FC Luzern
Wenn der Vater mit dem Sohne

Remo und Leny Meyer beim FCL – eine gute Idee?

FCL-Sportchef Remo Meyer sagt: «Es wäre schwieriger, wenn ich der Trainer meines Sohnes Leny wäre.» (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Remo Meyer (41) ist Sportchef des FC Luzern. Und Vater des talentierten Fussballers Leny Meyer (18). Auf diese Saison hin hat er seinen Sprössling mit dem ersten Profivertrag beim FCL ausgestattet. In diesem Geschäft ist das eine heikle Konstellation.

Es gibt keine grössere Freiheit im Leben, als unentwegt für alles kritisiert zu werden, was man auch immer macht und bleiben lässt. Darüber kann Remo Meyer mittlerweile ein mehrstrophiges Liedchen singen. Er sagt mit einem süffisanten Lächeln: «Im Umgang mit Kritik habe ich Erfahrung.»

Seit er im Sommer 2017 Sportchef beim FC Luzern geworden ist, polarisiert er im Umfeld des Vereins. Wegen Spielertransfers. Wegen seiner Trainerwahl, die nicht selten in Entlassungen vor Vertragsablauf gipfelten. Und er ist für einige der Hauptschuldige dafür, dass der FC Luzern in den letzten drei Jahren jeweils in Abstiegsnot geraten ist (zentralplus berichtete).

Entweder verteufelt man Remo Meyer für seine Arbeit. Oder man schätzt ihn. Dazwischen scheint es nichts zu geben.

Meyer: «Alle FCL-Talente erhalten den gleichen Vertrag»

Nun hat der Sportchef der Luzerner seine Kritiker wieder auf den Plan gerufen. Indem er Leny Meyer beim FCL den Sprung ins Profigeschäft ermöglicht. Ausgerechnet seinem Sohn.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht nicht darum, die Qualitäten des Aussenverteidigertalents in Zweifel zu ziehen. Und auch nicht darum, ob sich Leny Meyer einen Profivertrag verdient hat. Wegen der Sensibilität dieses Deals werden sich das die Verantwortlichen im FCL erst recht gut überlegt haben.

Laut Einschätzung seines Vaters ist FCL-Talent Leny Meyer beim idealen Verein, um sich seinen Traum von einer Profikarriere erfüllen zu können. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus) (Bild: )

«Wir haben im Team entschieden, wer in die erste Mannschaft raufgezogen wird. Zu diesem Team gehören neben mir unser Cheftrainer, Talentmanager, Nachwuchsverantwortlicher und der U21-Trainer. Das war bei Leny der exakt gleiche Vorgang wie in den 20 vorangegangen Fällen auch», sagt Remo Meyer.

Und er hält fest: «Jeder unserer Nachwuchsspieler, der in die erste Mannschaft aufsteigt, erhält einen identischen Vertrag mit einem festgelegten Salär. Dies gilt für Leny wie für jeden anderen Nachwuchsspieler auch.»

Als Trainer von Leny wäre es für Remo Meyer «schwieriger»

So weit, so gut: Aber was ist, wenn Leny Meyer in der ersten Mannschaft zu Spielpraxis kommen und nicht überzeugend agieren sollte? Dann werden die Kritiker schnell monieren, er sei wegen der Position seines Vaters im Verein bevorzugt worden.

Remo Meyer ist sich dieses Risikos bewusst. Er bezeichnet es selbst als «eine spezielle Konstellation», dass er Chef eines Trainers ist, der seinen Sohn befehligt. «Allerdings wäre es schwieriger, wenn ich der Trainer von Leny wäre», ist der FCL-Sportchef überzeugt.

«Der FCL steht in der Super League explizit dafür, dass er den eigenen Talenten eine Chance gibt.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

Es ist schon so heikel genug: Denn als Teammitglied wird Leny Meyer unweigerlich mitbekommen, was in der FCL-Garderobe läuft. Was seine Mitspieler über dieses und jenes und auch über die Chefetage im Verein denken.

Für die Psychohygiene in einer Mannschaft ist es aber unerlässlich, dass die Spieler frei Schnauze reden können. Ohne Angst davor haben zu müssen, dass ihre Meinung an Ohren, für die sie nicht bestimmt ist, herangetragen wird.

Allerdings gibt es nicht den geringsten Anlass, an der Integrität und Loyalität von Leny Meyer gegenüber der Mannschaft zu zweifeln. Doch nur schon allein die Tatsache, dass das Talent der Sohn des Sportchefs ist, kann das Vertrauen unter den FCL-Spielern stören.

Für Leny ist der FCL das ideale Sprungbrett

Hätte es das Leben von Remo und Leny Meyer nicht einfacher und besser gemacht, wenn der Filius seine Profikarriere ausserhalb von Luzern lanciert hätte?

Natürlich hätten sie sich mit diesem Gedanken auseinandergesetzt, sagt Remo Meyer. Aber sie haben ihn wieder verworfen. «Der FCL steht in der Super League explizit dafür, dass er den eigenen Talenten eine Chance gibt. Deshalb ist der Klub ideal für die Weiterentwicklung von Leny Meyer. Bei anderen Vereinen sind die Voraussetzungen nicht immer so gut», begründet der Sportchef.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass das Thema Vater und Sohn Meyer im FCL früher oder später aufkochen wird. Die Überzeugungsarbeit, die die Meyers in Zukunft leisten müssen, wird ihnen nicht so schnell ausgehen. Auf und neben dem Platz.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit FCL-Sportchef Remo Meyer.

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