FC Luzern
Sportchef vor Barrage im Gespräch

FCL-Meyer: «Frühe Gegentore müssen wir sofort abstellen»

FCL-Sportchef Remo Meyer mag nicht mit dem letztlich knapp ausgegangenen Saisonfinale hadern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Der FC Luzern muss in der Barrage gegen den FC Schaffhausen seinen Platz in der Super League behaupten. Unser Gespräch mit FCL-Sportchef Remo Meyer dreht sich um eine Gratwanderung, die hochgepriesene Mentalität des Teams und die Kaderzusammensetzung für 2022/23.

Der FCL muss die Zusatzschlaufe über die Barrage gehen, um sich seinen Platz in der nächsten Meisterschaft zu sichern. Den direkten Abstieg hat Mario Frick mit einer respektablen Rückrunde verhindert (zentralplus berichtete). Aber der entscheidende Schritt zur Rettung steht nach dem wahnsinnigen Saisonfinale noch aus (zentralplus berichtete).

Die nächsten zwei Spiele gegen den FC Schaffhausen werden entscheidenden Einfluss auf das sportliche Wohl des FCL haben. Höchste Zeit, Sportchef Remo Meyer zu dieser Ausgangslage zu befragen.

zentralplus: Remo Meyer, der FCL erweckt vor dem Start in die Barrage den Eindruck, dass er auf einer Gratwanderung ist zwischen Ruhe und Zuversicht auf der einen und einem fehlenden Sensorium für Absturzgefahr auf der anderen Seite. Einverstanden?

Remo Meyer: Nein, weil wir uns dieser Gefahren seit der Winterpause bewusst sind. Mit elf Punkten haben wir die erste Meisterschaftshälfte verpatzt. Das war ein grosses Handicap. Und deshalb wussten wir, dass es eine sehr gute Rückrunde braucht, um den Ligaerhalt auf direktem Weg zu schaffen. Letztlich liegt die Wahrheit immer auf dem Platz. Meiner Meinung nach haben unser Trainer-Staff und die Spieler einen fantastischen Job gemacht. Ich bin überzeugt, dass wir den Charakter und die Qualität haben, um uns in den beiden Barrage-Spielen gegen Schaffhausen durchzusetzen.

zentralplus: War es denn eine sehr gute Rückrunde unter Mario Frick?

Meyer: Ja. Wir haben auf die schwache Vorrunde stark reagiert und eine andere Mannschaft auf den Platz gebracht. Diese hatte schnell einmal nichts mehr mit dem direkten Abstieg zu tun. Das war der erste Meilenstein. Jetzt müssen wir akzeptieren, dass wir in der Barrage stehen und das Beste daraus machen.

zentralplus: Trotzdem kann es immer noch ein böses Erwachen für den FCL geben. Erst recht, wenn Ihr Team zum wiederholten Mal 0:2 ins Hintertreffen gerät.

Meyer: Ohne Wenn und Aber müssen wir uns in diesem Punkt klar steigern. Wir haben Mühe, in den ersten 20 Minuten ins Spiel zu kommen und kassieren durch Eigenfehler die Gegentore. Dieses Handicap müssen wir sofort abstellen. Das können wir in der Barrage nicht gebrauchen.

«Dass der Fokus von der ersten Minute an passt, kann entscheidend sein.»

zentralplus: Man kann also nicht davon ausgehen, dass der FCL im Hin- und im Rückspiel zunächst mit zwei Toren ins Hintertreffen gerät und dann noch fünf Tore schiessen wird?

Meyer: (schmunzelt). Ich kann Ihnen versichern, dass das bislang nie unser Matchplan war und auch in Zukunft nicht sein wird.

zentralplus: Der FCL ist mit den Fehlstarts in ein altes Muster zurückgefallen, das eine Zeitlang überwunden schien. Warum?

Meyer: Wir haben das analysiert und unsere Schlüsse daraus gezogen. Zuletzt ist uns die Umsetzung aber nicht mehr gelungen. Dass der Fokus von der ersten Minute an passt, kann entscheidend sein.

zentralplus: Dafür ist in erster Linie Cheftrainer Mario Frick verantwortlich.

