FC Luzern
Luzerns Klubpräsident übt Kritik

FCL-Wolf: «Verband muss den Cup ins Schaufenster stellen»

Für Stefan Wolf konkurrenziert der Playoff-Modus 2023/24 in der Super League den Cup-Modus zusätzlich. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Sieger 2021 und Halbfinalist 2022: Der FC Luzern machte im Schweizer Cup zuletzt bella figura. Aber der Wettbewerb ist nur noch ein Anhängsel der Super League. FCL-Präsident Stefan Wolf, ein glühender Cup-Verfechter, sagt, was bei diesem Format dringend besser werden muss.

In den Sechzehntelfinals erwartet der Challenge Ligist AC Bellinzona den FC Luzern am Samstag (16 Uhr). Es ist das zwölfte Cup-Spiel in Serie, das die Luzerner in der Fremde bestreiten müssen.

Unter der Ägide von Stefan Wolf, der den Klub seit Februar 2021 als Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer verantwortet, hat es noch kein Heimspiel im Cup gegeben. Das letzte fand am 6. August 2020 statt, als der FCL im Viertelfinal gegen YB 1:2 nach Verlängerung verlor.

Der Schweizer Cup hat in den letzten Jahren an Bedeutung und Attraktivität verloren. Wie kann man Gegensteuer geben? Darüber hat sich zentralplus mit Stefan Wolf unterhalten.

zentralplus: Stefan Wolf, Sie haben den Cup 1992 als Spieler und 2021 als Präsident mit dem FC Luzern gewonnen. Dazwischen noch als Servette-Profi. Dieser Wettbewerb muss Ihnen ans Herz gewachsen sein.

Stefan Wolf: Ja, für mich hat er einen extrem hohen Stellenwert. Der Cup bietet alles, was den Fussball ausmacht. Erstens kannst du einen Pokal und Titel gewinnen – und das in sechs Spielen. Gerade für den FC Luzern, der nicht in jeder Saison um den Gewinn der Meisterschaft mitspielen kann, ist das Format attraktiv. Du bist in den ersten Cup-Runden draussen auf dem Land und nahe bei den Leuten. Mich fasziniert auch, wie eine ganze Region zum Final nach Bern zieht. Die Emotionen, die der Wettbewerb auslöst. Es geht um den Sieg, um den einen grossen Moment.

zentralplus: Ihre Begeisterung teilen aber nicht alle. Gerade beim Verband als Ausrichter offensichtlich nicht. Dem Schweizer Cup fehlt ein Titelsponsor. Das spricht nicht unbedingt für die Attraktivität dieses Wettbewerbs.

Wolf: Meiner Ansicht nach ist das die Folge davon, dass man den Cup hat schleifen lassen. Als ich klein war, wussten alle: Am Pfingstmontag ist der Cupfinal. Das Datum war dick angestrichen im Kalender meiner Familie und ich war einige Male im Final dabei, auch wenn der FCL nie Cupfinalist war. Plötzlich fing es damit an, dass der Cupfinal nicht mehr am Pfingstmontag stattfand, sondern zwischen die Meisterschaft geschoben wurde. Früher hatte der Cup einen speziellen Stellenwert. Dieser ist erodiert.

«Ein Spieldatum unter der Woche und die volatile Anspielzeit wirken sich nicht positiv auf die Zuschauerzahl aus.»

zentralplus: Aber das kann kaum am unterschiedlichen Finaldatum liegen.

Wolf: Nein. Mich stört auch, wenn ein kleiner Verein auf einen grossen trifft und dann tauscht man das Heimrecht ab. Hier muss der Verband halt die Underdogs finanziell unterstützen wegen der sicherheitstechnischen Auflagen oder sich grundsätzlich über diese Anforderungen Gedanken machen. Umso schöner finde ich es, wenn kleine Klubs keine Mühen und Auflagen scheuen, um ein solches Highlight auf dem eigenen Platz durchzuführen.

zentralplus: Kein Wunder also, dass der Cup die Zuschauer nicht mehr in seinen Bann zu ziehen vermag. Vor dem Cupfinal gab es im ganzen Wettbewerb zwei Spiele, die über die 5'000er-Marke kamen: Lugano gegen YB im Achtelfinal und Lugano gegen Luzern im Halbfinal – und das nicht zuletzt dank stark verbilligter Eintrittspreise.

Wolf: Dazu muss man aber auch sagen, dass Lugano zum einen kein Zuschauermagnet im Schweizer Fussball darstellt. Und zum andern war die Konstellation des letztjährigen Cup-Wettbewerbs schon eine spezielle, mit dem Favoritensterben von YB, Basel und dem späteren Meister Zürich in den Achtelfinals. Aber die Frage ist schon, warum die unterklassigen Vereine im weiteren Verlauf des Cups ihre Stadien nicht füllen konnten.

zentralplus: Ihre Erklärung?

Wolf: Ich vermute, dass der Zuschauerzuspruch regional unterschiedlich ist. Hätten wir im Cup-Halbfinal zu Hause gegen Lugano gespielt, wäre die Zuschauerzahl in der Swissporarena sicher fünfstellig gewesen. Zudem wirken sich ein Spieldatum unter der Woche und die volatile Anspielzeit nicht positiv auf die Zuschauerzahl aus.

zentralplus: Die Super League selber trägt aber auch keine Sorge zum eigenen Cup-Wettbewerb. Ab nächster Saison wird die finale Ausmarchung um den Gewinn des Meistertitels in einem Playoff-Modus ausgetragen. Das gräbt dem Cup geradezu das Wasser ab.

