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FCL-Fans wie am Stammtisch: Die verbale Grätsche aus dem Netz
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Raffi (links) und Michi Gründeler im offiziellen ‹Tackling›-Shirt. (Bild: les)

Zwei Brüder gründen eigenen Fussball-Talk FCL-Fans wie am Stammtisch: Die verbale Grätsche aus dem Netz

4 min Lesezeit 3 Kommentare 26.09.2017, 16:50 Uhr

Die beiden Brüder und FCL-Fans Raffi und Michi Gründeler haben die «billigste Fussball-Informationssendung der Schweiz» ins Leben gerufen. Dort wird gemeinsam alles rund um den FC Luzern analysiert und kommentiert. Die beiden sind sich nicht immer einig. Doch in die Haare geraten können sie sich nicht – zu weit sitzen sie an ihrem Stammtisch auseinander.

Der FC Luzern ist ihre grosse Leidenschaft. Raffi (33) und Michi Gründeler (41) verfolgen ihren Herzensklub auf Schritt und Tritt. Und das praktisch rund um die Uhr. Denn wer auf Facebook in der Gruppe «Du besch e wahre Fan vom FCL, wenn …» reinschaut, hat bestimmt schon festgestellt, dass die beiden die heissesten FCL-News in Windeseile posten und teilen.

Seit dieser Saison haben die beiden Brüder etwas Neues im Angebot. Mit «Tackling» haben die «Gründeler Brothers» eine eigene Sendung entwickelt. In einem Video, dass sie ins Netz stellen, kommentieren und analysieren sie alles rund um den FC Luzern und die Super League. «Tackling» – sowas wie eine verbale Grätsche. «Wir wollten einen Fantalk, wo man sagen darf, was man denkt», sagt Raffi Gründeler. Michi Gründeler ergänzt: «Frei Schnauze, wie es so schön heisst.» Ein Stammtisch für Fussballfans also. Und gleichzeitig «die billigste Fussball-Informationssendung der Schweiz».

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Ein Beispiel: Bei der Analyse des Cupspiels gegen Genf kommt die Strafraumszene mit Simon Grether zur Sprache, wo es Penalty hätte geben müssen. Michi Gründeler: «Selten dämlich», und Raffi Gründeler: «Ehm, Herr Grether, was hat Sie da geritten?», nehmen kein Blatt vor den Mund.

So sieht diese Analyse im Video aus:

 

Zeitdruck wegen Nachwuchs

Entstanden ist die Idee übrigens während der Europameisterschaft in Frankreich. «Wir haben uns immer in Chats über die neusten Ergebnisse ausgetauscht», erklärt Michi Gründeler. Und plötzlich kam die Idee des Fussballtalks. «Doch die EM war schneller vorbei, als wir dachten», fügt Raffi hinzu. Jetzt, rund ein Jahr später, haben sie ihre Idee in die Tat umgesetzt.

«‹Tackling› soll nicht perfekt sein, sondern von Herzen kommen.»

Raffi Gründeler

Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass die beiden nie gemeinsam im Bild sind. «Wir wohnen 154 Kilometer auseinander», lacht Raffi Gründeler. Er sei nämlich mittlerweile im St. Galler Rheintal heimisch geworden (siehe Box). «Es wird trotzdem jeweils spät, weil wir uns zum Ziel setzen, jeden Montag um 22 Uhr online gehen zu können», sagt Michi Gründeler. Beide hätten kleine Kinder, und man warte jeweils die Schlafenszeit ab.

Die Gründeler-Brothers

Raffi Gründeler ist 33-jährig, arbeitet auf einer Online-Redaktion und wohnt im St. Galler Rheintal. Er ist verheiratet und hat einen 3-jährigen Sohn. Er ist regelmässig an FCL-Spielen anzutreffen.

Michi Gründeler ist 41-jährig, arbeitet «im Büro» und wohnt in Ebikon. Er ist verheiratet, hat einen 4-jährigen Sohn und eine anderthalbjährige Tochter. Er hat eine FCL-Jahreskarte im Familiensektor und besucht die Spiele mit seinem Sohn.

