FC Luzern
Anderer Stil, aber nach wie vor erfolglos

FCL: Nein, dieser Frick-Kick löst keine Zuversicht aus

Seine Premiere ging resultatmässig und fussballerisch in die Hosen: FCL-Trainer Mario Frick. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Jetzt sind es schon acht Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Und Trainer Mario Frick hat bei seiner FCL-Premiere nicht das Gefühl verbreiten können, dass erfolgreichere Zeiten anbrechen werden. Stattdessen unterliegt der FC Luzern dem FC Basel nach einem fussballerisch bescheidenen Auftritt 0:3.

Der Zweck heiligt die Mittel. Erst recht im Kampf gegen den Abstieg. Da zählen einzig und allein die Punkte. Auf welche Art und Weise diese eingefahren werde ist Nebensache.

Mario Frick versuchte es mit einem risikolosen und rustikalen Spielstil. Er liess von hinten weite Bälle in die Spitze dreschen, ein ums andere Mal. Goalie Marius Müller wurde so zusätzlich zum FCL-Spielgestalter (zentralplus berichtete).

Selbst Einwürfe der Gastgeber wurden vom Teamkollegen blind und weit nach vorne geschlagen. Nach dem Prinzip Hoffnung, dass nach einer Kopfballablage der liebe Fussballgott den Luzernern zu offensivem Glück verhelfen möge.

FCL erinnert an längst überwunden geglaubte Zeiten

Der FC Luzern ist von einem Extrem ins andere gefallen. Beharrte der gefeuerte Cupsiegertrainer Fabio Celestini unbeirrt darauf, die Angriffe von hinten heraus aufzubauen, weckt der simpel gestrickte Fussball von Mario Frick schauderhafte Erinnerungen an längst überwunden geglaubte Zeiten.

«Wir haben die offensiven Räume bespielt, die wir uns vorgenommen hatten.»

FCL-Cheftrainer Mario Frick

Thomas Häberli liess den FCL in seiner Zeit als Cheftrainer nach gleichem Muster auftreten. Er ersetzte im Februar 2019 René Weiler, hatte mit seinem perspektivlosen Fussball keinen Erfolg und musste zum Jahresende Fabio Celestini weichen. Es mag dem Zufall geschuldet sein, aber Häberli wie Frick haben beide zuvor eine schöne Aktivkarriere als Stürmer hingelegt.

Der Fussballgott war auch dem neuen FCL-Trainer vor über 10'700 Zuschauern nicht gnädig gestimmt: Nikola Cumic vergab die beste Luzerner Chance vor der Pause alleine vor FCB-Goalie Heinz Lindner. Davor fanden die wuchtigen Abschlüsse von Filip Ugrinic und Cumic nicht den Weg aufs gegnerische Tor.

Ein Detail zeigt, dass Frick die FCL-Leistung schönredet

Dergestalt war es zur Halbzeit das Beste aus Luzerner Sicht, dass sich Mannen Mario Fricks wenigstens keinen Gegentreffer eingefangen hatten. «Wir haben das umgesetzt, was wir wollten. Und wir haben die offensiven Räume bespielt, die wir uns vorgenommen hatten. Leider waren wir zu wenig effizient. Aber wir haben Intensität und Aggressivität ins Spiel gebracht. Der Funke ist gesprungen», befand Mario Frick hinterher.

Aber ein Detail zeigt, dass er das Spiel der Seinen schöner darstellt, als es wirklich war. Als die FCL-Fans die Sitzplatzzuschauer kurz vor der Halbzeit dazu aufforderten, aufzustehen und ebenfalls Beifall zu klatschen, wenn sie Luzerner seien, erhoben sich nur ein paar wenige. Die Quintessenz dieser Episode: Um Begeisterung auszulösen, braucht es offensichtlich mehr als diesen Frick-Kick.

Die Konsequenz von Mario Fricks ideenlosem Fussball zeigte sich mit Beginn der zweiten Halbzeit. Da nutzte Basels Internationaler Fabian Frei einen Penalty, den der Spielleiter Lukas Fähndrich erst nach Intervention des Video Assistant Referee (VAR) gepfiffen hatte, zur 1:0-Führung.

