FC Luzern
Bemerkenswerte Aufgabenteilung in Luzern

Jobsharing FCL-Captain: Marco Burch macht’s auf dem Platz

Er kann aufräumen und skoren: FCL-Captain Marco Burch (hier im Zweikampf gegen St. Gallens Jérémy Guillemenot). (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Marco Burch ist die Identifikationsfigur des abstiegsbedrohten FC Luzern. Mit 21 ist der zentrale Abwehrspieler bereits Captain. In dieser Verantwortung erhält er Unterstützung. Auf dem Platz dirigiert ihn meist Denis Simani. Neben dem Platz führt Christian Gentner das Wort.

Gefühlt gehört er schon fast so lange zum FCL-Stamm wie die beiden Hochhäuser zur Swissporarena auf der Allmend. Vielleicht weil er die Zuverlässigkeit in Person ist. In 26 von 27 Spielen des laufenden Championats ging Marco Burch über die volle Distanz.

Doch die Realität sieht anders aus. Marco Burch steht am Sonntag im nächsten Heimspiel gegen den FC Lugano (14.15 Uhr) erst vor seinem 52. Meisterschaftsspiel mit den Luzernern.

Nach den beiden Niederlagen zum Start der Trainer-Ära von Mario Frick beim FCL ist der erst 21-Jährige zum Captain aufgestiegen. In den folgenden sechs von sieben Spielen bis heute – ausser beim 2:2 in Bern – führte der Alpnacher die Luzerner als Teamleader aufs Feld.

Burch debütiert erst in der U21-Auswahl

Seine konstanten Leistungen mit dem FCL haben Marco Burch die Türe zur U21-Nationalmannschaft aufgestossen. Vorher war er nie in einer nationalen Nachwuchsauswahl berücksichtigt worden. In der jüngsten Länderspielpause ist der Innenverteidiger bei der EM-Qualifikation gegen Wales (5:1) und auswärts gegen Holland (0:2) von Beginn weg zum Einsatz gekommen.

«Denis Simani hat es im Blut, wie Mario Frick uns spielen lassen will.»

FCL-Innenverteidiger Marco Burch

Der Aufstieg von Marco Burch ist ein rasanter: Sein FCL-Debüt gab er am 7. Dezember 2019 in Bern unter dem kurze Zeit später gefeuerten Cheftrainer Thomas Häberli. Eine erste Duftmarke setzte er danach unter Fabio Celestini. Doch zwischen Anfang Juli 2020 und den ersten Februar-Tagen im darauffolgenden Jahr fiel Marco Burch nach einer Meniskus-Operation aus.

Im abstiegsbedrohten FCL ist er mittlerweile zu einem der wichtigsten Leistungsträger aufgestiegen. Zusammen mit dem neuverpflichteten Denis Simani ist es seine Hauptaufgabe, die Luzerner Abwehr zu organisieren und zu stabilisieren (zentralplus berichtete).

FCL in der Defensive sattelfester geworden

«Für mich macht es den Job einfacher, dass Denis Simani von unserem Trainer Mario Frick aus Vaduz auf diese Rückrunde mitgenommen worden ist. Denis Simani hat es im Blut, wie Mario Frick uns spielen lassen will», sagt Marco Burch.

Und er gibt zu: «Darum lenkt mich Denis Simani bisweilen im Abwehrverhalten. Aber wir kommunizieren offen. Und in gewissen Situationen weise ich ihn auf Sachen hin. Denis Simani geht damit offen um.»

«Die Captainbinde ist für mich keine Last, sondern ein Kraftspender.»

Vor dem letzten Quartal der laufenden Meisterschaft fällt auf: Der FCL hat die gleiche Anzahl Punkte (11) wie schon in der gesamten Vorrunde ergattert (zentralplus berichtete). Dazu die Anzahl Gegentore von 2 in der Vorrunde auf gut 1,5 drücken können. Trotz dem jüngsten Rückschlag beim 2:3 in St. Gallen. Doch seine offensive Durchschlagskraft hat der FCL bislang aber nicht auf ein höheres Niveau heben können.