Wolf: Ja, das war mit ein Grund, warum der FC Luzern sich gegen den Playoff-Modus ab der nächsten Saison ausgesprochen hat. Ab 2023/24 muss der Cup-Final vor Beginn der Playoffs ausgetragen werden, weil für den Sieger Meisterschaftsende ist, sofern er in der Super League nicht auf Platz 1 oder 2 klassiert ist und um den Meistertitel spielen kann.

zentralplus: Das wird in der Konsequenz wohl bedeuten, dass künftig wegen der Termindichte mit internationalen Sperrdaten noch mehr Cuprunden unter der Woche zur Austragung gelangen müssen.

Wolf: Das nehme ich an, ja. Und es hat für den Cupsieger ausserhalb der beiden Spitzenplätze auch zur Folge, dass er nur 16 Heimspiele in der Super League bestreiten kann. Alle anderen werden auf eine höhere Anzahl kommen. Und die zwei Spiele weniger werden dem einen oder anderen Klubsponsor vielleicht nicht egal sein.

«Der Cup muss wieder zu einem Tag des Schweizer Fussballs werden.»

zentralplus: Allerdings geht die Rechnung für den Cupsieger trotzdem auf. Ab dieser Saison wird dieser für die Europa-League-Playoffs und im Falle eines Scheiterns Teil der Gruppenphase der Conference League sein. Damit wird es ein paar Millionen Franken auf ihn niederregnen.

Wolf: Damit hat die Liga-Führung bei der Einführung des neuen Modus argumentiert. Aber ist das in die eine oder andere Richtung genug weit gedacht? In den zwei Jahren vor unserem Cupsieg 2021 hat der Cupsieger für die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase 3,5 Millionen eingestrichen. Als wir den Titel errangen, bekamen wir wegen des schlechter gewordenen Uefa-Koeffizienten der Schweiz 350'000 Franken für die Teilnahme an der Qualifikation zur Conference League.

zentralplus: Und die andere Richtung in Ihrer Denkweise?

Wolf: Was, wenn die Schweizer Vereine auf europäischer Ebene Furore machen und unseren Koeffizienten stetig verbessern sollten? Wenn plötzlich wieder fünf Super Ligisten auf europäischer Bühne teilnahmeberechtigt sein sollten? Dann frage ich mich, ob die Liga mit ihrem Playoff-Modus auch eine Antwort auf die veränderte Ausgangslage hätte.

zentralplus: Um auf den Schweizer Cup zurückzukommen: Was ist für Sie zwingend, um diesen Wettbewerb wieder attraktiver zu gestalten?

Wolf: Dass der Cupfinal immer am gleichen Datum, zum Beispiel am Pfingstmontag, oder immer als letztes Spiel der Saison, stattfindet und der Termin schon vor Saisonbeginn bekannt ist. Dass kein Abtausch der Spiele zwischen den Gegnern gestattet wird. Dass es Wochenendspiele sein müssen. Dass ab der zweiten Cup-Runde Duelle zwischen zwei Super-League-Klubs wieder möglich sind. Das erhöht die Chance für die kleinen Vereine, in diesem Wettbewerb weiterzukommen. Eine Affiche zwischen einem Kleinen und einem Grossen kann ein Land elektrisieren, derweil halt ein Spiel zwischen zwei Grossen eines mehr ist, das schon vier Mal die Meisterschaft bietet. Und vor allem: dass der Cup vom Schweizer Fussballverband wieder in ein Schaufenster gestellt wird.

zentralplus: Wie soll dieses Schaufenster aussehen?

Wolf: Ein kleines, aber vielleicht sinnbildliches Beispiel: Wenn ich auf die Website unseres Verbandes gehe, muss ich in der Navigation suchen, bis ich den Cup überhaupt finde. Es braucht zwingend ein neues Branding für diesen Wettbewerb. Und einen Sponsor, der das Recht dazu hat, Werbung und Marketing mit dem Cup zu machen. Um die Leute auf diesen Event aufmerksam zu machen und auf die Reise mitzunehmen. Der Cup muss wieder zu einem Tag des Schweizer Fussballs werden.

zentralplus: Sie üben damit ziemliche Kritik am Verband als Ausrichter des Cup-Wettbewerbs.

Wolf: Am Ende des Tages geht es mir um den Schweizer Cup und diesen in ein grösstmögliches Schaufenster zu stellen und nicht primär um Kritik am Verband. Ich bin einfach der Meinung, dass man dem Cup wieder den entsprechenden Stellenwert geben muss und dabei ist natürlich auch der Veranstalter in der Pflicht. Sei dies durch eine bessere und einheitliche Vermarktung der Spiele oder attraktivere Sponsorenpakete, die auch neben den Spielen verschiedene Aktivierungen ermöglichen. Hier sollte man zukünftig schon über die Bücher gehen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit FCL-Präsident Stefan Wolf.
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