FCL-Captain Schwegler hört zum Saisonende auf
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Kaufte seinem Genfer Gegenspieler Boubacar Fofana (vorne) mit Cleverness den Schneid ab: FCL-Captain Christian Schwegler. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Zu viele Verletzungen in jüngster Vergangenheit FCL-Captain Schwegler hört zum Saisonende auf

4 min Lesezeit 4 Kommentare 05.02.2021, 18:03 Uhr

Beim 3:0-Sieg über Servette stand FCL-Captain Christian Schwegler erst zum dritten Mal in der Startformation, seit Fabio Celestini Trainer in Luzern ist. Verletzungen warfen den 36-jährigen Ettiswiler immer wieder weit zurück. Weil der Verteidiger nach der Karriere noch eine gute Lebensqualität haben will, beendet er im Mai seine Profi-Karriere.

Es sind Zahlen, die aufzeigen, was er für einen Leidensweg seit seiner Rückkehr zum FC Luzern auf die Saison 2017/18 durchschritten hat. In dreieinhalb Jahren hat Christian Schwegler erst 54 Einsätze in der Meisterschaft auf dem Zähler.

Das sind rund 40 Prozent aller möglichen Spielgelegenheiten. Ersatzbank-Drücker war der Führungsspieler praktisch nie. Vielmehr verpasste der Mann mit dem weiten Einwurf mehr als die Hälfte aller Meisterschaftsspiele wegen Blessuren.

Leistungsträger wiesen Weg zum Sieg

Dass Christian Schwegler im Spätherbst seiner Karriere noch viel Gutes für seine Farben bewirken kann, das bewies er am Donnerstag bei dem für den abstiegsbedrohten FCL extrem wichtigen «Dreier» gegen Servette. Mit viel Cleverness und kleinen Scharmützeln raubte er seinem Gegenspieler Boubacar Fofana, der zu Beginn eine der auffälligsten Figuren beim Gegner war, den letzten Nerv (zentralplus berichtete).

«Wir erkannten, dass wir nicht vom Glück abhängig sind, wenn wir so viel investieren.»

FCL-Captain Christian Schwegler

«Man muss mit den Werkzeugen arbeiten, die man hat», kommentierte Schwegler seine Leistung ein paar Stunden später mit Schalk in den Augen. Er habe gewusst, wie gefährlich Fofana sein könne, wenn man ihm Raum lasse. «Deshalb musste ich ihn stoppen, bevor er in einen Lauf kam.»

Dass der FCL, der vor der Pause Servette unterlegen war, letztlich doch einen Weg zum Sieg fand, lag an den Leistungsträgern wie Goalie-Titan Marius Müller, dem Doppeltorschützen Marvin Schulz, Louis Schaub und Dejan Sorgic, die den Konter zum 1:0 schön vollendeten, und Antreiber Christian Schwegler.

Das wiederkehrende FCL-Szenario

«Ich würde es nicht auf Leistungsträger beschränken, die den Unterschied ausmachten», entgegnete Schwegler. Solidarität hätten sie sich als Mannschaft auf die Fahne geschrieben, um die Mission Ligaerhalt erfolgreich zu erfüllen.

«Wir ackerten, um unsere eigenen Fehler zu korrigieren.» Als die Schlüsselszenen wie der von Marius Müller gehaltene Penalty und der Führungstreffer kurz vor Ende der ersten Halbzeit für die Luzerner liefen, «erkannten wir, dass wir nicht vom Glück abhängig sind, wenn wir so viel investieren.»

«Ich war selber erstaunt darüber, dass ich gerade nach einer Corona-Infektion durchgehalten habe.»

Man kann es aber auch ganz einfach formulieren: Erst wenn der FCL unter vehementem Erfolgsdruck steht, scheint er reüssieren zu können. Das war immer so, seit der Rückrunde 2017/18.

Vor ziemlich genau einem Jahr, als Fabio Celestini seinen Trainerjob in Luzern antrat, machte er in den ersten fünf Meisterschaftsspielen 13 Punkte – und verscheucht war das Abstiegsgespenst.

Und jetzt hat es mit dem 3:0 über Servette vor dem zweiten Aufeinandertreffen am Sonntag in Genf resultatmässig wieder gut angefangen. Allerdings steht der aktuell auf Rang 9 klassierte FCL nach wie vor mit dem Rücken zur Wand.