Das bisherige Feedback sei zwar nicht sehr zahlreich – dafür positiv, freuen sich die beiden Brüder. Obwohl die Sendung noch einige Kinderkrankheiten hätte, insbesonders bezüglich Tonqualität. «‹Tackling› soll nicht perfekt sein, sondern von Herzen kommen», sagt Raffi Gründeler. «Eigentlich haben wir nur auf den Shitstorm gewartet», ergänzt Michi Gründeler. Doch statt als Freaks gebrandmarkt zu werden, scheinen sie tatsächlich ein Bedürfnis getroffen zu haben.

Babbel-Frage spaltet Gründeler-Brüder

Natürlich wollte zentralplus von den beiden selbsternannten Experten auch wissen, was beim FC Luzern gut läuft und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. «Ich freue mich, dass die Mannschaft auf dem Platz Kampfgeist und Leidenschaft an den Tag legt», sagt Michael Gründeler. «Das gehörte schon immer zum FCL.»

Raffi Gründeler ist überzeugt, dass der FC Luzern mit Markus Babbel absolut dem richtigen Trainer das Vertrauen schenke. «Die letzte Errungenschaft Alex Freis», lacht er und meint den dienstältesten Super-League-Trainer. «Wer hätte das je gedacht?» Es sei nun an der Zeit, rasch mit einem neuen Vertrag vorwärts zu machen. Babbels Arbeitspapier läuft im nächsten Sommer aus. Michael Gründeler ist hier zurückhaltender. «Es bleibt noch Zeit», sagt er.

«Der FCL verkauft seine Spieler unter Wert.»

Raffi und Michi Gründeler

Wann es in Luzern mal wieder eine Pokalfeier gebe, wollen wir wissen. «Die Meisterschaft ist illusorisch», sagt Raffi Gründeler. «Luzern ist zwar für eine Überraschung gut, aber ganz nach vorne reicht es nicht.» Michi Gründeler sagt: «Im Cup sieht’s anders aus. Viel fehlt ja nicht.» Es wäre für die beiden natürlich ein absolutes Highlight.

Rasch werden die beiden in «Tschuppis Wonderbar» mit Fanartikeln eingedeckt.

Rasch werden die beiden in «Tschuppis Wonderbar» mit Fanartikeln eingedeckt.

(Bild: les)

 

Fehlende Spannung in der Liga

Was beide stört: «Der FCL verkauft seine Spieler unter Wert.» Man wisse ja nicht genau, wie viel Geld der FCL mit seinen Transfers erzielte. «Aber wenn ich höre, dass Schneuwly womöglich gratis und Neumayr für 300’000 Euro den Verein verlassen haben, dann frage ich mich schon», so Raffi Gründeler.

Der FCL müsse unbedingt schauen, dass die jüngeren Spieler längere Verträge hätten, damit auch die Verhandlungsposition des Vereins gestärkt werde. Gerade mit Blick auf das nach wie vor vorhandene Zwei-Millionen-Defizit.

Dass die Schweizer Liga eine Ausbildungsliga sei und der FCL wohl jeden Sommer Abgänge zu verschmerzen habe, ist für die beiden klar. Sie bemängeln jedoch die fehlende Spannung. Michi Gründeler: «Wir haben auch schon oft das Thema Liga-Reform diskutiert. Belgien oder Österreich haben ja die Liga umgekrempelt.»

Welcher aber für die Schweiz der beste Modus sei, könne man nur schwer sagen. «In der Challenge League gäbe es genug Mannschaften, damit man eine spannende 16er-Liga zusammenstellen könnte», sagt Raffi Gründeler.

Zum guten Schluss haben wir den beiden noch ein paar klassische Fussball-Fragen gestellt:

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3 Kommentare
  1. Markus Dahinden, 27.09.2017, 08:29 Uhr

    Ah ok, und ich dachte schon dies sei aufgrund der inhaltlichen Qualität:)

  2. Markus Dahinden, 26.09.2017, 17:43 Uhr

    Wieso billigste Sendung der Schweiz?

    1. Linus Estermann, 26.09.2017, 21:15 Uhr

      Weil sie ihre Sendung gratis auf Facebook stellen, während man für beinahe alle Sportsendung irgend ein Pay-TV-Angebot braucht.
      Und billigste auch, weil sie die Sendung mit ganz geringem Aufwand produzieren. Sprich, sie filmen mit Handys und kleiner Kamera.