FCL-Goalie Müller hakt die Saison ab: «Wir spielen mit dem letzten Hemd»
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Es schlägt ein im Tor der Luzerner: Der Xamaxien Marcis Oss (Dritter von rechts) schaut wie FCL-Goalie Marius Müller, David Mistrafovic und Pascal Schürpf seinem Kopfball zum 2:1 nach. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die Energietanks der Luzerner sind leer FCL-Goalie Müller hakt die Saison ab: «Wir spielen mit dem letzten Hemd»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 19.07.2020, 21:14 Uhr

Nichts geht mehr. Der FC Luzern bezieht zu Hause gegen den um den Ligaerhalt kämpfenden Tabellenletzten Neuchâtel Xamax die dritte Niederlage in den letzten vier Spielen. Nach dem 1:2 in einem unterhaltungsarmen Spiel redet Marius Müller Klartext.

In keiner der letzten vier Partien haben die Luzerner das erste Tor erzielt. Dabei erlangt die Führung in Zeiten eines hohen Wettkampf-Rhythmus, um die Corona-Meisterschaft zu Ende führen zu können, eine übergeordnete Bedeutung. Es macht die jubelnde Mannschaft selbstbewusster, grösser, und jene, die in Rückstand geraten ist, kleiner, zweifelnder.

Und wie immer in den letzten 14 Tagen reichte es nicht zum Sieg. Schlimmer noch: Am Ende stand die dritte Niederlage in dieser Zeit (zentralplus berichtete).

Fabio Celestini, der Trainer der Luzerner, musste sich nach Spielende vorkommen wie eine tibetanische Gebetsmühle. Zumindest befand er, dass er immer das Gleiche zu sagen habe wie in den vorangegangenen drei Spielen. «Ich sehe Spieler, die wollen – aber irgendetwas fehlt.»

Nackenschlag in der Nachspielzeit

Was Fabio Celestini nicht wissen konnte: In den Minuten nach dem Ende eines an spielerischem Gehalt armen Spiels, das für den FCL mit dem 1:2 in der Nachspielzeit einen späten Nackenschlag bereit gehalten hatte, benannte Marius Müller das, was den Luzernern seit Tagen und Wochen fehlt: «Wir müssen es jetzt einfach offen ansprechen. Uns fehlt die mentale und körperliche Energie. Es ist brutal. Wir spielen mit dem letzten Hemd.»

«Uns passieren zu viele Leichtsinnsfehler.»

FCL-Goalie Marius Müller

Der FCL-Goalie bestätigte das, was zentralplus in letzter Zeit thematisierte. Und Müller sagte auch: «Uns passieren zu viele Leichtsinnsfehler. In unserer Situation geht es jetzt einfach darum, die Saison anständig zu Ende zu spielen.»

Ein Platz in der nächsten Qualifikation zur Europa League ist für den FCL zur Utopie geworden. Auf Servette und Platz 4 ist der Rückstand vier Runden vor Schluss auf vier Punkte angewachsen. Und ein mit leeren Tanks stehen gebliebener FCL hat noch Sion (h), die Young Boys (a), Zürich (h) und Basel (a) vor der Brust. Das lässt auf einen überschaubaren Punktezuwachs schliessen.

Wieder ein haltbarer Treffer für Müller

Die fehlende Frische der Luzerner zeigt sich in vielen Facetten. Das Angriffsspiel der Luzerner ist leicht ausrechenbar geworden, weil nicht mehr viel über die Flügel läuft. Im Passspiel und Spielaufbau ist die Fehlerquote zu hoch geworden, und defensiv unterlaufen Unzulänglichkeiten, die im Vollbesitz der Kräfte kaum passiert wären.

Selbst Marius Müller, die Lebensversicherung der Luzerner, hat im zweiten Heimspiel in Folge ein weiteres haltbares Tor kassiert. Dass Raphael Nuzzolo eine Flanke aus spitzem Winkel direkt abnahm, war überraschend. Aber der Xamax-Stürmer erwischte den FCL-Goalie in der nahen Torecke.

«Ich hoffe, dass ich diese Dinger nun allesamt abgehakt habe.»

«Dieses Gegentor ist doppelt bitter, weil ich sonst eine meiner besten Halbzeiten im FCL-Dress spielte», sagte er. «Ich hoffe, dass ich diese Dinger nun allesamt abgehakt habe.» Gegen Lugano hat er an seinem 27. Geburtstag sogar zwei Eier einstecken müssen. Wenigstens holte der FCL vor einer Woche noch drei Tore auf und letztlich einen Punkt (zentralplus berichtete).

Wie orakelte Müller schon vor Wiederaufnahme der Meisterschaft? «Weil ich nicht so viel laufen muss wie meine Mitspieler, wird sich bei mir die Müdigkeit im mentalen Bereich zeigen.» Er sollte recht behalten.

FCL befreite sich rasch von der Abstiegsangst

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Mit dem Tabellenletzten Neuchâtel Xamax holte die bessere und offensiv gefährlichere Mannschaft die drei Punkte an diesem Sonntag. Aber wie kann es sein, dass die Neuenburger frischer sind als der FCL?

Sie spielen mit dem Messer am Hals. Es geht um Sein oder Nichtsein in der höchsten Schweizer Spielklasse. Da wird alles mobilisiert, um den Ligaerhalt doch noch erreichen zu können. Das ist das grosse Ziel.

Die Luzerner standen, in der Geschichte dieser Saison, an einem ähnlichen Ort. Als Tabellenachte hatten sie bei Meisterschaftshälfte bloss vier Punkte Vorsprung auf Xamax. Die Abstiegsangst sass ihnen im Nacken.

Lange über den eigenen Fähigkeiten gespielt

Als Fabio Celestini den Trainerjob vom überforderten Thomas Häberli übernahm, gelang den Luzernern in den fünf Meisterschaftsspielen vor der Corona-Krise der Ligaerhalt – mit sagenhaften 13 Punkten. Das wichtigste Ziel war schnell in trockenen Tüchern, die Erleichterung darüber riesig.

Mit dem guten Start in den Schlussspurt der Meisterschaft und dem Fakt, dass ausnahmsweise nicht der Cupsieger, sondern der nächstfolgende in der Tabelle am europäischen Geschäft teilnehmen darf, kam unverhofft das europäische Geschäft ins Blickfeld der Luzerner.

Der FCL spielte vor und nach der Corona-Krise lange Zeit über seinen eigenen Fähigkeiten. Das kostete Kraft – und irgendwann war die Zitrone ausgepresst.

Fürs Schreiben des letzten Kapitels der Celestini-Story 2020 reicht die Tinte nicht mehr (zentralplus berichtete).

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1 Kommentare
  1. Karl ottiger, 21.07.2020, 09:37 Uhr

    Wenn ein Drittel der Mannschaft Technisch und Athletisch limitiert ist und die Augen nur langsam aufs Spielfeld bringen kannst du unmöglich ein Schnörkelloses Spiel nach vorne betreiben und wenn du es mit langen probierst und die zweiten nicht erwischen kannst oder Spieler hast wo den Ball nicht halten können hast du eigentlich glücklich 42 Punkte geholt

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