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Im Winter gibt's neuen Trainer und neue Spieler
FCL-Gesamtbild: Sportchef Meyer hat «grössere Bedenken»

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Stehen sportlich im Regen: Remo Meyer und der Tabellenletzte FC Luzern.
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Stehen sportlich im Regen: Remo Meyer und der Tabellenletzte FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Das Debüt von FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo in der Super League ging beim 1:3 gegen den FC Basel in die Hosen. Vor der nächsten Herausforderung des FC Luzern am Samstag auswärts gegen den Tabellenführer FC Zürich redet sein Chef Remo Meyer über die nächsten Rettungsversuche beim Tabellenletzten.

Der FC Luzern knüpfte im Schlussspurt der Vorrunde dort an, wo er unter dem angeblich nicht mehr tragbar gewordenen Cupsieger-Trainer Fabio Celestini aufgehört hatte (zentralplus berichtete). Die Mannschaft verlor trotz offenbar dauerhaft positiv gestimmtem Übungsleiter Sandro Chieffo das nächste Punktespiel. Trotz des Trainerwechsels ging kein Ruck durchs Team des aktuellen Cupsiegers (zentralplus berichtete).

Höchste Zeit, um FCL-Sportchef Remo Meyer nach seiner aktuellen Einschätzung und seinen künftigen Plänen zu befragen.

zentralplus: Remo Meyer, wie bewerten Sie die Premiere von Sandro Chieffo als FCL-Trainer beim 1:3 gegen den FC Basel?

Remo Meyer: In unserer Situation sind die Resultate matchentscheidend. Aber das Ergebnis stimmte nicht. Wir haben zu Hause gespielt und keinen Punkt geholt. Es war ein verdienter Sieg für Basel, für die erfahrenere und effizientere Mannschaft. Diese hat mit ihrer Qualität die Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen. Wir hatten eine gute halbe Stunde vor der Pause, aber das Spiel stand nach dem zweiten Gegentreffer nie auf der Kippe.

zentralplus: Bei mir entstand vor und nach dem Spiel der Eindruck, als habe sich Sandro Chieffo einem fast schon zwanghaften Positivismus verschrieben. Hingegen hat er der Mannschaft in diesem Spiel offensichtlich keinen Weg zum Sieg skizzieren können. Letztlich hat der Trainerwechsel nichts bewegt.

Meyer: Es ging ja alles sehr schnell vonstatten. Sandro Chieffo standen ja bloss drei Trainingseinheiten vor seiner ersten Partie zur Verfügung. Aber ich kann nicht in Abrede stellen, dass der Match gegen Basel das widerspiegelte, was wir bis jetzt in der Meisterschaft zustande brachten. Wir hatten positive Energie im Spiel und eine gute Reaktion auf den frühen Rückstand gezeigt. Aber letztlich muss man halt Tore schiessen, um dem Verlauf eines Spiels eine andere Richtung geben zu können. Es war für Sandro Chieffo nicht einfach, in so kurzer Zeit vieles neu zu ordnen. Es ging darum, dass der neue Cheftrainer mal eine Vorstellung davon bekam, was der Ist-Zustand der Mannschaft ist.

Laut seinem Chef Remo Meyer steht nach der Premiere bereits fest: Die Zeit von FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo endet mit der Vorrunde 2021/22.

zentralplus: Aber Sandro Chieffo hatte ja zwei Änderungen in der Luzerner Startformation vorgenommen. Sie betrafen beide die Abwehrreihe, die sich nach einem schwachen Saisonstart zusehends gefangen hatte. Er stellte mit der Nomination von David Domgjoni, der lange keine Option war, Holger Badstuber in den Regen. Und er brachte Patrick Farkas nach langer Verletzungspause für Silvan Sidler. Das waren überraschende Massnahmen ohne Not und sie brachten keine Verbesserung für den FCL.

Meyer: Der Trainer muss seine Eindrücke von den Trainingseinheiten in eine Aufstellung umsetzen. Patrick Farkas kam aus einer längeren Verletzungspause, bei Holger Badstuber war es ein Entscheid für David Domgjoni. Für mich ist das Gesamtbild entscheidend. Und da tun sich bei mir derzeit grössere Bedenken auf.

zentralplus: Welche?

