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FCL-Hauptsponsor: «Ich verstehe nichts von Fussball»
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Otto's-Chef Mark Ineichen präsentiert als FCL-Hauptsponsor das Leibchen mit dem Firmenlogo (Aufnahme von 2014). (Bild: Martin Meienberger )

Warum Otto's weitere 3 Jahre in den FCL investiert FCL-Hauptsponsor: «Ich verstehe nichts von Fussball»

7 min Lesezeit 15.11.2016, 12:07 Uhr

Als FCL-Fan hat man’s nicht immer leicht. Und als FCL-Hauptsponsor? Dem kommen die zahlreichen Ups and Downs des Teams sogar entgegen, sagt Otto’s-Chef Mark Ineichen. Im Interview spricht er zudem über die Hintergründe des FCL-Engagements, sein Fussball(un)wissen und das entscheidende Essen mit Walter Stierli.

Seit fünf Jahren prangt das Logo des Surseer Detailhändlers Otto’s auf der Brust der FCL-Spieler. Neu wird Otto’s auch Hauptsponsor des EV Zug. Zudem wurde kürzlich bekannt, dass das von Mark Ineichen geführte Familienunternehmen für weitere drei Jahre Hauptsponsor des FCL bleibt. Mark Ineichen ist der Sohn des 2012 mit 70 Jahren verstorbenen FDP-Politikers Otto Ineichen. Zeit, sich den 45-jährigen Herrscher über 100 Filialen und Chef von 2000 Mitarbeitern mal zur Brust zu nehmen und nachzufragen, warum er in den FCL investiert.

zentralplus: Mark Ineichen, Otto’s ist seit fünf Jahren Hauptsponsor beim FCL. Wie sind die Erfahrungen?

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Mark Ineichen: Die sind durchaus positiv, wir bekommen extrem viel positives Feedback und werden oft auf den FCL angesprochen. Auch unter unseren Mitarbeitern ist eine richtige Fangruppe entstanden.

zentralplus: Man sagt, Otto’s lasse sich dieses Engagement beim FCL pro Jahr rund 1,5 Millionen Franken kosten. Und die Rechnung muss für Sie offenbar aufgehen. Wie berechnet man sowas?

Ineichen: Die Höhe unseres Engagements kommunizieren wir nicht. Ein solches Sponsoring nach Aufwand/Ertrag zu berechnen, ist kaum möglich. Man kann das rational eigentlich nicht begründen. Zwar könnte man die TV-Minuten berechnen, in denen unser Logo zu sehen ist. Aber das allein sagt wenig aus. Wir haben schlicht Freude an dieser Zusammenarbeit und können es uns leisten. Und die Freude ist ungebrochen gross, wir können damit viele Leute begeistern. Sowohl für den FCL als auch für Otto’s.

Markus Neumayr (Luzern) feiert den Sieg gegen den FC Thun gemeinsam mit seinen Kindern Lani und Dian. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Markus Neumayr (Luzern) feiert den Sieg gegen den FC Thun gemeinsam mit seinen Kindern Lani und Dian. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Auf welcher Grundlage aber haben Sie sich dafür entschieden, nun auch weiterhin Hauptsponsor des FCL zu bleiben? Gibt’s dafür Experten, die Sie beraten?

Ineichen: Nein, das war eher ein Bauchentscheid. Der erste Vertrag zwischen Otto’s und dem FCL entstand ja im Restaurant Schützengarten auf der Luzerner Allmend, kurz bevor die Swissporarena 2011 eröffnet wurde. Wir waren dort zum Essen mit dem damaligen FCL-Präsidenten Walter Stierli verabredet und danach habe ich gesagt: Okay, wir sind dabei. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie ein Fussballspiel gesehen (lacht).

Zudem: Wir sind mit Otto’s sehr erfolgreich unterwegs. Und das trotz starken Mitbewerbern und der Konkurrenz aus dem Ausland. Das FCL-Sponsoring sehen wir einfach als einen weiteren Puzzlestein, der diesen Erfolg ausmacht. Wir möchten der Gesellschaft damit auch etwas zurückgeben von unserem Erfolg.

Mark Ineichen leitet die Geschicke von Otto's.

Mark Ineichen leitet die Geschicke von Otto’s.

(Bild: René Ruis)

zentralplus: Das tönt eher nach Mäzenatentum zugunsten des FCL als nach Gewinnmaximierung für Otto’s.

