FC Luzern
Der FCL hat's auf den letzten Drücker geschafft

FC Luzern: Zeit für die grossen Emotionen

FCL-Goalie Marius Müller in der Kn(a)utschzone mit seinem Cheftrainer Mario Frick: Sie feiern vorn den Augen von Assistenztrainer Claudio Lustenberger (rechts) und Pascal Schürpf (links) den Ligaerhalt. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Die Fans, die Spieler und die Klubverantwortlichen des FC Luzern haben ihren Frieden schliessen können mit der Saison 2021/22. Der Ligaerhalt ist nach dem 2:0 im Barrage-Rückspiel gegen den FC Schaffhausen Realität. Zeit für die grossen Emotionen.

Der Rahmen für eine Verabschiedung hätte nicht stimmungsvoller sein können. Auf der FCL-Stehrampe viele hundert begeisterter FCL-Fans, die den Ligaerhalt feierten. Und davor eine Mannschaft, die nach Monaten der Abstiegsangst ihrer Freude und Erleichterung freien Lauf lassen durfte. Nach langer Zeit fühlte sie sich erstmals vom Druck befreit.

Für vier Spieler war der Heimsieg über den Zweiten der Challenge League das letzte Spiel in blau-weiss. Der Deutsche Marvin Schulz (27), in den beiden Barrage-Spielen der beste Einzelspieler der Luzerner, verlässt den Klub nach fünf Jahren ablösefrei in Richtung Heimat. Vom Präsidenten Stefan Wolf und Sportchef Remo Meyer bekam er als Dankeschön sein eingerahmtes FCL-Dress. So wie jeder andere auch.

Am lautesten wurde es, als Simon Grether (30) verabschiedet wurde. Die versammelte Mannschaft warf ihn mehrmals in die Luft, und die Fans entrollten ein Spruchband mit der Aufschrift: «Grether ist Fussballgott». Und genau dieser Slogan ertönte aus unzähligen Kehlen.

FCL vor weiterer Zusammenarbeit mit Gentner und Dräger

Auch Tsiy Ndenge (24) und Silvan Sidler (23) wurden von den Fans gebührend verabschiedet. Heisst das im Umkehrschluss, dass die Gentners, Drägers und Frydeks beim Super-Ligisten bleiben? «Stand heute schon», richtete der FCL aus.

Aber was heisst das für morgen? Der im August 37 Jahre alt werdende Christian Gentner und der FCL haben die Vertragsoption auf eine weitere Zusammenarbeit für 2022/23 gezogen, wissen gut unterrichtete Quellen. Auch Mohamed Dräger (25), von Nottingham Forrest mit Kaufoption ausgeliehen, soll kurz vor einem neuen Vertragsabschluss mit dem FCL stehen.

«Aber sicher, dass wir es geschafft hatten, war ich mir erst, als der Schlusspfiff ertönte.»

FCL-Cheftrainer Mario Frick

Sicher ist: Mit dem Ligaerhalt ist ein Kader-Exodus im FCL abgewendet und ein finanzielles Loch im tiefen zweistelligen Millionenbereich, das sich im Fall eines Abstiegs aufgetan hätte, zugeschüttet worden. Und das vor dem Hintergrund, dass der FCL wegen der Corona-Pandemie noch auf Staatskrediten, die zurückgezahlt werden müssen, sitzt.

Als der Präsident die Bereitschaft des FCL spürte

Selbstredend fühlte FCL-Präsident Stefan Wolf «riesige Freude und Erleichterung», als Schiedsrichter Sandro Schärer eine bis zur Pause hochemotional geführte Partie abgepfiffen hatte (zentralpus berichtete). «Als wir in den ersten Sekunden gleich einen Corner herausholten, wusste ich, dass die Mannschaft parat ist», so Wolf.

«Leiden bis zum Schluss» sei das Motto nach dieser Vorrunde gewesen, bekannte FCL-Trainer Mario Frick nach dem Erfüllen seiner Mission Ligaerhalt. Sie hätten sich gegen alle Widerstände gewehrt, durchgesetzt und belohnt.