Meyer: Dass wir die Balance im Team noch immer nicht gefunden haben, dass die Rädchen nicht ineinandergreifen. Das zieht sich seit Beginn der Vorrunde durch. Dabei geht es nicht um einzelne Spieler, sondern um das offensive und das defensive Verhalten aller auf dem Platz. Alle stehen dabei in der Pflicht. Wir schaffen es aktuell nicht, eine erfolgreiche Balance im Team hinzukriegen. Das ist das Hauptproblem.

zentralplus: Sind Sie den dafür verantwortlichen Ursachen im Team schon auf die Spur gekommen?

Meyer: Dafür sind mehrere Gründe verantwortlich. Sie klar und ehrlich zu erkennen und aus der Welt zu schaffen ist in den nächsten Wochen unsere Hauptaufgabe. Es ist klar, dass wir in der sportlichen Führung alles durchleuchten müssen. Es gibt immer Gründe, warum es nicht läuft.

zentralplus: Die da wären?

Meyer: Wir hatten einen krönenden Abschluss der letzten Saison. Erfolge zu bestätigen ist immer die schwierigste Disziplin. Daraufhin legten wir eine gute Vorbereitung hin. Vielleicht hatten sich die Spieler auf deren Basis zu sicher gefühlt. Aber dann kam mit dem ersten Spiel gegen YB der Nackenschlag, nachdem wir eine Stunde lang wirklich guten Fussball gespielt haben. Daraufhin gerieten wir in einen Negativstrudel, aus dem wir auch wegen Verletzungsgeschichten bis heute nicht mehr herausfanden. Darum befinden wir uns jetzt in einer besorgniserregenden Situation, in der es einzig und allein um den Ligaerhalt geht. Jetzt müssen wir in der Winterpause die Hebel richtig setzen.

«Wir müssen uns in eine Ausgangslage bringen, die kein zu grosses Loch zu Rang 8 und dem rettenden Ufer aufreissen lässt.»

zentralplus: Sie reden von der Winterpause, bevor richtungsweisende Entscheide beim FCL gefällt werden sollen. Ist es das richtige Signal an eine gegen den Abstieg kämpfende Krisen-Mannschaft, dass man nach dem Trainerwechsel einfach vier weitere Spiele ins Land ziehen lässt?

Meyer: Diese Ansicht ist nicht korrekt. Für uns sind die drei restlichen Spiele vor der Winterpause von grösster Wichtigkeit. In der Winterpause wird es dann eine neue Trainer-Anstellung geben – sowie eventuelle Mutationen im Kader, die jetzt nicht möglich sind. 

zentralplus: Der FCL hat die Chance verpasst, in der Nati-Pause eine neue Trainerlösung zu präsentieren. So wie sich die Luzerner Klubführung bis jetzt vernehmen liess, traf ja den FCL die Trennung von Cupsieger-Trainer Fabio Celestini nicht wie ein plötzliches Naturereignis. Es harzte und knarzte offenbar schon über Wochen und Monate im Gebälk der sportlichen Führung. Es ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, mit einer Parallelplanung für Eventualitäten vorzusorgen.

Meyer: Das ist richtig, in der aktuellen Situation mit nur noch vier Spielen vor der Winterpause haben wir uns aber für eine Interimslösung, die den Kader und den Klub kennt, entschieden. Wir müssen uns in eine Ausgangslage bringen, die kein zu grosses Loch zu Rang 8 und dem rettenden Ufer aufreissen lässt.

zentralplus: Aber das erklärt nicht den Zeitpunkt von Fabio Celestinis Entlassung und die Übergangslösung. Diesen Schritt hätte man in der Nationalmannschaftspause vollziehen können.  

Meyer: Wir hatten im Kopf, mit Fabio Celestini in die Winterpause zu gehen. Da war ausreichend Geduld vorhanden. Unsere Zusammenarbeit war extrem intensiv in den vergangenen fast zwei Jahren. Auf diesem Weg war nicht immer alles nur schwarz oder weiss. Wir trugen Reibereien und Konflikte, die ganz normal sind, zusammen aus und gingen durch Hochs und Tiefs.

zentralplus: Was führte zwischen Ihnen letztlich zum Bruch?