Ineichen: Ein Stück weit ist es das vielleicht. Wir tragen mit unserem FCL-Sponsoring zur Konstanz beim FC Luzern bei. Sehen Sie, man muss einfach auch Freude an einem solchen Engagement haben, man will damit etwas Gutes machen. Und auch wirtschaftlich gesehen ist es durchaus sinnvoll, sich länger zu engagieren: Je länger man dabei ist, umso bekannter wird man. Das macht die Marke Otto’s bekannter und sympathischer.

zentralplus: Wie genau profitiert Otto’s von dieser Zusammenarbeit?

Ineichen: Das sind x Faktoren. Wir erhalten in der Swissporarena eine VIP-Loge für unsere Geschäftskunden und Mitarbeiter. Insgesamt können so 40 Personen ein FCL-Heimspiel verfolgen. Diese Plätze sind permanent ausgebucht. Zudem sieht man immer mehr Leute mit FCL-Shirts und unserem Otto’s-Logo drauf, etwa am Stadtlauf oder Lucerne Marathon. Das zeigt, dass sich die Bevölkerung damit identifiziert. Weiter finden regelmässig Autogrammstunden mit FCL-Spielern in unseren Filialen statt, das zieht auch potentielle Neukunden an. Kürzlich haben wir ausserdem 1000 FCL-Tickets gratis abgegeben – das lief wie der Teufel, innert 20 Minuten waren alle weg.

«Natürlich bin ich nicht erfreut, wenn sich die Leute an die Gurgel gehen.»

zentralplus: Ärgern Sie sich auch mal, wenn’s beim FCL drunter und drüber geht und der Club nicht mehr aus den Negativschlagzeilen rauskommt?

Ineichen: (überlegt) Ich muss es so sagen … Ich habe mir vorgenommen, mich weder sportlich noch sonstwie zum FCL zu äussern. Es sind schon genügend Interessengruppen involviert. Zudem verstehe ich nichts von Fussball: Ich weiss, wo das Goal steht, und mittlerweile kenne ich auch die Offsideregel (lacht). Wir liefern einfach einen Grundsockel an Geld, damit sich der Verein entwickeln kann. Natürlich bin ich nicht erfreut, wenn sich dort die Leute an die Gurgel gehen. Aber aus wirtschaftlicher Sicht ist ein anderer Punkt für uns wichtiger: dass der Verein in der Öffentlichkeit im Gespräch ist. Wenn die Mannschaft immer nur im Mittelfeld spielen und nie nach oben oder unten ausschlagen würde, wäre das schlecht fürs Sponsoring. Denn dann würde viel weniger über den Verein berichtet.

Autogrammstunde von FCL-Spielern in der Littauer Filiale von Hauptsponsor Otto's.

Autogrammstunde von FCL-Spielern in der Littauer Filiale von Hauptsponsor Otto’s.

(Bild: Martin Meienberger)

zentralplus: Mittlerweile sieht man Sie regelmässig an FCL-Spielen. Wie oft sind Sie dort und waren Sie auch am spannenden Match gegen die Berner Young Boys vom Sonntag, 6. November?

Ineichen: Ich bin fast immer an den Heimspielen, wenn es die Zeit erlaubt. Im Schnitt sehe ich etwa jeden zweiten Match in der Swissporarena. An diesem Sonntag war ich allerdings nicht vor Ort. Wir hatten am Vorabend ein Betriebsfest …

zentralplus: Kurzer Wissenstest: Wer ist der Top-Torschütze der Schweizerischen Fussballliga?

Ineichen: (überlegt) Das weiss ich nicht.

zentralplus: Es ist «unser» Marco Schneuwly, mit 10 Toren aus 13 Spielen.

Ineichen: Schneuwly? Spielt der bei uns? (lacht) Nein, den kenne ich natürlich, so, wie ich in den letzten Jahren auch ein paar andere Spieler besser kennengelernt habe.

zentralplus: Persönliche Frage: Das Otto’s-Logo auf den FCL-Shirts ist als Fussballfan etwas, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig. Wäre es keine Option, das Logo wenigstens in Blau-Weiss zu zeigen anstatt in Rot-Orange?

Ineichen: Nein. Solche Diskussionen hatten wir ganz am Anfang zwar. Aber damit würden wir ganz sicher nur auf die Schnauze fallen. Wir haben uns mit dieser Marke und diesem Logo positioniert, die Leute kennen uns, wir sind damit in den Köpfen der Bevölkerung. Jetzt das Logo zu ändern, wäre ein grosser Fehler, damit sind schon viele andere Firmen gescheitert.

zentralplus: Sie haben zwei Kinder. FCL-Fans?

