FC Luzern
Seit 10 Jahren heizt er den Fans ein

Mann mit Mic: Erni auf dem Weg zur FCL-Speakerlegende

FCL-Stadionsprecher Thomas Erni bei der Arbeit nach dem 2:2 gegen YB in diesem Mai. (Bild: Roman Beer)

Durch alle Höhen und Tiefen geht Thomas Erni seit 2012 als Stadionspeaker mit dem Klub auf der Allmend: Der 50-Jährige lebt mit und für den FC Luzern. Die blau-weissen Fans haben ihn mittlerweile ins Herz geschlossen.

Diesen Moment wird er so schnell nicht mehr vergessen. Es passierte in den frühen Abendstunden des 29. Mai dieses Jahres: Der FC Luzern hatte sich im Barragerückspiel mit einem 2:0-Heimsieg über den FC Schaffhausen den Ligaerhalt gesichert: Die riesige Erleichterung nach einer verkorksten Saison (zentralplus berichtete)!

«Als der Schlusspfiff ertönte, wurde ich von den Emotionen übermannt. Mir liefen die Tränen runter und ich war für kurze Zeit handlungsunfähig», beschreibt Thomas Erni, wie er eines der prägenden Ereignisse in der jüngeren FCL-Geschichte miterlebt hat.

Es war nicht sein einziger Hühnerhautmoment an diesem Sonntag. «Die Stimmung, für die unsere Stehplatzfans sorgten, hat die anderen Zuschauer im ausverkauften Stadion mitgerissen. Die Energie, die ich im verbalen Zusammenspiel mit den Fans bei der Präsentation der FCL-Aufstellung spürte, war gewaltig», erzählt Erni.

Erni gibt Profidebüt unter FCL-Meistertrainer Friedel Rausch

Später, als der Ligaerhalt feststand und verdiente Spieler wie Marvin Schulz oder Simon Grether nach mehreren Jahren vor der FCL-Stehrampe verabschiedet wurden, bekam auch Thomas Erni die Wertschätzung der Fans für seine Arbeit zu spüren. «Das hat mich sehr berührt. Ich respektiere die Fans sehr. Auch für das, was sie alles für den Klub machen», sagt der Stadionsprecher.

Diese Wertschätzung ist ihm aber nicht einfach so zugeflogen. Thomas Erni musste sie sich peu à peu erarbeiten, als er den Job eines Einheizers beim FC Luzern im Sommer 2012 übernommen hatte. «Viele Fans nahmen mich wahrscheinlich einfach als Fernsehmann von Tele 1 wahr», vermutet er und ergänzt: «Ich musste mich beweisen und die FCL-Fans in der Swissporarena spüren lassen, dass auch ich ein blau-weisses Herz habe und mit Leib und Seele mitfiebere.»

«Andere waren einfach besser als ich.»

FCL-Stadionspeaker Thomas Erni

FCL-Fan ist der Stadtluzerner schon von klein auf. Und bei den Luzernern durchlief er alle Nachwuchsteams in der höchsten Stärkeklasse. «In der Saisonvorbereitung 1991/92 durfte ich unter dem damaligen FCL-Trainer Friedel Rausch bei einem Test in Rapperswil in der zweiten Halbzeit ran», erzählt der gelernte Aussenverteidiger.

Horws Antwort auf Marvin Schulz

Doch eine Profikarriere als Fussballer blieb Thomas Erni verwehrt. «Andere waren einfach besser als ich», sagt er. Später hat er in den höchsten beiden Amateurklassen gekickt, mittlerweile ist er so etwas wie die Horwer Antwort auf Marvin Schulz geworden. «Ich habe bei den Senioren 40+ schon fast jede Position gespielt. Mittlerweile bin ich im Tor angekommen und halte zwischendurch sogar einen Ball», flachst er.

Mit dem Mikrofon in der Hand hat Thomas Erni dem FCL mehr geben können als einst mit dem Ball am Fuss. In der Führungsetage der Luzerner sind sie mit seiner Arbeit so sehr zufrieden, dass sie ihren Stadionsprecher für den besten in der Super League halten.

Auf dieser Flughöhe kann der FCL sportlich nicht mithalten. Selbst Thomas Erni wagt es bloss, vom Gewinn eines Meistertitels mit den Luzernern zu träumen. Darum sagt er: «Schon ein Cupsieg würde mich glücklich machen.»

Der bitterere Moment für Erni

Denn beim Cupsieg 2021 war er in Bern nicht dabei. Obwohl es Tradition ist, dass beide Mannschaften ihren Stadionsprecher zum Cupfinal mitnehmen. Aber Corona hatte die Schweiz im Würgegriff. «Wegen der 100 Zuschauer im Stadion machte es einfach keinen Sinn, dass ich mit von der Partie war», so Erni.

Und er stand auch nicht auf dem Balkon über dem Luzerner Messegelände, als die Mannschaft spät am Abend ihren ersten Titelgewinn seit 29 Jahren vor Tausenden von Zuschauern feierte. «Dave Zibung hat meine Rolle perfekt übernommen», sagt er lachend.

«Der FCL geniesst oberste Priorität. Gibt es ein Heimspiel oder sonst einen Anlass, bin ich einsatzbereit.»

Die Weltviruskrise machte ihm auch eine Serie zunichte. Nicht ein einziges Mal fehlte Thomas Erni beim einem FCL-Heimspiel – bis zum 21. Juni 2020. Damals wurde die wegen Corona unterbrochene Meisterschaft wieder aufgenommen. Weil nur 30 Zuschauer in die Swissporarena durften, gelangten die FCL-Verantwortlichen zur Überzeugung, dass es keinen Sinn mache, den Stadionspeaker aufzubieten.

Die Luzerner besiegten Basel 2:1. Erni verfolgte den Match zu Hause vor dem Fernseher. «Ein bitterer Moment für mich.»

Allerdings nahm die Luzerner Führungsriege schnell wieder Abstand von dieser Massnahme. «Danach sagte sie mir, dass es sich komisch anfühle, wenn ich bei einem Heimspiel nicht im Stadion sei. Auch fürs Team sei meine Präsenz besser. Von da an war ich wieder dabei, ungeachtet der zugelassenen Anzahl Zuschauer», erzählt er.

Der FCL bestimmt sein Leben

Seither richtet er sein Berufs- und Privatleben wieder nach den Heimspielen des FC Luzern aus. «Der FCL geniesst oberste Priorität. Gibt es ein Heimspiel oder sonst einen Anlass, bin ich einsatzbereit», sagt er. Da müssen all die anderen Aktivitäten, mit denen er sein Geld als selbstständiger Unternehmer verdient (zum Beispiel als Radiomoderator oder DJ), hintanstehen.

Zehn Jahre als FCL-Speaker sind ihm noch lange nicht genug. «So lange ich meinen Spass an dieser Aufgabe habe, mache ich beim FCL weiter», kündigt er an. Schliesslich ginge er, bemerkt er, ohnehin an jedes Heimspiel der Luzerner.

«Entscheidend ist, dass ich fit bleibe. Sollte ich irgendeines Tages die Namen von Luzerner Spielern vergessen oder sonst einen ‹Seich› erzählen, ist die Zeit für meinen Rückzug gekommen. Denn ich will nicht, dass mir dieser Schritt nahegelegt werden muss.»

Bis dahin bleibt ihm ausreichend Zeit, um zu einer Speakerlegende des FCL zu werden.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Thomas Erni
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