Meyer: Im Sommer 2020 kam es zur Geschichte zwischen Fabio Celestini und dem FC Basel, die wir in der Folge gemeinsam klären konnten. Aber im Jahr darauf folgten zwei Gespräche mit den Young Boys. Das erste kurz nach unserem Cup-Triumph. Wir versuchten unser Arbeitsverhältnis wieder zu reparieren, aber letztlich ist halt schon matchentscheidend für den FC Luzern, dass Spieler wie Trainer zu 100 Prozent mit ihrem Kopf bei ihrem Arbeitgeber sind. Seit diesem Sommer ist etwas kaputt gegangen.

«Unsere Kaderveränderungen in der Winterpause können sowohl Zu- als auch Abgänge sein.»

zentralplus: Bleiben Sie Ihrer Marschrichtung treu, dass der FC Luzern auch mit dem neuen Trainer mutigen, attraktiven und modernen Fussball spielen soll? Oder sind, der aktuellen sportlichen Situation geschuldet, andere Qualitäten erforderlich?

Meyer: Im Grundsatz wollen wir unserem mutigen, attraktiven und aggressiven Offensivfussball treu bleiben. Das wird unser Anspruch an den nächsten Trainer bleiben. Aber der Situation geschuldet, muss der neue Cheftrainer die Flexibilität besitzen, seine Arbeitsweise den realen Erfordernissen anpassen zu können. Aber das war ja damals bei Fabio Celestini nicht anders. Wir müssen jetzt das Fundament vorerst so anpassen, dass wir uns die für den Ligaerhalt notwendigen Punkte sichern.

zentralplus: Das heisst, der FCL-Trainer ab 2022 braucht Erfahrung und muss die Liga kennen. Was gehört noch zum Profil?

Meyer: Wir brauchen einen Trainer, der die Liga und die Konkurrenten kennt. Das ist ein zentraler Punkt. Und sonst versuchen wir, die bestmögliche Kombination zwischen fachlichen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten, die am besten zum Klub passen, zu verpflichten.

zentralplus: Was für Kadermutationen streben Sie im Winter-Transferfenster für den FCL an?

Meyer: Wichtig ist, dass wir gezielt Veränderungen vornehmen werden. Das können sowohl Zu- als auch Abgänge sein. Unter dem übergeordneten Ziel, dass wir eine gute Balance im Team finden können.

zentralplus: Wenn Sie von möglichen Abgängen reden: Darf man daraus schliessen, dass es aktuell FCL-Spieler gibt, die den Seelenfrieden der Mannschaft mit ihrer Leistung und ihrem Verhalten stören?

Meyer: Wir haben im nächsten Transferfenster die Möglichkeit, Spieler abzugeben, mit denen wir in dieser Vorrunde nicht zufrieden waren. Das eröffnet uns die Chance, eine Mannschaft zusammenzustellen, die in den nächsten vier Monaten zusammen Vollgas gibt.

zentralplus: Balance in einem Team hat vor allem mit Leistung und Leadership zu tun. Vermissen Sie das aktuell im FCL?

Meyer: Balance heisst für mich, dass ein Team funktioniert. Dazu gehören die Qualität eines Einzelspielers und die Übernahme von Verantwortung und eine klare Rollenverteilung. Wir haben Spieler im Team, die stagnierten im Vergleich zur letzten Saison. Und wir haben Neuzugänge, die ihre Leistungen bisher nicht abrufen konnten. Das bringt das Gefüge durcheinander, weil Hierarchien durch Leistung und Stabilität entstehen.

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2 Kommentare
  1. Weiss René, 03.12.2021, 14:10 Uhr

    Mit den neuen Zuzüge für die Mannschaft hat Meyer voll ins Klo gegriffen! Würde am besten auch gehen!

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  2. Mac Tanner, 03.12.2021, 11:34 Uhr

    Bravo Remo Meyer. Klar und deutliche Ansagen braucht es jetzt. Mit dem besten Sportchef der Schweiz werden wir das Ruder zweifellos rumreissen. HOPP FCL !

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