FC Luzern
PR-Massarbeit beim FC Luzern

Sacha Wigdorovits: Der Mann hinter Bernhard Alpstaeg

FC Luzern: PR-Mann Sacha Wigdorovits berät Bernhard Alpstaeg. (Bild: )

Plötzlich scheint das Image von FCL-Investor Bernhard Alpstaeg geglättet und ganz zahm. Einflüsterer Sacha Wigdorovits hat erfolgreich zugeschlagen. Der PR-Berater für ganz heikle Fälle hat eine Luzerner Vergangenheit.

«Es war ein Fehler …, ich rede halt wie ein Bauer …, das hätte nie gedruckt werden sollen …» – Bernhard Alpstaeg, der umstrittene Investor beim FC Luzern, streut Asche auf sein Haupt. So kannte man den als Polteri bestens bekannten Verwaltungsratspräsidenten und Inhaber von Swisspor bisher ganz gewiss nicht. Auf einmal bereut er seine Anwürfe gegen das FCL-Managment, die er Anfang Oktober im «Sonntagsblick» vorgebracht hat.

Einflüsterer im Hintergrund

Dafür verantwortlich, dass Alpstaeg auf einmal mit Engelszungen redet, ist der PR-Berater Sacha Wigdorovits. Er greife stark in das Gespräch ein, wie die «Luzerner Zeitung» im Begleittext zum Interviewtermin im Hotel Schweizerhof in Luzern durchblicken lässt: «Die Ereignisse und Aussagen von Bernhard Alpstaeg bis dorthin werden von diesem und Sacha Wigdorovits bei den wiederholten Nachfragen marginalisiert. Sein Sprecher ist es auch, der über weite Strecken Auskunft gibt.»

Die Verteidigungsstrategie ist klar: Zugeben, was nicht abzustreiten ist – sich entschuldigen – und damit das eigene Fehlverhalten an den Rand drängen. Nächster Schritt: Das Ding drehen und voll in den Angriff übergehen.

Entschuldigen, abhaken – und dann angreifen

Der Verlierer Alpstaeg muss zum Gewinner mutieren. Folglich ist die Verteidigungsstrategie nicht nur dazu da, Unliebsames auszuradieren, sondern sie soll vor allem die Angriffsstrategie vorbereiten und stützen. Wie diese aussieht, tritt in den Interviews deutlich zutage: Die Schwachpunkte der Gegenpartei herausschälen, diese voll angreifen und sich möglichst als Opfer darstellen.

Und dann mit dem Wir-Gedanken auftrumpfen: Also betonen, dass Alpstaeg die Zukunft und das Gedeihen des FC Luzern ganz besonders am Herzen liegt – wie allen anderen Beteiligten auch. Die Spitze der Cleverness. So lässt sich suggerieren, dass es nur am Widerstand der Gegenparteien liegt, dass Alpstaeg diesen hehren Absichten nicht entsprechen kann. Selbstredend will Alpstaeg die ihm abgesprochenen Aktienanteile zurück. Nachdrücklich pocht er auf die Wiederherstellung seiner Mehrheitsanteile von 52 Prozent am FC Luzern.

Der PR-Berater Sacha Wigdorovits zieht tatsächlich alle Register. Und zwar in geradezu generalstabsmässiger Manier. Es gelingt ihm, den Imagewandel prominent und zielsicher zu platzieren. Das Treffen zum Interview mit den ausgewählten Journalisten begleitet er persönlich. Die Botschaften platziert er wirksam. Den sperrigen Charakter Bernhard Alpstaeg hat er im Fünf-Sterne-Hotel Schweizerhof voll im Griff.

Als Kommunikationsberater muss Sacha Wigdorovits niemand etwas vormachen.

Schillernde Figur der Unschulds- und Schuldvermutung

Wer ist dieser Mann, der in seiner Vita als Kommunikationsberater mehrmals darauf gepocht hat, dass in noch nicht rechtlich geklärten Fällen die Unschuldsvermutung zu gelten habe?

Ein Auszug aus der Kundenkartei von Sacha Wigdorovits: Carl Hirschmann, Millionärssohn und Nachtclubbesitzer. Er hat den wegen Vergewaltigung angeklagten und schliesslich wegen sexueller Nötigung rechtskräftig verurteilten Millionärssohn und Nachtclubbesitzer Carl Hirschmann in der Kommunikation beraten.

Aufsehen erregt hat Wigdorovits in der sogenannten Nacktselfie-Affäre um den ehemaligen Aargauer Nationalrat Geri Müller (Grüne). Dieser musste als Badener Stadtpräsident zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er einer jungen Frau im Zuge einer gemeinsamen Affäre Nacktbilder von sich zugeschickt hatte. Respektive: Ihr Druck aufgesetzt hatte, dass sie diese wieder löscht.

Zahlreiche Karrierestationen und Verbandlung mit SRF

Wigdorovits hatte die Frau, die später wegen Nötigung gegenüber Geri Müller verurteilt wurde, beraten. Er selbst wurde vom Vorwurf der Nötigung freigesprochen. Schuldig gesprochen hat ihn das Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel allerdings wegen Aufbewahrung und Kenntnisgabe unbefugt aufgenommener Gespräche, die im Zusammenhang mit diesem Fall stattfanden und an die Medien gelangt sind.

Die berufllichen Stationen von Sacha Wigdorovits, Lebenspartner der ehemaligen SRF-Direktorin Ingrid Deltenre, auszubreiten, würde ein grösseres Kapitel füllen. Doch lässt sich pointiert formuliert Folgendes sagen: Wigdorovits‘ Wirken in Luzern in den 90er-Jahren legt den Grundstein dafür, dass seine Karriere in der Folge so richtig Fahrt aufgenommen hat.