FCL strebt nach Konstanz

Warum der FCL offensichtlich nur unter hohem Erfolgsdruck liefern kann, konnte Schwegler nicht erklären: «Es ist klar, dass wir über eine lange Zeit Konstanz in unsere Leistungen bringen müssen. Sonst gewinnen wir nie etwas.»

«Hohen Zielen muss man genauso gewachsen sein.»

Ein Polemiker würde wohl festhalten, dass die Luzerner erst aus der Komfortzone vertrieben werden müssten, bevor sie Leistung erbringen. «Zu diesem Eindruck kann man kommen», gab Schwegler zu.

Er möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass es auch kein Leichtes sei, mit positivem Leistungsdruck umzugehen – also als Spitzenteam in jedem Match über eine lange Zeit abzuliefern. «Hohen Zielen muss man genauso gewachsen sein.»

Körper lange genug geschunden

Dass der FC Luzern eine Saison auf einem konstanten Level durchziehen kann, wird Christian Schwegler als Aktiver nicht mehr erleben. Zwar ging er am Donnerstag gegen Servette zum ersten Mal seit dem 16. Februar 2020 (1:0 gegen St. Gallen) über die volle Distanz und war «erstaunt darüber, dass ich gerade nach einer Corona-Infektion durchgehalten habe.»

Doch das ändert nichts an seiner beruflichen Zukunftsplanung: «Alles läuft darauf hinaus, dass im Sommer genug ist», kündigte er an. Er habe in den letzten Jahren zu viele Verletzungen gehabt und seinen Körper genug geschunden.

«Ich möchte es bis im Sommer noch geniessen und danach meinem Körper Ruhe geben, um eine gute Lebensqualität nach der Karriere zu haben.»

Schwegler kann sich vorstellen, in anderer Funktion weiterhin für den FC Luzern tätig zu sein. Aber er möchte dabei nicht nur auf dem Platz stehen, sondern auch seinen Geist anstrengen.

Deshalb schliesst er auch eine berufliche Zukunft ausserhalb des Fussballs nicht aus, wie er schon im März 2019 gegenüber zentralplus sagte.

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4 Kommentare
  1. Pascal, 08.02.2021, 14:27 Uhr

    Dann hat Remo Meyer jetzt eine halbe Saison Zeit, einen neuen RV zu suchen. Silvan Sidler darf nicht die Lösung sein, da kommt zu wenig und man sieht keinerlei Entwicklung. Gutes Backup, mehr leider nicht. Simon Grether und Ashvin Balaruban sind leider auch nicht für die Startelf geeignet.
    Wenn Remo Meyer auch auf der rechten Seite einen ‹Frydek› findet, dann Hut ab! Transfer des Jahres bis jetzt!

  2. CScherrer, 07.02.2021, 12:51 Uhr

    Warum der FC Luzern Christian Schwegler vor vier Jahren engagierte, bleibt das Geheimnis des verantwortlichen Sportchefs. Wie Mac Tanner richtig geschrieben hat, war Schwegler zu oft verletzt. Zudem ist seine einzige Stärke der weite Einwurf (was übrigens auch bei Wikipedia herausgestrichen wird. Über 35 Meter weit hat Schwegler jeweils eingeworfen. In der Regel landete der Ball beim gegnerischen Torwart. Kein einziges Tor resultiert aus seinen Einwürfen beim FC Luzern. Als Verteidiger zuletzt zu langsam und immer wieder zu überhastet. Seine Pässe fanden selten einen Mitspieler sondern landeten direkt beim Gegner. Schwegler ist einer dieser Spieler der jungen talentierten Spieler vor der Sonne gestanden ist. Das Motzen von Schwegler ist auffallend. Der FC Luzern hätte seine Investionen viel besser richtig auf Fabian Lustenberger konzentriert, denn Fabian wäre, wie Claudio, eine echte Bereicherung für den FC Luzern gewesen.

  3. Kaufmann, 06.02.2021, 16:31 Uhr

    Hut ab von Christian,
    Ihre Leistungen sind heute noch bewundernswert!

    Mac,
    wenn Sie das wirklich sind, zum Glück sehen wir Sie nicht.
    Die fussballerische Genialität haben Sie leider vergeudet; das Alter aber schützt Sie vor Torheit nicht, zum Wohl und prost !!

  4. Mac Tanner, 05.02.2021, 20:30 Uhr

    Gut so, einfach mind. 4 Jahre zu spät! Seine Bilanz beim FCL aus Zuschauersicht: 5% Einwürfe auf den Penaltypunkt, 12% Arme verwerfen, 19% auf dem Platz rummotzen und 64% verletzt!

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