Der FCL-Irrglaube mit Marvin Schulz

Und jetzt? Der FCL machte nicht den Eindruck, als dass er in seinem Angriffsspiel noch andere Lösungsansätze mit auf den Weg mitbekommen hätte, als das Dreschen weiter Bälle. Das sollte sich rächen. Bis auf eine Chance Asumah Abubakars, der sich im gegnerischen Strafraum durchsetzte, kam in der zweiten Hälfte nichts.

«Um genau zu erklären, warum das so war, muss ich mir den Match nochmals anschauen und analysieren.»

Diese Sichtweise bestätigte der 47-jährige Liechtensteiner gegenüber zentralplus nach Spielschluss: «Ja, das war definitiv so. Wir waren zu wenig zwingend. Aber Basel stellt auch die beste Abwehr der Liga», relativierte er und ergänzte: «Um genau zu erklären, warum das so war, muss ich mir den Match nochmals anschauen und analysieren.»

Natürlich war es im weiteren Spielverlauf kontraproduktiv, dass der als rechter Mittelfeldspieler aufgestellte Marvin Schulz in der 78. Minute für zwei Fouls innerhalb kürzester Zeit vom Platz flog. Gleichzeitig ist das auch eine unvorteilhafte Parallele zur Zeit von Thomas Häberli: Dieser war der Erste, der dem Irrglauben erlag, der deutsche Leistungsträger könnte ihm auf dieser Position gute Dienste erweisen. Aber damit wird Marvin Schulz seiner Qualitäten beraubt.

FCL-Auftritt taugt nicht zu Aufbruchstimmung

Letztlich kann niemand wissen, ob Mario Fricks Premiere als FCL-Trainer nicht mit einem «Nuller» geendet hätte, wenn der Match bei gleichem Spielerbestand beendet worden wäre. Marvin Schulz könne nicht so reagieren, wenn er drei Minuten zuvor Gelb gesehen hätte. Damit hätten sich die Luzerner selber geschadet, befand der neue Cheftrainer zu Recht. Mehr mochte er nicht sagen: «Ich will zuerst mit dem Spieler über die Situation reden.»

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der erste Auftritt der Luzerner unter Mario Frick war keine Offenbarung. Er eignete sich nicht dazu, um eine Aufbruchstimmung auszulösen. Letztlich war eher das Gegenteil der Fall.

Die Geschichte in den 16 FCL-Jahren seit 2006 und seit dem Aufstieg in die Super League lehrt uns: Zum achten Mal sind die Luzerner in den Abstiegskampf verwickelt: Viermal davon gab es zum Rückrundenstart einen Sieg, dreimal ein Unentschieden und einmal eine Niederlage (zentralplus berichtete).

Dem FCL fehlt noch immer die Balance

Das Positive daran aus Sicht des Vereins: Jedesmal schaffte der FCL den Ligaerhalt. Als Ryszard Komornicki 2012/13 mit einer Pleite in die zweite Hälfte der Meisterschaft startete, kostete es ihn nach sieben Spielen aber den Job.

Die Geschehnisse von damals mögen keiner Wiederholung harren. Aber dafür muss Mario Frick nun offensive Lösungsansätze und gleichzeitig defensive Stabilität mit seinem Team finden. Eine Balance.

Sein erster Plan mit dem FCL ging in die Hosen. Das erste von 18 Teilstücken bis zum Ziel Ligaerhalt endete in einem Misserfolg. Dieser Fussball kann unmöglich für den Ligaerhalt reichen. Mario Frick muss an den richtigen Schrauben drehen – weil künftig deutlich mehr kommen muss.

In den nächsten Wochen und Monaten wird sich Mario Frick in Luzern beweisen müssen. Seine eigene Trainerkarriere steht auf dem Spiel.

Verwendete Quellen
  • FCL-Matchbesuch vor Ort in der Swissporarena
  • Gespräch mit FCL-Trainer Mario Frick
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