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FCL-Fanlokal hat am Pfingstmontag doch geöffnet
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Die Polizei sichert am Bundesplatz vor dem FCL-Fanlokal die Lage. (Bild: zentralplus )

Vor Spiel gegen FC Basel: Polizei atmet auf FCL-Fanlokal hat am Pfingstmontag doch geöffnet

4 min Lesezeit 11.05.2016, 18:37 Uhr

Vor einem Jahr am Pfingstmontag kam es beim FCL-Heimspiel gegen den FC Zürich zu bösen Ausschreitungen. Eine gewisse Rolle spielte dabei das damals geschlossene FCL-Fanlokal. Nun ist diesen Pfingstmontag der FC Basel zu Gast. Und dank Intervention der Polizei stehen die Chancen gut, dass alles friedlich bleibt. Die FCL-Fans hält dies nicht von hämischen Bemerkungen ab.

Die Eskalation am Pfingstmontag 2015 hatte ihre Gründe. Zum einen steuerte die innig gepflegte Rivalität der beiden Fanlager schon länger auf einen gewalttätigen Showdown hin. Zudem war das FCL-Fanlokal Zone 5 am Bundesplatz geschlossen, weil dies gemäss Mietvertrag für Feiertage so vorgesehen ist. Die FCL-Fans sammelten sich daher vor dem Spiel nicht wie üblich beim Bundesplatz, sondern in der Altstadt am Reussufer. Kurz bevor der Fanzug aus Zürich in Luzern ankam, marschierten rund 150 FCL-Fans über die Seebrücke in Richtung Bahnhof. Um eine erste Konfrontation zu vermeiden, musste die Polizei den einfahrenden Zürcher Fanzug kurzfristig aufhalten.

Dadurch konnte zwar vor dem Spiel ein Aufeinandertreffen der Fangruppen verhindert werden, die aufgeheizte Stimmung entlud sich aber nach dem Spiel. Auf dem ehemaligen Trassee der Zentralbahn kam es zu einer wüsten Massenschlägerei. Eine Mitschuld traf dabei die Luzerner Polizei. Sie dirigierte die beiden vom Stadion aus startenden Fanmärsche aus Versehen genau so, dass sie gleichzeitig im Bereich der Voltastrasse ankamen − die Schlägerei war nicht mehr zu verhindern.

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Aus Angst, dass dieses Jahr Ähnliches passieren könnte, setzten sich die Stadt Luzern, die Luzerner Polizei und die Fanarbeit vorzeitig an einen runden Tisch (zentralplus berichtete). Dabei war allen klar: Ein geöffnetes Fanlokal am Bundesplatz trägt viel zur Deeskalation bei und ist für die Polizei einfacher zu managen als in der ganzen Stadt versprengte FCL-Gruppierungen. Und das gemeinsame Gespräch trug Früchte, denn nun konnte ein Entscheid gefällt werden, der das Nervenkostüm der Beteiligten entlastet: Ja, das Fanlokal darf am Pfingstmontag doch geöffnet haben. Lange sah es so aus, als ob dies nicht möglich wäre, weil sich die Vermieter dagegen sträubten, vermutlich aus religiösen Gründen.

Vor einem Jahr kam es zu wüsten Ausschreitungen. Das Bild zeigt die FCZ-Fans auf dem Rückmarsch zum Bahnhof unter Beobachtung der Luzerner Polizei.

Vor einem Jahr kam es zu wüsten Ausschreitungen. Das Bild zeigt die FCZ-Fans auf dem Rückmarsch zum Bahnhof unter Beobachtung der Luzerner Polizei.

Eiertanz um Kommunikation

Die Kommunikation dieses Entscheides verlief allerdings eigenartig. Die Stadt Luzern wollte auf Anfrage von zentralplus keine Auskunft geben und verwies an die Luzerner Polizei. Diese teilte mit, dass die Angelegenheit zwischen den beiden Vertragsparteien des Mietvertrages, also dem Eigentümer und den Fans geregelt werden müsse, und leitete die Medienanfrage an die Luzerner Fanarbeit weiter. Doch auch diese kommunizierte nicht von sich aus, sondern überliess die Verkündigung des Entscheides der grössten und aktivsten Fangruppierung, der USL. Diese schreibt in einer Mitteilung: «Entgegen unserer ersten Ankündigung ist die Zone 5 auch am Pfingstmontag rund um das Heimspiel gegen den FC Basel geöffnet. Von 12.00 bis 19.00 Uhr läuft der Zapfhahn und für hungrige Fans ist vor dem Spiel der Grill in Betrieb. Wie gewohnt wird das FCL-Spiel auf Grossleinwand übertragen.»

«Ausgerechnet die Luzerner Polizei liess nichts unversucht und bekniete die Vermieterschaft der Zone 5.»

Luzerner Fanvereinigung USL

Fans verhöhnen die Polizei

Die USL, die unter anderem für die Stimmung und Choreos auf den Stehplätzen verantwortlich ist, kommentiert in ihrem Statement den Entscheid und versetzt der Polizei gleich noch einen Tritt ans Schienbein. Sie schreibt: «Beachtlich ist auch die Kehrtwende der Luzerner Polizei, welche bis vor nicht allzu langer Zeit den Standort der Zone 5 unnötig problematisiert und bisweilen sogar wild über eine Schliessung fabuliert hat.» Nachdem die Zone 5 nun für einmal geschlossen geblieben wäre, könnte man im Lichte ihrer früherer Verlautbarungen meinen, die Sicherheitsbehörden hätten ihr Ziel erreicht, so die Fanvereinigung.

Doch damit nicht genug: «Ausgerechnet die Luzerner Polizei liess nichts unversucht und bekniete die Vermieterschaft der Zone 5, um eine Ausnahmebewilligung für die Öffnung der Zone 5 am Pfingstmontag zu erwirken – weil sich nach über siebenjährigem Bestehen des Fanlokals auch bei den Polizeiverantwortlichen die Einsicht durchzusetzen scheint, dass die Sicherheit bei geöffneter Zone 5 einfacher zu gewährleisten ist als bei einem geschlossenen Lokal.» Die USL gratuliert der Luzerner Polizei hämisch zu dieser späten Erkenntnis und hofft, dass sie «konsequent Eingang in die künftige polizeiliche Kommunikationsstrategie finden wird».

Die Luzerner Polizei nimmt diese Meldung der USL zur Kenntnis, sagt Polizeisprecher Urs Wigger auf Anfrage. Kommentieren wollte er die Anschuldigungen nicht. Was vielleicht nicht das Dümmste ist. Hauptsache, es gibt ein friedliches Fussballfest, ganz so, wie es nun seit einem Jahr in Luzern stets der Fall war.

Hier geht’s zu unserer eindrücklichen Fotoreportage: «Wenn 1000 FCB-Fans durch Luzern marschieren»

Neu gibts auf zentralplus übrigens alle Spiele des FCL im Live-Ticker! Hier lang.

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