«Ich spürte, wie die Spieler nach dem 1:0 zu überlegen begannen, was noch passieren könnte. Das 2:0 hatte beruhigende Wirkung. Aber sicher, dass wir es geschafft hatten, war ich mir erst, als der Schlusspfiff ertönte», gestand Mario Frick freimütig.

Der Mai beschert dem FCL grosse Emotionen

Der Mai ist der Monat, der dem FCL in den letzten beiden Jahren die grossen Emotionen bescherte. 2021 war es der Cupsieg in Bern vor leeren Rängen (zentralplus berichtete). Nun, am letzten Wochenende des Wonnemonats, der Ligaerhalt in der Barrage vor 15’500 Zuschauern in der ausverkauften Swissporarena. Was war das geilere Gefühl?

Die Frage ging an Marius Müller. Und der FCL-Goalie befand, dass man die beiden Events emotional nicht vergleichen könne. «Im Cupfinal gibt es etwas zu gewinnen. Da stehen keine Existenzen auf dem Spiel, wenn du es nicht schaffst. In der Barrage hingegen musst du liefern. Da verlieren Klubangestellte ihren Job, wenn du absteigst.»

«Wenn wir so weitermachen, wird es irgendwann nicht mehr reichen.»

FCL-Goalie Marius Müller

Ob diese Ausgangslage an den Nerven gezerrt habe, verneinte der 28-jährige Deutsche. «Nein, ich hatte keine Zweifel.» Und erzählte, wie er auf dem iPad mit seinem Zimmerkollegen Pascal Schürpf im Hotel «dumme Spielchen» gemacht hat. «Das hat mich runtergeholt.»

Müller: Eine so anstrengende Saison wie noch nie

Zum vierten Mal in den fünf Jahren, seit Remo Meyer Sportchef ist, war der FCL in den Abstiegskampf verwickelt. Doch so knapp wie in dieser Saison war die Rettung der Zentralschweizer noch nie. Für Marius Müller war klar: «Das ist ein Schuss vor den Bug. Jetzt müssen wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Wenn wir so weitermachen, wird es irgendwann nicht mehr reichen.»

Der FCL-Goalie war in erster Linie froh, dass sich «fünf Monate harte Arbeit ausbezahlt haben». Eine so anstrengende Saison habe er noch nie gehabt. Jetzt geht’s erst mal in die Ferien. Am Montag, 13. Juni, werden die Luzerner in die Vorbereitung für die nächste Super-League-Saison starten.

Mit Mario Frick als Trainer, der aktuell einen weiterlaufenden Vertrag bis 2023 besitzt. Er hat seine Mission erfüllt und den nach der Vorrunde Tabellenletzten FCL vor dem Fall in die Zweitklassigkeit bewahrt (zentralplus berichtete). Erfüllt ihn das im Moment des feststehenden Ligaerhalts mit Stolz?

FCL: Frick erklärt, wie er tickt

Nein, vielleicht komme dieses Gefühl später, beantwortete er die Frage von zentralplus und ergänzte: «Ich ticke anders. Mir hat es weh getan, dass wir nicht im Cupfinal standen. Vielleicht war es im Rückblick besser, weil wir ein paar Tage mehr frei hatten und uns gänzlich auf den Ligaerhalt fokussieren konnten.»

Nun braucht Mario Frick dringend ein paar erholsame Ferientage. «Aber auf Weltreise werde ich nicht gehen», sagte er lachend und klopfte dem Chronisten von zentralplus auf die Schulter. Bei seinem Jobantritt wurde Mario Frick nämlich von unserem Medium gefragt, ob die Prämie für den Ligaerhalt für eine Weltreise ausreiche.

Zwei Wochen Ferien reichen kaum für eine Weltreise. Aber die Prämie hat er sich redlich verdient.

Verwendete Quellen
  • Besuch des Barrage-Rückspiels in der Swissporarena
  • Gespräche mit Marius Müller und Mario Frick

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