sicht ist es eine riesige Anerkennung, dass man A-fonds-perdu-Beiträge überhaupt in Betracht gezogen hat. Diese sind aber auch zwingend notwendig. Auflagen waren zu erwarten, in deren Höhe sind sie für mich aber nicht nachvollziehbar. Sie sind wohl nur mit einem mangelnden Verständnis des Bundesamtes für Sport – unserem wichtigsten Vertreter in Bern – für unsere Realitäten zu erklären. Dieses hatte wohl mit Profimannschaftssportarten noch nicht so viel zu tun in der Vergangenheit. Darum fühlen wir uns nicht korrekt behandelt. Wir akzeptieren, wenn das Parlament Auflagen mit Bundeshilfen verknüpft. Was wir nicht nachvollziehen können, ist dass das Bundesamt für Sport diese einseitig zu Lasten der Klubs verschärft.

Hier geht’s zum ersten Teil des Interviews mit Philipp Studhalter.

Das sind die Rahmenbedingungen für A-fonds-perdu-Beiträge

Der Bundesrat will jedem einzelnen Klub, basierend auf den Zahlen aus der Saison 2018/19, bis zu zwei Drittel der entgangenen Einnahmen aus dem Ticketverkauf entschädigen. Berücksichtigt werden die Spiele ab 29. Oktober bis zur Aufhebung der Zuschauerbeschränkung durch den Bund.

Im Gegenzug müssen die Antragsteller folgende Bedingungen erfüllen:

  • Die Löhne inklusive Prämien, Boni und weiterer geldwerter Vergünstigungen (Wohnung, Autos usw.) oberhalb von 148’000 Franken auf diesen Höchstwert oder um mindestens 20 Prozent kürzen. Das gilt nicht nur für die Spieler, sondern für alle Angestellten eines Klubs. Wenn die Gesamtlohnsumme 30 Prozent unter der durchschnittlichen Lohnsumme der jeweiligen Liga liegt, beträgt die Kürzung 10 Prozent.
  • Lohnerhöhungen sind in den nächsten fünf Jahren nur in der Höhe der jährlichen Teuerung gestattet.
  • Gegenüber dem Bund vollständige Transparenz über die Verwendung der Gelder schaffen.
  • Sich verpflichten, ihr Engagement im Breitensport während mindestens fünf Jahren im gleichen Ausmass wie vor der Pandemie weiterzuführen.

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