Wigdorovits in den 90er-Jahren auch in Luzern aktiv

So ist er kurz vor dem Brand der Kapellbrücke am 18. August 1993 in die Redaktion der «Luzerner Neusten Nachrichten» (LNN) eingetreten. Böse Zungen haben später gewitzelt, er habe diese sogar angezündet. Faktisch entbehrt diese Behauptung natürlich jeglicher Grundlage.

Doch verdeutlicht der damals gerne portierte Kalauer: Medienschaffende haben diesen Mann in Luzern als sehr forsch und zündelnd erlebt. Gezündet hat Wigdorovits – aber ausschliesslich im Medienbusiness. Sein klares Ziel: Die LNN schneller zu machen als die im Jahr 1991 aus den Konkurrenzblättern «Vaterland» und «Luzerner Tagblatt» fusionierte «Neue Luzerner Zeitung».

Amerikanische Methoden bei den LNN

Und er tat das auf eine amerikanische Art und Weise. Was der LNN-Redaktion anfangs etwas fremd war: Als ehemaliger US-Korrespondent der «SonntagsZeitung» hat Sacha Wigdorovits in New York den angelsächsischen Journalismus in sich aufgesogen.

Vor allem das Tempo hat es ihm angetan: So erschien bereits eine Sonderbeilage der «Luzerner Neusten Nachrichten» über den Brand der Kapellbrücke, bevor die Flammen richtig gelöscht werden konnten.

Kurz vor der Einstellung der «Luzerner Neusten Nachrichten» im Jahr 1995 wechselte Wigdorovits zum «Blick» und blieb somit unter dem Dach des Verlagshauses Ringier. An der Zürcher Dufourstrasse amtete er zunächst als Sportchef, bevor er zum «Blick»-Chefredaktor ernannt wurde. 

«20 Minuten»: Wigdorovits gründet das Erfolgsblatt

Nach seiner Zeit beim «Blick» – «Blick»-Chefredaktoren hatten damals eine kurze Halbwertszeit – mischte Wigdorovits den Schweizer Medienmarkt gründlich auf. Er hatte bereits seit Jahren die Vision, das Land mit einer Gratispendlerzeitung zu überziehen.

Da seine Idee wegen der Reduitmentalität der Schweizer Verleger gegenüber solch progressiven Ideen nicht gut ankam, suchte er Hilfe im hohen Norden. Und fand sie in Form der Pendlerzeitung «20 Minuten», die der norwegische Medienkonzern Schibsted mit Erfolg betrieb. 

Als nach dem blutigen Zeitungskrieg zwischen «20 Minuten» und «Metropol» das Zürcher Verlagshaus Tamedia den Sieger «20 Minuten» für teures Geld kaufte (und sein eigens Produkt «Express» einstellte), suchte Wigdorovits eine neue Herausforderung.

Er lancierte «.ch» (ausgesprochen «Punkt CH»), eine Pendlerzeitung, die nicht erst an der Bushaltestelle oder am Bahnhof zu den Leserinnen und Lesern kommt, sondern mit einer Art Hauszustellung funktioniert hat – oder eben nicht.

So lernt Wigdorovits Bernhard Alpstaeg kennen

Nach dem Scheitern von «.ch» und der Dominanz von «20 Minuten» auf dem Schweizer Markt kümmerte sich Wigdorovits vor allem um die von ihm gegründete Firma Contract Media. Sie preist sich auf ihrer Website als «unabhängige Agentur für holistische Unternehmenskommunikation» an. Mit «holistisch» ist auf neudeutsch «ganzheitlich» gemeint.

In diesem Zusammenhang lernte Wigdorovits Bernhard Alpstaeg kennen. Noch heute führt die Webseite der Agentur die Swisspor als Kundin auf – just jene Baumaterialfirma, die Bernhard Alpstaeg gegründet hat und der er heute noch als Verwaltungsratspräsident vorsteht. Alpstaeg und Wigdorovits sind unterdessen also alte Bekannte. 

Und sie sind gute Bekannte, die sich offensichtlich mögen. So liess sich Wigdorovits Ende 2019 auf zentralplus folgendermassen zitieren: «Bernhard Alpstaeg ist ein Patron alter Schule. Er taktiert nicht danach, wer ihm gerade gegenüber sitzt. Er bringt seine Meinung und Position zum Ausdruck. Bernhard Alpstaeg ist ein emotionaler Mensch und gleichzeitig eine treue Seele. Er hat das Herz am rechten Fleck.»

Damit schliesst sich der Kreis um diese beiden illustren Figuren Sacha Wigdorovits und Bernhard Alpstaeg. Aus medialer Sicht erfreulich ist der Umstand, dass Alpstaeg/Wigdorovits im Rahmen dieser beiden Interviews eine offene, proaktive Kommunikationspolitik zum FC Luzern angekündigt haben.

Doch aufgepasst: Auf der anderen Seite sitzt jetzt auch ein mit allen Wassern gewaschener PR-Profi.

Verwendete Quellen
  • Interview mit Bernhard Alpstaeg in der «LZ»
  • Interview mit Bernhard Alpstaeg in «Blick» und « SonntagsBlick»
  • Wikipedia-Eintrag zu Wigdorovits
  • Artikel zur Affäre Geri Müller in «Persönlich»
  • Gespräche mit Luzerner Weggefährten von Wigdorovits
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