Meyer: Die Mannschaft auf den Punkt bereit zu machen erachte ich als Job von uns allen.

zentralplus: Aber warum gelingt das nicht?

Meyer: Das ist die entscheidende Frage.

zentralplus: Eben. Vielleicht, weil der FCL mentale Unzulänglichkeiten hat, die in eine Blockade münden?

Meyer: Es ist wohl eine mentale Geschichte. Das sportliche Glück im Fussball entscheidet sich in erster Linie im Kopf. Das ist auch in der Barrage der Fall.

«Hadern bringt nichts. Wir sind Neunter, das ist Fakt.»

zentralplus: Es ist auch eine Aussage über den FCL, dass dieser offensichtlich erst dann, wenn die Fesseln nach zwei Nackenschlägen in Form von Gegentoren gefallen sind, befreit aufspielen kann.

Meyer: Vergessen Sie nicht, dass es auch eine Phase gab, in der wir dieses Defizit abgestellt haben. Aber wie gesagt: Mir ist der Fokus unserer Mannschaft von der ersten Minute an lieber.

zentralplus: Es ist bemerkenswert, dass Sie bislang mit keinem Ton ins Klagelied, das den FCL nach dem 3:2 gegen den Meister FC Zürich und den Torhüter-Fehlern von Servettes Goalie in Sion umgibt, eingestimmt haben. Warum?

Meyer: Weil Hadern nichts bringt. Wir sind Neunter, das ist Fakt. Jetzt gilt es, unseren Fokus auf den nächsten Job zu richten. Klar, vielleicht ist dieses oder jenes in der Rückrunde gegen uns gelaufen. Aber genauso gut kann man sagen, dass die Teilnahme an der Barrage unser Eigenverschulden wegen der verpatzten Vorrunde ist.

«Nicht alle, die einen auslaufenden Vertrag haben, werden beim FCL bleiben können.»

zentralplus: Falls der FCL den Ligaerhalt schafft: Wie wird sich die Mannschaft in Ihrer Zusammensetzung verändern?

Meyer: Wir waren mit den aktuellen Kaderspielern ständig im Austausch. Bei allen herrscht Klarheit aus Sicht des Klubs, wie es weitergehen wird. Grundsätzlich gibt es bei uns in einem Sommer-Transferfenster immer mehr Veränderungen als im Winter. Diese Saison bildete in diesem Zusammenhang fast eine Ausnahme.

zentralplus: Aber wie will sich der FCL im Fall eines Ligaerhalts verstärken? Liegt der Fokus auf mehr Persönlichkeit?

Meyer: Diesem Aspekt haben wir schon im Winter Rechnung getragen und es wird in diese Richtung weitergehen. Nicht alle, die einen auslaufenden Vertrag haben, werden beim FCL bleiben können.

zentralplus: Und was bedeutet ein Abstieg des FCL in die Challenge League für den Sportchef, den Trainer und die Kader-Zusammensetzung?

Meyer: Ich bin voller Überzeugung, dass wir die Herausforderung einer Barrage meistern werden. Deshalb habe ich nur die Super League und keine negativen Gedanken im Kopf.

zentralplus: Und dennoch müssen Sie für diese Situation gerüstet sein.

Meyer: Ja, das Team wäre trotzdem aufgegleist. 25 Spielerverträge laufen ja weiter.

zentralplus: In der Theorie schon. Die Praxis wird aber unweigerlich in Richtung Exodus gehen.

Meyer: Meine Gedanken drehen sich nur um den Ligaerhalt. Und ich ziehe meinen Optimismus daraus, dass wir in der Rückrunde gegen Lausanne und Sion je sechs Punkte und gegen GC vier Punkte geholt haben. Wir sind daran gewachsen. Das heisst aber nicht, dass wir unseren Barrage-Gegner unterschätzen werden.

Verwendete Quellen

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