Burch in der Captain-Hierarchie des FCL auf Platz 3

Und dies, obwohl Marco Burch in den letzten drei Partien zwei Tore erzielt und mit seinem Vorpreschen in den gegnerischen Strafraum den Siegtreffer im letzten Heimspiel gegen GC erzwungen hat. «Mein Offensivdrang hat ein Stück weit damit zu tun, dass ich mich im Defensivverbund mit Denis Simani und Ardon Jashari sicherer fühle. Aber auch damit, dass es bei uns in der Rückrunde mehr Anspielstationen auf dem Weg nach vorne gibt», hält Burch fest.

Darüber hinaus trägt er die Verantwortung eines FCL-Teamleaders. Als ob er die Bedeutung seiner zentralen Rolle herunterspielen möchte, bemerkt er: «Der erste Captain ist Christian Gentner, der zweite Pascal Schürpf und der dritte ich. So wurde es vom Trainer-Staff dem Team kommuniziert.»

Dazu muss man wissen, dass der deutsche Bundesliga-Saurier Christian Gentner (36) bei FCL-Trainer Mario Frick meist nur noch zweite Wahl ist (zentralplus berichtete). Und Pascal Schürpf kämpft mit einem «bösen» linken Knie um die Fortsetzung seiner Karriere im Leistungssport (zentralplus berichtete).

Burch «nur» auf dem Platz das Luzerner Alphatier

Also ist Burch beim FCL das eigentliche Alphatier auf dem Platz. Eine Rolle, die zuvor schon schwer auf den Schultern der arrivierten Pascal Schürpf, Dejan Sorgic und Christian Gentner lag. Den aufstrebenden Marco Burch hingegen schränkt sie in seinem Leistungsvermögen offensichtlich nicht ein.

«Mich braucht es hier jetzt beim FCL.»

Die Erklärung? «Auf dem Feld fällt es mir leichter, meine Rolle für die Mannschaft auszublenden. Ich mache alles für unser Team und unseren Erfolg. Darum ist die Captainbinde für mich keine Last, sondern ein Kraftspender», sagt Marco Burch.

Das führt selbstredend zur Frage, wie man sich ihn neben dem Feld als FCL-Captain vorstellen müsse. «Das ist der Job von Christian Gentner», sagt Marco Burch ohne Umschweife. «In der Garderobe sagt er, was Sache ist.»

In der Wirtschaft wird diese Aufgabenteilung als Jobsharing bezeichnet. «Ja, so kann man das sehen», bestätigt der FCL-Captain auf dem Feld.

Ist Burch der nächste grosse FCL-Transfer?

Der Alpnacher ist in seiner Rolle wie geschaffen für eine optimale Identifikationsfigur des FC Luzern in der Zukunft. Für einen FCL, der gemäss seinem Präsidenten Stefan Wolf wieder mehr Nähe zum fussballbegeisterten Publikum in der Zentralschweiz herstellen will.

Vertraglich ist Marco Burch noch bis im Sommer 2024 an den FCL gebunden. Sein Marktwert wird vom Fussball-Portal «Transfermarkt» auf gut 5 Millionen Franken geschätzt.

Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorauszusehen, dass der Innenverteidiger spätestens im Sommer 2023 der nächste grosse FCL-Transfer sein wird. Dazu sagt Marco Burch: «Mich braucht es jetzt hier beim FCL. Darum verliere ich den Fokus, wenn ich mich mit Gedanken an meine sportliche Zukunft auseinandersetzen sollte.»

Aber auch über die Art seiner Karriereplanung möchte er lieber nichts preisgeben. Ob er seinen Traum von einer Karriere im Ausland eher schrittweise angehen will. Oder ob er sich gleich für einen grossen Transfer bereit fühlt. «Dazu möchte ich lieber nichts sagen, weil es in Zukunft durch das, was auch immer passieren mag, widerlegt werde könnte.»

Das spricht durchaus für seine Ehrlichkeit und Authentizität. Denn Marco Burch ist gemäss «Transfermarkt» Klient der Footuro AG.

Die Spielerberateragentur ist aus Luzerner Sicht sehr aktiv beim Bewirtschaften ausländischer Arbeitgeber. Ein Beispiel dafür ist der Transfer des damals 19-jährigen Darian Males im Sommer 2020 zu Inter Mailand. Mittlerweile ist der Mittelstürmer beim FC Basel engagiert.

Verwendete Quellen
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