FC Luzern
Mit Rückenwind zum FC Lugano

Mario Frick steht mit dem FCL vor den Wochen der Wahrheit

Mario Frick jubelt nach dem dramatischen 3:2-Sieg über den FC St. Gallen: Hält der Gemütszustand des FCL-Trainers bis Ende Mai an? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wiederholt sich das letztjährige Wunder des FC Luzern? Vor ziemlich genau einem Jahr war ein Cup-Spiel in Lugano die Initialzündung für einen fulminanten Schlussspurt mit Ligaerhalt und Cupsieg. Jetzt wartet die gleiche Herausforderung auf FCL-Trainer Mario Frick.

Für Mario Frick und den aktuellen Cupsieger FC Luzern brechen die Wochen der Wahrheit an. Wie viel auf dem Spiel steht, verdeutlicht ein Blick zurück.

Am 13. April 2021 schafft der abstiegsbedrohte FCL in Lugano nach einem «Wahnsinns-Kick» den Einzug in den Cup-Halbfinal. Der Rest ging in die Klubgeschichte ein. Der 2:1-Sieg nach Verlängerung war der Startschuss zu einem fulminanten Saisonfinale mit einem vorzeitig erreichten Ligaerhalt und dem ersten Pokalgewinn seit 29 Jahren (zentralplus berichtete).

372 Tage nach diesem denkwürdigen Viertelfinal-Spiel sieht die sportliche Welt des FC Luzern bedrohlicher aus. Aber nach der emotionalen Achterbahnfahrt des 3:2-Siegs gegen den Erzrivalen St. Gallen am Ostermontag ist nicht alles hoffnungslos (zentralplus berichtete).

Vier Szenarien für FCL-Trainer Mario Frick

Der in der Winterpause verpflichtete Mario Frick hält noch immer alle Zügel in der Hand, um die in ihn gesteckten Erwartungen zu erfüllen, bestenfalls zu übertreffen. In den folgenden Wochen wird sich zeigen, wie es für Mario Frick weitergeht. Und für den FCL.

  • Ligaerhalt und Cupsieger: Mario Frick würde ein Kapitel in der jüngeren Klub-Historie gewidmet. Es wäre mehr, als man in der sportlichen Depression vor seinem Jobantritt erwarten durfte. Nach der Corona-Pandemie hätte sich der 47-jährige Liechtensteiner ein Bad in der Menge verdient. Und er würde zum Hoffnungsträger einer stabileren FCL-Zukunft werden.
  • Ligaerhalt ohne Cupsieg: Das ist die Minimalanforderung, die mit seinem Engagement in der Winterpause verbunden worden ist. Im besseren Szenario schafft es der FCL mit einem Sprung auf Rang acht ans rettende Ufer. Sechs Runden vor Schluss beträgt sein Rückstand auf den Tabellennachbarn GC wegen des schlechteren Torverhältnisses sechs Punkte. Im schlechteren Szenario realisiert der FCL den Ligaerhalt über die Barrage. Es wären zwei Cupfinals innerhalb einer Woche.
  • Cupsieg ohne Ligaerhalt: Dieses beklemmende Gefühl kennt wohl keiner besser als der aktuelle FCL-Präsident Stefan Wolf. Er war 1992 als Spieler gleichzeitig Cupsieger und Absteiger mit dem FC Luzern (zentralplus berichtete). Wiederholt sich diese Geschichte? In diesem Fall stünde ein weiteres Engagement von Mario Frick über diese Saison hinaus auf der Kippe.
  • Abstieg ohne Cupsieg: Das schlimmste Szenario. Der FCL stünde vor einem finanziellen und sportlichen Scherbenhaufen in der zweithöchsten Liga. «Das wäre eine Katastrophe», sagte Präsident Stefan Wolf vor dem Rückrundenstart (zentralplus berichtete). Allerdings ohne Mario Frick.

Das Selbstverständnis des FCL ist gestärkt

Aus Luzerner Sicht gibt es derzeit nur dezent Grund zur Schwarzmalerei. Mario Frick sagt: «Die unglaubliche Dramaturgie des letzten Heimsiegs gibt uns Schub. Wir haben zuletzt dreimal einen Rückstand aufgeholt. Das verleiht uns ein gewisses Selbstverständnis.»

«Ich habe keine Lust darauf, dies in Lugano ein weiteres Mal erleben zu müssen.»

FCL-Cheftrainer Mario Frick

Zweimal hat der FCL in den richtungsweisenden Meisterschaftsspielen gegen Lugano und GC aus einem 0:2 noch ein 2:2 gemacht. Und sich nach je einem Eintor-Rückstand zu einem 3:2 gegen St. Gallen zurückgekämpft und die beste Mannschaft der Rückrunde letztlich gebodigt.

Der FC Lugano hat nach dem Remis in Luzern die letzten zwei Meisterschaftsspiele verloren. Daraus folgert Mario Frick: «Das Momentum liegt auf unserer Seite. Wir fahren mit 1’500 Fans im Rücken nach Lugano. Das Ziel ist klar: Wir sind heiss darauf, einen weiteren Cup-Final erleben zu dürfen. Und dieses Mal mit der Unterstützung unserer Fans.»

FCL leistet sich eine zu hohe Quote an Gegentoren

Ein Schwachpunkt bleibt allerdings offensichtlich: Der FCL hat in den letzten vier Spielen neun Gegentore kassiert. Diese Quote an Verlusttreffern erschwert es dem Verein, den Cupfinal und erst recht den Ligaerhalt zu erreichen.

Der Cheftrainer und Team sind sich dessen aber bewusst. «Wir wissen, dass solche Rückstände nicht immer gut enden können. Und ich habe keine Lust darauf, dies in Lugano ein weiteres Mal erleben zu müssen», so Frick.

«Für uns ist das ein riesiger Trumpf. Wir können in der entscheidenden Phase des Spiels nachlegen.»

In Lugano wird der FCL zum zehnten aufeinanderfolgenden Mal zu einem Cupspiel in der Fremde antreten. Zum letzten Mal bestritt er am 6. August 2020 bei der 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen den damaligen Meister YB ein Cup-Heimspiel.

Dennoch werden die Luzerner an diesem Donnerstag mit breiter Brust im Südtessin antreten: «Wir haben aus unseren Fehlern in den letzten Direktduellen gelernt. Die Mentalität wird entscheidend sein. Lugano ist darauf aus, die Zweikämpfe mit Robustheit zu gewinnen. Und wir müssen unbedingt dagegenhalten», hält der Cheftrainer fest.

Jetzt müssen den Worten Taten folgen

Mario Frick kann morgen aus dem Vollen schöpfen. Nicht ein arrivierter Spieler verletzt oder gesperrt. «Für uns ist das ein riesiger Trumpf. Wir können in der entscheidenden Phase des Spiels nachlegen. Was das wert ist, wurde in unseren letzten Spielen klar. Unsere eingewechselten Spieler haben wichtige Tore und Assists geliefert», sagt er.

Jetzt müssen den schönen Worten noch die entscheidenden Taten folgen. Sie werden über das unmittelbare sportliche Wohl des FC Luzern und die mittelfristige Perspektive von Mario Frick als Cheftrainer entscheiden.

Findet die aktuelle Wiederholung der FCL-Geschichte ein gutes Ende?

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit FCL-Trainer Mario Frick
  • Cup-Statistik via FCL

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