Ineichen. Und wie. Die kommen immer mit, wir haben dafür auch extra einen Kindertisch in unserer Loge eingerichtet. Die Kinder sind sicher noch die grösseren FCL-Fans als ihr Vater (lacht).

«Der härteste Discounter der Schweiz»

Mark Ineichen führt die Otto’s-Gruppe seit 15 Jahren, und das sehr erfolgreich. Gemäss «Bilanz», die ihm kürzlich die Titelstory («Der härteste Discounter der Schweiz») gewidmet hat, konnte Ineichen den Umsatz in dieser Zeit auf 700 Millionen Franken verdreifachen. Dies auch dank der 17 «Radikal»-Filialen, die mit ihrem noch günstigeren Angebot vor allem Ausländer als Zielgruppe haben. «Die Filialen gehen ab wie eine Rakete», sagt er dazu.

Den Grundstein für die Radikal-Läden legte Ineichen 2004 mit der Übernahme der Firma Netto Netto. Insgesamt betreibt die Otto’s-Gruppe schweizweit 120 Verkaufsstellen. Otto’s gilt als grösster Restpostenhändler Europas.

Mark Ineichen vor einer seiner gut laufenden Radikal-Filialen.

Mark Ineichen vor einer seiner gut laufenden Radikal-Filialen.

(Bild: zVg)

Zu Otto’s gehören aber auch 18 Sherpa-Läden plus zwei Outlets für diese Marke. Derzeit versucht Mark Ineichen, mit Parallelimporten und Billigpreisen den Skimarkt aufzumischen, was medial für Aufruhr sorgt.

Geheime Kanäle ins Ausland

Für Zoff sorgt aktuell weiter, dass Otto’s Produkte der Outdoor-Firma Mammut zu Schnäppchenpreisen verkauft. Diese Produkte, etwa Freeride-Jacken, hat sich Ineichen über seine geheimen Kanäle aus Deutschland besorgt. Das hat Mammut verärgert, mittlerweile hat das Unternehmen Ineichens Absatzquelle versiegen lassen. Ineichen sorgte und sorgt mit solchen Aktionen regelmässig für Schlagzeilen. Immer wieder schafft er es über geheime Kanäle, Markenprodukte aus Restposten aufzukaufen und dann in seinen Läden günstig zu verscherbeln – sehr zum Ärger von anderen Läden/Herstellern, bei denen dasselbe Produkt mehr kostet.

Speziell der «Blick» scheint Ineichen sehr wohlgesonnen zu sein und berichtet laufend über die neusten Schnäppchen-Coups des Firmenchefs aus Sursee – bessere Werbung gibt’s nicht.

Das weitere Wachstum der Otto’s-Gruppe will Ineichen laut «Bilanz» vorsichtig angehen: «Bis Ende Jahr sollen drei weitere Sportartikel-Chalets eröffnen – im Winter mit Skis, im Sommer mit Bikes. Die Anzahl ‹Radikal›-Filialen könnte mittelfristig auf 30 steigen. Zehn davon will er in der Westschweiz aufmachen.»

Mit seinen Otto's-Filialen hat Mark Ineichen den Billigmarkt erobert.

Mit seinen Otto’s-Filialen hat Mark Ineichen den Billigmarkt erobert.

(Bild: zVg)

«Putsch» gegen den Vater

Spannende Anekdote zum Schluss: Mark Ineichen wusste bereits mit 18, dass er einmal das Otto’s-Imperium leiten will. Seit er denken könne, habe er das gewollt. Doch sein Vater Otto wollte ihm den Chefsessel erst 2004 überlassen. Das ging dem Filius zu langsam. An einer Sitzung Ende 2001 lehnte er das Angebot seines Vaters, sein Stellvertreter zu werden, ab mit der Begründung, er wolle selber Chef sein. Zwei Wochen später gab der damals 63-jährige Otto Ineichen zähneknirschend nach. «Als Gründer des Unternehmens hatte ich extrem Mühe, mich von meinem Baby zu trennen. Aber ein wenig Druck war nur gesund», sagte der Patron in einem älteren Artikel der «Bilanz».

Mark Ineichen mit seinem 2012 verstorbenen Vater Otto Ineichen.

Mark Ineichen mit seinem 2012 verstorbenen Vater Otto Ineichen.

(Bild: zVg)

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